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Die Stimme · 1935-09-03 · Heft 480 (3.9.1935) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 480 (3.9.1935)
Date
1935-09-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 480 — 8. September 1035 DIE STIMME Seit« y Eine Vertiefung der Galut.h-Arbeit werde dazu führen, daß jeder Zionist hebräisch lernt und seinen Kindern lernen läßt. Es sprachen noch Rabbi Amicl (Misraehi), .Er. B o g r a t s c h o f f (Welt,verband), Doktor M o s i n s o n, Dr . Löwe n s o h n, worauf die Sitzung' in später Nachtstunde geschlossen wurde. Vorher hatte der Kongreß Dr. S. Grone mann zum Vorsitzenden des Komgreßge riehtes, Dr. Aron Barth zum Kongreß an walt, und Dr. Fritz Rosen blüth zum Vorsitzenden des Ehrengerichts gewählt Der Kongreß setzte auch eine R e s o 1 u tionsko mmission — neben den be reits gewählten Kommissionen — ein. soz’ale Fürsorge in Palästina Luzern, 1. September. Die Schweizer Depeschenagentur meldet: Der Zionistenkongreß hat in seiner heutigen Vormittagssitzung den Bericht des Palästina-Delegierten Katznelson angehört, der im Aufträge der G e s u n d h e i t sk ommissio n berichtete: Es bestehen gerade auf dem Gebiete der Gesundheitspflege immer erneute Beschwerden des jüdischen Palästina gegen die palästinensische Regierung, welche unverhältnismäßig geringe Beiträge für die jüdische Gesundheitspflege verwendet. In dem heute angenommenen Resolutionen wird eine erhöhte Teilnahme der Regierung an den wichtigen Aufgaben gefordert und es wird eine gesetzmäßige Regelung über eine Krankenversicherung sowie über die Einstellung jüdischer Sanitätsbeamter in einem erheblich größeren MaBstab verlangt. Weiters beschloß der Kongreß, daß der jüdische palästinensische Nationalrat bei der Errichtung einer Abteilung für die Verhütung von Epidemien unterstützt werden soll. Alle Inhaber der Einwanderungszertiflkate sollen künftig für drei Monate versichert werden. Besondere Beschlüsse sind für die Jugendgesundheitspflege, für die Verbesserung der physischen Ausbildung der Jugend und zur Förderung des Sportes befaßt worden. Schließlich befassen sich mehrere Resolutionen mit den Fragen der sozialen Wohlfiahrtspflege. Zu diesem Thema sprach die Leiterin der Abteilung für Jugendfürsorge S z o 1 d, die lebhaften Beifall fand. Am Nachmittag kamen Entschließungen der Kolonisationskommission zur Abstimmung, die ein umfangreiches Dokument darsteilen. Diese befassen sich mit der endgültige Konsolidierung der bestehenden Siedlungen, mit den neuen Kolonien und mit der Gründung der auf Beschluß des vorigen Zioni-1 stenkongresses geschaffenen neuen Kolonisierungsgesellschaft Es wird festgestellt, daß die Siedlungen den Forderungen der Jewish Agency nach Beschleunigung der Zahlungen auf die zu tilgende Schuld an den Neuaufbaufonds Folge geleistet haben. Ferner behandeln sie Fragen der Aiisied lung von Elementen aus dem städtischen Mittelstand und die Schaltung entsprechender Wohnungsverhältnisse, um diese an das städtische Leben gewöhnten Menschen dem Lande anzupassen. Mit Genugtuung wird festgestellt, daß 25 Prozent der städtischen Einwanderer auS dem Lande angesiedelt werden konnten. Die Vergrößerung und Verbesserung der landwirtschaftlichen Versuchsstation und auch des Informationswesens wird gefordert. ■' Weitere Beschlüsse betreffen die Wasserversorgung, die Frage der Siedlung der jemenitischen Juden und das geringe Entgegenkommen der palästinensischen Regierung bei der Erwerbung von neuem Boden. Schließlich behandeln sie die Gefahr der Bodenspekulation, zu deren Bekämpfung eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen wird. Einen Bericht über diese Anträge erstattete der Palästina- Delegierte S k o 1 n i k. Die Besetzung des Kongresses wies heute erhebliche Lücken auf, da eine Reihe von Kommissionen, besonders auch die politische, ihre Arbeiten erst heute abends abschließen wird. Man nimmt an, daß der Kongreß erst Montag nachmittags oder spätestens Dienstag zu Ende gehen wird. Ob die große Koalition aller Kongreßgruppen mit Ausnahme der Judenstaatspairtei hei der. verwirklicht wird, ist wieder zweifelhaft ge worden. Exekutive stock nicht gebildet Aus Luzern, 1. September, meldet die 1. T. A.: Den Freitag über haben die Korn missionen ihre Beratungen fortgesetzt Plenarsitzungen wurden an diesen Tagen nicht abgehalten. Der Kongreß wird noch heute und Montag tagen und dürfte vor aussichtlich am Montag abends zu Ende gehen. Ober die Bildung der Exekutiv sind endgültige Beschlüsse noch nicht ge faßt worden. Die hiermit befaßten Person lichkeiten glauben, daß vor Bildung der Exekutive die Frage der Präsidentschaft der Organisation gelöst werden müsse, da dem zukünftigen Präsidenten eine gewisse Ingerenz auf die per sonelle Zusammensetzung der Exekutive eingräumt werden müsse. Bekanntlich hat Sokolow erklärt, daß für ihn nur ein Arbeitsposten, keineswegs aber ein Ehrenposten, wie etwa der eines Ehrenpräsidenten der Organisation, in Betracht käme. Die Führer der Arbeiterfraktion und der Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten be mühten sich nun daraufhin, ein Kompromiß in der Weise herbeizuführen, daß S okolow sein jetziges Amt als aktiver Präsident der Z. 0. behält und Weizm a n n die Leitung eines eigens für ihn zu schaffenden politischen Amtes übernimmt, dem ein besonderer Rang eingeräumt werden solle. Weizmann erklärte aber, daß er die Leitung eines solchen Amtes de definitiv ablehne. Späterhin wurde berichtet, Weizmann habe wissen lassen, daß er nunmehr entschlossen . sei, weder das Präsidium der Z. 0. noch irgend ein Amt in der Exekutive zu übernehmen. Loosli an den Kongreß Der Schweizer Schriftsteller C. A. L o o s 1 i in Bern, der bekanntlich in dem Protokollprozeß als Sachverständiger fungierte, hat an den Luzerner Kongreß das folgende. Schreiben gerichtet: „Da ich mich im letzten Augenblick, ver bindert finde, an der feierlichen Eröffnung des 19. Zionistenkongresses teilzunehmen bleibt mir zu meinem aufrichtigen Bedauern nur übrig, Ihnen für die Ehre Ihrer liebens würdigen Einladung dazu nochmals verbindlich zu danken. Ich knüpfe daran den aufrichtigen, herz liehen Wunsch, es möchten die kommenden Tagungen in jeder Hinsicht fördernd, fruchtbar und erfolgreich ausfallen. Möge der 19. Zionistenkongreß einen Schritt vorwärts, einen Markstein des Fortschrittes zu der Lösung der heute alle Denkenden und alle menschlich Empfindenden beschäftigenden und bedrängenden Judenfrage bedeuten, die letzten Endes eine Frage der Menschlichkeit und der Menschheit schlechthin bedeutet, um deren endgültige, befriedigende Beantwortung die gesitteten Völker nicht mehr hemmkommen können. — Gez. C. A. Loosli.“ Russischer Palästmawanderer zahlt ICO Pfund für Paß Luzern, 30. August. Der jetzige Zionistenkongreß in Luzern interessiert eich bekanntlich in einem höheren Maße als die früheren Kongresse für die Auswanderung russischer Zionisten nach Palästina. In der Kommission, in der über diese Frage verhandelt wurde, wurde mitgeteilt, daß die Zionisten in der Sowjetunion noch immer Verfolgungen ausgesetzt sind und daß ihnen die Auswanderung nach Palästina ungeheuer erschwert wird, Für die Ausstellung eines Passes nach Palästina verlangt die Behörde eine Summe im Gegenwert von über 100 Pfund, die Schiffskarte vom russischen zum palästinensischen Hafen kostet weitere 25 Pf.und. Infolge dieser Umstände gibt es fast keine Wandoru ng von Wie in Deutschland die Pogrome organisiert wurden Paris, 1. September. Das „Pariser Tageblatt“ ist in der Lage, ein Rundschreiben der NSDAP. Hannover zu veröffentlichen, aus dem sich ergibt, daß die antijUdischen Pogrome partei offiziell befohlen und organisiert werden, und zwar in der Weise, daß sie den Eindruck der „Spontanität“ machen sollen. Das Rundschreiben .lautet: „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, Bezirk Süd-Hannover, Braunechweig. — Hannover, 28. Juli 1935, Dincklagehaus, Fernsprecher 24.451. Bezirkspropagandabüro. SChMA. — An alle Bezirkspropagandaleiter und Lokalgruppen-Propagajiclaleiter. Am 10. August sind Tn allen Ortschaften dieses Bezirkes Schilder zu errichten mit folgenden Aufschriften: (siehe Anlage, zum Beispiel: Juden sind unwillkommene Gäste.) Die Mindestgröße dieser Schilder wird auf 1.50 mal 9.80 Meter bestimmt. Das Schild ist a.uf zwei Pfosten von zwei Meter Höbe zu befestigen. Als Farben haben wir schwarze Blockschrift (große und kleine Buchstaben) auf weißem Hintergründe gewählt. Das Wort „Jude“ soll rot unterstrichen werden und muß gut auffallen. So weit wie möglich ist da« Schild mit einem schwarzen Rahmen zu umgeben. Die Schilder sind an allen Zuführungs- und Abpngsstraßen des Ortes aufzustellen. Zur Finanzierung der Schilder ist ein Abkommen mit der Parteiorganisation, der Frauenorganisation, dem Bauernverein, der SA. usw. zu treffen dahingehend, daß jeder von ihnen es übernimmt, ein solches Schild zu liefern, die dann von ihnen am 10. August aufgestellt werden. Darüber hinau« sind alle Organisationen des Ortes aufzubieten. Sollten unüberbrückbare Schwierigkeiten erwachsen, so hat der Bezirksschatzmeister sich bereit erklärt, die Lieferung und Errichtung eine« Schildes ans dem Lokalgruppenfonds zu genehmigen. Die Aufstellung soll am 10. Aiignst mifi einer Feier erfolgen unter Beteiligung der ganzen Bevölkerung des Ortes. Eine kurzfy eindrucksvolle Ansprache durch einen Kassenkameraden (!) sollte die Handlung umrahmen und zum Schluß sind Lieder, wie „Wir Sturmsoldaten,, jung und alt“ oder älmiicho in der Menge (!) anzustimmen. Die Presse darf vorher keine Berichte bringen, doch ist n a <j h h e v die Handlung um s o m e b r a u f z umachen. Zum Schluß senden wir Ihnen ein Zirkular, das im Bezirk Göttingen näehts an die Fenster und Türen aller Personen geklebt wurde, die in jüdischen Geschäften kaufen. Plakate sind zu erhalten durch die Göttinger Nachrichten, Göttingen, zum Preise von 5 Mark das Tausend. Heil Hitler! Gez. H. Huxhagen, Bezirks- Propagandaleiter.“ Die „Anlage 1“ zu diesem Pogrombefehl empfiehlt die folgenden Parolen zur Auswahl: „Juden sind unwillkommene Gäste.“ — „Juden betreten diese Ortschaft auf eigene Gefahr.“ — „Verkehr mit Juden — Ausweisung aus Dorf und Gemeinde.“—- „Die Bewohner dieser Ortschaft wünschen keinen Verkehr mit Juden.“ — „In dieser Ortschaft haben Juden nichts zu suchen.“ — „Judenhaben in dieser Ortschaft nichts zu suchen. Gezeichnet: Die Bewohner.“ —r „Die Juden sind unser Unglück.“, — „Juden können hier nichts verdienen.“ — „Wir wollen keine. Juden sehen.“ Der Bezirkspropagandaleiter Huxhagen, von dem das Rundschreiben unterzeichnet wurde, untersteht dein Propagandaministerium und empfängt, die Befehle von dort. Verantwortlich für die Pogrombefehle dieser Art ist demnach der Minister Goebbels. ff Die Juden begraben nachts ihr Kinder" Berlin, 29. August. Die „Goslarsche Zeitung« schreibt; In Nienburg a. d, Saale überwies der Gemeinderat einen Antrag an die Polizei zur Ausführung, wonach auf Wunsch der Änwohitier die Ädpif-Meyer-Straße einen anderen Namen erhalten und der Judenfriedhof beseitigt werden soll. Zur Begründung des letzteren Antrages wird darauf hingewiesen, daß die Anwohner nicht weiter beobachten möchten, wie die Juden nachts ihre Kinder begraben. Der Jüdische Friedhof und die Synagoge in Detmold verwüstet Die „Lippische Landeszeitung“ In D e tm o 1 d berichtet: In der Nacht zum Sonnabend haben ruchlose Hände auf dem israelitischen Friedhofe an der Fiurstraße 23 Grabsteine umgeworfen. Der jüdische! Friedhof bietet heute ein Bild der Verwüstung. Die Friedhofschänder haben sich in erster Linie an die Grabsteine der jüngeren Zeit herangemacht. Die» älteren Denksteine sind fester verankert und waren nicht so leicht von der Stelle zu bewegen. In der Synagoge an der Friedrichstraße. haben wahrscheinlich dieselben Täter gewütet. Die verschlossenen Türen wurden aufgebrochen, der Altar sowohl wie Bänke und Leuchter sind zerschlagen und demoliert.. Internationaler Sdiadiverband lehnt Aufnahme Deutschlands ab Warschau, 30. August. Die gegenwärtig in .Warschau stattfindende Schacholympiade 'beschloß, die Einladung Deutschlands zur Abhaltung der Schacholympiade 1936 in Berlin weder anziine hm e n noch abzulehnen* sondern die Entscheidung den einzelnen Ländern, zu überlassen. Bei der Diskussion über, die Aufnahme Deutschlands in den Internationalen Schachverband erklärte der Präsident der Schacholympiade, A. Bueb (Polen), daß ,der Deutsche Schachverband nicht auf g en o mm en werdenkönne, da. er alle jüdischen Mitglieder zum Austritt veranlaßt habe. Der Schachweltmeister A l j e oh in befürwortete die Aufnahme Deutschlands, die Vertreter der Vereinigten Staatein Englands, Irlands und Kanadas sprachen sich dagegen" aus. Es wurde beschlossen, Deutschlands Gesuch um Aufnahme in deu Internationalen Schachverband a b z u 1 e hn e n, da die Satzungen des Deutschen Sehachverbandes der Forderung des Internationalen Verbandes nach Gleichberechtigung nicht entsprechen. Gouverneur Herbert Lehman protestiert! Bürgermeister mxengois gegen die Judenverfolgungen New York, 30. August. Auf einer Feier des Instituts für öffentliche Angelegenheiten (Institute of Public Affaires) aim Williams College in Williamstown (Massachussets) erklärte der Gouverneur des Staates New York, Oberst Herbert H. Lehman: „Ein Schauder erfaßt ganz Amerika an-, gesichte der grauenvollen Verfolgungen, ße Teile der Bevölkerung eines großen Landes wegen ihrer Religions- oder Rassezugehörigkeit ausgesetzt sind. Ein anzer Volksteil ist zu wirtschaftlicher, reli-, giöser und politischer Vernichtung unbarmherzig verurteilt.“ Gouverneur Lehman gab zum Schluß dom tiefen Glauben Ausdruck, daß die amerikanischen Ideale von Gerechtigkeit und Freiheit genug Widerstandskraft gegen die ausländische Propaganda in Amerika beweisen wieder schwer erkrankt In dem Befinden des Bürgermeisters von Tel-Aviv, Meir D i z e n g o f f, der sich vor einiger Zeit zur Erholung in die Schweiz begeben hat und seit kurzem in Zürich weilt, ist eine erhebliche Verschlimmerung eingetreten. Professor Z o n d e k wurde zu einem Konsilium an das Krankenlager Dizengoffß berufen. Einstellung der Arbeiten bei der Huleh-Konzession? Nach Meldung der palästinensischen Tageszeitung „Dawar“ teilt die arabische Zeitung „A-Difaa“ mit, daß die Araber eiheu Anspruch auf mehrere tausend Dunam Boden aus der Hule-Konzessiou geltend gemacht hätten. Die Regierung habe daraufhin angeordnet, daß die gesamten Kultivierungsarbeiten im Hule-Gebiet für den Zeitraum von drei Monaten eilige- 74399684774^^674760373^71^76723^82587132242368393377

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