Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 497 (8.11.1935)
- Date
- 1935-11-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis dlf «r Nummer 20 g Mt*mm I mm_ o 4TM«rA*Ml*aM gm* I Redaktion und Administration: Wien, U, Mero-Aurel-Strafle 5. Nr« 497 I Wien, 8« NOVemner 1935 I Tel.: U 22-3-91 RedaktlonaeehiuB Montag und Mittwoch vorm. JÜDISCHE ZEITUNG V. b. be AUTOMATISCHE ‘DÜSENREINIGUNG GERUCHLOS OHNE°DOCHT Wtsimä PETROLEUMh, GASKOCHER . BE ZUGS QUELLENANGABE DURCH' 6. BRÜCKN E R WI EN -XVI• EIS NERGASSE 6 | (12 Cheschvan S696) | 9* Jahrgang England, Italien und das Palästinamandat Der politische Referent der Londoner zionistischen Exekutive hat in einer Rede an die zionistischen Frauen Englands auf idie Spannungen in der internationalen Atmosphäre hingewiesen, die bereits alle Mittelmeerländer in ihren Dunstkreis Se' zogen 'hat. Es wird von offizieller englischer Seite immer wieder betont, daß eine Kriegsgefahr für Palästina nicht besteht. Trotzidem trifft England in Haifa und am Karmel umfassende Vorbereitungen militärischen Charakters und entwertet auf diese ■Weise seine eigenen Versicherungen. England kann für sich geltend machen, daß es im Auftrag des Völkerbundes handelt, ob ^war der Völkerbund sich, bisher wenig stens, gegen jedwede militärische Sanktion ausgesprochen bat, in der begründeten Angst, daß schließlich die Automatik der Diplomatie der Automatik des Krieges .weichen müßte. Palästina ist Schutzgebiet des Völkerbundes, der ein Interesse daran ihaben müßte, sein Prestige nicht beeinträch ,tigen zu lassen. Aber er steht fast willenlos unter dem Druck Englands, hat sich sogar von England in der Institution des kleinen und des großen Sanktionsausschusses einen Vormund setzen lassen. Es ist also nicht zu erwarten, daß von dieser Seite her die Palästinafrage angeschnitten werden Wird. Die Maßnahmen Englands erweisen cs welche große Bedeutung Palästina für die Machtstellung des britischen Imperiums zu kommt. Dies ist nicht nur vom strategisch politischen Gesichtspunkt aus zu verstehen. Ungleich größer ist das politische Gewicht. Es ist ein Unterschied, ob die Flanke des Suezkanals von einem menschenleeren, wirtschaftlich vernachlässigten Land gesichert wird oder von einem blühenden, für clen Weltverkehr aufgeschlossenen Gebiet, •dessen Bevölkerung ihre Tätigkeit nur auf die Erhaltung des Friedens einstellt und in dem Mandat vor allem einen positiven Auftrag für sich selbst erblickt. Der Völkerbund hat England die Aufgabe zugewiesen, in seinem Namen die Verwirklichung der jüdischen nationalen Heimstätte zu ermöglichen. Darin liegt auch der Auftrag an das jüdische Volk, seine Sache zu führen, und die Erklärung des Völkerbundes, es sei in Palästina kraft seines historischen Rechtes, mit allen Kräften gegen eine Verdunkelung zu schützen. Der Zionismus hat das jüdische Volk von der politischen und wirtschaftlichen Notwendigkeit dieser Heimstätte überzeugt und er hat Großes und Bleibendes geschaffen. Er hätte dies aber nicht ohne das jüdische Volk und nicht ohne die politische Rückendeckung des Völkerbundes erreichen können. Professor Brodetsky formuliert dieso Tatsacho in diesen Worten: „Palästina bedeutet dem britischen Imperium etwas, und was es heute ist, ist es dank der jüdischen Anstrengung.“ Dies bringt Mandat und Leistung in eine feste Erklärungen Brodetskys zum abessinlsdien Konflikt London, 5. November. (2. T. A.) In der Begrüßungsansprache, die der politische Dezernent der Exekutive der Jewish Agency in London, Prof. Selig Brodetsky, in der Eröffnungssitzung der 16. Jahreskonferenz der Zionistischen Frauenorganisation Englands hielt, befaßte sich unter anderem mit dem Problem des Transfers Deutschland-Palästina und erklärte: Nichts Schlimmeres kann es für einen Juden geben, als mit Deutschland Handel zu treiben; aber noch schlimmer würde es sein, die Juden Deutschlands einem Prinzip zu opfern, das nicht verwirklicht werden könnte. Die Form des Transfers ist bedingt einerseits durch die EinwanderungsVorschriften der Palästina-Regierung, die ein Mindestkapital für alle diejenigen vorsehen, die nicht auf Grund von Arbeiterzertifikaten einwandern, und anderseits durch die deutsche Devisengesetzgebung, die eine Kapitalausfuhr in Form von Barmitteln verbietet. Brodetsky kam sodann auf die in den „Times“ aufgestellte Behauptung zu sprechen, daß die Zionisten England gegenüber und die Revisionisten Italien gegenüber loyal seien. Hiezu sei von revisionistischer Seite ein Dementi veröffentlicht worden, das sich aber kaum auf ein Hundertstel dessen erstreckt habe, was in dem Artikel gesagt wurde. Was die Beziehungen zu Italien anbelange, so sei festzu^ stellen, daß die Juden keinerlei Grund haben, eine gegensätzliche Stellung zu diesem Land einzunehmen, das seine jüdische Bevölkerung in-vorbildlicher Weise behandle. Nichtsdestoweniger müsse man dessen eingedenkt bleiben, daß der Völkerbund das Palästina-Mandat Großbritannien anvertraut hat. Wir stehen und fallen mit dem englischen Palästina-Mandat. Wir müssen jedes auf eine Verdunkelung dieser klaren und eindeutigen Tatsache abzielende Manöver, das auf irgend einem internationalen Forum unternommen wird, bekämpfen. Palästina bedeutet dem British Empire etwas, und was Palästinaheuteist, istesdankderjüdischen Anstrengung. Der moderne Hafen von Haifa bestünde nicht, wenn nicht die Balfour-Deklaration gewesen wäre. Der Redner äußerte Genugtuung darüber, daß Palästina die finanzielle Panik, die sich bemerkbar machen wollte, überwunden hat, und beklagt es, daß durch die Waffenschmuggelaffäre neue politische Unruhe geschaffen wurde. Er kam auch auf die Auswirkung der Sanktionen gegen Italien auf Palästina zu sprechen und stellte mit Befriedigung fest, daß in bezug auf die Beförderung von Palästina-Einwanderer keinerlei Schwierigk e i t durch die Sanktionen entstehe. England aber nur im übertragenen Wirumg’skreis. Palästina ist keine britische Kolonie. Je klarer wir dies aussprechen, um so besser ist es, auch für das Verhältnis zwischen Zionismus und England. Wir verstehen es, daß England Maßnahmen trifft, aber wir fassen sie nur als Sicherungen gegen ein Übergreifen des Brandes auf. Dies schafft aber aiuch eine festo Verbindung zwischen uns und dem Mandatsland. Es wird sicherlich der Versuch unternommen werden, die Mandatsfrage aufzurollen, und dies wird auch für alle lichtscheuen Intriganten ein Signal sein. Es wird ohnedies — und merkwürdigerweise gerade von England — der Versuch gemacht, Deutschland zur Verteidigung des Völkerbundpaktes heranzuziehen, also den Bock zum Gärtner zu machen. Eine deutliche Gegenforderung ist automatisch zu erwarten, und sie könnte unter anderem auch in dem Verangon nach Mandaten oder Kolonien sich ansdrücken, und dies stellt dann wieder den Orient in den Vordergrund und schafft gewisse Ausstrahlungen, dio dem heutigen wankenden Europa nicht gleichgültig sein können. England wird ja keinen direkten i insbesondere Palästina nicht in Frage ziehen lassen. Aber das ist auch unsere Sache. Professor Brodetsky führt aus, daß wir mit dem Palästinamandat stehen und fallen. Das ist insoweit klar, als es sich auf den internationalen Status bezieht. Aber wir stehen und fallen nicht mit der Ausübung des Mandats und wir haben nach dieser Richtung hin sehr vieles zu sagen, das auch England nicht überhören kann, heute weniger als gestern. Wir haben zum Beispiel zu sagen, daß nebst den bürokratischen Erschwerungen der Einwanderung, die angesichts der Hitlerei unter keinem Gesichtspunkt zu rechtfertigen sind, auch andere Momente bestehen, die uns Grund zu argen Beschwerden geben. Daß die politische Bevorzugung des Araber uns schwer schädigt und auch nicht dem Frieden dient, daß die junge palästinensische Industrie, von Juden gegründet, von Juden getragen, von der Mandatsregierung nicht genügend unterstützt wird, daß sie nicht einmal durch Einbeziehung in die Zollbegünstigungen des britischen Imperiums — liier ist auf einmal Palästina Mandatsgebiet — gefördert wird, daß noch immer „Illegale“ verhaftet oder zurückgetrieben werden, daß noch, immer die Prügelstrafe für Juden angewendet wird — das sind nur einige Punkte. Wir wünschen keine Unzufriedenheit der Araber, mit denen wir zusammenzuleben haben. Aber das bedeutet nicht, daß wir auf Rechte verzichten, nicht, daß wir uns in Unzufriedenheit treiben lassen. Ein Judentum, das in Palästina arbeiten und sich ungestört entwickeln kann, bedeutet sehr viel für England. Und noch mehr bedeutet es für England, wenn das Judentum der ganzen Welt sich mit dem Stand der Dinge in Palästina zufrieden erklärt. 1000 Zertifikate als Vorschuß auf die neue Sdtedule Die Palästinaregierung hat der Exekutive der Jewish Agency die ersten 1000 Zertifikate als Vorschuß auf die Schedule des Halbjahres Oktober 1935—März 1936 übergeben. Wie es heißt, sollen 500 dieser Zertifikate für deutsche Juden reserviert bleiben. Wie schon mitgeteilt, hat die Exekutive der Jewish Agency infolge der noch ungeklärten wirtschaftlichen Verhältnisse in Palästina bisher davon abgesehen, der Regierung einen Vorschlag betreffend die neue Schedule zu unterbreiten; dies wird nachgeholt werden, sobald die Verhältnisse eine Klärung erfahren haben. Ein Dorf der 12.000 Die Pressestelle des Bundes Jüdischer Frontsoldaten Österreichs teilt uns mit: In Verfolg des kürzlich gefaßten Beschlusses, die Pflege des Andenkens der 12.000 für Deutschland gefallenen jüdischen Soldaten in entsprechender Weise zu übernehmen, hat die Bundesführung als Zentralstellesämtlicher jüdischer Frontsoldaten - Organisationen der Welt beschlossen, im Verein mit diesen Organisationen in Palästina eine Siedlung zu errichten, welche den Namen „Dorf der 12.000“ tragen und zur Ansiedlung von Hinterbliebenen dieser Gefallenen dienen soll. . * . Wie wir erfahren, ist dieser Beschluß e i nstimmig gefaßt worden. Es ist begrüßenswert, daß sich dio Solidarität mit den Juden Deutschland« in so praktischer Form geltend macht und zu einer Tat führt, die Tausenden von Müttern und Witwen Mut und Trost bringt. Es ist zu hoffen, daß die Dringlichkeit des Beschlusses von allen Juden, nicht nur von den gedienten, verstanden werden wird, und daß dieser schöne Akt alljüdischen Zusammenwirkens bald zur Tatsache wird. Verbindung. Wir sind für uns in Palästina, Eingriff in das Mandatssystem dulden und Häuserverwaltungen Reparaturfcredlte Geldbeschaffungen Tel. A 48-9-22 «MCA! Kauf- und Verkaufs- Vermittlungen kulantest R. TAU[3MANN WIEK II NORBPOLITRAIIB9/3 CAFE WEGHUBER (hinter dem Deutschen Volkstheater) Jeden Samstag, Sonn« und Feiertag s Konxert, Tarn und Stimmungsmusik Beginn 7*9 Uhr abends * Musikschutz 60 g KAPELLE ISY GEIGER