Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-12-17 · Heft 508 (17.12.1935) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 508 (17.12.1935)
Date
1935-12-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054243-3054264--5538-3061284
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Preis dieser Nummer 20 g V. b. b. Professor S. Brodetsky, Mitglied der Zionistischen Exekutive,London,spricht anfangs Jänner in Wien Näheres in der nächsten Ausgabe der „Stimme" Die große WeihnadifsrPrevniere — im Sdiwedenkino — JÜDISCHE ZEITUNG Sküteu Xemtiie in Oberst Shirley mit Lionel Barrymore AB HEUTE I EIN FOX.FILM Nr. 508 I Wien, 17* Dezember 1935 I Redaktion und Administration: Wien, l., Marc-Aurel-Stra8# 5. Tel.: U 22-3-91 RedaktionssehluB Montag und Mlttwooh vorm. | (31. Kislew 5696) | 9« Jahrgang Hodia gegen den Rassenhaß Für wenig Geld das gute Buch WLHiIIau Buch Handlung a 1*1 Ul 16s f VII.,Slebonsterngas80 13 Unser Schlager: S Romane guter Autoren nach Wahl (Liste gratis) in Kassette zusammen S 8*50 I GroBes lugendschrlftenlager t Weizmann über die Krise Jerusalem, 13. Dezember. (2. T. A.) Die Mitarbeiter der Versuchsstation und des biochemischen Instituts in Rechowot veranstalteten zu Ehren Dr. Chaim Weizmanns einen Empfang. In seiner Antwort auf die Ansprachen erklärte Weizmann unter anderem: „Ich bin mir der großen Verantwortung für die kommenden Jahre bewußt. Es ist mir nicht leicht gefallen, mein Einverständniszu der neuerlichen Übernahme der Leitung der Organisation und der Bewegung i zu geben, denn immer, wenn ich die Lei-1 tung übernehmen soll, treten Änderungen ■ in der Lago ein. Bisher war alles ruhig, ~ T '"\fa ö * * .* *. ö ” , _ Schulwesen der anderen nationalen Minder Erklärungen des cediisdi. Ministerpräsidenten über die Judenfrage Der tschechoslowakische Ministerpräsident Dr. Milan H o d z a empfing am 12. Dezember eine Abordnung der Jüdischen Partei, bestehend aus den Abgeordneten Doktor Angelo G o 1 d s t e i n und Dr. Chaim Kugel, sowie aus dein Vorsitzenden der Partei, Ing. Frischer. Abgeordneter Dr. Goldstein formulierte eine Reihe Forderungen der jüdischen Minderheit, die unter anderem die Position der jüdischen Jugend betreffen. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß die jüdische Jugend in dem Arbeitsprozeß mehr als bisher berücksichtigt werde und daß auch diejenige Jugend, die nach Palästina gehen will, in dem Umschichtungsprozeß, den sie durchmacht, unterstützt werde. Auch möge das hebräische Schulwesen, dessen Lasten bis jetzt allein von der jüdischen Bevölkerung getragen werden, i m Budget der Regierung gleich dem alles blühte, und man sprach von Prosperity; und auf einmal ist der Horizont unseres Lebens ein anderer geworden. Kaum bin ich an die Arbeit herangegangen, da trat auch schon eine Art Krise ein.“ Er glaube nicht, fuhr Dr. Weizmann fort, daß dies auf einen schlechten Stern zurüekziifiihren sei. Die Änderung der Lage halte er für eine bloß vorübergehende. „Ich hoffe“, schloß Weizmann, „daß wir unsere Arbeit in derselben Weise wie einst fortsetzen werden. Wir werden die Schwierigkeiten, deren Gründe außerhalb des Landes} liegen, überwinden. Die internationale Lage, die diese Nervosität hervorgerufen hat,: wird sich zum Guten ändern. Jedenfalls füllj ren wir jetzt eine große kolonisatorische Aktion, eine großzügige Geulat Ilaarez. Arbeit gibt es mehr als früher.“ , Bodenkäufe im Karmel* und im Huleh'Gebiet M'isohmar Hakarmel und Israelin wurden heiten Berücksichtigung finden. Abgeordneter Dr. Goldstern gab eine Schilderung des Aufbaus des Jüdischen Nationalhehns in Palästina. Zum Schluß wies er darauf hin, daß in den gesetzestreuen Schichten der jüdischen Bevölkerung gewisse Befürchtungen in bezug auf dio Freiheit der rituellen Übungen (eventuell Behinderung der Freiheit des Schach tens in Verbindung mit der neuen Tierschutzvorlage) bestehen. Ministerpräsident Dr. Milan II o d z a gab eine längere Erklärung ab, in der er unter anderem ausführte: Er lehne den Rassen antise mit ism u s ab und stehe auf dem Standpunkt der Gleichberechtigung aller Bürger vor dem Gesetz und . der strengen Einhaltung der Minderheitenrechte; dies sei ganz im Sinne der Demokratie des tschechoslowakischen Staates und im freiheitlichen Geiste des tschechoslowakischen Volkes, sowie der internationalen rechtlichen Verpflichtungen. Er läge für eine nationale Existenz unid eine nationale kulturelle Schöpfung. Die jüdischen Schichten, die an der Tradition festhalten, werden in dieser Hinsicht nach wie vor volle Freiheit genießen wofür unsere freiheitliche Verfassung eine genügende Garantie bietet. * Henleins Londoner Äußerungen Die Pressestelle der Sudetendeut sehen Partei veröffentlicht eine Erklä rung, daß es der der Partei nahestehenden Presse untersagt sei, über den Inhalt der Rede des Parteiführers Konrad Henlein im Royal, Institute for International Affairs in London zu berichten und daß Henlein unbeschadet dessen, daß die der Partei nicht nahestehende Presse bereits seine Ausführungen wiedergegeben hat, die Partei und ihre Presse nicht von der Vereinbarung mit dem Royal Institute entbindet, keine Presseberichte über die Rede auszugeben Bekanntlich hat Henlein in London Aus führungen auch über seine und seiner Partei Stellung zu den Juden gemacht, deren Auswirkung in der Heimat lind in Berlin er jetzt fürchtet. von einer Gruppe jüdischer Kapitalisten glaube an die Loyalität der jüdischen Bezweciks sofortigen Ausbaues erworben. Nunmehr ist das G o s a m t g c-biot der Urag e b u n g des Kar m e 1 in jüdischen H il n d e n. Die Zeitung „El livva“, die vor kurzem als Organ des Großrnufti neu zu erscheinen begonnen hat, berichtet, daß Chalil Ibrahim aus Damaskus Verhandlungen mit der Palestine Land Development Company über den Verkauf seiner Besitzungen in dem Dorf Douara im Hulek-Gobiet führt. Clmluz in Kattowitz ermordet Warschau, 13. Dezember. (2. T. A.) Wie aus Kattowitz telegraphiert wird, wurde dort das Milgliei clia k T u r t e 11 a u b k r a Ms eh e.n Terroris ton stiehe getötet. Im Zusammenhang mit den Bombenanschlägen gegen die Synagoge und jüdische Ges-.drifte in Kattowitz und Umgebung sin l 31) Verhaftungen vorgenommen worden. des Hechaluz Jizren national d emo - d urch Dole hvölkerung und begrüße die Mitarbeit der Jüdischen Partei an der Koalition. Er werde darauf achten, daß dio kulturellen Forderungen der jüdischen Minorität, soweit sie noch nicht erfüllt sind, erfüllt werden. Die Friedensverträge und der V ö 1 k e r b u n d p a k t garantieren die Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina. Die Tschechoslowakei, die diese Pakte mitunterzeichnet hat, setzte sich zugunsten der Lösung dieser Frage ein; an dieser Politik hat sich nichts geändert und wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Er schätze die Renaissancebewegung des jüdischen Volkes und die zionistischen Bestrebungen; eine Rückkehr zum Boden schaffe allein die Grund- Keine Ausschließung jüdischer Firmen von den Lieferungen für Prag Verschiedene Wiener Blätter hatten eine Meldung der Prager „Bohemia“ wiedergegeben, wonach der Prager Stadtrat beschlossen habe, deutsche und jüdische Firmen von den städtischen Lieferungen auszuschlie ßen. Die Meldung ist falsch. Im Prager Stadtrat stellte am 13. Dezember Doktor W i e ß m e y e r fest, daß ein Beschluß der Wirtschaftskommission, an deutsche oder deutschjüdische Firmen Lieferungen nicht zu vergeben, in dem Bericht über die Sitzung im Verordnungsblatt der Stadt Prag nicht verzeichnet sei. Durch Einsichtnahme in das Originalprotokoll der Sitzung habe er festgestellt, daß es sich lediglich um die Anregung eines Mitgliedes des Stadtrates handelt, das den Wunsch aussprach, es mögen bei Vergebung der Lieferungen in erster Reihe auf tschechische Firmen Rücksicht genommen wer dem Es wurde beschlossen, ein C o m m u n iq u 6 des Inhaltes aus zugeben, daß ein Beschluß des Stadtrates, Lieferungen für die Stadt Prag nicht an deutsche oder deutschjüdische Firmen zu vergeben, nicht vorliege und daß von den Lieferungen nur solche Firmen ausgeschlossen werden, die eine staatsfeindliche Haltung einnehinen. Juden aus dem Postdienst ln Rumänien entlassen Bukarest, 12. Dezember. (2. T. A.) Wie „Dimiucatza“ meldet, sind in den letzten Tagen mehr als 900 Beamte und Angestellte des rumänischen Postwesens, die den Mindert) edtennationen angehören, zum 1. Januar 1936 gekündigt worden, damit Rumänen Platz gemacht wird. Von den Gekündigten sind 50 Prozent Juden, Alfred Eisen und Bruno Holly Zwei junge Buben haben vor einem halben Jahr eine Frau erschlagen. Der eine, Alfred Eisen, ist dieser Tage von dem Jugendgerichtshof zu einer langen Kerkerstrafe verurteilt worden, der andere, Bruno Holly, wird sich vor den Geschworenen zu verantworten haben. Die Tat wurde raffiniert vorbereitet. Der geistige Führer war dieser Bruno. Alfred Eisen hat den Mord begangen, indem er diie Frau, die ihm vertraute, erst anschoß. Als sie dann blutend, ohnmächtig auf der Erde lag, schlug er ihr mit einem Hammer den Kopf in Stücke. Dann traf er seinen Freund und meldete ihm: „Alles fertig.“ Der andere antwortete: „Geht in Ordnung.“ Die Roheit, mit der das Unternehmen ausgeführt wurde, ist vor dem Gericht in allen Einzelheiten daigiel-egt worden, und die Gerichtspsychiater haben sich bemüht, ‘Erklärungen zu finden. Aber sie, das Gericht und die ganze Öffentlichkeit haben dem Umstand keine Beachtung geschenkt, daß die beiden Jungen einem nationalsozialistischen Sturmtrupp angehört haben. Die Ausbildung, die sie dort genossen haben, hellt allein d'ie scheußliche Tat auf. Das Gericht hat es unterlassen, dieser dunkeln Seite die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken, und hat sieh mehr mit dem Mord und seiner Ausführung beschäftigt. Aber diejenigen, die sich mit den Fragen der Jugend von Amts und Staats wegen zu befassen haben, hätten allen Grund zu schärferem Nachdenken, denn sie sehen hier ein Muster für die vom Nationalsozialismus planmäßig betriebene Verrohung der deutschen, christlichen Jugend. Di-e beiden Buben, von denen der ältere der aktivere, verschlagenere ist, wollten sich durch den Mord und die nachfolgende Ausräubung der Wohnung das Geld verschaffen, um nach dem Land ihrer Sehnsucht, nach dem Dritten Reich, zu ziehen. Sie sind in ihrem Sturmtrupp mit allem bekanntgeimacht worden, mit dem die Theorie, die man in Hitlers „Mein Kampf“ nachiiesen kann, Herz und Sinn der deutschen Jugend bis zur Willenlosigkeit des Kadavergehorsams verführt und fesselt. Das Recht der Faust, die heldische Anschauung! von der Waffe als dem einzigen Rechtsmittel, die bedenkenlose Unterwerfung unter das Gebot des Vorgesetzten, der Haß gegen die organisch erwachsene Autorität der Gesetzlichkeit und schließlich die Romantik der Geheimbündelei und des Verbotenen — das ist das Um und Auf dieser Lehre, die ein ganzes großes Volk in einen kaum zu fassenden Zustand des Wahnsinns getrieben hat. In den Sturmtrupps lernen die Buben das Lied von dem Judenblut, das vom Messer spritzt, von „PfafT und Jud’“, dort wurden sie in der Handhabung von Böllern und Handgranaten und Höllenmaschinen unterwiesen, dort wurde Union die Verachtung das „Systems“ eingepaukt, das sie gar nicht verstehen können, aber als Teufelswerk fassen lernen. Seit Jahren schon zieht sich eine ununterbrochene Reihe von Prozessen gegen Min-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.