Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 478 (27.8.1935)
- Date
- 1935-08-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frei« dlrnr NmnoMr 40 g 4W •' *. w. T.».K JÜDISCHE ZEITUNG TAGE i NEAPEL-HAIFA mit d«m Riesen-Ozeandampfer Ä(33.000 Tonnen) ab Genua 2., ab Neapel 3. September III. Klasse von NEAPEL-HAIFA mit vorzügliditr, auch koscherer I ACA Verpflegung und Kabine LllV w^V/ 50% Ermäßigung auf den königlich italienischen Bahnen Auskünfte: »ITALIA«"COSULICHf I., Kärntnerring 6 8 Nr. 478 I Wien, 37. August 1935 Rtrf aktton and Mmtoiatrittoki Wto«, «tare-Awnt-Stral« *. T.lj U J2-S-A1 .'UtfakttoMlchhiB Montag and Mlttiml» um, (28. Aw 5695) 8. Jahrgang Das jüdische Parlament in Luzern Die Tribüne des jüdischen Volkes ist jetzt ( Wieder an der freien Schweiz, in dem Land, das das erste Wort des Zionimus an die Kultur weit vernommen hat. Daran hat derL OQ . , , «*• Sprecihßr der Regfenng erinn«rt, der a!s|Luiem’ 26' Aaewl- (Tel-Ber. d. „Stimme .) Sahn des freien demokratischen Volkes deml Öle Generaldebatte wurde gestern nach- Streben des jüdischen Volkes die Sympa-1 mittags unterbrochen. Heute früh sind alle tihien aller Schweizer aussprach. Was da-1 Kommissionen zusammengetreten. Die große anale vor fast 40 Jahrein in Basel als ZielIDebatte dürfte morgen (Dienstag) des Zionismus proklamiert wurde, ist heute Jabgeschlossen werden. Das Schluß- &u einem guten Teil erfüllt. Der Boden istJ®°B Präsident Weizmann halten, geebnet, die Mauern stehen. Nun kann der I ^er Kongreß dürfte kaum vor Samstag be Bau wedtergehem. lendet werden. ■ I Die Frage der zukünftigen Exekutive ist Für die Zionistische Organisation ist es noch nicht geWärt Die Bildung einer Koali die zionistische Exekutive, die Rechenschaft j tJon 8teht Vordergrund aller Beratungen, au geben hat. Für die Welt ist es der Zionismus. Er muß Rede und Antwort stehen. Wir Zionisten, die wir vor 40 Jahren diel Die „Schweizer .Depeschenagentur" mel* Lebensfrage des Volkes aufgerollt und vonjdet: In privaten Besprechungen Kongreß bis Samstag weithin sichtbarer Stelle die ewigem Ansprüche der jüdischen Nation auf Land und FredHeit verkündet haben, müssen in dem Kongreß mehr sehen als eine DelegiertenvensammluDig. Er ist das Parlament einer über die Erde zerstreuten Nation, der ein- [ im Laufe des Sonntags wurde eine Reihe von Organisationsfragen erörtert, unter anderen auch die Frage des künftigen Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency. Es besteht im Gegensätze zu vielen anderweitig verbreiteten Meldungen noch keine Gewißheit darüber, ob der Kongreßpräsident Weizmann bereit ist, wiederum die Leitung der Bewegung zu übernehmen. Die Besprechungen innerhalb der Parteien galten hauptsächlich der Frage der Einigung mit der religiösen Gruppe des Misrachi. Es besteht mehr und mehr auch bei den Linksparteien die Absicht, dem Misrachi in seinen religiösen Forderungen so weit als möglich entgegenzukommen. Fragen weit besser geschulten Sachverständigen der nichtjüdischen Völker merken, _ _ dann können wir mit Freude und Stolz ziige Ort, wo die Männer dlhres Vertrauens I engen:'Es war ein glücklicher Tag, als Rerzl m. ihr sprechen, wo nichts gilt als die höchste Opferbereitschaft, wo das Beste gerade gut genug ist, wo alle nur von dem einen Wunsch beseelt sind, alles, dias Erste und das Letzte für die Zukunft bereitzustellen. Das jüdische Volk hat nachts als Palästina; und. um Palästina zu erreichen, das Erreichte zu prüfen und zu festigen, hat es nichts als diesen Kongreß. Wir leben du der Gialuth, und wir haben in den langen Jahrhunderten viel von den Sitten der Länder und Völker aufgenommen. Auch in unser politisches Eigenleben, das erst 40 Jahre alt ist, ist die Couloirluft der Parlamente eingedrungen. Das Parteienwesen, das nun einmal eiine menschliche Eigenschaft ist, die aus dem KristaUisatiansibedürfnis kommt, tritt bei dem kleinen, jüdischen Volk und in dem noch kleineren Palästina allzustark hervor, eine üble Erbschaft Europas. Aber darüber steht die Arbeit — und welcher Partei immer der einzelne angehört, schließlich schafft doch die Not der Aufgabe, die Verantwortung zionistischer Pflicht, ein festes unzerreißbares Rand. Mehr Men sehen, mehr Land, mehr Geld — und der Parteien&puik verschwindet. Wir haben nichts als diesen Kongreß. Von ihm aus hat dieses bettelarme Volk Millionenfands gegründet, die groschenweise zusammengekommen sind. Von ihm ans hat dieses Volk der Gialuth sieh eine Organisation, ein Programm, einen Sied* Jungsplan gegeben. Schrittweise ist man vorgegangen, schwere konstruktive und politische Fehler sind gemacht worden, worüber sich nur der wundem kann, der [vergißt, daß die Juden kein Kolonisationsvolk waren, und daß sie alle Probleme mit sich selbst auszutragen hatten; aber im ganzen ist in diesen 40 Jahren unendlich viel erreicht worden. Juden neigen zur Kritik, das Leben in einer meist feindlichen Umgebung hat ihre Augen schärfer, ihr Urteil bitterer gemacht. Aber wenn wir heute den Rechenschaftsbericht der Exekutive in Basel zum erstenmal den jüdischen Kon gneß eröffnet hat. Ein Strom von Energie von Leben, von Schaffenslust äst von dort ausgegangen. .Und es ist die Schönheit der Idee, das schlafende Heer zu wecken, die Großes vollbracht hat. Wir stehen auf dem Boden der Heimat, die Jugend verwächst mit der Erde der Richter und Propheten der Bauern und Winzer zu einem völlig neuen Element. Sie singt und lacht, sie ist im Innern mit der Galuth fertig geworden Die Zionistische Organisation legt Rechen sohaft ab, und sie braucht das Urteil nicht zu scheuen. Sie ist eine Minorität im Juden tum gewesen, und sie ist bei der Arbeit, bei ihrem Fortgang und bei ihren Stockun gen immer allein gewesen. Sie hat an den Fehlem gelernt, und es besteht, dieser Luzern er Kongreß beweist es, der ernste Wille, zur völligen inneren Einheit zu gelangen und das europäische Gift auszurotten. Die Zionistische Organisation nimmt jeden auf, der ehrlichen Herzens zu ihr kommt, Rat und Tait bringt. Aber sie teilt die Verantwortung mit niemand. Sie bleibt die Organisation, die ans Utopie Tatsachen gemacht hat; ihr zionistisches Bekenntnis ist der Stein gewesen, aus dem Moses das Wasser gerufen hat. Im Sturm der Arbeit ist diese Organisation zusammen* geschweißt worden. Sie ist trotz aller Gegensätzlichkeiten; trotz Rechts und Links eine Einheit, und sie wird zum Bewußtsein dieser Tatsache gelangen, wenn das Land wieder ruft. Und darum ist der Kongreß auch ein Gericht über die, die nicht da sind, die die Einheit zerreißen und aus Furcht vor der Verantwortung, vor der stillen, reklaraelasen täglichen Arbeit, aus ungestilltem Geltungsbedürfnis sich von der Organisation lossagen. Diesem Kongreß, der ersten Tribüne des jüdischen. Volkes, stellen die Revisionisten einen zweiten Kongreß entgegen. Dieser Organisation, die 40 Jahre lang gewirkt hat und die vor der ganzen Welt ihre Tätigkeit zur Prüfung vorlegt, stellen sie eine hören* wen® wir ffe Achtung der für solche | neue zionictusche Organisation entgegen. Sie fragen die Juden: Seid ihr für ein jüdische« Palästina?; Seid ihr für freie .Einwanderung?- Und jeder, der naturgemäß auf Grund der von der Zionistischen Organisation geschaffenen Tatsachen mit ja antwortet, ist damit „Wähler“ ohne Wahl, ist Aufputz dieses Konkurrenzunternehmens. Jahrzehntelang wurde gespart und gesammelt, ehe an die 400.000 Juden nach Palästina gebracht werden konnten. Die Revisionisten sprechen von der Evakuierung größerer jüdischer Massen und gaukeln in dieser billigen Demagogie über den furchtbaren Emsf dieses Wortes hinweg, das von den antisemitischen Gassenschreiern sofort aufgegrift fen wird. Die Zionistische Organisation hat} den Kongreß gebaut, die jüdische Politik geschaffen, die San-Remo-Deklaration undj das Mandat errungen — sie hat das alles in das Licht des Tages gestellt, die Basis gelegt, auf der jetzt Jabotinsky und die um ihn wohlfeile Beeren pflücken wollen —i von den Reben, die nicht sie gepflanzt haben. Sie erzählen, daß sie eine Milliort „Wähler“ aufbringen. Nachprüfung wäre da sehr am Platz. Aber wenn sie solche Resonanz im Judentum haben, warum sind sie. denn nicht in Luzern? Sie wären ja dort mit ihrer Million Wähler hinter sich genau so stark, wie alle anderen Parteien zusammen und könnten die Exekutive ganz allein nach ihren Willen bilden! Aber das bedeutet Verantwortung, und da weichen sie lieber aus. Kommen nach Wieij, um zu beweisen, daß Österreich nicht antisemitisch ist, um zu zeigen, daß sie antimarxistisch, sind im Gegensatz zu den anderen Zionisten, die demnach als marxistisch zu gel-' ten hätten. Die zionistische Öffentlichkeit Österreichs, die auf Luzern horcht, wird sich nicht zur Staffage hergeben. Sie läßt die Herren gewähren. Sie bleibt der Tribüno Herzls und seiner Fahne treu. Sie bleibt in der alten, bewährten Zionistischen Organisation und bleibt denen fern, die erst recht den. Klassenkampf in Palästina in seiner schlimmsten Form einrichten wollen. Die Ansiedlung von Kindern aus Deutschland Luzern, 25. August. In ihrem Referat über die Jugendalijah führte Frau Henriette Sz o 1 d aus: In Berlin bestehe eine Arbeitsgemeinschaft aus drei Partnern: dem Palästinaamt, der Organisation „Ah&wa“ und der Jüdischen Ju gendhilfe, einer Selbsthilfeorganisation der jüdischen Jugend mit jugendlichen Mitarbeitern und jugendlicher Leitung. Man könnte 10.000 jüdische Jugendliche nach Palästina bringen, die in ihrem Geburtsland keine Aussichten auf Weiterbildung oder wirtschaftliche Existenz besitzen. Bis vor kurzem waren insgesamt 53.000 Pfund aufgo bracht worden. Damit konnten 713 Jugendliche nach Erez Israel gebracht werden, von denen ein Teil auf Grund der von der Pälästinaregierung zur Verfügung gestell ten Jugendzertifikate, ein kleinerer Teil mit ihren Eltern ins Land gekommen ist Bis Endo 1935 sollen weitere 450 Jugendliche angesiedelt werden. Die Jugendlichen stehen im allgemeinen im Alter von 15 bis 17 Jahren. Die Kinde’ sind zum größten Teil in Ben Schemen, ferner auch in der Haushaltungssohnle des Misrachi in Jerusalem und in 15 Kwuzoth untergebracht. Die Rednerin rühmte die außerordentliche Liebe uni das Feingefühl, das die Kwuzoth den Kindern entgegen brächten. In den Kwuzoth werde ein genauer Stundenplan eingehalton, vier Stunden sind für Arbeit und yier Stunden für i theoretische Ausbildung, davon die halbe Zeit für Hebräisch und jüdisches Wissen, bestimmt. Die ganze Aktion sei bis heute nicht mehr alß ein, allerdings vielversprechendes und bisher gute Ergebnisse zeigendes, Experiment. Schon jetz werden von der Aktion ziir Ansiedlung von Kindern aus Deutschland zu etwa 45% Kinder niohtdeutscher Staatsangehörigkeit erfaßt. Nunmehr sollen auch andere Länder ah Deutschland systematisch einbezogen werden.. Die Vertreter der vielfach aus Nichtzionisten bestehenden Hilfskomitees in allen, Ländern dürften auf ihrer demnächst in Amsterdam stattfindenden Tagung erkennen, daß für die bedrängten jüdischen Jugendlichen Palästina der einzige Ausweg ist. Wenn in zwei Jahren diese Kinder tatsächlich in das Leben Palästinas eingegliedert sein werden, werde ein neuer zionistischer Gedanke verwirklicht sein. Billige Reisen nach Palästina Kostenlose Beratung In allen Reiseangelegenhelten, welche Palästina betreffen, mündlich und telephonisch: Reisebüro „In die Welt“ (Dr. S, Tocker) EL, Liechtensteinatr. 2, lei & 14-504