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Die Stimme · 1935-12-20 · Heft 509 (20.12.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 509 (20.12.1935)
Date
1935-12-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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509 — 20. Dezember 1935 DIB STIMMI Seit« 3 sophen vorgehem. Hinauszuzögem und Ausflüchte zu gebrauchen, wäre nicht nur Wahnsinn, sondern auch absichtliche Täuschung.“ Diese Auslassung eines der Regierung oder oiner Regierungsstelle nahestehenden Organs ist sehr verwunderlich. Den Einwendungen der Juden gegenüber wird nichts Sachliches entgegengostiellt. Es wird einfach gesagt, daß England schon seit langem den Plan des Rates gefaßt hat. Es wird so getan, als ob die Araber damit einverstanden wären. Ob dies zutrifft oder nicht — bleibe dahingestellt. Aber ist der Wilderspruch von mehr als 30% der Bevölkerung so einfach in den Papierkorb zu werfen? Ist es eine demokratische Lösung der Frage, wenn das Drittel, das in Wirtschaft und Industrie entscheidend ist und die Mittel für den Haushalt bringt, mit einer Handb-ewegung, ja, miit einer Drohung abgetan wird? Der ablehnende Standpunkt der Juden wird, wie der Aufsatz selbst mitteilt, durch den Jerusalemer Korrespondenten unterstützt. Er hat Zweifel bezüglich der AllheilmittelwLrkung des Rates. Das ist der Einwand eines an Ort und Stelle sitzendem Sachverständigen. Aber — fragt das Londoner Organ — ist das Ziel das, eine Panazeo zu sein? Wir hätten geglaubt, daß wirklich bei einem Gesetz zumindest der Wille bestehen muß, das bestmögliche zu erreichen. Eine Politik, die sich von der Idee — der Artikel sagt spöttisch Philosophie — entfernt, ist falsch. Und die Idee ist die Errichtung des jüdischen Heimes. Zur Ausführung dieser Idee ist England mit dem Mandat betraut worden, und da muß vor allem der Einwand der Juden zu recht kommen. Das Oktroi aufgegeben? Nun besagt eine Meldung aus reichsdeutscher Quelle aus Jerusalem, der Oberkommissär werde seinen Entwurf eines gesetzgebenden Rates noch vor Weihnachten, das wäre also noch dieser Tage, den Juden und Arabern zur Gegenäußerung vorlegen. Die Nachricht ist unbestätigt, aber sie klingt nicht unwahrscheinlich. Sie läßt erkennen, FESTTAG E . . . . 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Aber er zeigt, im Sinne des oben zitierten Aufsatzes, daß es sich in erster Limite um das Maohtiintcresso Englands handelt. Vertreibung der Juden aus dem Saargebiet? Nürnberg, 17. Dezember. (2. T. A.) Wie die ,,Fränkische Tageszeitung“ berichtet, erklärte auf einer Kundgebung in Nürnberg Gauleiter B ii r c k e 1, dor Reiehskoininissar für die Rückgliederung des Saargobietes, daß „in wolligen Monaten, am 1. M ä r z 1936, das Saargobiot das j ii d e n frei e s t e L a n il Doutec hlandfc sein Kgrde“, CASINOS IN OESTERREICH ROULETTE, BACCARA - CHEMIN DE FER, TRENTE ET QUARANTE mtuSBUfSSL m Fjüiuuum. QQQ&QQ] /W14.V o 01 ★ KUR-CASINO BADEN BEI WIEN GANZJÄHRIG GEOFFN£1 * FÜHRENDE WINTERSPORTORTE 22. DEZEMBER 1935 Neue Judengesetze In Deutschland Das deutsche Reichskabinett hat am 13. Dezember eine Reihe Gesetze zur weiteren Einschränkung der Betätigung der Juden beschlossen. Außer dem Gesetz über Ausschaltung jüdischer Rechtsanwälte auch als private Rechtsberater von Firmen wurde auch eine neue Reichsärzteordnung erlassen, die am 1. April 1936 in Kraft tritt und vorschreibt, daß zur Ausübung des ärztlichen Berufs im Deutschen Reich nur befugt ist, wer von der zuständigen deutschen Behörde als Arzt bestallt ist. Die Bestallung berechtigt zur Ausübung der Heilkunde unter der Bezeichnung als Arzt. Sie gilt für das ganze Reichsgebiet. Die Bestallung ist zu versagen, wenn unter anderem der Bewerber wegen seiner oder seines Ehegatten Abstammung nicht Beamter werden könnte und zur Zeit der Bewerbung der Anteil der nicht deutschblütigen Ärzte an der Gesamtzahl der Ärzte im Deutschen Reich den Anteil der Nichtdeutschblütigen an der Bevölkerung des Deutschen Reiches übersteigt. Der Reichsminister des Innern kann in Härtefällen im Einvernehmen mit der Reichsärztekammer Ausnahmen zulassen. Verliert der Arzt die Staatsangehörigkeit durch Aberkennung oder durch Widerruf der Einbürgerung, so erlischt zugleich die Bestallung. Eine auf Grund der bisherigen Gesetze erteilte Approbation als Arzt gilt als Bestallung im Sinne der Reichsärzteordnung. In einem Aufsatz in der „Deutschen Justiz“ erläutert Staatssekretär Dr. F r e i sler die neuen Gesetze zur Behebung der Not des Rechtsanwaltstandes. Bei Erläuterung der Zulassungsbestimmungen zur Anwaltschaft schreibt Staatssekretär Doktor Freister: „Daß durch die gesetzlichen Bestimmungen über die Zulassung zum Studium, über die juristischen Staatsprüfungen und den Vorbereitungsdienst Neuzulassungen jüdischer Rechtsanwälte bereits seit langem ausgeschlossen sind, sei hier nur der Vollständigkeit halber anmerkungsweise erwähnt.“ Es wurden auch Gesetze über Ausschaltung der Juden aus dem Apothekergewerbe, aus dem Chemikalienhandel usw. beschlossen, die zum großen Teil von der Praxis bereits überholt sind. Vollständig neu renoviert, modernst Morgen Nachmittag eröffnet ehemals Cafe Residenz/ I. Franz-Josef-Kai 29-31, Ecke Morzinplatz Nr. 5 \\\\\\\\\\\\\\\^\\\\\\\\\\\\\\w\\\\\\\\\\\\\\\\\\\^^^^ Bllrserliche Preise Bridge-Saal o Schach-Zimmer o 4 Seifert-Billards o Klubräume o Asphaltierte Kegelbahn Kalte und warme Küdie Erstklassige Weine Bier vom Faß (sOl*SbcOA&fy nähme einen Feldzug gegen die Hechaluz- Bewegung in Deutschland signalisieren soll. Später wurden sechs der Verhafteten freigelassen, der siebente — Berl Eisenstadt, ein Führet der Chaloiz- Bewegung in Danzig, der zuletzt in Berlin mit der Ausbildung junger Juden für Palästina befaßt war — befindet sich noch in Haft. Der gleichgeschaltete „Brockhausu Soeben ist der Ergänzungsband zum ,,G roßen Brockhaus“ enschienen. Das Buch ist angefüllt mit Namen von Obskuranten, die irgendein Amt im neuen Deutschland versehen, während weltberühmte Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Literatur und Kunst ausgemerzt wurden. Nachstehend ein Auszug: „Einstein, Albert, wurde 1933 als Direktor des Kaiser-Wilhelm-Institutes für Physik abgesetzt, ausgebürgert und lebt seitdem im Ausland.“ „Feuchtwanger, Lion, Schriftsteller jüdischer Herkunft, ausgebürgert, lebt in London, schrieb noch den pamphletartigen Zeitroman ,Erfolg*.“ „Liebermann, Max, Maler jüdischer Herkunft, legte sein Amt als Präsident der Akademie der Künste nieder.“ Im Kapitel Juden“ ist zu lesen: „ ... Sollte die Bereitschaft der nationalsozialistischen Bewegung zur Herstellung eines natürlichen Verhältnisses zwischen dem deutschen Volk und der jüdischen Minderheit mißachtet und die Hetze des internationalen Judentums weiterhin fort* getrieben werden, so hat Hitler angekündigt, daß er weitore Maßnahmen erwägen w e r d e.“ Verhaftungen in Deutschland Berlin, 17. Dezember. (2. T. A.) Rabbiner Dr. Ignatz Maybau m, Frankfurt am Main, der bekannte jüdischo religiöse Führer und Verfasser einer Reihe wissenschaftlich-religiöser Schriften, ist — wio aus Frankfurt a. M. mitgeteilt wird — wogon einer in einer jüdischen Versammlung gehaltenen Rede von der Gestapo in Haft genommen worden. Großes Aufsehen erregte vor etwa einer Woche dio Verhaftung des hervorragenden Bankiers Dt. Sigmund Wasserm a n n, einer auch im jüdischen Loben führend tätigen Persönlichkeit. Die Verhaftung stellt offenbar in Zusammenhang mit dem Feldzug zur Liquidierung der jüdischen Privatbanken, der vom „Angriff“ vor kurzem mit drohenden Worten an dio Adresse der jüdischen Privatbankiers signalisiert worden war. Nach den an der Börse umgehenden Gerüchten soll die Festnahme Wassermanns auf Differenzen mit nationalsozialistischen Börsenmaklern zurückzuführen sein. Dr. Sigmund Wassermann ist sieben Tage in Haft gehalten worden. Am 15. Dezember wurden in Berlin sieben junge Juden, die eine Ausbildung a 16 O h a 1 u z i m zwecks späterer Auswanderung nach Palästina durohmachen, von der Gestapo verhaftet. Ein Grund für die Verhaftung wurde nicht angegeben. Man befürchtet, daß diese Ma߬ Fleischhauer will kneifen Der aus dem Berner Prozeß um die „Weisen von Zion“ bekannte „Experte“ Fleischhauer wurde bekanntlich von dem Vertreter der schweizerischen Freimaurerloge „Alpina“, dem Sohokoladefabrikanten Tobler, wegen Verleumdung geklagt. Doch hat sich Fleischhauer zu dem Termin nicht gestellt und das Erfurter Gericht, angefragt vom Berner Untersuchungsrichter, hat das Ersuchen um Rechtshilfe abge- 1 o h n t. Der Anwalt des gerichtlichen Experten im Berner Prozeß, C. A. L o o s 1 i, hat in der Schweizer Presse an Fleischhauer einen offenen Brief veröffentlicht, in welchem er ihn daran erinnert, daß er während seiner Anwesenheit in Bern vor

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