Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 481 (6.9.1935)
- Date
- 1935-09-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3053752-3054140-3054236--5296-3061016- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
‘+ÖWK--* DÜ ITIMMl f*Tf» 7 i——m* Prof. Weiztmnn und der Delegierte Brande (Südafrika) vor dem Kongreßgebäude Der Ranziger Senat Der Dauzjger Senat hat der Jüdischen Gemeinde au! die Beschwerde wegen judenfeiudlichor Ausschreitungen in Danzig soeben eine Antwort erteilt, in der einige sehr ernste Angriffe au! Juden bagatellisiert werden und ferner mitgeteilt wird, der Polizeipräsident habe angeordnet, daß judenfeindliche Aufschriften von den Autos entfernt werden. Diese Antwort ist um so verwunderlicher, als die Aufschriften noch heute zu sehen sind. Auf die Beschwerde wegen 'Überfülle auf jüdische Kurgäste . am Strand erwiderte der Senat, die Überfälle seien durch . „provozierende Haltung, besonders s eit e n s p ö 1 n i s c h e r u n. d anderer G s t j n d e n“ liervorgerufen worden. . ... . .. Die - einzige jüdisch^, Leitung, ln , Danzig, (las,:n. z-,i g e r■ E c h o“,• ist, in kurzer Ztßttnun •jziimivn%u^eii^lör4|^jpr,^eg^ .^Beunruhigung der .jüdisolien Bevölkerung“, b:B;s c Klag nahmt .worden. Beh. kon?. Realbüro lng.M.Miihlbauer Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwischenkredite Gebäudeverwallung Büro: Franz-JoseJs-Kal 11 Tel. R-25-0-44 Wohnung : II.. Vorgarlenstr. 150, Tel. R-41-8-88 nie da gewesene Ziffer erreicht werden. Was die Aufnahmefähigkeit des Landes betrifft, so würden die Ansichten der Fachleute hierüber vermutlich noch lange auseinandergehen. Eine grundlegende, wenn auch nicht immer erkannte Tatsache in der gegenwärtigen Situation ist es, daß etwa die Hälfte der Arbeit der jüdischen Bevölkerung auf das Baugewerbe und seine Nebenzweige entfällt; darum ist cs eine vernünftige Ansicht, daß die Einwanderung in steigendem Maß fortgesetzt werden muß, um eino Krise zu verhüten. Gedanken darüber, was geschehen könnte, wenn der Umfang der Bauarbeiten größer ist, als es der Bevölkerung entspricht, machen sich möglicherweise nur diejenigen, die an der Solidität eines Jüdischen N a t i o n a 1 h e i m s z w e i f e 1 n. Die Mandatarmacht muß alle möglichen Seiten des wirtschaftlichen Problems berücksichtigen; sie kann hei aller Treue gegenüber ihren Verpflichtungen von den von -ihr festgelegten Grundsätzen nicht weit abgehen; man würde fehlgehen, wenn man glaubte, daß eine Reduzierung des von den zionistischen Körperschaften verlangten Ausmaßes (1er Einwanderung auf Mangel an Sympathie mit den Einwanderungsanwärtern zurückzuführen sei. Heroismus „Near East“ zur Einwanderungsfrage Der bereits kurz skizzierte Artikel des Londoner „Near East and Iudia“, des Organs des englischen Kolonialamtes, liegt jetzt „vor. Das Blatt sagt zu der Forderung nach verstärkter jüdischer Palästina-Einwanderung: Die sowohl aus sittlichen wie aus wirtschaftlichen Gründen erhobene Forderung mach stärkerer jüdischer Einwanderung nach Palästina stand auf dem Luzerner!Zio nisten köngreß im Vordergrund. Ein Redner äußerte die Meinung, ’ daß „freie Einwanderung nach Palästina und Transjordanien“ nur deshalb nicht gewährt werde, w e i 1 d i o Zioiiisten’keine Einheitsfront gebildet hätten. Es 5 >t.. jedoch sohl* z w o i f e 1 h a f t, ob die Mandatarmaoht sieb um dio verschiedenen Gruppen, aus denen dio zionistische Bewegung sich zusammensetzt, besonders bekümmert. Ihre Politik in bezug auf Einwanderung nach P a 1 ä s t i n a und Trau sj o r d a n i o n war konstant und ändert fcjch nicht. Dio Einwanderung in das Cfsto Land wird geregelt durch seine wirt« ts c h a f 11 i c h e A u f n a h m e f ä h i g k e i t, die in das zweito durch die formelle •Ä.u ß c r k r a f t s e t z u n g der M a n d a t s- 1) e s t i m m u n g.e n betreffend das Jüdische Nationalheim. Dio jüdische Einwanderung nach Palästina, heißt, es in dein Artikol weiter, ist in den letzten ein bis zwei Jahren ungeheuer gestiegen und voraussichtlieh avird in dem laufenden Jahr eine änfihi Als der Goten-Apostel Wulfila seine berühmte Bibelübersetzung vonnahm, ließ er die Bücher der Könige aue, weil er befürchtete, daß sich an ihnen der kriegerische Geist seiner Volksgenossen aufß Neue entflammen könnte, den zu bekämpfen er für die höchste sittliche Aufgabe seiner christlichen Bekehrungstätigkeit hielt. Seitdem sind anderthalb Jahrtausende verflossen und wie der sehen wir deutsche Volksführer bemüht die arischen Seelen vor der Infektion durch den Geist der jüdischen Bibel zu retten Bloß das Gefahrenmoment hat sieh dabei etwas verschoben: Man erblickt ee heute nicht mehr in der positiven, sondern gerade zu in der negativen Einstellung des jüdisch christlichen Geistes zum Heroismus. Ein nationa?sozialißtißC.her Funktionär des Drit ten Reiches hat vor kurzem schmerzliche Betrachtungen darüber angestellt, wie weit die Grenzen des deutschen Hoheitsgebietes sich jetzt erstrecken würden, wenn nicht der heilige Bonifatius die Wotans-Eiche gefällt, sondern umgekehrt die Wotans-Eiche den heiligen Bonifatius erschlagen hätte. Ghri sfcus gilt diesen Fanatikern des germanischen Heroismus als ein jüdischer Defaitist, das Judentum halten sie für die .rassisch be dingte Abkehr vom: heldischen Kriegsgeist, VeF^eb’enß haVw’ör" wenigen Woobeir Profes-' sor Schmitt von der Universität" 'Balle den Mut gehabt, zu erklären, das Alte Testa; ment atme vielfach heroischen Gdißt und die betreffenden Bitoelstellen wirkten daher auf das deutsche Gemüt erhebend. Es scheint, daß diese Äußerung auf die Machthaber alles eher als erhebend wirkte. Hoffentlich ist der Autor nicht ein Opfer seines eigenen Heroismus geworden — zur Erbauung jener nendeutßolien Gemüter, die die Juden nicht als Träger, sondern nur als Zielscheibe eines kriegerischen: Heldengeistes, der sich an der Wehrlosigkeit seiner Opfer entflammt, zu schätzen wissen. 1 ‘ Würde Wulfila heute •wiederkehren, um die Früchte seiner Lebensarbeit zu mustern, er hätte allen Grund zum Staunen. Der von ihm so sehr verabscheute K r i e g s g e i 8 t beherrscht die Welt, wobei sich der Geist immer mehr verflüchtigt und der Krieg als das präsumtive Destillationsprodukt stets deutlicher in die Erscheinung tritt. Hat die Menschheit, die von, dem, pazifistischen Goten-Apostel erhofften Mittel,; ihre Probleme anders als durch das Schwert zu lösen, noch immer nicht gefunden? Der groteske Zwischenfall in Abessinien könnte das Gegenteil beweisen. An den Grenzen dieses afrikanischen, Landes stehen eich bekanntlich zwei Armeen bis an die Zähne bewaffnet gegenüber und haben bloß deshalb noch nicht aufeinander .losgeschlagen, weil es mit der militärischen Tradition in Widerspruch steht, außer der Rüstungsindustrie auch dio —: Regensohirmfabrikation verdienen zu lassen. Die Soldaten müssen auf schönes Wetter warten. Sobald das Regenwasser versickert, kann daß Blutbad beginnen. Während sich aber dio heldenmütigen Krieger auf den Tod fürs Vaterland freuten, der nach dem Zeugnis; unzähliger, weit vom Schüsse überlebender Schlachtendichter der süßeste ist, haben materialistische Goldmenschen den staunenden Zeitgenossen gozeigt, daß man auch auf andere Weiso Hindernisse nehmen kann als durch Blut: indem man sie nämlich nicht zerschmettert, sondern -- kauft. Ein englisch-amerikanisches Konsortium, das sich,für die abeesinischen „Hindernisse“ des Völkerfriedens gleichfalls interessierte, Kai den ganzen Kriegsschauplatzkontennb, nierfc, aber echauderhafterweise nicht mit echten Minen, sondern bloß mit merkantilen. Statt heroischen Schilachtenruhm haben eie eine Konzession erworben, statt für die Ewigkeit ihrer Gloire haben sie nur für einen 75jährigen Pachtvertrag gesorgt, der ihnen die Ausbeutung der abessinischen Erdölquellen zuschanzt. , Über diese profane, poesiefeindliche Methode, durch die die erhabensten Kriegs- Ziele so bloßgestellt werden, daß jedermann nicht nur ihren wahren Charakter ungeschminkt erkennen kann, sondern auch ganz unheldische Möglichkeiten, sie zu erlangen, entrüsten sich alle für idealistische Volkserziehung begeisterten Politiker. Sie wiese« natürlich, daß es um Petroleum geht, aber wie sag’ ich das meinem Kinde? Um so übelriechende Trophäen dem nationalen Empfinden verlockend zu machen, müssen sie mit Lorbeerblättern garniert werden, die im •heiligen Haine des Mars wachsen. Was soll ‘aus einer Welt werden, die auf diese poetische, seelenbeschwingende Garnierung verzichtet, weil sie daraufgekommen ist, daß der blutige Kampf um strategische Schan- Izen in Wirklichkeit ein Krieg um kaufmännische Chancen1 ist? Solcher' Entgötterung" der r naiven Vorstellungswelt: ihrer TVölker lebten die politischen Romantiker die E n'tP&i f n e chlichung der Seelen durch die ^Kriegspsychose vor. Wie anders stellt sich die große Erziehe-; rin des jüdiechen Volkes, die Bibel, zu diesem Problem! Die . Kinder Israels mußten viele Kriege führen und haben manch blutigen Sieg erfochten. Aber sie faßten den Krieg nicht als einen frißch-frei-fröhlick-frommen Sport auf, sondern als ein bitter-ernstes Gottesgericht. „Mein Sieg und mein Sang ist Gott!“ Gott hat den Pharao und seine Mannen ins Rote Meer gestürzt, Gott die Mauern von Jericho zum Einsturz gebracht. Moses ist gewiß ein Mann von hohem persönlichen Mute: Er hat dem Häscher des Pharao, als er seine jüdischen Untergebenen drangsalierte, zur Rede, gestellt und ohne... Furcht vor den Folgen getötet. Aber in 'der Schlacht führt er nicht an der Spitze de6 Heeres das Schwert, sondern er steht abseits auf einem HügeLund erhebt seine Hände zu Gott. Und dio besten Männer müssen dabei seine Arme stützen, damit ßie bei dem frommen Werke nicht erlahmen^ bevor der Sieg errungen ist. Ein erhabenes Symbol für die jüdisohe Auffassung von kriegerischer Tugend! Gewiß enthält die Bibel. auch Siegeslieder voll triumphierender Poesie. Aber sie finden eigenartige Gegenstücke in den mit nicht minder dichterischer Kraft entworfenen Bildern entsetzlicher Kriugskata Strophen, die unsere Propheten ihren Zu hörern für den Fall ihres Abirrens vom Gottesworte in Aussicht stellten. Denn nicht subjektive Sympathie macht den Gott Israels zum Beschützer in der Schlacht, sondern die objektivo Gerechtigkeit und Moral. Für die Erhaltung dieser ethischen G ü. t e r hat sich der jüdische Heroismus zu allen Zeiten entflammt. Es ist jener Heroismus, der unzähligo Söhno und Töchter des jüdischen Volkes auf die Scheiterhaufen geführt hat, auf denen sie die unerschütterliche Treue für ihren Glauben mit qualvollem Opfertodo besiegelten, während dio anderen, die Träger des kriegerischen Heroismus, die Formel anerkannten: „Cuius regio, illius religio (der Glaube des Landesherrn wird zum Glauben seiner Untertanen!) Dr. Hugo S p i e g 1 o r, Bin Gurion spricht. Sir Isaac Isaacs 80 Jahre Der britische Gcneralgouverneur für Australien, Sir Isaac Isaacs, feierte in diesen Tagen seinen 80. Geburtstag und wurrlo von allen Bevölkerungskreisen beglückwünscht. Der Premier West-Australiens, Phillip Collier, erklärte: „Es wiirdo sieh verlohnen, wenn Hitler-Deutschland Kenntnis erhielte von der tiefen Bewunderung, die Sir Isäac Isaacs seitens aller Rassen und Konfessionen des australischen Volkes gezollt wird.“ Sir Isaac ist orthodoxer Jude. PALÄSTINA MELDET: Jüdische Schriftsteller in Rußland in Haft Jerusalem, 2. September. Der hebräische Pen-Klub Erez Israels befaßte sich mit dem Schicksal der in Sowjetrußland verhafteten hebräischen Schriftsteller H. J. L o n s k i und F.Freimanm, Ihre Verhaftung erfolgte wegen der Veröffentlichung ihrerhebräisch em Schriften in Palästina. Der Pen- Klub beschloß, sich an die Exekutive der Jewisli Agency mit dem Ersuchen zu wenden, sie möge auf politischem Wege die Freilassung der Verhafteten bewirken. Gleichzeitig möge die Exekutive. Sohrittel zur Erlangung der Gleichberechtigung der •hebräischen Sprache in Rußland, unternehmen. Die gleichen Forderungen hat der hebräische Pen-Klub an däe Londoner Penklub-Zentrale gerichtet. . In schöner, gesunder Wohnung werden 1 oder 2 Studentinnen, eventuell Mittelschülerinnen aus gutem Hause in vollständige Pension genommen. Wien, III., Mafiihäusgasse 5, Tür 18. (Bei Radetzkystr.) Mißhandlung jüdischer „Illegaler" Die Jerusalemer Tageszeitung „Dawar“ meldet, daß von der Palästina-Polizei in den Gefängnissen gegenüber jüdischen „illegalen Einwanderern“ Methoden des „dritten. Grades“ angewendet werden, um sie zur Angabe ihrer S t a a t s a n g e h 6 r i gk.eit zu zwingen. Das Blatt erklärt, daß ihm ein Bericht eines Augenzeugen zur Verfügung stehe, und appelliert an die Regierung und an die Jewisli Agency, Maßnahmen zu treffen, um dem u nmensclilichon Vorgehen der Polizei ein Ende zu machen. HOHE FEIERTAGE: Der Verband der Tempelvereine der Stadt Wien teilt mit, daß in nachstehenden, dem Verbände angeschlossenen großen Tempeln, während der üblichen Kanzleistunden, Betsitze für die HOHEN FEIERTAGE in allen Preislagen zu haben sind: Polnischer Tempel „Israel“, II., Leopoldsgasse 29, Tele* pliou A 48-064; Pazmanitentempel „Aesehel Awrohom“, II., Pazmanitengasse 6, Telephon R 47-8-63; Synagogenverein „Tefelath Jeschurim“ , II., Sebastian Knoipp Gasse 14; Tempelverein „Beth. Hachneteth“, III., Untere Viuduktgnsse Nr. 13; Tempelverein, III., Erdbergstrafie 15; Tempelverein „Beth. Ahtron“, V„ Siebenbrunnengasse ln; Tempelverein, VI., Schmalzliofgnsse 3, Telephon R 29-4-52; Tempelverein des 8. Bezirkes der Stadt Wien, VIII., Neudeggergasse 12, Telephon A 21-7-05: Tempelverein „Beth. Hatfilah“, IX., MUUnergaase 21, Telephon A 13-8-91; Tempelvoreln, X., Ilutnboldtgasse 27, Telephon H 18-7-17; Tempelverein, XI., Hraunhubergasse 11; Tempelverein des 13. Bezirkes der Stadt Wien, XIII., Eitelbergergnsse 22; Tempelverein, XIX., Dollinergnsse 3, Telephon H 11-704; Tempelverein Brigitteneu, XX., Kluekygasse 11. Telephon B 41-1-82 und Aethamvernin, „Bene-Berfth“, XX., Kaeohlgaeee 4, .