Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 487 (27.9.1935)
- Date
- 1935-09-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 10 DII STIMME Nr. 487 — 27. September 1935 ihren Mitbürgern zu unterminieren. Ich konnte .selbst in einem Falle beobachten, wie deutsche Touristen — allerdings erfolglos — sich darum bemühten. Die rechtlich denkende Bevölkerung Jugoslawiens hat keine Veranlassung, gegen die Juden Stellung zu nehmen, da die Juden dort, wie überall, das Wohl desjenigen Staates im Auge haben, in welchem sie leben. Makkabi und Zionistische Organisation Von der Hasohalah olamith Makkabi Hazair wird uns geschrieben: Das schwierigste Problem des soeben zu Ende gegangenen Weltkongresses des Makkabi war die Klärung seiner Stellung zur Neuen Zionistischen Organisation. Namentlich der tschechoslowakische, deutsche und bulgarische Makkabi- Kreis, weiters der Makkabi Hazair, verlangten eine scharfe Abgrenzung, wie dies insbesondere aus dem Antrag des tschechoslowakischen Kreises zum Ausdruck kam, welcher lautete: „Der Makkabi steht auf dem Boden der Zionistischen Weltorganisation. Die Zugehörigkeit zur Neuen Zionistischen Organisation ist mit der Mitgliedschaft im Makkabi unvereinba r.“ Auf dem Kongreß ergaben sich gegenüber der einheitlichen Front: Deutschland, Tschechoslowakei, Bulgarien und Makkabi Hazair, die eine radikale Lösung verlangten, noch zwei Gruppierungen: eine größere, die wohl für eine einzige Zionistische Organisation eintritt, Sanktionen jedoch ablehnt, und eine kleinere Gruppierung, die eine Festlegung nicht wünschte und es jedem Mitglied freisteilen wollte, welcher Organisation er anzugehören wünsche. Eine zweideutige Haltung zeigte hiebei der Makkabi-Kreis Erez Israel, der, in der Voraussetzung, daß die übrigen Makkabi-Kreise in der Ablehnung der: N. Z. 0. eane eindeutige Stellung einnehmen werden, klare Vorschläge im Sinne der tschechoslowakischen Vorschläge einreichte, diese jedoch zurückzog und zum Wortführer der Reaktion wurde, als er sah, daß die Anschauungen der anderen Länder uneinheitlich waren. Im Laufe der Auseinandersetzungen ergaben sich schließlich zwei Richtungen. Die radikale Richtung verlangte Ausschluß der Angehörigen der N. Z. 0., beziehungsweise solche Beschlüsse, auf Grund welcher der Ausschluß durchgeführt werden muß, während die gemäßigtere Richtung Sanktionen ablehnte und Beschlüsse wünschte, die es den Angehörigen der N. Z. 0. als mit ihrem Ehrbewußtsein unvereinbar machen, weiter dem Makkabi anzugehören. Der Umstand, daß eine große Anzahl von Makkabi-Reisen diese Frage noch überhaupt nicht behandelt hat, komplizierte die Lage nur noch mehr, weil die betreffenden Landesdelegierten nicht die Meinung ihres Landes, sondern nur ihre persönliche Meinung oder Anschauung vertreten konnten. Es war ein Fehler der früheren Exekutive des Makkabi-Weltverbandes, daß sie diesen Punkt nicht als speziellen Punkt auf die Tagesordnung stellte. Unter diesen Umständen und angesichts der Gefahr, den Makkabi-Weltverband zu «palten, wurde der gemäßigte Antrag zum Beschluß erhoben, so daß in der Frage der Zugehörigkeit des Makkabi zur Zionistischen Weltorganisation nunmehr folgende Beschlüsse bestehen: Beschluß des VII. Makkabi-Kongresses (Prag 1933): „Der Makkabl-Kongreß weist die Landeskreise noch einmal nachdrücklich auf die Scheckeipflicht hin.“ Beschluß des VIII. Makkabi-Kongresses (Brünn 1935): „Der Makkabi bekennt sich zum einheitlichen überparteilichen Zionismus. Er verurteilt die Spaltungstendenzen innerhalb der zionistischen Bewegung. Herr S. Buciisbuuni und Frau danken auf diesem Wege allen Freunden und Bekannten für die ihnen anläßlich der Bar-Mizwah ihres Sohnes erwiesenen Aufmerksamkeiten. Er fordert eine zionistische Weltorganisation, eine Gewerkschaft, einheitliche Fonds, einheitliches Schul- und Unterrichtswesen und Anerkennung des Makkabi durch die Zionistische Weltorganisation als d i e nationale Turn- und .Sportbewegung. Er verpflichtet die Exekutive und die Landesverbünde des Makkabi für diese Ziele, mit allen Mitteln einzutreten und die Stellung der zionistischen Bewegung zu stärken.“ Die erste Phase einer ideologischen Klärung im Makkabi ist durch diesen Beschluß beendet. Gleichzeitig hat jedoch der Kampf wegen vollständiger Distanzierung des Makkabi von der N. Z. 0. eingesetzt, was die Das Unglück der deutschen Juden läßt das Schicksal des russischen Judentum« in den Hintergrund treten, obwohl es sich auch hier um ein brennendes Problem handelt. Sowjetrußland vernichtet das nationale Leben der russischen Juden, raubt ihnen wie anderen Glaubensbekenntnissen die Freiheit der Religion, verbietet den Gebrauch der hebräischen Sprache und hat die zionistische Bewegung als ,,k o n t e r evolutionär“ erklärt. Trotz aller Verfolgungen existiert aber in Sowejtrußland die zionistische Bewegung unterirdisch weiter. Die Zionistische Arbeiterpartei in der Sowjetunion, die trotz Verfolgung und trotz Unterdrückung weiterbesteht, ist gezwungen, unter Bedingungen, die für die Juden als nationale Einheit verderblich sind, zu arbeiten. Die Lage der jüdischen Massen hat sich in den vergangenen Jahren nicht gebessert. Kaum trat eine Atempause nach den „Dollarverfolgung s“-V o r g ä ng e n, die ein Sonderkapitel auf dem dunklen Hintergründe der Beraubung der elementarsten Menschenrechte darstellt, ein, als die neue Paß verordnung im Jahre 1933 in ganz Rußland in Geltung trat. Auf Grund dieser Verordnung wurden Zehntausende von Juden, da sie in der Kategorie der Deklassierten eingereiht waren, .aus den größeren Städten und den Industriezentren verbannt. Die Kolonisationsbewegung unter den Juden in Rußland zeigte keine Ansätze zur Aufnahme der Deklassierten und paßlosen Personen. Die Tätigkeit der ausländischen Körperschaften, zum Beispiel des „J o i n t“ und „0 r t“, die früher finanziell und organi satorisch die jüdische Kolonisationsarbeit gefördert hatten, wurde beschränkt. Mit der Einführung der Zwangskollektivis i e r u n g in der Landwirtschaft wurde ein großer Teil der jüdischen Kolonien — alte wie neue — in der Krim und in Krivorog zerstört. Bezüglich der Siedlung in B i r o B i d j a n, die in jüngster Zeit von den Sowjetbehörden sehr gefördert wurde, sei festgestellt, daß sie die jüdischen Massen nicht länger anzieht. Das jüdischeDorf ist gänzlich zerstört. Die Jugend ist weggezogen, die Verdienstmöglichkeiten versiegten und nur die Alten, die durch die Arbeit ihrer Kinder in den Großstädten oder durch die Unterstützung von Verwandten aus dem Auslande erhalten werden, bleiben. Die Lago erfuhr durch die Abschaffung der Rationierung und durch das Wiederauf tauchen von Lebensmitteln auf dem freien Markte eine gewisse Erleichterung. Die Lage der Juden bleibt jedoch so prekär wie früher. Die B estcuerung von Juden, die früher Kaufleute oder selbständige Handwerker waren, geht noch immer vor sich. Die Höhe der Bemessung ist gänzlich den lokalen Behörden überlassen, die den Gesetzestext nach freiem Ermessen auslegen. Sie Bchrecken nicht einmal vor der Enteignung des Gesamt„vermögens“ der Steuerträger zurück, das heißt, sie vertreiben sie aus ihren Häusern und lassen ßie ohne jegliche Mittel. Die Verordnungen bezüglich der A u slandreisen gestalten die Lage der russischen Juden noch schwieriger. Die Bedingungen, unter denen man das Land verlassen darf, bestehen in dem Ankauf einer Fahrkarte zum Preise von 12 5 Dollar und in der Zahlung von 5 0 0 Dollar für nachstehende, dem Präsidenten des Kongresses und des Makkabi-Weltverbandes überreichte Erklärung des Makkabi Hazair beweist: „Die Stellungnahme des VIII. Makkabi- Kongresses zur Frage der Neuen Zionistischen Organisation entspricht wegen ihrer nicht genug konsequenten Entscheidung nicht der zionistischen Haltung des Makkabi Hazair. Der Makkabi Hazair behält, sich deswegen vor, sich mit allen seinen Landesorganisationen ins Einvernehmen zu setzen und in diesem Zusammenhang auch die Frage der Mitarbeit seines Delegierten im Aktionskomitee des Makkabi-Weltverbandes definitiv zu klären. die Ausreiseerlaubnis durch Verwandte im Ausland. Es braucht nicht betont zu werden, daß es nur eine verschwindende Zahl von Menschen gibt, deren Angehörige eine solch enorme Summe für die Ausreise erlegen können. Das kulturelle Niveau der Juden in Rußland ist sehr gesunken. Eine junge Generation wächst auf, die keine Kenntnis des jüdischen Gesetzes besitzt, die die Sprache und die Geschichte des Volkes nicht kennt. Die jüdische Presse befindet sich im Niedergang- Der neujüdischen Kultur fehlt der nationale Geist, sie findet in den jüdischen Massen keinen Widerhall. Die tragische Lage der russischen Juden ist genügend bekannt und bedarf keiner näheren Erörterung. Wir müssen jedoch immer wieder darauf hinweisen, wclcbes Unrecht es bedeutet, die russischen Juden sich selbst zu überlassen und ihnen weder Hilfe noch Hoffnung zu bringen. Unter solch schwierigen Bedingungen bekommt die zionistische Arbeiterbewegung, die trotz der stärksten Verfolgungen den Kampf nicht auf gibt, und ihre Tätigkeit ohne Unterbrechung fortsetzt, besonder Be deutung. Trotz der Verbannungsurteile, die die Bewegung ihrer aktivsten Mitglieder beraubt, wirkt die Hitachduth unermüdlch für Palästina und die hebräische Sprache. Obwohl ihre Mitglieder die Bewegung erst nach Eintritt des Bolschewismus kennengelernt haben, entwickeln die Jugendorganisationen eine rege Tätigkeit. Das wichtige Phänomen unter den Juden in SowjetruÜ land — das Bestehen einer zionistischen Jugendbewegung —, die in einer Periode intensiver Assimilation und nationaler Degeneration, bereit ist, sich für Palästina zu opfern — verdient besondere Erwähnung. Die Ernsthaftigkeit des Palätina-Willens in allen Teilen der Bewegung hat in einem Manifeste des illegalen Chaluz vom Ende 1933, das unter anderem folgende Sätze enthält, seinen Ausdruck gefunden: „Die Notwendigkeit der Auswanderung aus Sowjetrußland nach Palästina ist außerordentlich groß. Aber de facto verbietet die Regierung sie, indem sie nur einigen wenigen, die Über bedeutende Summen in ausländischer Währung verfügen, die Ausreise gestattet. Dieser Zustand ist bedauerlich und die diesbezüglichen Verordnungen sollten widerrufen werden. In den letzten Jahren hörte die Auswanderung nach Palästina fast gänzlich auf, doch die Zeit ist gekommen, sie wieder aufzunehmen. Viele Hindernisse und Schwierigkeiten liegen auf dem Wege, aber w i r dürfen trotzdem die Hoffnung nicht aufgeben. Die zur Auswanderung bestimmten Mitglieder sollen sich der Schwierigkeiten, die ihnen bevorstehen, voll bewußt sein. Sie müssen darauf vorbereitet sein, ein Jahr oder noch länger zu warten, bevor _ sie zur Alijah kommen. Wir hoffen, daß sie die Prüfung bestehen werden. Die Grundsätze der Chaluziuth, verläßliche Informationen über den Aufbau, be sonders über die Arbeitslage in Palästina, über die Situation der Juden in der ganzen Welt und in Sowjetrußland müssen unter den Mitgliedern propagiert werden.“ Die Tätigkeit des Hechaluz und der Jugendbewegung beweisen, daß die Zionistische Arbeiterbewegung in Rußland ihre Kräfte aus den Quellen jüdischer Energie und zionistischen Glaubens schöpft. Bestünde nicht die Unterdrückung durch die Regierung, so wären wir Zeugen eine« großen zionistischen Erwachsene im russischen Judentum. Die Verfolgung des Zionismus in Rußland dauert nunmehr fünfzehn Jahre. Dreizehn Jahre sind seit der Verhandlung gegen die verhafteten Teilnehmer der Kon-! ferenz (1er Zeire Zion in Kiew vor* (Jossen — es war die erste und letzte Verhandlung, bei der die Angeklagten öffentlich über Palästina und den Zionismus sprechen konnten. Seither haben die Behörden das Verwaltungsstrafeverfahren dem gerichtlichen vorgezogen. Die Verfolgungen von Zionisten in den. letzten vier oder fünf Jahren zeichnen sich durch besondere Grausamkeit aus.. Zionisten werden in die verlassensten Teile Sibiriens und des Urals verbannt, darunter auch Knaben im Alter von 17 und 18 Jahren aus dem Haschoiner Hazair, die in politischen Konzentrationslagern isoliert werden. Viele der Verbannten werden noch dazu ins Gefänguia gesteckt und Zionisten, die schon sieben bis neun Jahre in Gefängnissen und Konzentrationslagern ,abgebüßt hatten, sind jüngst wieder verhaftet und zu weiteren drei Jahren Verbannung verurteilt worden. Besonders im November 1933 waren Verhaftungen zahlreich. Im September und Oktober 1934 wurden in verschiedenen Städten 42 Mitglieder verhaftet und in das Konzentrationslager der Moskauer 0. G. P. U. überführt, obwohl viele von ihnen um Ausreiseerlaubnis nach Palästina angesucht batten. Eine Gefangene, ein Mädchen, wurde irrsinnig. Einzelne der Verhafteten wurden zu fünf Jahren politischem Konzentrationslager, andere zu fünf Jahren Kerker verurteilt. Durch die Entscheidung der Behörden, ihre früheren Anordnungen, die dem Verbannten die Möglichkeit, nach Palästina auszuwandern, gaben, zu widerrufen, ist die Lage der Verbannten schwieriger geworden. Die Mitglieder, die ihre Verbannungs- oder Gefängniszeit abgebüßt haben, befinden sich in unbeschreiblichen Schwierigkeiten. Der „Makel“ der zionistischen Vergangenheit beraubt sie jeder Arbeits¬ und Verdienstmöglichkeit. Sie sind dem Ver hungern und der Willkür der.. Be* hörden au «geliefert, die wiederum beginnen, Verhaftungen vorzunehmen. Alle Versuche von ehemaligen Verbannten, eine Ausreisebewilligung zu erhalten, scheiterten' an den enormen Forderungen der Behörden, Das Problem der Auswanderung nach Palästina sowohl der Verbann* ten, die aus ihrer katastrophalen Lage ge* rettet werden müssen, als auch jener Mit* glieder, die noch nicht verhaftet sind, ist ein Problem von außerordentlichem Ernst und Wichtigkeit für die Chaluz-Bewegung in Rußland. Ohne Auswanderung können Cha* iuzim nicht bestehen. Da die H a c h* schar ahzentren behördlich go* schlossen wurden und die aus den Gefängnissen zurückkehrenden Mitglieder von Ort zu Ort ziehen, müssen Möglichkeiten für die Wiederaufnahme der Alijah aus Rußland geschaffen werden. Selbst eine Teillösung in der Alijah-Frage für russische Zionisten bedeutet das einzige Mittel zur, Stärkung der Bewegung und zur Linderung der Leiden der Menschen im Kerker und io der Verbannung. Die Zionistische Exekutive in London und die Zionistische Organisation in Amerika haben Schritte eingeleitet, um das schreck* liehe Los der Zionisten in Rußland zu er* leichtern und ihnen die freie A u s w a n* derung nach Palästina zu ermöglichen. Bisher wurde kein Ergebnis erzielt, Das darf nicht daran hindern, die Anstrengungen zur Rettung des russischen Judentums fortzusetzen, das uns so hervorragende Führer wie Weizmann, Sokolow, Ussischkin und Motzkin geschenkt hat Die Gefangenen Zions müssen befreit werden. Buchhandlung u. Verlag R. Löwit Wien, I., Fleischmarkt 1 gratuliert allen seinen Kunden und Geschäftsfreunden zum Jahi eswechsel Lese- und RedehaUe jüdischer Hochschüler« Der Lesesaal ist wieder eröffnet und täglich von 4 bis MS8 Uhr abends, außer Samstag und den jüdischen Feiertagen, jedem frei zugänglich. Der Zionismus In SowietruBIand Der Keren Kajemeth hat in den nächsten 2 Jahren 1 Million Pfund aufzubringen! Juden! Gedenket daher beim Thoraaufruf des Keren Kajemeth!