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Die Stimme · 1935-11-05 · Heft 496 (5.11.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 496 (5.11.1935)
Date
1935-11-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis d?*ser Nummer 20 g V. b. b. JÜDISCHE ZEITUNG Das richtige Bruchband für jeden einzelnen Fall nach modernsten Grundsätzen angepaßt, leicht, ohne Druck, ohne Beschwerden, ärztlich auch für schwere Fälle empfohlen: unsere „HERNIASTAT“- Bruohbandagen Fachfirma Bamfa$ßn-HlKolascli Taborstraße 22 Nr. 496 | Wien, §. November 1935 | Redaktion und Administration: Wien, Marc-Aurel-Straße 5. Tel.: U 22-3-91 RadaktlonalohluB Monteg und Mittwoch vorm. |(9. Cheschvan 5696) | 9* Jahrgang Gegen Deutschlands Handel mit Palästina Weizmann bei Avenol Genf. 3. November. Der Präsident der Jewish Agency Doktor Chaim We i z m a n n, der sich auf der Durchreise durch die Schweiz nach Palästina einen Tag in Genf aufgehalten hat, besuchte in Begleitung von Dr. Nahum Goldmann den Generalsekretär des Völkerbundes J. Avenol und den Direktor des Internationales Arbeitsamtes Mr. Butler. Präsident Weizmann und Dr. Goldmann hatten Gelegenheit, anläßlich eines Privatempfanges mit den meisten Mitgliedern der jetzt in Genf tagenden Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes zusammenzukommen. Von Genf begab sich Dr. Weizmann nach Zürich. Keine arabischen Kundgebungen am Ba four-Tag Jerusalem, 3. November. Die für Samstag, den 2. November, ge plante Wiederholung des arabischen „Gene ralstreiks“ hat nicht stattgefunden. Auch alle anderen für diesen Tag, den Jahrestag der Balfour-Deklaration, angekündigten ara bischen Kundgebungen sind unterblieben. Die nächsten billigen Reisen nach Dfll EM 4.und 17.NorvLEN ventcer 1935 Auskünfte bei lir. $. T CHER IX.. Uechfensfeinstraße l Tel. A 14504. (Reisebüro „In die Welt“) Zusammenschluß der Juden in den nordischen Ländern Stockholm, 3. November. Dieser Tage hat hier eine Konferenz der Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden Schwedens stattgefunden. Die gleichzeitig tagenden Rabbiner aller Gemeinden in Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland erschienen korporativ zu der Konferenz. Der Vorsitzende der Stockholmer Jüdischen Gemeinde Königlicher Leibarzt Dr. Fürstenberg begrüßte die Gäste und sprach die Hoffnung auf einen Z usammenschluß der jüdischen Gemeinschaften der nordischen Länder zum besten des Judentums aus. Dr. Federbusch, Oberrabbiner von Finnland, begrüßte es, daß die assimilatorischen Tendenzen im schwedischen Judentum dem jüdischen Solidaritätsgefühl weichen und daß dieses Judentum nunmehr auch Anteil an der Palästina- Arbeit nimmt. Er appellierte an die Gemeindeführer, den Weg zurück zum historischen Judentum bis zu Ende zu gehen und in den Synagogen die traditionellen Gebete um Erlösung des jüdischen Volkes wieder einzuführen. Palästina, s <; h 1 o ß er, ist heute eine Rettung f ü r j das Judentum. 1 Maßnahmen gegen das Export-Dumping bevorstehend London, 3. November. Wie die JTA aus gut unterrichteter Quelle erfährt, wird Deutschlands Ausscheiden aus dem Völkerbünde, welches vergangene Woche nach Ablauf der zweijährigen Frist der Kündigung seiner Mitgliedschaft faktisch erfolgt ist, einschneidend die Rolle berühren, die Deutschland auf dem Palästina-Markt spielt. Deutschland war im letzten Jahre mit 10.95% an den Palästina-Importen beteiligt, die Importe aus Deutschland stellten einen Wert von 1,659.000 Pfund dar, Deutschland schritt sonach an der Spitze der Staaten, die nach Palästina exportieren. Ais Mitglied des Völkerbundes genoß es gemäß Artikel 18 des Palästina-Mandates die gleichen Handelsrechte und -Privilegien wie die übrigen Mitgliedsstaaten des Völkerbundes. Heute, da Deutschland dem Völkerbund auch formell nicht mehr angehört, entsteht die Frage, ob es immer noch auf diese Privilegien Anspruch erheben könne. Von den maßgebenden Stellen wird diese Frage verneint. Deutschlands Lage gleicht der Japaus, bezüglich dessen Handels mit Palästina im letzten Bericht der Mandatskommission des Völkerbundes festgestellt wurde, daß es nicht mehr Anspruch auf gleiche Behandlung wie die anderen Völkerbund-Staaten erheben könne. Diese Feststellung der Mandatskommission tangierte aber darum nicht Japans Palästina-Handel, weil ein separates Handelsabkommen zwischen Japan und England besteht, welches Japan auch Handelsfreiheit in Palästina zusichert. Bei Deutschland ist es aber anders. Offizielle englische Kreise weisen darauf hin, daß Deutschland nach seinem Ausscheiden aus dem Völkerbund seine H x ndelsgleichberechtigung in den* Mandatsterritorien verloren habe, daß aber, da in Palästina keine Einfuhrzölle erhoben werden, die technischen Möglichkeiten zur Zurückführung des deutschen Importanteiles auf das richtige Maß beschränkt sind. Gleichzeitig aber wird darauf hingewiesen, daß das Mandat der Palästina Regierung das Recht zuerkennt, Zölle zu erheben, „wenn sie sich als notwendig und geeignet zur Förderung der Entwicklung der natürlichen Hilfsquellen des Landes und zum Schutz der Interessen der Bevölkerung erachte“. Obwohl keine Zollbestimmungen in Palästina in Kraft sind, um gegen Deutschland angewandt zu werden, so ist rach Meldung der maßgebenden Kreise bis zum Inkrafttreten solcher Bestimmungen dennoch eine Abwehraktion gegen Deutschland möglich, nämlich Beschränkung der Einfuhr bestimmter Produkte, die unter den Begriff ,,deutscher Export - Dumping“ fällt und somit eine unfaire Konkurrenz der Palästina-Industrie darstellt. Diese autoritativen Kreise deuten an, daß im Hinblick auf das Ausscheiden Deutschlands aus dem Völkerbunde demnächst die Frage des Handels Deutsch lands mit Palästina einer Revision unterzogen werden wird. Dr. Czermaks Vorschläge Schutzzölle für die Palästina-Industrie Jerusalem, 1. November. Der Schatzmeister der Palästina-Regierung, Johnson, hat dieser Tage eine Besprechung mit Vertretern der Industrie abgehalten. Es wurde die Frage eines Schutzzolles gegen ausländisches Dumping erörtert. Johnson schloß sich der Ansicht der Industriellen an, daß eine 25%ige Erhöhung der Zölle für den Schutz der einheimischen Produktion ausreichen würde. Es wurde beschlossen, eine Kommission unter dem Vorsitz Johnsons einzusetzen. * * Änderungen im Transfer? Berlin, 31. Oktober. Wie die JTA mitgetoilt hat, ist die Sonder tagung der juristischen Berater der Palästina-Ämter in Deutschland verschoben worden, weil auf dem Gebiete des Transfer- und Devisenrechtes dor Palästina-Wanderung, das heißt der Ausführung von Vermögens- und Geldwerten, wesentliche Änderungen zu erwarten sind. In Berlin zirkuliert das Gerücht, daß die P a i ä s ti u a- Regierung diie Absicht hat, gewisse1 Handelsaufträge an Transferabkommen zu Deutschland stellen. unter das Rückwanderung von der Stadt ins Dorf Mitte November werden in verschiedenen Kolonien 21 Wohnhäuser filr über tausend jüdische Arbeiter fertiggestellt. Die Häuser werden von der Gesellschaft zur Beschaffung von Wohngelegenheiten für Arbeiter auf dem Dorfe gebaut. Demnächst begännt man mit dem Ban von Wohnhäusern in Ness Ziona, für den Kibbuz des Haschomer Hazair in Raanana und für den Hanoar Hazioni in Herziia. Diese Arbeitergruppen sind in den letzten sechs Wochen nach Palästina gekommen. Die Arbeitsabteilung der Hisbadruth hat eine Reihe von Maßnahmen zur Beschäftigung jüdischer Landarbeiter in mehreren Kolonien wiio Rechowot, Petaoh Tikwa, Rischen le Zion und Chedera getroffen. In Rechowot soll demnächst Beschäftigung für 200 neue jüdische Arbeitor geboten werden. Es machen sich bereits die ersten Anzeichen einer Rückwanderung von der Stadt ins Dorf bemerkbar. In den galiläischen Kolonien besteht starke Nachfrage nach qualifiziertein Landarbeitern. Im „Morgen“ veröffentlicht der Journalist Bruno Heilig ein Gespräch mit dem gewesenen Unterrichtsminister Dr. C z e r m a k, das sich mit der Stellung des Judentums im neuen österreichischen Staat beschäftigt. In diesen Äußerungen liegt zum ersten Male ein Versuch Dr. Czermaks vor, seine Gedanken über die von ihm propagierte ernste und sachliche Auseinandersetzung mit dem jüdischen Problem in eine etwas konkretere Form zu bringen. Man sieht jetzt, wo und wie — und das ist immerhin ein Vorteil. Aus den Erklärungen Dr. Czermaks geht hervor, daß an irgend einer amtlichen Stelle schon bestimmte Vorstellungen über dieses Thema bestehen, deren Kern die Anschauungen Czermaks bilden. Er sagt nämlich (in bezug auf die jüdische Erziehung des jüdischen Kindes): „Unter voller Respektierung der i n n e r e n jüdischen Autonomie habe ich, so weit es an mir lag, dafür Sorge getragen, daß das alles verwirklicht werde.“ Man darf wohl annehmen, daß die kompetente jüdische Stelle, das ist die Kultuagemeinde, sieh mit dieser Regelung und ihren Grundzügen noch autoritativ befassen wird. Dr. Czermak erklärt, daß die jüdische Volksgruppe in Österreich selbstverständlich als eine Gruppe von vollberechtigten Staatsbürgern bestehen bleiben soll. Er anerkennt demnach das Judentum als Nation, als nationale Minderheit, die unter voller Wahrung der Staatsbürgerrechte des Einzelnen dem Staat einzugliedern wäre. Er anerkennt weiter, daß eine moralische Verpflichtung der Mehrheit gegenüber den Minderheiten besteht. Die Juden sollen ihre sehr weitgehende Autonooiie haben, wobei ihr Anteil an der Verwaltung und Beeinflussung des Staates ihrer Zahl und ihrer Bedeutung zu entsprechen hat. Eine Zerstörung der wirtr schaftlichen Grundlagen der Juden kann nicht — sagt Doktor Czermak — das Ziel meiner Bestrebungen sein, und dies lägQ auch nicht im SinnedesStändestaates. Es muß eine Umschichtung stattfinden, bei der nach dem Grundsatz vorzugehen ist: „Wenn die Juden Plätze zu räumen haben, müssen sie natürlich Plätze bekommen.“ „Das ist“ — fügt Dr. Czermak hinzu — „einer jener Punkte, über die man vor einem geeigneten Forum und mit den zuständigen Persönlichkeiten wird sprechen müssen.“ Aus den nebulösen Äußerungen über „Verständigung“ tritt Dr. Czermak in diesen Äußerungen auf einen festeren Boden. Er spricht Gedankein aus und formuliert sie zu Vorschlägen, die der freien und freimütigen Diskussion wert sind. Es ist der Öffentlichkeit nicht bekannt', wie weit bei der gegenwärtigen Konstruktion der Staatsführung der geistige und politische Einfluß Doktor Czermaks reicht. Seine Vorschläge greifen tief in die wirtschaftliche Gliederung des österreichischen Judentums, und das

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