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Die Stimme · 1935-11-29 · Heft 503 (29.11.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 503 (29.11.1935)
Date
1935-11-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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' Kr. 503 - 20. November 1085 Dlf STIMM« Seite 5 RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Operer) U., raborelraBe 12 Telephon ll 46-6-67 >■.?**■* Ausgiebige Braten-MenilB S 1*60 «Mykfc*» IWJ „ Geflügel „ S 2*20 sowie 6 In Cnrte, Speisen am Rost Großer Saal mit Bühne für Veranstaltungen und Hochzeiten abzugeben. Kampf gegen Gräber Die vor kurzem auf dem Währinger Judenfriodhof vorgefallene Zerstörung von Grabsteinen hat eine uralte Tradition. Schon im 12. Jahrhundert haben Schändungen jüdischer Friedhöfe die Päpste veranlaßt, Schutzhüllen zugunsten der jüdischen Grabstätten zu erlassen. Der letzte Babenberger, Herzog Friedrich der Streitbare, ordnete in seinem Judenprivileg vom 1. Juli 1244 an: „Wenn ein Christ einen Judenfriedhof zu verwüsten oder in ihn einzudringen sieh unterfängt, so soll er nach Form Rechtens sterben und all sein Eigentum, wie immer es heißen mag, fällt an die Kammer des Herzogs.“ Diese Bestimmung wurde von den unmittelbaren Nachfolgern Friedrichs, dem Böhmenkönig Ottokar (1254), und dem Kaiser Rudolf von llabsburg (1268) in ihre Judenprivilegien übernommen. Auch die Landesgesetze von Schlesien, Polen und Litauen ahndeten damals die Schändung jüdischer Friedhöfe strenge. Später war es merkwürdigerweise gerade das als Zeitalter der Aufklärung gepriesene 18. Jahrhundert, das neuerliche iVerordnungen zum Schutze der jüdischen Friedhöfe nötig machte. So ließ Friedrich der Große auf dem Tor des neuen Judenfriedhofes von Breslau eine Tafel mit folgender Inschrift anbringen: „Wer diese Ruhestatt verletzt. Dem wird durchs Beil ein Schlag versetzt. Man haut durchs Beil die Hand ihm ab, Der hier beschädiget das Grab.“ Daneben war ein Block mit einer abgehackten Hand aufgemalt. Die deutschen Nationalsozialisten gebärden sich gern als eifrige Bewunderer Friedrichs des Großen, an dessen Grab bekanntlich die erste Reichstagssitzung des Dritten Reiches stattfand. Aber in bezug auf die Heilighaltung der jüdischen Friedhöfe beachten die Hakenkreuzler nicht das Beispiel ihres vergötterten Vorbilds. Denn zugleich mit dem Nationalsozialismus nahm in Deutschland die Schändung jüdischer Friedhöfe überhand. Zur Zeit, als Hitler die Macht ergriff, zählte man bereits gegen 200 Verwüstungen jüdischer Grabstätten in 2 Urteile über Simonsbrot 1. Simonsbrot verdient als Volksnahrungsmittel den ersten Rang einzunehmen und stellt wohl das beste auf dem Gebiet der Reform- . ernährung dar. Ad. K. 2. Das nahrhafteste und bekömmlichste Brot, welches ich bislang kennen gelernt, ist nach meinem Geschmack das Simonsbrot. allen deutschen Gauen. In Binswangen wurden am 22. Juni 1924 20 Grabsteine umgestürzt, in Cöthen im Mai 1925 30 Denkmäler zertrümmert, in Erfurt am 18. März 1926 95 Gräber verwüstet, lind so fcrt in lieblicher Steigerung. In früheren Zeiten haben die Judenfeinde den jüdischen Totenstätten eher Frieden gegönnt. Bekannt ist, daß die Wiener Juden, als sio im Jahre 1671 vertrieben wurden, beim Magistrat die Erhaltung ihres Friedhofes in der Seegasse durchsetzen konnten, während in anderen deutschen Städten, wio Nürnberg, Speier u. a. m. bei Veureibung der Juden auch die jüdischen Friedhöfe zerstört und die Grabdenkmäler als Bausteine für Kirchen, Stadtmauern und Privathäuser verwendet wurden, wo ihnen später die Historiker nachspürten. Die ältesten erhaltenen Friedhöfe liegen am Rhein und stammen aus dem frühon Mittelalter. Im Altertum gab es Friedhöfe im heutigen Sinno nur für Besitzlose und Verbrecher. In den vornehmen Familion brachte es der Ahnenkult mit sich, daß Familiengräber auf dein der betreffenden Familie gehörenden Bodon errichtet wurdon. Später bonutzte man als Grabstätten natürliche oder künstliche Felsenhöhlen, ln der talmudistischen Zeit begann man neben Felsen gräbern auch schon Gräber nach Art der heutigen anzulegen und solche mit Grabsteinen zu versehen. Im Mittelalter achteten die Juden darauf, daß alle Grabsteine gleich hoch waren, um die Gleichheit aller Menschen vor dem Tode zu symbolisieren. Später geriet diese sinnreiche Gepflogenheit in Vergessenheit. In Rom und anderen italienischen Städten sind jüdische Katakombengräber aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten erhalten. Die Särge, die oft aus Marmor oder Terrakotta bestehen, sind vielfach übereinandergestellt, während auf den späteren jüdischen Friedhöfen das Übereinanderschichten von Särgen verpönt war und es noch heute ist. Die jüdische Pietät hat die Ausbildung einer hervorragenden Steinmetzkunst bewirkt. In der neuesten Zeit hat die Industrialisierung der Grabsteinerzeugung den Verfall dieser Kunst zur Folge gehabt. Dafür legt man jetzt Gewicht auf die landschaftliche Schönheit der Friedhofsanlagen. ln diesem Sinne ist einer der schönsten jüdischen Friedhöfe de; von Lemberg. Wenig bekannt ist die Tatsache, daß die Sitte der Grabsteinsetzung darauf zurückgeht, daß der Zugang zu den antiken Felsengräbern durch Steine gegen Raubtiere verrammelt wurde. Der Name des Toten wurde damals nicht auf dem Stein, sondern auf dem Sarg angebracht. Mittlerer Konzerthaussaal Samstag, 7. Dezember 1935, 8 Uhr abends REZITATIONSABEND JEHUDA EHRENKRANZ I. Teil: Europäische Dichtungen Capek, Dostojewski, R. M. du Gard, üssauer, Werfel II. Teil: Palästinensische Dichtungen Berkowit8ch, Schimonovltz, Schlonskl Erna Karten von 1 bis 5 S bei Richard Lanyl, Wien, i, Kärntnerstr. 44, Tel. B 26-3-33, B 29-3-65, B 25-8-75 Hostien, Ritualmord, Weisen von Zion Von R. N. Coudenhove-Kalergi „Judenhaß von heute“ von R. N. C o udenhove-Kalergi und „Das Wesen des Antisemitismus“ von Heinrich Graf Coudenhove-Kalergi erscheinen demnächst in dem Werk „Antisemitismus“ zusammengefaßt, völlig neu bearbeitet und bis in die letzte Gegenwart ergänzt im Pane uropa-Verlag, Wien. Der Verlag stellt uns den hier folgenden Teil zum Abdruck zur Verfügung. Die Verleumdung hat iu der Geschichte des Antisemitismus stets eine hervorragende Rolle gespielt. In den letzten Jahrhunderten haben drei Haup t verle um düngen einander abgelöst: 1. Die Schändungund Marterung von Hostien; 2. dieSchlachtungkleinerChristenkinder zu rituellen Zwecken; 8. die Verschwörung gegen die Menschheit zur Errichtung einer jüdischen Weltdiktatur. Im Mittelalter konnte es kein größeres Verbrechen geben als Hostienschändung. Als die Aufklärung begann, verschwand dieser Vorwurf aus dem antisemitischen Repertoire. Die Verleumdung des Ritualmordes erhielt sich bis in unsere Tage. Denn nichts kann Mütter, nichts kann Menschen mehr erregen als der Gedanke eines Mordes an unschuldigen Kindern. Deshalb ist diese Beschuldigung oft in der Geschichte aufgetaucht: auch die ersten Christen wurden des Ritualmordes an Kindern angeklagt: ebenso noch in unserem Jahrhundert die c hr i s 11 i c h e n Missionäre in China, um gegen sie den Volkszorn aufzupeitschen. Heute ist auch der Vorwurf des Ritualmordes im Abklingen. Er findet sich immer seltener in der antisemitischen Literatur. Er entspricht auch weniger dem Geist des modernen Rassenantisemitismus, da diese Anklage sich gegen die jüdische Religion wendet, nicht gegen die jüdische Rasse. Dazu kommt, daß die letzten großen Ritualmordprozesse zu Beginn unseres Jahrhunderts diese Verleumdung so entkräftet haben, daß der Antisemitismus nach dem Weltkrieg sich lieber auf neue Anklagen stützt. Seit dem Weltkrieg gibt es etwas, was für Millionen Menschen heiliger ist als die Religion, heiliger als die Familie: die Nation und ihre Unabhängigkeit. Der Nationalismus hat einen nie geahnten Aufschwung genommen. Nichts erregt die Leidenschaften stärker als der Gedanke, daß eine andere Menschengruppe der eigenen Nation die Unabhängigkeit rauben will. Dieser Vorwurf nun wird gegen das Judentum erhoben. Die Antisemiten behaupten, daß es eine jüdische Weltverschwörung gibt mit dem Ziel, eine jüdischo Woltdiktatur zu errichten. Keine Verleumdung kann das Judentum härter treffen als diese. Denn sie schafft dio Fiktion eines dauernden Kriegszustandes zwischen Judentum und Nichtjuden. Sie fordert zum Kampf heraus gegen .die Juden, zum Kampf mit allen Waffen, zum Kampf mit allen Mitteln. Durch sie wird der Kampf gegen die Juden zum nationalen Freiheitskrieg, zum heiligsten Krieg der Menschheit. Der Vorwurf des Strebons nach Weltherrschaft ist grotesk gegenüber einem Volk, daß weniger als ein Prozent der Menschheit umfaßt: 15 Millionen gegen 2000 Millionen. Die bloße Annahme dieser Möglichkeit bedeutet die höchste .Überschätzung der Juden und die größte Beleidigung gegen die Nichtjuden. Dieser Gedanke wird noch grotesker angesichts der Tatsache, daß diese kleine jüdische Menschengruppe nicht einmal einen eigenen Staat besitzt als Basis ihrer Welteroberungspläne, sondern daß sie als kleine Minderheit über den Planeten zerstreut ist. Solange die Juden in Ghettos gesperrt waren, wurde dieser Vorwurf gegen sie nicht erhoben: denn er hätte den Verleumdern nur Spott eingetragen. Erst in unserem Jahrhundert wurde diese Beschuldigung zu einem Hauptmotor des Antisemitismus. Der Grund dieser Wandlung liegt einerseits in der veränderten Stellung des Judentums, anderseits in der immer aktueller werdenden Frage der Weltherrschaft. Es ist eine Tatsache, daß in sehr vielen Staaten Juden weit über ihren relativen Anteil an der Bevölkerungsziffer hervorragende und einflußreiche Stellung erlangt haben: in der Finanz, in. der Presse, in der Politik, in der Wissenschaft und in der Kunst; freilich hat die Mehrheit dieser Juden den jüdischen Glauben verlassen und damit die offizielle Zugehörigkeit zum Judentum. Diese Tatsache allein sollte genügen, die Unmöglichkeit der angeblichen Weltverschwörung zu erweisen. Denn die Mehrzahl der getauften Juden will vom Judentum nichts mehr wissen, sondern sich so schnell und restlos wie möglich assimilieren. Und die Mehrzahl der un~ getauften Juden betrachtet die Getauften als Abtrünnige, die sie keinesfalls in irgend ein jüdisches „Geheimnis“ einweihen würde. Die international einflußreichen Juden sind aber in ihrer großen Mehrheit entweder getauft oder mit Christen verschwägert; jedenfalls nicht orthodox: auf keinen Fall würden sie den orthodoxen Juden vertrauenswürdig scheinen. Soll aber die angebliche W^verschwörung sich auf die orthodoxen Juden beschränken, so wird der Gedanke völlig sinnlos: denn die orthodoxen Juden bilden nur eine arme, ein^-^ose und ohnmächtige Minderheit in einigen Staaten Osteuropas und der Sowjetunion. Für diejenigen Antisemiten, de "n die innere Zersplitterung des Judentums unbekannt ist und in den Juden eine große, geschlossene Gemeinde sehen, ist der Gedanke naheljegend, daß diese Juden durc1' Liren Zus.v. 'hang über Staaten und Kontinente einen einzigartigen Machtfaktor darstellen. Vn" da zum Phantom einer jüdische- Weltorganisation mit gemeinsamen politischen Richtlinien und gemeinsamer internationaler Führung ist nur ein Schritt. * Wer ohne Vorurteil die Dinge sieht, wie sie sind und nicht, wie er sie habr möchte, muß zugeben, daß von einer solchen jüdischen Weltgemeinschaft keine Rede ist. Der Krieg hat bewiesen, daß die englischen Juden ebenso für die englische Weltmacht gekämpft haben wie die deutschen Juden für dio deutsche, die amerikanischen Juden für die amerikanische. Daran ändert nichts, daß die Antisemiten der Entente deu Juden Doutschfreundlichkeit vorgeworfen haben, dio deutschen Antisemiten Entente-Freundlichkeit. Die Ziffern der gefallenen Juden auf beiden Seiten boweisen das Gegenteil. Als dann der Kampf zwischen Bolschewismus und Kapitalismus entbrannte, fanden sich die Juden wieder in beiden feindlichen Lagern. Jüdische Kommunisten bekämpften mit unbändigem. Haß die jüdischen Kapitalisten wie umgekehrt die jüdischen Kapitalisten den Kommunismus und seine jüdischen Vertreter. Nicht einmal der Zionismus konnte eine jüdische Weltfront schaffen. Der Kampf zwischen Zionisten und Antizionisten ist ebenso lebendig wie der Kampf innerhalb der zionistischen Gruppen selbst. Nur eine einzige jüdische Einheitsfront besteht: die gemeinsame Abwehr front gegen den Antisemitismus. Diese einzige jüdische Gemeinschaft aber ist eine Schöpfung des Antisemitismus, die um so stärker wird, je stärker die Angriffe des Antisemitismus werden. Verschwände der Antisemitismus, so, würde mit ihm diese Erscheinungsform der jüdischen Solidarität mitverschwinden. Aber selbst diese Solidarität ist brüchig: selbst in denReihen der Juden gibt es Antisemiten. Trotz der offenkundigen politischen und sozialen Zersplitterung des Weltjudenturns konnte der Gedanke jüdischer Weltherrschaftspläne Glauben finden, weil die politische Propaganda der Kriegszeit die Phantasie der Völker mit Weltherrschaftsplänen genährt hatte. Ganz Deutschland hielt Jahre. hindurch den Krieg1 für das Resultat einer Weltverschwörung gegen Deutschland, die von König* Eduard VII. ausgeh eckt war, um den gefährlichsten Konkurrenten einzukreisen und zu beseitigen und sich so den Weg zur Weltherrschaft zu bahnen. Gleichzeitig erschien Kaiser Wilhelm II. den Engländern als der Mann, dessen Ziel die deutsche Weltherrschaft sei. Übrigens hat China den gleichen Vorwurf der Weltlierrschaftspläne gegen Japan erhoben. Einen praktischen Versuch zur Erringung der Weltherrschaft durch Weltverschwörung und Weltrevolution unternahm die Sowejt union 1917 bis 1927. Durch diese Weltverschwörung wurden die europäischen Hirne reif für den Glauben an eine jüdische Weltverschwörung mit dem Ziel einer jüdischen Weltherrschaft. Ohne diese psychologische Vorbereitung hätten die „Protokolle der Weisen von Zion“ niemals die Weltbedeutung erlangen können, die sio tatsächlich erlangt haben. Als Ergebnis der Debatte über die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion“ läßt sich mit apodiktischer Gewißheit feststellen, daß dieses Plagiat von A bis Z eine antisemitische Fäl- Batike, an tnotyen — Pension sc&Mt^t vok iSoJi^en/ t b«l 8«nifiimf&hlab«it INVALIDITKTS-RINTEN t. für «In lorsloici Alt«» ALTE RS-8 ENTEN I. Im Abkbanstall« HINTERBUE8CKER-RENTER % ALLGEMEINE VERSICHEftUHGS, A^G- : PENSIONS-VEREIN WIEN,’ I.; ScttEiuNGCAfSiE j

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