Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 486 (24.9.1935)
- Date
- 1935-09-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3053752-3054140-3054241--5335-3061060- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
V. «i. to, Prato dieser Nummer SO g JÜDISCHE ZEITUNG SONDERFAHRT NACH PALÄSTINA UND ÄGYPTEN mit dem Luxusexpreßdampfer „CONTE GRANDE" ab Triest 30. September an Haifa 3. Oktober an Alexandrien 4. Oktober AuskOnftei Generslagentur, Wien, I., Kämtnerrlng 6 Telephon U 47-5-60 Nr. 486 | Wien, 24. September 1935 I Redaktion and Administration: Wien, L, Msre-Auref-StraS« 8. Toi.: U 22-3-91 RedaktionMOhlnS Montag und Mittwoch vorm. | (36. Elul S695) | «.Jahrgang Völkerbund beglückwünscht Jewish Agency Palästinadebatte in der politischen Kommission Genf, 20. September. Die sechste (politische) Kommission der Völkerbundsversammlung hat eine Aussprache über Mandatsfragen durchgeführt. Der norwegische Delegierte Lange berichtete über die Tätigkeit der Ständigen Mandatskommission im letzten Jahr. Gin längerer Abschnitt dieses Berichtes war dem Mandatsgebiet Palästina gewidmet. Lange erklärte, die Entwicklung Palästinas habq weiter befriedigende Fortschritte gemacht. Das Ginströmen von jüdischen Einwanderern und neuem Kapital habe zu einer Erhöhung der wirtschaftlichen Prosperität im Lande geführt. Die Jewish Agency müsse zu den erreichten Ergebnissen beglückwünscht werden. Die Aufnahmefähigkeit Palästinas sei bei weitem nicht ausgeschöpft, das Land leide vielmehr unter einem Mangel an Arbeitskräften; diese Tatsache müsse Genugtuung hervorrufen im Hinblick darauf, daß es eine große Zahl 'Ausgewanderter gibt, die zur Zeit eine Heimstätte suchen. Der Mandatarmacht sprach Lange Anerkennung und Glückwünsche dafür aus, daß sie eine liberale Einwanderungspolitik führe. Die Prosperität Palästinas könne nicht ewig dauern, und deshalb tue die Mandatarmacht recht daran, daß sie öffentliche Mittel für die Durchführung von Notstandsarbeiten im Fall wirtschaftlicher Rückschläge reserviert. Die jüdische Einwanderung habe natürlich gewisse Grenzen auch in Bezug auf die Haltung der Araber. }m allgemeinen sei zu sagen, daß die jüdische Einwanderung ein kompliziertes Problem darstellt, und daß die Mandatarmacht zu ihrem Bemühungen, eine Harmonie zwischen den verschiedenen Interessen herzustellen, beglückwünscht werden müssen. Der tschechoslowakische Delegierte unterstrich die Tatsache, daß die Arbeit der Jewish Agency in Palästina in einem bedeutenden Ausmaß auch der arabischen - Bevölkerung zugute kommt. Der spanische Delegierte erklärte, daß das jüdische Aufbauwerk in Palästina von internationaler historischer Bedeutung sei. Er gab seiner Überzeugung Ausdruck, daß der Geist der Zusammearbeit unter der klugen Verwaltung der Mandatarmacht und die mit friedlichen Mitteln durchgeführte Kolonisationsarbeit eine Lösung herbeiführen werden, die in gleicher Weise den Interessen der luden wie der Araber entspricht. Der Delegierte Lettlands schloß sich den vom Berichterstatter ausgesprochenen Glückwünschen an die Jewish Agency an. Er beantragte, in den Bericht an die Völkerbundsversammlung eine besondere Empfehlung zwecks Erleichterung jüdischer Einwanderung nach Palästina aufzunehmen. Der Italienische Delegierte schloß sich der vom Vertreter Spaniens geäußerten Ansicht über die Bedeutung des jüdischen Palästina-Aufbaues an, verlangte aber, daß die jüdische Einwanderung in solchen Grenzen gehalten werde, daß die Rechte und Interessen der eingeborenen Bevölkerung unbeeinträchtigt bleiben. Der polnische Delegierte hob nachdrücklich das starke Interesse hervor, das Polen mit Palästina verbindet. Der Delegierte Frank-* reichs erklärte, die jüdische Einwanderung nach Palästina sei die Quelle der Prosperität dieses Landes, dessen Aufnahmefähigkeit noch nicht voll ausgenutzt sei. Der schweizerische Delegierte unterstützte den Vorschlag, die Einwanderung rationell auszuhauen. Zum Schluß sprach der englische Delegierte Viscount Cranbourne, der ganz besonders darauf hinwies, daß ln Palästina Prosperität zu einer Zeit herrscht, da alle übrigen Länder unter der Wirtschaftskrise leiden. Die Mandatarmacht werde alles tun, um eine harmonische Zusammenarbeit zwischen allen Teilen der Bevölkerung sowohl in der munizipalen wie in der Zentralverwaltung herbeizuführen. Er sprach sich gegen den Vorschlag des lettländischen Delegierten, der Völkerbundsversammlung eine besondere Empfehlung betreffend Erleichterung jüdischer Einwanderung zu machen, aus. * Erklärung Polens zur Palästinafrage Genf, 22. September. „ In der Debatte, die in der p o 1 i t i s c h e n ÜtTö-mmissi on der Völkerbundversammlüng über die Mandatsgebiete geführt wurde, hat der Kabinettsdirektor im polnischen Außenministerium, L ub i e n s k i, im Namen Polens eine Erklärung abgegeben, in der er betonte, daß Palästina für Millionen polnischer Juden nicht nur eine gefühlsmäßige Bedeutung hat, sondern auch eine wirtschaftliche und soziale Lebensfrage ist. Polen als ein Land mit großer Bevölkerungsdichte sei an allen - Auswanderungsmöglichkeiten interessiert. Das Interesse der, jüdischen Bürger Polens richte sich selbstverständlich in erster Linie auf Palästina als das jüdische Nationalheim. Die Entwicklung Palästinas und seine wachsende. Aufnahmefähigkeit für Einwanderer berechtigten zu der Hoffnung, daß die Zahl der Einwanderer immer größer werden wird. Zionisten für einheitliche Führung des deutschen Judentums Berlin, 22. September. Der JtidischeVolksbund hat in einer von Rechtsanwalt Dr. Alfred K1 € geleiteten, den Gesamtfunktionärkörper des Jüdischen Volksbundes vereinigenden Versammlung zu der Frage Stellung genommen, welche sachlichen und organisatorischen Maßnahmen auf Grund der Nürnberger Reichstagsbeschlüsse die Juden in Deutschland zu treffen hätten, um der veränderten Situation Rechnung zu tragen. In eingehenden Referaten erörterten Direktor Georg Kareski und Dr. Hans Klee die Entwicklung, die bis zu den Nürnberger Beschlüssen geführt hat, und die Bedeutung dieser Beschlüsse selbst für die Gestaltung des Lebens der jüdischen Minderheit in Deutschland. Ein jüdischer Volksrat soU gewählt werden Hinsichtlich der Konsequenzen faßte der Vorsitzende als die Auffassung des Funktionärkörpers die Gesichtspunkte dahin zusammen, daß die jüdische Lage nach den neuesten Gesetzen dringend die Schaffung einer vom Vertrauen des gesamten Judentums in Deutschland, insbesondere aller national-jüdischen Kreise, getragenen Führung verlange, und daß unverzüglich alle diejenigen Maßnahmen zu ergreifen seien, die zu einer Umbildung der bestehenden zentralen Körperschaften in diesem Sinne erforderlich sind. Festgelegt wurde dabei, daß der Einfluß der jüdischen Gemeinden als der historischen Träger des Eigenlebens der jüdischen Minderheit gesichert werden müsse. Sollten diese Körperschaften, was jedoch nicht erwartet wird, sich diesen Erfordernissen versagen, so soll die Leitung des Jüdischen Volksbundes ermächtigt sein, von sich aus unter Heranziehung aller geeigneten Kräfte, insbesondere aller jüdisch-nationalen Kräfte und auf breitester Basis, Wahlen zur Einsetzung eines Volksrates der in Deutschland lebenden Juden stattfinden zu lassen. Im Sinne des Diasporaprogramms des Jüdischen Volksbundes sollen alle Maßnahmen gefördert werden, die der Erhaltung des jüdischen Volkstums dienen. Besonderes Augenmerk ist dabei unter anderem auf eine geregelte Auswanderung zu richten, vor allem auf Auswanderung der jugendlichen Elemente nach Palästina, auf die Entwicklung des jüdischen Schulwerkes in großem Maßstabe und auf die Erfüllung dieser Schulen mit dem Geiste eines lebendigen jüdischen Volkstums, weiter auf den Aufbau der jüdisch-kulturellen Autonomie im allgemeinen und auf eine den Notwendigkeiten der Zeit entsprechende Sozial- und Hilfsarbeit. * „Der Israelit“ meldet, daß die Vertretung der unabhängigen Orthodoxie Deutschlands ln einer Sondersitzung zu den aus den neuen Gesetzen für das innere Leben der jüdischen Gemeinschaft sich ergehenden Konsequenzen Steilung genommen und entsprechende Maßnahmen beschlossen habe. * Im „S t a a t s z i o n i s t“ veröffentlicht das Präsidium der Staatszionistischen Organisation eine Erklärung, ln der darauf hingewiesen wird, daß die Staatszionistische Organisation es nach wie vor ab lehne, sich durch die Reichsvertretung der Deutschen Juden vertreten zu lassen. Nach einer Kritik an der Art, wie die Reiehsvertretüng gebildet wurde, wird der ablehnende Standpunkt der Staatszionistischen Organisation damit begründet, daß zur Konstruktion des Jüdischen Lehens auf der Basis einer nationalen Minderheit eine Körperschaft nieht berufen sei, „deren Mehrheit sich bis vorgestern dieser nationalen Minderheit nicht als zugehörig empfand“» Ein Aufruf zu den kommen« den Feiertagen Die Vorstände der Synagogengemeinden in ganz Deutschland haben im Hinblick auf die kommenden jüdischen hohen Feiertage Aufrufe an die Gemeindemitglieder erlassen, in welchen diese ersucht werden, an den Feiertagen und besonders auf dem Wege zu und von der Andachtsstätte ein entsprechendes Benehmen an den Tag zu legen. In den Aufrufen ist davon die Rede, daß die „Würde der Feiertage“ zu wahren sei. Die Wahl dieser Worte geht offenbar auf Vorschriften der Polizeistellen zurück, denn es ist ja selbstverständlich, daß Personen, die sich zu einer Andachtsstätte begeben, wissen, was Würde sei. Aus den Zeilen der Aufrufe spricht tiefe Sorge im Hinblick auf die Möglichkeit antisemitischer Angriffe seitens der verhetzten und durch die Nürnberger Judengesetze ermutigten Teile der deutschen Bevölkerung. Bemerkenswert ist, daß in dem Aufrufe des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde die Andächtigen angehalten werden, den Anweisungen der von der Gemeinde selbst bestellten Ordner der Deutschen Wachgesellschaft, einer privaten Organisation, zu folgen; es ist daraus zu schließen, daß das Berliner Polizeipräsidium eine polizeiliche Bewachung der Zugänge zu den Synagogen abgelehnt hat, wahrscheinlich, um nicht der Polizei den Vorwurf des „Stürme r“, eine Judenschutzgesellschaft zu sein, zuzuziehen. Billige Reisen nach Palästina Kostenlose Beratung In allen Reiseangelegenhelten, welche Palästina betreffen, mündlich und telephonisch: Reisebüro „ln die Welf* (Dr. S. Tocker) Wien, IX., Liechtensteinstraße 2, Tel. A 14-504