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Die Stimme · 1935-08-16 · Heft 475 (16.8.1935) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 475 (16.8.1935)
Date
1935-08-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 475 — lfl. August 1935 oie stimm! Sette T Jugendec%.e Bericht aus einem jüdischen Sommerlager Die Jugendlichen der Gdud Z'ürim vor dem. Schloß Wir befinden uns am Ufer des Traunflusses. Yon der Ferne ertönen hebräische Klänge und lassen uns aufhorchen. Wir nähern uns einem mittelalterlichen Schlosse (Schloß „Au“ — Roitham im Salzkammergut). Große hebräische Lettern und eine blau-weiße Fahne verkünden dem Besucher, daß hier junge jüdische Bürger ihre Wohnstätte aufgeschlagen haben. Die Torwache begrüßt uns mit einem „Chasak“ und kündet unseren Besuch dem Oberhaupte an. Das 700 Jahre alte Schloß liegt in einer malerischen Umgebung, einige Gehminuten vom Wasserfall der Traun entfernt. Über 160 Jugendliche unter der Leitung der Chaweirim Dukes, Hirsch, Markstein und Schiffmann verbringen dort ihr „Machaneh-Kajiz“ (Sommerlager). Yon den drei Schewatim des Gdud (Hapoel, Hazofeb, Häatiicl) befinden sich nur die jungen Jahrgänge auf dem Maohaneh, während die älteren die „Haohsobarah“ mitmachen. Besonders bemerkenswert ist die unbedingte Disziplin der Jugendlichen den Führern gegenüber und ihr kameradschaftliches Gefühl. Der Tag auf dem Schlosse wird in feierlicher Weiße eröffnet. Appell und Ablegung des Birnideschwuveß beschließen ihn. Geländespiele, nationaljüdische Tänzo (Horah), Siohoth (ideologische Diskussionen), Kurse für die hebräische Sprache, jüdische und zionistische Geschieht© füllen den Tag der kleinen Bürger aus. (Beim Fußballwettspiel G. Z. gegen Jugendgemeinschaft Stoyrermühl zogen die Gdud %’iirim die Aufmerksamkeit der Zuschauer durch ihr strammes und diszipliniertes Auftreten auf sich.) Besonders hervorzuheben wäre die Abhaltung des Onegg-Sabbath. Die „Onaggch Sabbath“, die den Höhepunkt dos Moßchawah-Lobens bilden, tragen einen solennen Charakter. Vorträge über den Thorah- Abschnitt der Woche sowie Vorträge über aktuelle zionistische und jüdische Problemo werden durch künstlerische Darbietungen ergänzt. Der Onegg-Sabbath wird überdies während des ganzen Jahres (in allen zwölf Heimen dos Gdud) gefeiert und geptlegt. Vor ungofähr acht Jahren beschlossen einige Mitglieder dos „Ziireh-Misracbi“, einen neuen Jugendbund ins Leben zu rufen, der alle Schichten dor jüdischen Jugend umfassen sollte. Mit der Zeit ist dieser AUgomein- Zionistisehe Jugendbund auf tausend und einige hundert Mitglieder angewachsem und gehört zu eiuer der stärksten Jugendorganisationen Österreichs. Dieser Bund stellte es sich zur Aufgabe, die nationalen Bestrebungen des Streng rituell! Pension HERMINE EICHNER BADEN, ROLLETTdASSI NR. 7 Ganzjährig geüllnet. Zentralheizung. FlieSemies Warnu. Kallwasser Telophon Nr. 1038/4 .. 1 . Zionismus ln die breiten Massen hineinzutragen. Die Jugendlichen werden nach den allgemein-zionistischen Grundsätzen erzogen. Das sozialpolitische Programm läßt sich in Kürze wie folgt formulieren: „Die Arbeit und daß Kapital müssen dem Primat dor allgemeinen nationalen Interessen auf allen Gebieten des jüdischen Lebens in Erez Israel unterworfen sein. Ohne Rücksicht auf die Klasseninteresscn soll der Aufbau in Ercz Israel erfolgen, im Geiste des sozialen Fort- Rohrittes und der sozialen Gerechtigkeit.“ In kulturpolitscher Hinsicht will der Bund den überlieferten jüdischen Werten eine zoitgemäße Form geben und so eine Synthese aus nationalem und religiösem Inhalt schaffen. Körperliche Ertüchtigung und absolute Disziplin kennzeichnen diesen Bund. Gdud Z’iirira hat am besten bewiesen, daß ernste und zähe Arbeit, fester Wille und Ausdauer ihre Frücht© tragen müssen. Dank der tatkräftigen Unterstützung seitens der Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes für Österreich, Herrn Dr. Oskar G ritnbau m, und des Vizepräsidenten und Jugendreferenten, Herrn Dr. Paul Berger, und dank der unermüdlichen Arbeit der Jugendführor Teig, Freibrunn, Dukes, Hager und Hirsch konnte dieser Bund eeine Organisation sowohl auf kulturellem als auch auf erzieherischem Gebiete entsprechend ausbauen. Dieser Bund hat die besten Aussichten, die größte jüdisch© Jugendorganisation Österreichs zu werden, da er die assimilatorischen Dogmen der radikalen Flügelparteien ablehnt und nur ©in Ziel vor Augen hat: den Aufbau des jüdischen Staatswesens in Palästina für das ganze jüdische Volk. Ing. Dr. F. P i c k h o 1 z. Mus aller Weit Die jüdischen Flüchtlinge in Belgien In einer gemeinsamen Sitzung der interministeriellen Flüchtlingskommission mit Vertretern des jüdischen Flüchtlingskomitees und der Hicem, die unter dem Vorsitz des Präsidenten des belgischen Fltichtlingskomitees, Costermans, abgehalten wurde, ist beschlossen worden, bis zum 4. November 1935 keine deutschen Flüchtlinge mehr aus Belgien auszu weisen;'es wird erwartet, daß bis zu diesem Zeitpunkt der größere Teil der deutschen Flüchtlinge Belgien verlassen haben wird. Nach dem 4. November werden die Verhandlungen zwische der Regierung und den jüdischen Flüchtlings-Institutionen wieder aufgenommen werden, um zu beschließen, was mit jenen Flüchtlingen zu geschehen habe, die noch in Belgien verblieben sind. Der Präsident des Komitees für den Schutz jüdischer Rechte, Torczyner, hat beim Innenminister Vorstellungen dagegen erhoben, daß ausländische Markthändler — in Belgien handelt es sich hei solchen vornehmlich um Juden — Erkennungsmarken tragen müssen, die sie von den belgischen Bürgern untcrscheid e n. Der Innenminister gab Herrn Torczyner die Versicherung, daß die Bestimmung über die Erkennungsmarken nur für drei Monate Gültigkeit hat und dann außer Kraft gesetzt werden wird. Der Magistrat von Antwerpen beschloß, einen speziellen Polizeibeamten mit gründlichen Kenntnissen der jiddischen Sprache einzustellen. Buchara’Juden nach Palästina Die anhaltend schwierige Lage der etwa 3500 Juden, die aus Buchara nach Afghanistan ausgewandert sind, hat die Jewish Agency in den letzten zwei Jahren veranlaßt, durch Vermittlung des Verbandes den Juden aus Buohar in Jerusalem 240 Zertifikate zur Verfügung zu stellen. Auf diese Zertifikate sind 1500 Personen nach Palästina eingewandert, die sich gnt dero Dande eingeordnet haben. In Afghanistan befinden sich jetzt noch 2000 Juden aus Buchara. Sie sind aus Buchara; wegen der schweren Verfolgungen, dienen sie aufgesetzt waren, geflüchtet, sind aber auch in Afghanistan Verfolgungen ausgesetzt. Alfred Wern er: au t. Hi. JUiiei* Die Hauptwerke des Graphikers Liliea, dessen Todestag sich zum zehntenmai jährt, sind seine Illustrationen zu Münchhausens „Juda“, zu den „Ghettoliedern“ von Roscnfeld und zur Bibel 7. Dem fremden Gast, dem adelig Gehörnen, der Judas dunklen Melodien lauschte, der mit der Feder seine Lanze tauschte, umkränztest Du mit Disteln und mit Domen sein männlich Lied — zuweilen aber ranken aus wirrem Rahmen Köpfe und Gestalten, und zwischen Ahnen, Jungfrauen, Engeln halten getreue Wacht die lieblichsten Gedanken. 77. Zu schwach zum Schrei, des Volkes Seele stammelt von Schmach der Unterdrückten, Gram und Wut; doch Einer aus dem Ghetto hat die Glut des Leids in starke Worte eingesammelt. Die Harfe mit den jäh zersprungenen Saiten Drücktest Du an des Buches müde Stirn — gen Ende aber schimmert Salems Firn und freie Söhne kühn zur Sonne schreiten... Ul. Wort Gottes ist nicht tot — es lebt die Bibel, Erzväter und Erzmütter und Propheten: indem ihr schauen lernt, lernt ihr auch beten, schlagt unbeklommen auf die Weltenfibel. Du schmücktest sie mit Bildern, Gott zur Ehre, jedoch den Kindern Israels zum Frommen, daß Moses einst dem Volke wiederkehre, auf daß die Tage Davids wiederkommen! Restaurant Rillet Bestrenommicrte Küche ^3 Reichhaltige Menüs iS 1*90u.2'60 Schwechater Br Jti tl„ Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke Telephon A 41-0-2J Jewihs Lads Brigade — das beste Kadetten-Bataillon Englands Die 300 Jugendlichen der Jewish Lads Brigade in Manchester haben die Auszeichnung erhalten, sich die b e s 10 r g a n isierte Kadetteneinheit in England nennen zu dürfen. Die Nation-Trophäe, wird ihnen auf einer Zeremonie übergeben werden, an der der Stifter der Trophäe, Brigadegeneral J. H. Nation, teilnehmen wird. Der englische Gesundheitsminister an die Juden von Manchester Der Minister für Volksgesundheit in England Sir Kiagsley Wood eröffnete den neuen Flügel für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten des Jüdischen Hospitals zu Manchester mit einer Ansprache, in der er, zu Nathan L a s k i gewandt, ausführte: Ich bin ein großer Bewunderer von Ihnen und der Gemeinde, der Sie angehören. Ich bewundere den Beitrag, den diese Gemeinde zum nationalen Leben Englands geleistet hat, und hin froh zu wissen, daß hier in Großbritannien Unterschiede nach Rasse und Glaube nicht gemachfc werden. Hitler sendet einem deutschen Juden in Palästina das Kriegs• kreuz Der deutsche Konsul in Palästina übersandte dem jüdischen Besitzer des Zion-Hotels im Haifiaer Viertel Hadar Hacarmel, Hans Davids ohn, das Hindenburg-Ehrenkreuz, welches laut Kundgebung Hitlers vom Juli 1934 allen deutschen Frontkämpfern zukommt. Das Begleitschreiben der Reichskanzlei in Berlin beginnt mit den Worten: „Der Führer ehrt Sie gemäß Ihrem Ansuchen .. Hat Herr Davidsahn die Ehrung durch den Führer angenommen? Syrien gegen das japanische Dumping Beirut, 12. August. (Z. T. A.) In den Verhandlungen über einen Handelsvertrag zwischen Syrien und Japan hat der Oberkommissar von Syrien gefordert, daß die Handelsbeziehungen zwb sehen den beiden Ländern auf der Grund-* läge der Kompensation aufgebaut werden. Falls Japan diese Bedingung nicht annimmt, sollen auf japanische Waren die höohsten Einfuhrzölle erhoben werden. Die Industriellen von Syrien und Libanon verlangen ein vollständiges Einfuhrverbot für die japanischen Waren. Die Forderungen des syrischen Oberkommissars sind im Hinblick auf die ähnlich liegenden: Verhältnisse im benachbarten Palästina von besonderem Interesse. Von der Olej Austria Von der Olej Austria, Suif Haifa, wird uns berichtet: Die Olej Austria, Haifa, hat ihr Versammlungslokal verlegt, und zwar finden ab 5. August 1935 die Versammlungen im C a f 6 Pewsner, Pewsner Street Hadar Hacarmel, und nicht mehr im Cafe Werner-Frankel statt. Die Versammlungen finden alle Montag abends, %9 Uhr, statt, und sind alle Olim und Touristen aus Österreich herzlich eingeladen, an diesen Versammlungen teilzunehmeu, wobei sich die beste Gelegenheit ergibt, das lückenhafte Adressenmaterial zu ergänzen und viele Freunde und Bekannte, die bereits im Lande weilen, zu sehen. HUMORISTISCHE ECKE HERR RAMBAM Ein Berliner Jude üb er siedelt nach Tel- Aviv und findet hier eine Rambamstraße. „Erlauben Ste'% fragt er wißbegierig, „ist das derselbe Herr Rambani, der in der letzten Zeit $0 gef eiert wurde?,“

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