Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 487 (27.9.1935)
- Date
- 1935-09-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit» 0 011 ITtMMl Nr. 487 — 27. September 1085 Hetze wie noch nie Prag, 24. September. (2. T. A.) Unbeschadet der Ankündigung Hitlers auf dem Nürnberger Parteitag, daß die Judengesetze einen Versuch darstellen, zu der „anderen Nation in ein erträgliches Verhältnis“ zu kommen, nimmt die antijüdische Hetze immer krassere, blutdürstige und an Wahnsinn grenzende Formen an. Das fol-| gende, in wort- und satzgetreuer Anordnung) ■wiedergegebene Flugblatt wird in Deutschland auf der Straße und auch in Schulen an Kinder verteilt: „Deutscher Volksgenoese, weißt du? Daß der Jude t dein Kind . . . vergewaltigt deine Frau . . . schändet deine Schwester . schändet deine Braut . . . schändet deine Eltern . . mordet dein Besitztum . . stiehlt deine Ehre . . . verspottet deine Sitten . . . verhöhnt deine Kirche . . vernichtet deine Kultur . . verdirbt deine Rasse. . . verseucht daß der J u d e dich ..belügt dich betrügt - dich . . . . . . bestiehlt dich als Vieh bezeichnet daß jüdische Ärzte dich langsam morden, Rechtsanwälte, dir nie zu deinem Recht verhelfen,. Lebensmittelgeschäfte dir verdorbene Waren verkaufen, Schlächterläden dreckiger sind als Sohweineställe, daß der Jude obiges nach seinen Talmudgesetzen tun muß,-da es für ihn eine „gottgefällige ■ Tat“ ist. Deutsche Volksgenossen, darum fordert: Für Deutsche, die mit Nichtariem Geschlechtsverkehr unterhalten, Zuchthausstrafen, Aberkennung der Staatsbürgerrechte, Vermttgensbeschlagnabme und Ausweisung. Im Rückfall die Todesstrafe. Die Nachkommen sind unfruchtbar zu machen und dürfen keine Staatsbürger werden, sie und der nichtarische Teil sind ‘ auszuweisen. Frauen und Mädchen, die sich freiwillig mit Juden einlassen, ist in keinem Falle gesetzlicher Schutz zu gewähren. Für Betrügereien hohe Zuchthausstrafen. Der Jude lebt von der Lüge und stirbt an 3er Wahrheit , Nora-Druck,. Berlin.“ ' Vor uns liegt eine Nummer der „Nationalsozialistischen Landpost“, Folge 36, Scheiding (September) 1935. Sie veröffentlicht einen Protest aus ihrem Leserkreis gegen die Plakate an deutschen Wirtschaften: „Hun.de und Juden haben keinen Zutritt“ Der Protest lautet: „Ich muß im Namen meiner treuen stummen Freunde dagegen protestieren, daß sie mit den: Juden zusammen genannt werden. Sibher besteht ein sehr-großer .Unterschied zwischen Hunden und Juden; aber ein Unterschied, bei dem der Vergleich zugunsten der ersteren ausfällt“ Die „Nationalsozialistische Lahdpost“ lobt den Protest als „besonders nett“. nrmM wurde 1923 mit wenigen Mitgliedern gegründet. Sie hat heute £P 30.000 Kapital mit 10facher Haftung, £P 55.000 Reserven und £P 1 Million Einlagen. Die Interessen der neuen Einwanderer werden von uns besonders individuell gepflegt und unsere Abteilung für „NEUE EINWANDERER7' stellt ihre Dienste jederzeit bereitwilligst zur Verfügung. Wir glauben, mit unseren Eifahrungen auf allen Gebieten der palästinensischen Wirtschaft, unseren Kunden bei der Einordnung wertvolle Dienste leisten zu können. Ferner hat das wachsende Interesse für Kapitalinvestitionen uns veranlaßt, eine besondere Abtei'ung für palästinensische und internationale Wertpapiere einzunchten. THE ASHRAI BANK COOP. SOG LTD. P. O. 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Das Gericht nahm die Schuld des Angeklagten als erwiesen an und erklärte, daß die Verwendung der Worte: „Solange Hitler mit seinem Gesindel in Deutschland regiert,.»“ eine schwere Beleidigung und Verächtlichmachung Hitlers enthalten. Aus dem Inhalt dieser Äußerung Naum Haiberstadts gehe ferner hervor, daß sich der Angeklagte dessen bewußt war, daß er die beleidigenden Worte an die Adresse einer Persönlichkeit gerichtet habe, die an der Spitze des Deutschen Reiches stehe. Als besonders belastend wurde angesehen, daß die Beleidigung das Oberhaupt „eines mit Polen befreundeten Staates“ betraf. Als mildernd wurde u. der Zustand der Erregung in Betracht gezogen, in dem' der Angeklagte, auf Grund seiner tiefen Überzeugung von der ungünstigen Lage der Juden -in. De u t'scbl and handelte. Die Veröffentlichung des Urteils hat bei den Zuhörern einen großen Eindruck hinterlassen. Die Verteidiger haben gegen das Urteil Berufung eingelegt. Gegen die Nürnberger Gesetze Der Oberste Rat der Jüdischen Kultusgemeinde-Verbände in Böhmen, Mähren und Schlesien faßte in seiner Sitzung vom 22. d. die folgende Resolution: „Zweieinhalb Jahre ßtand das Schicksal der deutschen Juden unter der Herrschaft von Gewalt und Rechtsbruch. Dieser Zustand ist nunmehr durch Judengesetze legalisiert worden. Das, was man in Deutschland Judemgesetze nennt, ist nichts anderes als Verkörperung der Brutalität u n d d e r H a ß i d 0 o 1 og i o gegen dio jüdische Minorität. Man versucht, die Ehre, der Juden in. Deutschland anzugreifen, die auch unsere Ehre ist und uns dahv3r das Reoht und die Pflicht gibt, vor der ganzen Welt feierlich zu erklären, daß nichts imstande ist, eine noch schwache Minorität der ewigen Rechte auf Existenz, Ehre und menschliche Gleichberechtigung zu berauben. Wir erklären, daß eine noch so' brutale Bedrückung die Judenheit von ihrer Treue zu derjüdischen Gemeinschaft und ihren ewigen Idealen nicht abbringen wird. Sie wird im Gegenteil dieso Gemeinschaft nur stärken und fester zusammenschließen. Im Namen der Menschlichkeit rufen wir alle Regierungen und zivilisierten Völker — als tschechoslowakische Staatsbürger besonders die tschechoslowakische Regierung und das tschechoslowakische Volk — auf, den Opfern dar deutschen Regierung, insbesondere irn Namen des Völkerbundes, dio rettende Hand zu reichen/1 DEMNÄCHST ERSCHEINT •onpran 13 VON BEN-CHAVIV (DER FORTGESCHRITTENE) Verfasser des bekannten und weitestverbreiteten Lehrbuches erne Hebräisch" FÜR ANFÄNGER VERL. JOS. SCHLESINGER, WIEN, I. Der Schweizerische Israelitische Gemeinde-* bund sandte das folgende Schreiben an Bundesfat M o fc t a: „Der Deutsche Reichstug hat Gesetze erlassen, die eine die Juden in der ganzen Welt gefährdende Wirkung auszuüben droben. Diese Gesetze heben die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden auf, legalisieren den Rassenhaß, erschüttern die soziale und wirtschaftliche ExisÄenzmöglichkeit der jüdischen Bevölkerung und stellen die Errungenschaften der Kultur und Humanität ernstlich in Frage. Wir verwahren uns als Schweizer und Juden gegen die Unterstellung, als sei Bolschewismus identisch mit Judentum und das Judentum der Träger der Volkszersetzung und sittlich minderwertig. Wir gestatten uns, an Sie, sehr geehrter Herr Bundosrat, dio dringende Bitte au richten, mit allen Ihnen zu Gebote stehenden Mitteln alle Bestrebungen zu unterstützen, die geeignet sind, dio verletzten Menschenrechte und Menschenwürde der deutschen Juden wiederherzustellen.“ * Die vom „Jüdischen Bund“ (der auf die Realisierung des Jüdischen Weltkongresses und der jüdischen Einheit gerichteten Volksbewegung) in Paris einberufenö öffentliche Versammlung von Juden und Nichtjuden faßte eine Resolution, die unter anderem lautet: „Die teuflischen Unmenschlichkeiten der neuen Juden- und Rassengesetze in Deutschland sollen nach dem Willen der Gesetzgeber die anständigen „arischen“ Volksteile dieses Landes fast ebenso schwer treffen wie die Jude» selbst. Die Antwort auf diese „Gesetze“ darf sich nicht auf Worte und Proteste beschränken. Die Antwort muß bestehen in einer der rohen Wucht des Angriffs entsprechenden geschichtlichen Tat des Judentums. Der ,Jüdische Bund* ruft daher das Judentum der Welt auf, sich über alle Landes-, Partei-, Weltanschauungs- und Klassengrenzen hinweg zusammenzu- -schließen. und. W als erste, gesamtjüdische Aktion — dem noch in Deutschland verbliebenen Rest der ehrenhaft gesinnten deutschen Juden den vollständigen Auszug aus diesem Lande der Knechtschaft schnellstens zu ermöglichen und die zur praktischen Durchführung dieser historischen Aufgabe erforderliche planmäßige Organisation der Auswanderung za schaffen. Wir sehen in der massenweisen Herausziehung der Juden aus Deutschland die wirksamste Schwächung des antisemitischenRegimes durch den Ausfall jüdischer Tüchtigkeit und Leistung ira Lande, Vorzüge, die wir denjenigen Ländern zuzuführen vorziehen würden, in denen die Gebote menschlicher Gesittung noch nicht außer Kraft gesetzt sind. SCHADCHEN, der In Intelligenzkreisen Zutritt hat, moge Adresse ab** geben unter „Heirat 1935“ an die Admin. d. Bl. Durch die energische Verwirklichung unseres Vorschlages entreißen wir außerdem dem antisemitischen Regime die 500.000 Geiseln, mittels derer es fast ebenso sehr wie mit seinen militärischen Mitteln der Welt seinen Willen aufoktroyiert. . Der ,Jüdische Bund* ist sich bewußt, daß die Durchführung der Forderung nach einer möglichst breiten Öffnung der Tore der Einwanderungsländer, Insbesondere Palästinas, nur eine der vielen praktischen Forderungen ist, die sich aus der Verwirklichung dieses Aufrufes ergeben. Scheinbar »unüberwindliche praktische Schwierigkeiten* werdeu aber zu Skurrilitäten in dem Augenblick, in dem die Völker erkennen, daß die radikale Herausziehung der 500.000 Juden aus Deutschland das schnellste Mittel zur Änderung des herrschenden antisemitischen Regimes ist und somit zur Vermeidung des von diesem Regime — und nur von diesem Regime drohenden Weltkrieges.“