Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 486 (24.9.1935)
- Date
- 1935-09-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 0 DIB STIMME Nr. 486 — 24. September 19S5 ist selbstverständlich. Man darf aber, während die Verbundenheit mit diesen Toten bei jeder Gelegenheit unterstrichen wird, nicht die Lebenden beiseite schieben. Nicht nur jene, die der Rasen deckt, sind als gleichwertig anzusehen, wenn man sie ehren will. Nur in der Verbundenheit mit uns Lebenden können unsere Toten wirklich geehrt werden. Nur in der Gleichstellung von uns Lebenden können unsere Toten ihre wohlverdiente Ruhe finden. Nur in der Achtung vor uns Lebenden können unsere Toten richtig geachtet werden. Nur dann, wenn wir Juden gerecht beurteilt werden, kann der Schmerz der Hinterbliebenen unserer toten Brüder gemildert werden durch das Bewußtsein, daß die Lebensopfer nicht umsonst gebracht worden sind.“ Nach einer weihevollen Rede des Oberrabbiners Dr. F e u c h t w a n g übernahm Staatsrat Dr. Desider Friedmann als Präsident der Wiener Kultusgemeinde die neugeweähten Grabsteine in die Obhut der Gemeinde und sagte: „Wir alle wissen uns eins mit diesen Toten in der treuen Erfüllung unserer Bürgerpflicht. Aus dieser Verbundenheit heraus erneuert die Judenheit ihr rückhaltloses Bekenntnis zu Österreich.“ Der Redner gedachte der jüdischen Brüder und Schwestern in Deutschland, die mit bewundernswerter Würde ihr Märtyrerschicksal tragen. Er rief das Gewissen der Welt und aller Völker auf, die Gerechtigkeit für die Juden wiederherzustel len, denn nur die Gerechtigkeit kann die ewige Grundlage der sittlichen Ordnung und der Kultur der Menschheit sein. Zwei alte zionistische Kämpfer gestorben Im Alter von 76 Jahren ist in-eimm Frholungöheim in der Nähe von Zürich der bekannte russische Zionist und palästinensische Industrielle Isaak G o 1 d b e r g gestorben. Der Ehrenpräsident der Zionistischen Organisation und der Jewksh Agency, Nahum Sokolow, der Präsident des Keren Kajemeth und des Zionistischen Aktionskomitees, M. M. Ussischkin, und der Pariser Zionistenführer Is/aak Naiditch, die sich augenblicklich in der Schweiz aufhalten, haben sich nach Zürich begeben, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Die sterblichen Überreste Isaak Goldbergs werden nach Palästina überführt. laaak Goldberg hat anläßlich der Unruhen in Palästina 1929 seinen einzigen Sohn verloren, der in der Nähe von Tel- Aviv mit einer von ihm geführten jüdischen Wacbtpatrouille in einen Hinterhalt geriet und von Arabern getötet wurde. Später stiftete Goldberg ein Bodenareal in Tel- Aviv im Werte von 50.000 Pfund für einen öffentlichen Stadtpark zum Andenken an seinen Sohn. Goldberg förderte auch sehr stark das hebräische Schrifttum und unterstützte hebräische Schriftsteller. In Jerusalem ist einer der ältesten Vorkämpfer der zionistischen Bewegung, Doktor Juda Leib W i 1 e n s k y, im Alter von 64 Jahren gestorben. Wilensky war in den letzten Jahren insbesondere für den Keren Hajessod und im Interesse des Aufbaues von Tel-Mond tätig. Er gehörte der Gruppe der radikalen Zionisten an. Das Reisebüro „In die Welt“ (Dr. S. Tocker), IX., Liechtensteinstraße 2, Tel. A 14-504, veranstaltet jeden Sonntag billige und beriueme Reisen nach Polen D-Züge, Pullman-Wagen und reservierte Plätze sichern angenehme Reise. DEN PRIVATANGESTELLTEN DIE VORSORGE-VERSICHERUNG MONATLICH! 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Wann wird es rings im Rat der Völker tagen. §3 Wann regt sich rettend der Befreiermut? üf Die da Gesittung in die Weite tragen, jüj Sie stehen schweigend vor vergoss'nem Blut. j§§ Kein Schrei erdröhnt ob der Barbarentaten, §§ Nur feile Federn rascheln auf Papier, §|§ Daß Ihr die Satzung Gottes so verraten, §2 Heut büßen es die Schwächsten — morgen Ihr! §= Kurzsichtige, reift euch nicht bald dasselbe? §§ Wie lang noch werdet Ihr in Frieden ruh'n? fj§ Was Ihr den Juden, werden euch der Gelbe, §§ Der Schwarze und die andren Rächer tun... e§ Oskar Bendiener. =§ Palästina meldet: Verfolgung Illegaler Jerusalem, 20. September. Die arabische Tageszeitung „Felestin“ berichtet, daß von der syrischen Grenzwache 13 Juden verhaftet worden seien, die versucht hätten, die Grenze Palästinas ohne Visum zu überschreiten. Weitere sieben illegale Einwanderer seiep in Ras ei Nakura verhaftet worden. Der französische Oberkommissar von Syrien habe eine verstärkte Bewachung der syrisch-palästinensischen Grenze angeordnet. Acht Juden aus Rußland, die illegal nach Palästina einwandern wollten, wurden an der syrischen Grenze fest ge nommen. Das Gericht in Jaffa hat den abessinischen Juden Gabriel ben Gabriel, der illegal nach Palästina gekommen war, zu einem Monat Gefängnis mit nachfolgender Landesverweisung verurteilt. Von den illegalen Einwanderern im Gefängis von A k k o, die vor kurzem einen Hungerstreik durchgeführt haben, sind sechs freigelassen worden. Für die übrigen ist die Hinterlegung der erforderlichen Kaution noch nicht erfolgt. Jemenitische Einwanderer unter Quarantäne Mit dem bulgarischen Schiff „Purgas“ sind in Jaffa einige hundert Einwanderer aus Jemen eingetroffen, die aber nicht an Land gelassen wurden, weil auf der Fahrt zwei jemenitische Kinder an einer ansteckenden Krankheit gestorben waren und die Jaffaer Quarantäne-Station nur für 75 Personen Raum hat. Die Einwanderer wurden nach Haifa weitergeleitet, wo sie unter Quarantäne gestellt wurden. Vierzehnjähriges Jubiläum der Kolonie Nahatal Jerusalem, 20. September. In Nahalal fand anläßlich des 14. Jahrestages der Gründung der Kolonie eine Feier statt, an der zahlreiche Gäste aus Jerusalem, Haifa und Tel-Aviv teilnahmen. Der Vorsitzende der Kolonie schilderte in einer Ansprache die Entwicklung der Siedlung bis auf den heutigen Tag. Neuer großer Bodenerwerb des Keren Kajemeth Jerusalem, 20. September. Soeben wurden 5334 Dunam im westlichen Teil des Emek Jesreel und im Gebiet von Beth Schean formell in das Eigentum des Keren Kajemeth Lejisrael übertragen. Damit ist der Bodenbesitz, der seit Oktober auf den Namen des Keren Kajemeth registriert wurde, auf 15.499 Dunam angevaohsen. An den Kosten diese:; Neuecwer- Ibung haben sich auch zwei Siedlun- Igen jüdischer Jugend aus Deutschland beteiligt. Londoner ffEconomistu über das palästinensische Problem Die Londoner Zeitschrift „The Economist“ schreibt: „Das bedeutende Anwachsen der Zahl von Einwanderern, die Investierungskapital mitbringen, war ein Ansporn für die wirtschaftliche Tätigkeit und hat die Kräfte wirtschaftlicher Gesundung in Palästina gestärkt.“ Es wird sodann ausgeführt, daß Palästina als einziges Land der Weltkrise standgehalten hat. Seine Einwanderung, sein starker Kapitalimport, seine rasche Entwicklung auf industriellem und landwirtschaftlichem Gebiet, die steigenden Export- und Importziffern, all dies seien Anzeichen für eine Lage, die in den letzten Jahren kaum in einem anderen Lande ihresgleichen hatte. Diese allgemeine Tendenz sei auch in diesem Jahre nicht schwächer geworden. Die industrielle Entwicklung habe angehalten. Der schnelle und wirtschaftlich umfassende Aufschwung wurde bewerkstelligt, ohne daß viel ausländisches Leihkapital in Anspruch genommen wurde. Dagegen leide die palästinensische Wirtschaft an einem akuten Arbo i termangel. Die rentable Verwertung des aufgespeicherten Kapitals im Binnen- und Außenhandel bleibe eng begrenzt, solange nicht die Last der übermäßigen Arbeitskosten verringert werden kann. Ausreichende Kapitalsvorräte bei Mangel an Arbeitern, das sei das Problem Palästinas. Afrikanlsch'palästlnenslsche Handelsgesellschaft Tel-Aviv, 20. September. In nächster Zeit findet die Registrierung der vor kurzem mit einem Grundkapital von 5000 Pfund unter dem Protektorat des palästinensischen Industriellenverbandes gegründeten „Gesellschaft für den Handel zwischen Afrika und Erez Israel“ statt. Dem zwischen der Gesellschaft und dem Industriellenverband geschlossenen Abkommen zufolge wird die Handelsgesellschaft keinerlei landwirtschaft- * liehe oder industrielle Produkte, die in Erez Israel selbst hergestellt werden, einführen. Die Gesellschaft wird sich vor allem bemühen, die Handelsbilanz zwischen Erez Israel und Südafrika auszugleichen und nicht mehr in Palästina zu importieren als an palästinensichen Waren auf dem südafrikanischen Markt abgesetzt werden kann. Ein Teil des Gewinnes wird einem Exportprämienfonds der Palästina- Industrie zugeführt Milche: Klnderfrüiileln mit Sprachkenntnissen für Nachmittage zu 5jährigem Buberl gesucht. Zuschriften an die Administration des Blattes unter „18. Bezirk“. Die unter der Leitung des südafrikanischen Exporteurs S. S. Stern stehende Gesellschaft hat bereits die Verbindung mit 63 palästinensischen Fabriken aufgenommen und ihre Warenmuster zur Erforschung der Absatzmöglichkeiten nach Südafrika gesandt. Ein ähnlicher, vor einigen Jahren unternommener Versuch scheiterte an der damals noch mangelhaften Qualität der palästinensischen Industrieprodukte und an nicht entsprechender Organisation. Da sich inzwischen die Verhältnisse in beiderlei Hinsicht wesentlich gebessert haben, rechnet man mit dem Erfolg der jetzt eingeleiteten x\ktion. Syrisch-palästinensische Grenzregulierung Jerusalem, 20. September. Die Verhandlungen zwischen den Regierungen von Palästina und Syrien betreffend die Regulierung der Grenze zwischen den beiden Ländern und Fixierung von Weideplätzen für wandernde Beduinenstämme wurden zum Abschluß gebracht. Es wurde eine gemischte Kommission eingesetzt, die monatlich einmal zusammentreten wird, um auf Grund des Abkommens die sich jeweils aus den Bewegungen der Beduinenstämme ergebenden Fragen zu lösen. Nationalfondskonferenz in Griechenland Die zur Zeit in Saloniki tagende achte Konferenz des Jüdischen Nationalfonds ist mit ihren 114 Delegierten, die 52 Gruppen und Vereinigungen vertreten und tausenden Gästen die größte jüdische Konferenz, die jemals in Griechenland abgehalten wurde. An den Beratungen nahm als Vertreter des Hauptbüros des Keren Kajemeth in Jerusalem der frühere Führer der, griechischen Zionisten, David F1 o r e n t i n (Tel-Aviv), teil. In der Eröffnungssitzung wurden Begriißungskundgebungen des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde und des Zionistenverbandes Griechenlands verlesen. Das Begrüßungsschreiben des Verbandes richtet sich in scharfer Form gegen die revisionistischen Bestrebungen. „Dies ist“, so wird in dem Schreiben ausgeführt, „die erste konstruktive Konferenz, die in der jüdischen Welt nach dem destruktiven Wiener Revisionistenkongreß Zusammentritt. Bringet die nötigen Opfer an Anstrengungen und Geld, um so den Deserteuren von der Arbeitsfront die Lektion zu erteilen, die sie verdienen.“ Aus den auf der Konferenz erstatteten Berichten ging hervor, daß der Jüdische Nationalfonds im letzten Jahr eine 50prozentige Steigerung seiner Einnahmen gegen- WoIIgd Sie Zeit, Mühe und Geld sparen? Dann gratulieren Sie Ihren Verwandten, Freunden und Bekannten, Kunden und Klienten zu Rösch Haschanah durch „Die Stimme“ die in verstärktem Umfang mit interessanten Festbeiträgen am 27. September erscheinen wird Der Preis für das Einheitsinserat beträgt S 6’—, in doppelter Größo S Rh— „DIR STIMME“ Administration 0091020202320200