Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 474 (13.8.1935)
- Date
- 1935-08-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 Off STIMM! Kr, 474 — m Angusf 1989 Vojtech Rakous gestorben Der Schilderer tschechisch-jüdischen Lehens. Prag, 9. August. Am PonnerMAg, dön 8. August, ist in eeiimr Wohnung in Prag-Tuben der bekannte tsehöohisehe Schriftsteller Vojtech It a k o u e im Alter von 73 Jahren verstorben. Vojtech tlnkouf*. der ursprünglich Öster* Teic-her hieß, wurde am 8. Dezember 1862 in Stary P. r a z d i m als Kind jüdischer Eltern geboren, er schloß .-ich seit seiner Jugend dem tschechischen Kulturkreits an und schrieb nur tschechisch, bewahrte aber dem Judentum die Treue und nahm gegen sein Lebensende eine immer positivere Stellung zum Judentum und auch zum jüdischen Aufbau in Palästina ein. In seinen im tschecholöwakischen Volke populär gewordenen Erzählungen schildert er da« Leben der Juden in der böhmischen Provinz, ihre Bräuche und ihr Zusammenleben mit den christlichen Nachbarn. Am bekanntesten sind eelae „Vöjköviat i a prespölni“ betitelten Geschichten geworden. Weiteste Föptilari* tät heben die von ihm dramatisch gestalteten Figuren Modche und Resi erlangt, das Drama bildet seit vielen Jahren ein Repertoirestück der tschechischen Bühne. Als die Prifcä Rakous’ 1911 zum erstenmal erschien, hat J. S. Machar, der kenn toi welche tschechische Dichter und scharfe Beobachter, auf Rakous mit starken Worten hingewieeen. Erschöpfende literarische Würdigung widmeten ihm Jan Herben, Josef Kodicek und Okar Donath. Politisch gehörte Rakoufl in früheren Jahren zu der Realistenpartei unter Führung Mäsaryks. DU Schandung des uralten Juden• frledhöfes In Letpa Prag, 9. August. Auf dem uralten jüdischen Friedhof in Leipa wurden, wie bereits mitgotellt, 17 Grabdenkmäler umgeworfen. Wie nun die „Böhemia“ aua Loipa meldet, forderte die israelitische Kultut»gemeinde ln der Sitzung der Vefwaltungskommlsskm erhöhten Schutz ihrer Objekte und eine strenge Untersuchung der vollständigen Passivität der etädtieoben Sicherheitswache, bei der die Anzeige erstattet wurde, ohne daß sich die Wache weiter um diese Angelegenheit gekümmert hat. Die Verwaltungskommission leitete gegen zwei Organe der Sicherheitswaohe die DiezipUnaruntersuchung ein und setzte eine Belohnung von 500 Kc für den aus, der Angaben zur Ergreifung des Täten» machen kann. Jnjandl Dp. Samuel Deutichtänder gestorben Das Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses der Weltorganisation der Agudae Jksroel lind Leiter des Keren Hathora, Dr. Samuel Deu techlander, ist im Alter von 47 Jahren in Wien gestorben. Dr. Samuel Deutschiänder war ein hervorragender jüdisch-orthodoxer Pädagoge und hat auf dem Gebiete der jüdisch-religiösen Erziehung in verschiedenen Ländern mit Erfolg gewirkt. Er war auch der Leiter der Beeth-Jaa.kob-Lehreriunen-Sehulö, die er zusammen mit der kürzlich verstorbenen Frau Sarah Schenierer vor etwa 15 Jahren ins Leben gerufen und seither ganz bedeutend ausgebaut hatte. Er war ein bekannter Goethe- F orscher und hat viele sehr interessante Aufsätze über den Einfluß der Bibel auf Goethes Schaffen verfaßt, wobei er den Nachweis lieferte, daß Goethe in fast allen seinen Schriften friärk von dem Gehalt der Bibel beherrscht wurde. Das Bestattungswesen Wir erhalten folgende Zuschrift; Löbliche Redaktion der „Stimme“! Unter der Überschrift „M i ß s t ä n d e im Beerdigungswesen der Wiener K u 11 u s g e m e i n d e“ meldet sich das „einfache Mitglied der Chewra Kadischa“ in der Hummer 31 des Unionorgans abermals zu Worte und setzt trotz der inzwischen erfolgten, mit amtlichen Daten belegten Erklärung des Präsidiums des Kultusvorstandes seine Angriffe gegen unser BestättüügsWesen fort. Ala einem der ältesten Mitglieder und Delegierten der Ghewra Radischa und seit fast drei Dezennien mit unserem Besfcattungswesen vertraut, wäre ea mit ein Leichtes auf Grund meiner Beobachtungen im Priedhöfaamt den anonymen Schreiber ad absurdum zu führen. Es ist freilich schwör, döft Ztl überzeugen, wo man nicht überzeugt sein will. Völlig absurd ist es aber, wenn dieses „einfache Mitglied der Ohewra KädisChä“ den gegenwärtigen Kultusvorstand für die Übertragung des Beerdigüngswesehs von der Chewra Kadisoha auf die Kultusgemeinde verantwortlich macht, denn diese Übertragung erfolgte doch ira Jahre 1878 in der „liberalen“ Aera dea seligen Dr. Ignaz Kura n d a. Es bestünde für midi kein Anlaß, mich weiter mit dieser Angelegenheit Zu beschäftigen, wenn nicht anschließend an den erwähnten Artikel Herr Dr. Ernst Peldfiberg auf dem Plan erschienen wäre und Behauptungen aufgestellt, hätte, die nicht unerwidert bleiben dürfen. Er beklagt sich darüber, daß er als Obmann der Friedhofskornmlssion nicht in der Lage ist, die behaupteten Übelstände bei der Bemessung der Taxen und Gebühren zu beseitigen, was absolut unrichtig ist, denn der ubrnann hat (allgemein rnit dem Amtsleiter) das Vorschlagsrechtandai Pr ä s i d i u m. Voraussetzung für eine erfolgreiche Tätigkeit ist es jedoch, daß der Obmann die Zeit und den Willen hat, oft ins Friedhofsafflt zu kommen und jeden einzelnen Akt gründlich und Individuell zu behandeln. Auf telephonischem Wege ist die Sache wohl bequemer, aber nicht zweckentsprechend. Als im vorigen Jahre infolge einer Auseinandersetzung die „Union" ihre Mitglieder aus den verschiedenen Kommissionen zurückzog und die Leitung der Friedhöfskommiösion mir übertragen wurde, fand Ich eine große Anzahl Gesuche, hauptsächlich wegen Ermäßigung der Grabßteingehühren vor, welche Wochen- und monatelang unerledigt liegen geblieben waren. Im Verlaufe einiger Tage habe ich diese Gesuche erledigt und hatte außerdem die Genugtuung, daß alle meine Anträge vom Präsidium akzeptiert wurden. Herr Dr. Feldsberg stellt jedoch am Schlüsse seiner Zuschrift eine Behauptung auf, welche nicht scharf genug zurückgewiesen werden kann. Er sagte, daß seine Bemühungen zur Abstellung der Übelstände wenig Aussicht auf Erfolg hätten, „weil, wie ja zur Gänze bekannt ist, im Kultusvorstand die jüdischnationale Majorität entscheidet, der auch der Herr Fimtnzreferent angehört.“ Damit hat er nicht nur die zionistische Majorität im Vorstande beschuldigt, daß sie rieh bei Entscheidungen im FriedhöfsWeßefi anstatt von sachlichen Motiven, von Parteipolitik leiten läßt, sondern er hat dadurch auch die Hintergründe dieser ganzen Kampagne verraten. Nicht um angebliche Mißstände abzuschaffen, sondern um gegen die gegenwärtige zionistische Majorität ange- .siohts der nächsten Kultusratswahlen Vorwürfe zu erheben, Wurde dieser ganze Feldzug unternommen. Daß ißt deß Pudels Kern. Ich danke Ihnen im vorhinein für die Veröffentlichung dießer Zeilen und zeichne hochachtungsvoll Jösef H. W a 11 ü c h Öbmannötellvertreter der Friedhofskommiößiön Allgemein Zionistisch» Zertiflkatsb»w»rber melden sich, falls sie ChAlualm stad, beim HeohalUz Haklal ZlöUi, H., löfisbraße 6. All» anderen Personen wenden eich an ihre Bezlrkssektionen, bezlehungsweiße Ortsgruppen, von wo sie der Alllähkömöußsiön Allgemeiner Zionisten zur Evidenzhaltung weitergeleitet werden. Allgemein-Zionistische Handwerker wenden sich an den Verein Allgemcin-zionistißöher Facharbeiter und Handwerker „Zlonlm Baaleh Mikzoah“, 1., Mato-Aürel-Siraße ß. Anmeldungen Dienstag und Donnerstag von 1 bis 2 Uhr mittags sowie an den Verelnsabendon (Fachzeugniose mitbrlngen). — Bel der letzten Besprechung der ,3^aleh Mikzoah“ sprach Herr Erwin Hotter über „die Stellung den Allgemeinen Zionisten zum Aufbauwerk" und hob am Schlüsse seines Referats die besondere Wichtigkeit der Arbeit der Allgemein- Zlontetlsohen Handwerkerverbänd« hervor. Anschließend daran wurde über den Stand unserer Organisation sowio über die kommende Arbeit berichtet. Die nächste Me Spreohung findet Dienstag, den 20« 4.a Statt. , Gesellschaftsreisen zum XIX. Zionistenkongreß Donnerstag, den 15. August 1. J., um 7 Uhr früh, erfolgt eine Gesellschaftsreise nach Luzern per Bahn mit einem halbtögiden Aufenthalt in Salzburg. Interessenten melden sich im Büro des Zionistischen Landesverbandes, I., Marc-Aurel-Straße 5. Für Palästina wird ein Monteur für Dieselmotoren mit Befäbigui.gsnaohweis gesucht. Zertifikat wird beigestellt. Zuschriften an den Verband J ti di s ch e r T e ch n i k e r, Wien, 1., KöhlmessefgAsßö 4. Der Jüdische Hochschulausscliuß veranstaltet .auch heuer Ferienreisen nach Varna. Preis fiir 4 Wochen 8 175.—. Auskünfte und Anmeldungen täglich, von 9 biß 18 Uhr, Wien, IX., Alner- Straße 26, Telephon A-25-2-28. Eltern! Achtung! Nac.hhilfelehrer für Wiederholungsprüfungen in allen Gegenständen (Mathematik, Französisch usw.) vermittelt Ihnen kostenlos die „Judäa“ (Jüdischer HochschUlervörband Österreichs). Auskunft im Sekretariat, Wien, IX., Aleerstfaße 26; Montag, Mittwoch, Freitag von 2 biß 3 Uhr nachmittags. JÜDISCHER SPORT „Ragtboru’Prag gewinnt zum fünf* ten Male die Staatsmeisterschaft Im Schwimmen Vor etwa 150Ö Zuschauern wurden letzten Sonntag im Stadion auf dem Barrandov bei Prag die tschechoslowakischen Schwimmmeisterschaften beendet. Der jüdische Sportklub „Hagibor“ gewann die Mannschaftsmeisterschaft noch überlegener als im vergangenen Jahr. Mit 163 Punkten siegte er vor „Hellas“, der 48 Punkte errang. Der erfolgreichste Schwimmer der ganzen Veranstaltung war Getreuer vom „Hagibor"; Getreuer gewann zwei Titel; seine Rekorde werden, wie die Sportkritiker feststellen, nur sehr Schwer zu übefbieten sein. * Bekanntlich hat „Hagibor" erst vor kurzem die Wasserballmeisterschaft der Tschechoslowakei errungen. Die tschechoslowakischen Zeitungen widmen den Leistungen des jüdischen Sportklubs hohe Anerkennung. Der „Prager Mittag" schreibt: „Man muß es den Hagiborlanern lassen: das, was sie heuer bei der StaatsrrteiBterechaft in Prag geleistet haben, war eine Leistung, die ihnen sobald niemand näChmachen wird. Sie gewannen in überragen der Manier zum fünft o n m a 1 die Staätsmeistcrsohaft der Herren und hatten heuef wirklich ein Rckördjahr. Gewannen sie doch nicht allein die Schwimm-, sondern ebenfalls auch die Wasserballmeieterschaft, hinzu kommen noch die glänzenden Siege auf der Makkabiah in Palästina. Die vortreffliche Arbeit, eines Vereines kann wohl kaum noch besser demonstriert werden, als durch diese Erfolgsserie.“ Klubkampf Hako&h—Polizei. Ende August treffen die zwei stärksten Ringinännschafton Wiens, Hakoah und Polizei, Tn der Mannschaftsmeisterschaft zusammen. In der Frühjahrsrunde endete der Kampf unentschieden, doch wurde der Haköali nachträglich ein Punkt aberkannt, weil ein Hakoahner nicht startberechtigt war. Da beide Mannschaften gleichwertig sind, verspricht der Kampf sehr interessant zu worden und der Ausgang ist vollkommen ungewiß. * Max Dusohesfca. ein verläßlicher Ringer der Hakoah, verläßt demfiächet Wien und nimmt «einen ständigen Wohnsitz in Amerika. P1LM Heutet „Roberte“ Im Schweden-Kino. Daß Schweden-Kino eröffnet heute die neue Saison mit dem sensationellen R. K. o.-Film „Röberta“. Die Hcauptrollem in diesem sehenswerten Film haben Irene Dünne, Ginger Roger«, Fred Astäiro inno. Für die neue Saison hat sich übrigens das Schweden-Kino die besten amerikanischen Filme gesichert. Neue Menschen auf alter Erde, Fünfzig heröißobö Jahre in einem kahlen, verwüsteten Land — ein Kapitel aus der Geschichte des ewigen Volkes, daß endlich eine sichoro Zuflucht gefunden hat. „Das ist das Land", der neue Päläfltina-Filra. der demnächst im Heimat-Kino in tlr- und Ailolnaufführung erscheint, ist kein Phanta«logeblldö ans Zelluloid mit einer erfundenen Handlung, Kondom ein dramatischer Ausschnitt aus dem Loben, ein Blatt aus dem Tagebuch hochherziger kühner Pioniere, die sich vorgöfiom* mön hatten, die Wüste zum Blühen zu brlngon. 3tan Laurel und Oliver H&rdy in eechß Kinos Freitag, den 18. Angußt l J., erscheint im Kreuz-, Opern-, Lustspioltheater-, Sascha-, Stafa- und Vötivpark-Kino das netto Groß- Lustspiel des berühmten Körnikor-Duos Start Laurel und Oliver Hardy; „Daa Privatleben Oliver VIII. Dießer Film gibt d«B beiden Unzertrennlichen wieder einmal Gelegenheit. den Kampf gegen die Tücke des Objekts zu führen, Kinoprogramme der Woche KREUZ-KINO hrr.Ää Vom 1.1. bis 15. August 1035 Uraufführung mit George ©’Brten Beginn: 4, B/»6, l/,8, 1 /»10 Uhr TIS- LeopoldsiSdtcr Volliskino Telephon R Tll-O-If Vom 13. bis 15 Außnftt 1935 Großes Schlagerprogramm Wochentags 7»ß, ’/.S, 7,10 tthr, Sonn- und Feiertage 7,4 Uh* SCHÜFFER-K1N0 v,ÄurÄ37 Vom 13. bis 15. Aupust 1936 Uraufführung Der falsche Zar mit ASberf Prejean, inkischeneff Beginn: 7*4, 7*6, V*8, */»lü Uhr Mariahilferstraße Telephon B 33-0-68 120 Vom 13. bis 15 August 1035 Uraufführung Der öerwolf von London mit. Warner Oland, Henry Hüll Wochentage .• ö. 1, il Uhr Sonnurul Feiertage i 7,4. '/46, 7.8, ö Uhr ne im nt-Kino Vom 13. bis 15. August 1935 Uraufführung Dar falsche Zar mit Inklscheneff, Albert Prejean Wochentags: 5, 7, ß Uhr, Sonnu. Feiert, ab 3 Uhr IX., Währlngerstraße 12 Telephon A 18-3-96 Vom 13. bis 15. August 1935 Uraufführung Soröorwolf von London mit Warner Oland, Henry Hüll Beginn: 4, 7,6, */*8, 7*10 Uhr Schweden Kino Die Weitsensation ROBERTA Irene Dünne Ginger Rogers Fred Astairs 7*4, '/A VA y.io Bequeme Sonunerrelsen nach Polen und Czernowltz am 18. und 25. August. Retöur 1., 15. September und 2. Oktober in fahrplann mäßigou Schnellzügen. Verkürzte Rousodatief. Platzkartonausgabo und Anmeldung: Reisebürd „lRÜT‘VWien, I„ Karlsplatz 1, Kärntnerstraße Nr. 63. Referent: S. Rosenkranz, Hartleibigkeit. Ärztliche Gutachten verzeichnen wahrhaft überraschende Ergebnisse, die mit dem natürlichen „Franz-JoseP-Bittenvasser bei Leuton mit sitzender Lebensweise erzielt wurden. Jeden Sonntag nach Polen und Czernowltz. Abfahrten: 15.18 Uhr. 25. August, 1. und 8. September. Rückfahrten: 1. und 15. September und 21. Oktober. Francopöl, Wien, 1IL, Rennweg 1 (im Gobiiuclo des Polnischen Konsulats), Telephon U-10-4-90. Bezugsbedingungen; Monatlich S 1.50, vierteljährlich 9 4.20, ganzjährig S 16__ Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM, 3.— Tschechoslowakei vierteljährlich Kö 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50, Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20, Rumänien vierteljährlich Lei 120.—, übriges Ausland viertel« jährlich Schweizer Frunkcn 4-30. Postscheck- Konti; Österreich Nummer D 113.546, Polen Nr. 191.160, Tschechoslowakei Nr. 500.230. Jugoslawien Nr. 40.879. Eigentümer, Verleger und Horauögeber: Zlönißtlseher Landesvorlmnd für Österreich. Wien, I., Marc-Aurol Straße 5 — Verantwortlicher Redakteur: Imre Kaiser. Wien, l„ Marc-AureL Straße 5. — Druck: Vornay A. G., Wien, IX CamißiusgassQ 8—10, **