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Die Stimme · 1935-12-03 · Heft 504 (3.12.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 504 (3.12.1935)
Date
1935-12-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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804 — 8. Dexemiber 1985 Oft STIMM! Sette 5 m DIESER FILM IST EIN ERLEBNISt| DAS LAND DER VERHEISSUNO DER SCHÖNSTE PALÄSTINA-FILM Nächste Aufführungen: Sonntag, den 8. Dezember, vormittags ViH und %12 Uhr SCHWEDEN-KINO Reichhaltiges Beiprogramm! Ansprachen Dr. Josef Löwenherz Samy Gronemann, Berlin Vorverkaufsstellen: Zionistische Bezirk9sektion Leopoldstadt, II., Praterstraße 13, Tel. R 42-407 ab 5 Uhr nachmittags K. Z. am Graben (Gronner), I,, Graben 28. Tel. U 2 -4-45 9 A. Mejstrik, I., Wollzeile 6, Tel. R 25-4-53 Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20, Tel. R 4 -305 Jüd. Kulturstelle, I., Franz-Josefs-Kai 3, Tel. R 26-2-36 Buchhandlung Richard Lanyi, I., Kärntnerstraße 44, Tel. B 25-6-75 und B 26-3-38 Kartenbüro Bazar, II., Rotbgasse 6, TeL U 24-404 Ostjädisehe Volkskunst und die Herkunft der Ostjuden In der „Gesellschaft für Soziologie und Anthropologie der Juden“ sprach kürzlich Rechtsanwalt Dr. Max Diamant aus Czernowitz über seine Forschungen *um Thema „Die ost-jüdische Volkskunst und ihre Beziehungen zur Herkunft der Ostjuden“. Dr. Diamant stoht eeit; 1898 in der zionistischen Bewegung und leitete sie in der Bukowina in den Jahren 1903 bis 1906. 1919 gehörte er der Delegation juive bei der Friedenskonferenz an. 1931 bis 1932 war er Deputierter des rumänischen Parlamentes für die jüdische Reichepartei. In der letzten Zeit leitet er ehrenamtlich das gewerbliche Schulwerk der „Ort“ in Czernowitz, das er auf einen Stand von 17 Lehrern und 320 Schülern gebracht hat. Dr. Diamants Forschungen zur ostjüdischen Volkskunst gingen vom alten jüdischen Friedhof in Czernowitz aue und erstreckten sich auf die meisten Friedhöfe der Bukowina, Bessarabiens und Nordrumäniens, Nach einer photographischen Bestandaufnahme der wichtigsten Grabsteine und einer Konservierungsarbeit besonders auf dem von Verfall bedrohten Czernowitzer Friedhof begann die wissenschaftliche Bearbeitung des Materials. Während une Juden die Begabung für eine spezifisch jüdische bildende Kunst bisher abgesprochen wurde, ergab sich, daß eine solche yön erstaunlichem Umfang und Kun3twert hier seit 200 Jahren offen zutage lag, ohne daß ßie irgend jemand bemerkt hätte. Dr. Diamant liefert zwingende Beweise, daß diese Storno von Juden, und zwar nicht von Handwerkern, sondern von ungelernten Personen geschaffen wurden, die dennoch als Künstler anzuepreohen (Sind. Die Steine sind zum Teil von erschütternder Schönheit und die Verbundenheit des Künstlers mit der Gemeinde, in der er lebte, bewirkt, daß der Stein auch zu einem Wesensabbild dessen wird, der unter ihm ruht. Man denke etwa an den Grabstein eines asketischen Rabbis, der mit vielen anderen im Lichtbilde vorgcfiihrt wurde. Die Steine weisen aber auch eine reiche symbolische Ornamentik auf, die einen Zusammenhang der Oetjuden mit dem Osten nahelegt. Es muß vom-vorderen Orient durch lange Zeit eine Kultur herübergeströmt eein, deren letzte Auswirkungen auf diesen Steinen zu sehen sind. Dr. Diamant nimmt an, daß die Ostjuden in ihrer Masse Abkömmlinge der Chasaren und der in Chasarien lebenden richtigen Juden sind, die nach dem Zusammenbruch des Charasenreiches das Steppengebiet zwischen Kaukasus und Dnjester verließen, um sich in das mehr nordwestliche Waldgebiet bis in die Karpathen hinein zu flüchten. Ihnen wurden die aus dem Westen mit den polnischen Eroberern kommenden deutschen Juden nur aufgepropft. Ein typisches Ornament der nördlichen Völker vor der Zeit, da sie mit der Mittelmeerkultur in Berührung kamen, ist das zweistreifige Bandornament. Die Polen haben in einer Steinplatte vom Wawel in Krakau ein Dokument dafür. Auf unseren Steinon kommt das Ornament vielfach vor. Aber auch das Sonnenornament von jenem dänischen Taufbecken, das der deutsche Forscher Hermann Wirt als Beweis dafür heranzieht, daß altgermanische Symbole in der christlichen Kunst mitwirken, ist auf dem Stein der Ruchei Leje, Tochter des Rubin, aus dem Jahre 1843 als ein ganz ähnlioheß Geschwister anzutreffen. Es kann dann kaum mehr wundemehmen, wenn ein Stein sogar Runen aufweist. Das Entscheidende für Diamants Theorie der östlichen Herkunft der Ostjuden Ist aber der immer wiederkehrende fünfzehnendige Lebensbaum, der nirgends sonst in der Umgebung gefunden wir-d und der nur aus dem Orient mitgebracht sein kann. Die ersten Ergebnisse von Dr. Diamants Arbeit werden demnächst in deutscher Sprache, reich illustriert, im Druck erscheinen. Um den Vortrag Dr. Diamants auch einem weiteren Publikum zugänglich zu machen, wird er in der nächsten Zeit in einigen Bezirkssektionen unter Vorführung von etwa 40 Lichtbildern vom Berichterstatter wiederholt werden. M. S. Für den jüdischen Sport Der Kongreß des Makkabi-Weltverbandes, der vor ungefähr zwei Monaten in Brünn tagte, hat uns gezeigt, wie eng verbunden unsere nationale Sportbewegung mit dem Zionismus ist. Diese 200.000 Makkabim, die heute unter Lord Melcbetts Führung, iu blauweißer Dreß, den Magen Dawid auf der Brust, für das Judentum streiten in ehrlichem sportlichem Wettkampf, sind die sichtbarste Kraftäußerung der neuen jüdischen Generation. Und doch ist unser Ziel noch lange nicht erreicht. Das Rückgrat dieser, unserer Bewegung, die gegen eine Welt von Feinden, Schwierigkeiten und Hindernissen steht, muß noch gestärkt werden. Aus 200.000 muß eino Million werden. Gerade hier in Wien können wir noch sehr viel für unsere Idee tun. Gewiß, wir sind ßtolz auf unsere Hakoah, den größten Makkabiverein der Welt, seine Mitglieder haben schon viele Schlachten siegreich für das Judentum und für Österreich bestanden, aber trotzdem kann der Klub und sein großer Name nur durch aufopfernde, uneigennützige Arbeit seiner Funktionäre, durch verbissenes, eisernes Training seiner Athleten erhalten werden. Die große jüdische Allgemeinheit weiß gar nicht, wieviel Energie, Fleiß, Zähigkeit und Hingabe von Führern und Sportlern gefordert werden mußten. In weit größerem Maßstabo könnten wir unsere kulturelle Aufgabe erfüllen, weit größere Erfolge in sportlicher Beziehung erzielen, wenn nicht so viele abseits stünden, junge Menschen, denen die Hakoah und der Makkabi fromd sind, ältere, die nichts vom Sport wissen wollen und seine Bedeutung und seinen Sinn verkennen. In Deutschland gab es vor drei Jahren noch eine ziemlich unbedeutende nationale Sportbewegung. In diesem Jahre wohnten bereits 8000 Menschen den Leichtathletikmeisterschaften in Berlin bei, 7000 in Leipzig und 3500 dem großen Hallensportfest in Frankfurt. Unsere Boxer, Leichtathleten, Schwimmer und Fußballer kennt man kaum dem Namen nach, unsere Veranstaltungen sind nur schwach besucht. Muß uns erst eine Katastrophe wachrütteln? Die „Stimme“, die an allen Ereignissen des jüdischen Lebens tätigsten Anteil nimmt, hat erkannt, wie wichtig es ist, für den jüdischen Sport Propaganda zu machen. Die Redaktion hat daher beschlossen, den Sportteil auszugestalten und wird von nun an Berichte über alle Ereignisse im jüdischen Sport bringen. Wir hoffen, daß wir auf diese Weise unserer Sache nicht nur neue Freunde gewinnen werden, sondern wir wollen auch den aktiven Sportlern Wegweiser und Ansporn zu neuen Erfolgen sein. F. A. P. SCHWIMMEN Rekorde beim Hakoah- Sehwimmfest, Das mustergültig organisierte Schwinnni'est der Hakoah brachte guten Sport. Neben den ausländischen Gästen, die eine ganze Menge von nouon Rekorden uufstellon konnten, zeichneten sich vor allem dio jugendlichen Schwimmer und Schwimmerinnen der Hakoah aus. So gewannen wir überlegen den Jlinglingspreis in weitem Abstand vor Bar-Koehba und Ewask, dio Damen vorbosßerten die alte Bestleistung über 4X 190 m und Judith Deutsch konnto, obwohl sie nicht ganz fit angotreten war, ihren alten 400-m-Rekord um mehr als fünf Sekunden hinuutorschrauben. Frl d L ö w y, die jetzt vom Schwimmsport enb illtig Abschied nimmt, lieferte sowohl in der /agcnstaffel am ersten Tag als auch in der 4>< 100 m ein wirk'ich schönes und tapferes Kennen, so daß wir ihren Abgang um bo schwerer empfinden. Wir kommen auf die Veranstaltung noch zurück. Unsere Schwimmer konnten bei den österreichischen Mittelschulmeisterschai'ten wieder ihr 'hervorragendes Können unter Beweis stellen. Drei Meisterschastsbewerbe waren ausgeschrieben, 2 Siege, 1 zweiter und 1 dritter Platz wurden erreicht. Kulka gewann 100-Meter- Crawl in 1:07.7 und wurde über 100-Metor- Rücken 3., die Goldschmidt in 1:18.8 (!) an eich biachte. Auch Selinko erzielte seine bisher beste Zeit und wurde in der Brustmeisterschaft in 1:22.1 2. FUSSBALL Hakoah blieb nach schwerem Kampf in ihrem ersten Cupspiel gegen Ostbahn 11 4:3 (1:3) siegreich. Die Tore schossen Ehrlich (1) und Mausiiier (3), der Übrigens als einziger eine ansprechende Stürmerleistung bot. BOXEN Makkabi schlägt slowakischen Meister Spannende Kämpfe im „Bayrischen Hof“ Der am Donnerstag durchgeftlhrte internationale Kampfabond des Makkabi brachte ausgezeichneten Sport. Die tüchtige Sektionsleitung hat es verstanden, die durch die Abwanderung der besten Leute gerissenen Lücken wieder anszufüllen und verfügt jetzt wieder über eino auf allen Posten gut besetzte Boxviege. ln den Rahmenkämpfen gollelen Pfeffer und Groß am besten. Pfeffer ist noch ein wenig unfertig, holt seine Schläge zu weit her und ißt zu wenig energisch im Infight, kämpft aber sehr mutig und besonnen, Groß, der vor allem sehr kräftig und muskulös gebaut ist, erlitt eine unverdiento Punkteniederläge gegen den Rapidler Seichter. ' Kraue und Löwy sind noch zu unfertig, Kraus vielleicht auch körperlich für das Mittelgewicht zu schwach. Kuoll, der bis dahin sehr tapfer gekämpft, hatte, ging durch eine Unaufmerksamkeit iu der zweiten Runde k. 0. ln den internationalen Hauptkämpfen blieben beido Makkabi-Leute siegreich. Der ruhige Techniker Berger hielt seinen Gegner Wesselskv, den slowakischen Meister, immer auf Distanz, konnte ihn schon in der ersten Runde niedenschlagen und dann seinen Vorteil weiter ausbauen. Dabei zeigte or blitzschnelle Schlägo und konterte ganz vorzüglich. Er ist sicher eiuor der chancenreiehslen Anwärter auf die österreichische Meisterschaft. Ausgeglichener war der zweite Hauptkampfj der dem ungestümen und bärenstarRen Kor* muß einen knappen Punktesieg über den Preß« burger Zitt brachte. Kormuß wat etwas schneller, arbeitete hauptsächlich mit Haken und schlug Zitt in der zweiten Runde fast am dem Ring. Der Makkabi ißt besondere im Nahkampf sehr gefährlich und wird bei etwas mehr Ruhe und Ausdauer sicher seinen Weg machen. F. A. Präger. Die Winterspiele des Makkabi-Weltverbandes Das Sekretariat der II. Winterspiele des Welt-Makka,bi teilt mit: Die II. Winterspiele des MakkaH-WoItverbandes werden vom 18. bis 24. Februar 1936 in Banska Bystri0a (Tschechoslowakei) vor eich geben. Es wurde ein Bureau für iie Organisation der Winterspiele eröffnet, der Orgamsationsaueacfuß und die Arbeitskommissionen gobi’dst. Dio Stadt Banska Bystrica, die Bezrköhauptmamnsohaft, die Handels- und Gewerbekammer bringen den Winterspielen pehr großes Interesse entgegen un I sichern größtmögliche moralische und finanzielle Unterstützung. Dio Militärbehörden stellten sich bei der technischen Durchführung der einzelnen Konkurrenzen und für die Verseilung des Sanitätsdienstes beröit.wi’.'igst zur Verfügung. Anläßlich der Winter piele wird daö Kurbad, das europäischen Ruf genießt, geöffnet sein. 500 bis 800 Personen werden in den Hoteis Unterkunft finden. Der Verkehr zwischen Banska Bystrica und Sliac Kupele wird durch Autobusse der tschechoslowakischen Staatsbahnen und Extrazüge abgewickelt werden. Die Aufenthaltskosten in Banska Byetrica mit voller Verpflegung stellen sieh auf 28 bis 45 Tscheehokronen täglich. Mit dem Eisenbnhnministerium wird bezüglich einer SOpr^zentigen Fahrpreisermäßigung für die Boucher an den tschechoslowakischen Eisenbahnen verhandelt, und es ist anzunehmen, daß für ausländische Teilnehmer auch die Visumgebühren erlassen werden. Im Augenblick der größten jüdischen Nofc in der ganzen Welt sollen die Makkabi* Winterspiele in Banska Bystrica zu einer alljüdischen Demonstration der Kraft und der Solidarität des Judentums werden. Informationen erteilt das Sekretariat der II. Makkabi-Winterspiele in Banska Bystrica, Zfonistisdier Veranstaltungskalenäer Dienstag, 3. Dezember. 4. Bez.: Jugendgruppe der Sektion IV/V, Hauslabgasse 2, 8 Uhr abends, Zusammenkunft der Mitglieder. 18. Bez., WIZO, XVIII., Weimarerstraße 7, J48 Uhr abends. Generalversammlung» Anschließend spricht Frau Dr. Martha Höfirn ann über: „Die Lage des Judentums in Europa und die Aufgaben und Leistungen der jüdischen Frau.“ Mittwoch, 4. Dezember. 1. Bez.: WIZO I, Schottenring- 25, Uhr abends, Empfangsabend. 2 Bez.: Sektion Prater, Jungßfcraße8, 349 Uhr abends, Dr. Leo Goldliammer: „E rziehung^problem e.“ 2. Bez: Sektion II, Theaterabend in den Jüdischen Künstlerspielen, II., Praterßtraße 34, 349 Uhr abends. Zur Aufführung gelangt zum erstenmal das Lustspiel „Goldene G1 icken“ mit Sevilla Pastor. Restliche Karten in der Sektion, II., Praterstraße Nr. 18, Tel. R 42-407. 4. Bez.: Sektion und WIZO IV/V, Hauslabgasse 2, 349 Uhr abends, Dr. Richard Pokorny: „Die Juden als Raese.“ Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird gebeten. 6. Bez.: Klub Junger Zionisten, Loquaiplatz Nr. 11, 349 Uhr abends, Vereinsabend. 9. Bez.: Jugendgruppe der Sektion VHI/IX* Währingerstraße 6—8 (Eingang Hörigasse 2), S Uhr abends, Zusammenkunft mit Vortrag. 9. Bez.: Sektion V1I1/IX, Hörigasse 2, 349 Uhr abends, Chug Ivri unter Leitung Prof. Kestenbaum. 10. Bez.: Sektion X, Pernerstorfergasse 25, 8 Uhr abends, Vereinsabend. 14. Bez.: Sektion X1V/XV, Herklotzgatee 21, 349 Uhr abends, Prof. Dr. Alfred Spitzer: „Revisionismus—Allgemeiner Zionismus“ 16. Bez.: Sektion XVI/XVII, Cafe BaliPnhof, Ottakringerstraße 102, 8 Uhr abends, G e 11 cra Ivo r Sammlung. Donnerstag, 5. Dezember. 1. Bez.: WIZO I, Schottenring 25, 345 Uhr nachmittags, Frau Dr. Martha Hof mann: „Einführungskurs in den Zionismus und die WIZO IV.“ 346 Uhr abends, Danica D e u t b c h: „Wie vonneide ich Erziehungsfehler?“ 2. Bez.: Sektion II, Praterstraße 18, K9 Uhr abends. Gesprochene Zeitung. Dr. Max Seidm a n n: .,Eine Siedlungsspaibewegung.“ Doktor Abraham Schmerle r: „Die wirtschaftliche Struktur der Juden und die Frage der Umschichtung.“ Dr. Michael Steinberg: Feuilleton.

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