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Die Stimme · 1935-12-10 · Heft 506 (10.12.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 506 (10.12.1935)
Date
1935-12-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 20 g JÜDISCHE ZEITUNG Ve be b. Nr. 506 | Wien« 10. Dezember 1935 | Redaktion «md Administration. Wan, i, Marc-Aural-StraBe S. Tel.: U 22-3-91 RedaktlonssehiuB Montag und Mittwoch vorm. | ( *4. Ktelew S»9») | »♦ Jahrgang Kampf in Amerika gegen die Olympiade 100 jüdische Familien aus Polen angesiedelt Jerusalem (Palcar). 100 jüdische Mittelstandsfamilien in Polen, die vor kurzem durch Herrn Zwi Liebermann aus Nahalal, den für diesen Zweck von der Exekutive der Jewish Agency nach Polen entsandten Sonderdelegierten, organisiert worden sind, werden in Kürze in Palästina in der Landwirtschaft angesiedelt werden. Der KKL hat hierfür bereits den erforderlichen Bodenkomplex festgesetzt. Oie palästinensische Regierung hat sich bereit erklärt, für alle diese Familien die Einwanderungserlaubnis zu erteilen. Bisher haben bereits 40 Familien die erforderlichen Siedlungsverträge mit der Jewish Agency unterzeichnet. Bas Steuerrecht der Knesset Israel Jerusalem, 6. Dezember. (Z. T. A.) Die „Offioial Gazette“ veröffentlicht das Reglement für diie Knesset Israel, durch das dem Waad Leiuni das Recht eiingeräumt wird, eine einprozentige Steuer von dem gegenwärtigen Erträgnis jüdischen Besitzes zu erheben. Jede jüdische Gemeinde kann außerdem eine Ertragssteuer van höchstens 5 Prozent fitr Erziehungs-, Wohlfahrts- und religiöse Zwecke einführen. Ferner können die jüdischen Gemeinden Gebühren für die Schechita, den Mazzot-Verkauf und die Ausstellung von Personalurkunden erheben. Das Reglement ist für den Waad Leurni von Ben Zwi und E. Berligne unterzeichnet und vom High Commissioner genehmigt. Wieder schwere Exzesse in Bukarest Bukarest, 8. Dezember. Anläßlich der heutigen Wahlen in die1 Bukarester Rechtsanwaltskammer kam es in der Nähe des Gerichtsgebäudes am Nachmittag wiederholt zu antisemitischen Ausschreitungen, die am Abend in den Räumen des jüdische n Studentenheims fortgesetzt wurden. Es waren zwei Wahllisten ein,gereicht worden, eine rumänisch-nationale und eine liberale, auf der auch einige Juden aufgestellt waren. Um den Sieg der nationalen Liste sicherzustellen, bildoten ungefähr zweihundert jüngere nationale Rechtsanwälte und Studenten eine Kette um das Gerichtsgebäude, in dem die Wahl stattfand, und verwehrten den jüdischen Anw ä 11 e n d e n E i n t r i 11 i n s G e b ä u d e. Einige Juden, die dennoch versuchten, in das Gericht einzudringen, wurden mißhandelt. So weit bis jetzt bekannt ist, machte die Polizei keinerlei Versuch, die Demonstranten zu zerstreuen. Begeistert über ihren Erfolg beim Gerichtshof rotteten die Studenten sich abends zusammen, stürmten das jüdische Studentenheim, zerschlugen diie ganze Einrichtung und verprügelten alle Studenten, die ihnen Widerstand leisten walten. Beschlüsse eines New Yorker Meetings New York, 8. Dezember. (Z. T. A.) Der Kampf der fortschrittlich und humanitär gesinnten Kreise in den Vereinigten Staaten gegen die Teilnahme Amerikas an der Berliner Olympiade 1936 verstärkt sich von Tag zu Tag. Auf Anregung des Committee for Fair Play in Sports wurde eine Kundgebung sportfreundlicher Kreise New Yorks abgehalten, die von mehr als 5000 Personen besucht war. Einmütig wurde eine Resolution gefaßt, in der gegen die nationalsozialistische Regierung Deutschlands die Anklage erhoben wird, daß sie durch ihre Eingriffe in das Sportleben die olympischen Regeln verletzt. Der Versuch des Vorsitzenden des American Olympic Committee, General Charles H. S h e r r i 11, die amerikanischen Sportler zur Teilnahme an der Berliner Olympiade zu bewegen, wird als „irreführend und unehrenhaft“ bezeichnet. An die American Athletic Union wird appelliert, sich für Nichtbeteiligung an der Berliner Olympiade zu entscheiden. Der Präsident der American Athletic Union, Jeremiah T. Mahoney, der der Kundgebung beiwohnte, erklärte, er akzeptiere die Resolution und hoffe, daß die A. A. U. das gleiche tun werde. Der frühere Präsident der A. A. U., Alfred T. L i 11, der Gouverneur von Pennsylvania George H. E a r 1 e, der Bürgermeister von New York, L a Guardia, der bekannte Publizist Heywood Broun und mehrere Arbeiterführer sprachen in dem gleichen Sinne. Von den 211 Delegierten der Jahres-Konvention der A. A. U., die gegenwärtig in New York tagt, sind 90 definitiv gegen Amerikas Teilnahme an der Berliner Olympiade und 60 für die Teilnahme zu stimmen bereit. Mit Bezug auf die restlichen Delegierten besteht noch keine Gewißheit. Die Freunde der Berliner Olympiade setzen alles ins Werk, um den jetzigen Präsidenten Mahoney abzusetzen und den Direktor des American Olympic Committee Avery T. Brundage, der vor einiger Zeit in Berlin war und Hitler besucht hat, zum Präsidenten zu wählen. Bisher wurden Petitionen mit insgesamt vier Millionen Unterschriften gegen die Teilnahme an der Berliner Olympiade dem American Olympic Committee unterbreitet. An 25 Colleges in den USA. wurden Kundgebungen gegen die Berliner Olympiade abgehalten. „Manchester Guardian“ gegen Englands Teilnahme „Manchester Guardian“ fordert Englands Nichtteilnahme an der Berliner Olympiade und begründet dies damit, daß das Prinzip daß alle Einwohner des Landes im sportlichen Wettbewerb gleichberechtigt sein sollen, von der deutschen Reigerung in jeden Zweifel ausschließender Weise verletzt worden ist. Die deutschen Juden haben gar keine Gelegenheit, mit anderen Sportlern in Wettbewerb zu treten. Fiir wenig Geld das gute Buch WüIiIIah Buchhandlung a HUlier« VII..SI«b«nstarngas*a 1a Unser Schlager; S Romane guter Autoren nach Wahl (liste gratis) in Kassette zusammen 8 B'ttO I Großes Jugendaehrlftanlagar! Das jüdische Nationalvermögen in Palästina: 56V2 Millionen Pfund In der letzten Nummer der Zeitschrift „Baajot Misschar wekalkala“ („Probleme von Handel und Wirtschaft“), diie vom V e rbande der Kaufleute Tel-Avivs herausgegeben wird, versucht der Wirtschafts-Journalist Dr. Adler die Höhe des Nationalvermögens Palästinas zu berechnen. Nach dieser Berechnung, die alle Wirtschaftszweige des Landes mit Ausnahme des Wertes des Bodens berücksichtigt, beträgt das Nationalvermögen Palästinas 115,000.000 P f u n d. Diese Berechnung stützt sich auf eine Schätzung für dio einzelnen Wirtschaftszweige: in P f 1 a n z u n g e n (mit Ausnahme des Wertes des Bodens, auf dem die Pflanzungen stehen) sind nach dieser Berechnung 18,000.000 Pfund investiert, in anderen Zweigen der L a n d w i r t s c h a f t 12,000.000, in Industrie und Handwerk 9,000.000, in V e r k e h r s m i 11 e 1 n (Eisenbahn, Hüten, Autobusse, Post usw.) 10,000.000, in W a r o n v o r r ä t. e n und Geschäftseinrichtungen 4.000.000, in Geld u n d W e r t p a p i e r e n 1,500.000, in W o h n h ä ii s c r n und öffentlichen Gebäuden 45,000.000, in R e g’ i e r u u g s m i tt o 1 n, dio sieh im Auslande befinden, 11,000.000, im V e r m ö g e n von P r i v a tp o r s o n e n, das sich im Auslände befindet, 4,000.000, in Möbeln, privaten Mobilien usw. 9,500.000 Pfund. Von diesem Gesamtnationalvermögen befinden sich nach der Berechnung Dr. Adlers im Besitz von Juden 56,500.000 Pfund, im Besitz von Arabern 39,500.000 Pfund, im Besitz der Regierung 11,500.000 Pfund, im Gemeinschaftsbesitz (Geldumlauf) 6,000.000 Pfund, im Besitz der verschiedenen religiösen Körperschaften (Klöster, Kirchen usw.) 1,500.000 Pfund. Nach der Berechnung Dr. Adlers beträgt das Vermögen jedes Juden Palästinas im Durchschnitt 162 Pfund, jedes Arabers 46 Pfund. Dr. Adler versuchte auch, die Höhe der nationalen Einnahmen Palästinas zu berechnen, und kommt zu dem Ergebnis, daß sie 18,500.000 Pfund jährlich betragen; hiervon betragen die E i n n ahmen der Juden 10,800.000 Pfund, die der Araber 6,700.000 Pfund, die der Regierung oh.no Berücksichtigung ihrer Steuereinnahmen 1,000.000 Pfund. Dio jährlichen Ausgaben Palästinas betragen nach dieser Berechnung 22,500.000 Pfund. Auf diese Weise ergibt sich, daß Palästina ein Defizit von 4,000.000 Pfund jährlich hat, das es durch einen jährlichen großen Überschuß aus dem Kapitalzustrom aus dem Auslande deckt. Das Welfgewissen Die österreichische Völkerbundliga hat; beschlossen, die englische Liga zu ersuchen, den Völkerbund an seine Pflicht gegenüber den jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland zu erinnern. Die englische Liga möge ihre Aktion darauf richten, eine Verstärkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina und eine Lockerung der Immigrationsvorschriften zu erzielen. Wir haben gemeldet, daß die englische Liga, an deren Spitze Lord Ceoil steht, die Frage der Flüchtlinge und die Art ihrer Behandlung durch den Völkerbund in aller Öffentlichkeit aufzurollen. Sie will den politischen Skandal bloßlegen, daß derselbe Völkerbund, der zum Schutze der Freiheit Abessiniens alle wirtschaftlichen Machtmittel gegen Italien aufbietet, die Sorge um die Juden von sich schieben will, aus seinem schlechten Gewissen heraus. Denn daß diese Frage entstanden ist und sich zu solchen Dimensionen auswächst, ist eine sehr große moralische und auch reale Schuld der Genfer Institution, die es unterlassen hat, das Dritte Reich, als es noch Mitglied des Völkerbundes war, zur Einhaltung seiner Verpflichtungen .zu zwingen. Der Völkerbund hat die Signatare des Memel-Statuts zum Einschreiten in Litauen veranlaßt, aber , er hat nichts Wirksames für die Juden Danzigs unternommen, und er hat die Saar- Juden schutzlos den Gauleitern preisgegeben. Hoffentlich wird die englische Liga den Völkerbund und die Mandatsregierang empfänglicher für die Fordeningen der Menschlichkeit und der Vernunft stimmen können, wenn schon der Rechtsstandpunkt von allen Beteiligten außer acht gelassen wird. Die englische Vereinigung wird hiebei von den europäischen Schwesterverbänden unterstützt, imd es ist von ziemlicher politischer Bedeutung, daß sich auch die österreichische Liga dem Werk anschließt und für die Opfer des Dritten Reiches an die Solidarität der Kulturvölker appelliert. Es ist dies die erste Stellungnahme einer Vereinigung aus dem deutschen Sprachkreis. Die österreichische Liga setzt alles Diplomatisieren. beiseite und tritt für Unterdrückte ein. Das ist hierzulande bisher noch nicht geschehen und die Rücksicht auf die „Einmengung in innere Angelegenheiten“ hat bisher jede Regung des Gewissens übertönt. Der Antisemitismus ist auch in Österreich auf der Lauer und er wird von unterirdischen Stellen immer weiter vorwärts getrieben. Die Kreise, die sich aus den oder jenen Gründen gegen den Nationalsozialismus als politisches und wirtschaftliches System stellen, stimmen doch mit ihm im Judenpunkt überein. Zwar lehnt man die rüden und blutigen Methoden ab, aber im Effekt, in der Verdrängung der Juden aus dem wirtschaftlichen Leben und aus den freien Berufen, ist das Grundprinzip sehr

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