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Die Stimme · 1935-07-12 · Heft 465 (12.7.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 465 (12.7.1935)
Date
1935-07-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Amerika hat seine Scbekelzahl verdoppelt, in Palästina wurden 135.000, in Ostgalizien 171.000, in Westgalizien 73.000, in Litauen 70.000 Schekalim abgesetzt. Auch in England, Südafrika, Österreich und anderen Ländern sind die Steigerungen enorm. In der genannten Gesamtziffer sind die Resultate aus Deutschland, Rumänien und 24 kleineren Ländern noch nicht mit inbegriffen. Der XVIII. Kongreß vertrat 839.291 Schekelzahler. Großer Sieg des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten in Westgalizien Letzten Sonntag fanden in Westgalizien und Schlesien die Wahlen zum XIX. Kongreß statt, die einen besonders großen Erfolg für die Liste des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten brachten, der bei den Wahlen zum XVIII. Kongreß 7 Mandate erhalten hatte. Nach den bisherigen Wahlergebnissen verteilen sich die Stimmen wie folgt: Weltverband der Allg. Zionisten . 12600 Stimmen 11 Mandate Misrachi .... 4600 „ 3 „ Arb. Palästina . . 6400 „ 4 „ Judenstaatspartei . 650 „ — Hitachduth . . 520 „ — Die Wahlbeteiligung betrug in Krakau 70%, in der Provinz 80 bis 90% und erreichte dort an manchen Orten sogar 100%. Zertifikate für Österreich Der Zionistische Landeis verband für Österreich hat bekanntlich bei der Zionistischen Exekutive wegen der systematischen Benachteiligung Österreichs bei der Zuteilung von Zertifikaten Beschwerde geführt. Wir wußten schon kürzlich zu berichten, daß auf Grund dieses Protestes weitere Zertifikate dem Wiener Palästina-Amt zu kommen werden. Der Zionistische Landesverband erhielt nun aus Jerusalem die offizielle Verständigung, daß Österreich weitere 20 Zertifikate für die laufende Sohedule zugewieeen erhält. Man sicht daraus, wie berechtigt der Protest des Zionistischen Landesverbandes war und wie notwendig es ist, daß das ganze System der Zertifikatenzuteilung einer gründlichen Reform unterzogen wird. | |. | 't ’ . Für unsere .Leser nur Neudegger Fahrschulen Wien, VIII., Neudeggerg. 18 Tel! B 46-5-72 v undlnxendÖrf (Nleder-Österreich) ' PrUfunaserleiöbterung1 durch H Laufendei Auto im Lehrsaal!! Der Generalsekretär des Völkerbundes, Herr A v e n o 1, ist nach London gekommen, um dort mit dem englischen Außenminister Hoare und dem Minister für Völkerbundangelegenheiten Eden über die Fragen zu verhandeln, „die den Völkerbundrat und die Völkerbund Versammlung in der nächsten Zeit beschäftigen werden“. Unter diesen Fragen steht der Abessinienkonflikt an erster Stelle. Der Karren ist durch die Schuld der englischen Diplomatie so gründlich verfahren worden, daß der Generalsekretär eine Vermittlungsaktion einleiten mußte. Der abessinisoh - italienische Schlichtungsaussohuß. in Scheveningen ist. zusammengebrochen. Der neue Vorschlag, den Avenol ausgearbeitet hat, soll gutem Vernehmen nach dahingehen, daß die Frage nicht, vor den Völkerbund gebracht wird und daß entweder ein englisch-italienisches Kondomi-' nium oder e i n‘i t a 1 i e n i s c h e s M a n d..a t über Abessinien eingerichtet wird. Der Vorschlag läuft als.o ,im Kern darauf hinaus, die .Autorität des Völkerbundes wieder zu kräftigen, indem er von der Entscheidung entlastet wird, und das Mandatssystem auszudehnen. Bei dieser Gelegenheit soll — dies wird aus italienischer Quelle mitgeteilt — das'ganze Problem der Mandate überhaupt aufgerollt werden. Dies würde sich übrigens von selbst ergeben, wenn es, was jetzt, sehr fraglich ist, zu einer Julitagung des Völkerbundes kommt. Die Neuordnung in Nordostafrika, die sich da vorbereitet, berührt die Interessen Englands auf das stärkste. Abessinien hat heute keinen Ausgang zum Meer. In dem Augenblick, wo es unter die Kontrolle einer europäischen Macht gelangt, tritt es auch in den Genuß der Seeverbindung, entweder über Britisch-Somaliland oder Über das italienische Eryträa. Stellt Italien diese Verbindung her, so breitet es seine Macht am Südausgang des Roten Meeres aus. Es hat übrigens eine im Jänner von Frankreich abgetretene Insel gegenüber von Aden stark befestigt. Es entsteht mithin auf dem Weg nach Indien an einer für den Suezkanal sehr heiklen Stelle eine völlig neue Situation, und es ist nur zu sehr verständlich, daß die englischen Minister Verschleppuugsnmnöver ausführten, wenngleich ihre Methoden das böseste Mißtrauen in Paris und in Rom erzeugten. Italien im Besitz Abessiniens ist der Herr des oberen Nilbeckens und ein zu starker Nachbar des Sudan. Eine Verbreiterung der maritimen Stellung Italiens am Roten Meer und am Golf von Aden stimmt in London sehr nachdenklich, zumal sie auch London, 10. Juli. (2. T. A.) Der albanische Gesandte in London, Fuad Aslani, teilt der Jüdischen Telegraphen-Agontur mit: Meine Regierung wird jede Bewerbung von Juden, die sich im Lande niederlasson und Kapitalien in landwirtschaftlichen und industriellen Unternehmungen investieren wollen, günstig behandeln. Erleichterungen werden weiterhin solchen den Wert des überhastet mit Hitler abgeschlossenen Flottenvertrages beträchtlich herabsetzt. England wird also darauf bestehen müssen, daß das eventuell zu erklä rende Mandat nicht zu einem vollen Besitz wird und dies ergibt dann für alle im Völ kerbund sitzenden Staaten die Notwendig keit, die Mandatsfrage gründlich zu erörtern Dies würde aber auch den Juden die Möglichkeit schaffen, das was sie zur Mandatefrage zu sa gen haben, öffentlich klarzulegen. Die zionistische Führung hat die Aufgabe, die Mittel und Wege hiefür zu suchen. Der Wert und die Bedeutung Palästinas für Englands Stellung im Orient ist oft genug dargelegt worden. Es ist viel darüber gesagt und geschrieben worden, daß das palästinensische Land eine Art Fl an keusch u t z f ü r den S ü e zk anal uni den Weg nach Indien darstellt, , und man hat sich heutd fast schon daran gewöhnt. Palästinaa 1 s britischen Kolonialbesitz anzusehen. Die Zentralregierung in London und die Regierung in Jerusalem haben diese Auffassung gerne wachsen gesehen und sie haben auch mit großem Vergnügen die Propaganda für „das siebente Dominium“ zur Kenntnis genommen. Aber Palästina ist Mandatsland. Es untersteht der Verwaltung durch den Völkerbund. Palästina ist in San Remo zur Heimstätte für das jüdische Volk bestimmt worden. Das bedeutet, daß -rjuristisch gesehen — England in Palästina nicht Englands wegen, sondern der Juden wegen steht, und wenn auch durch eine Roßtäuscher-Manipulation Palästina im Handumdrehen faktisch aus einem A-Mandat in ein B-Mandat verwandelt worden ist — wir sprechen an anderer Stelle darüber —, so ändert dies doch nicht das mindeste an dem völkerrechtlichen Status. Es weist nur auf die Notwendigkeit hin, eine Korrektur vorzunehmen uijd den Zeitpunkt festzustellen, an welchem die . Juden Palästinas, die sich heute schon der halben Million nähern, völkerbundroif geworden sein werden. Was der Irak mit seinen paar Tausend Beduinen erlangen konnte, die Anerkennung der ethnisch-poli tischen Individualität und ihrer . Gleichwertigkeit, das kann den Juden für die Dauer nicht vorenthalten werden. Ein jüdisches Palästina als freies souveränes Völkerbundmitglied bedeutet für den Frieden derWeltunendlichmehraleeine englische Militärstation mit Juden gewährt werden, die die albanische Bürgerschaft erlangen. Albanien hat reiche Möglichkeiten. Anderseits aber hat die albanische Regierung bisher weder offiziel noch auf anderem Wege eine Einladung an Juden ergehen lassen, sich in Albanien niederzulassen; auch wurde bisher keine Delegation ersucht, zwecks diesbezüglicher Verhandlungen nach Tirana zu kommen. hebräischem Hinterland. Natürlich setzt dies eine jüdisch-arabische Einigung voraus, und es ist wieder Sache der jüdischen Führung, hier auf dem Wege des do ut des zu verhandeln. Das jüdische Volk ist an den Vorgängen rings um Abessinien außerordentlich stark interessiert. Es geht um unsere ganze Zukunft und wir haben nicht das Recht, untätig und selbstzufrieden zuzusehen, wie andere um uns würfeln. Die jüdischen Massen in Europa sind in Bewegung geraten.. Die Einwanderung nach den früheren Asylländern ist gesperrt oder gänzlich unterbunden. In Palästina, dem naturgegebenen Ziel, sperrt England mit kleinlichen Polizeimitteln und arabischen Scouts den Zutritt, während es gleichzeitig mit dem Plan eines Gesetzgebenden Rates liebäugelt, der die Juden, die Erwecker und Ersohließer des Landes, die Kulturträger der modernen sozialen Organisation, unter das Diktat arabischer Bodenspekulanten und Scheichs stellt. Das. ist gegen Sinn und Zweck des Mandats und' das haben wir England und allen, die es hören wollen, zu sagen: Wir habeh uns an die zu wenden, die in dieser Frage und in allen Orientfragen mitzusprechen haben. Es wird sich zeigen, daß wir nicht allein sind. England hat Anrainer. Warenhäuser in New York verkaufen keine deutschen Waren Frau Mark Harris, Vorsitzende der Frauenabteilung der Unparteiischen Anti- Nazi-Liga in New York, teilt mit: Es gibt keine Warenhäuser mehr in New York, die deutsche Waren verkaufen. Delegationen der Frauenabteilung haben die Warenhäuser aufgesucht und auf Grund einer genauen Prüfung ihrer Bücher festgestellt, daß nirgends mehT deutsche Waren angeboten werden. Die aus'der VorhitJerzeit noch zurückgebliebenen deutschen Waren wurden an die Angestellten zu Schleuderpreisen abgegeben. 35 Frauenkomitees überwachen in den 35 Stadtbezirken New Yorks die Detailgeschäfte, damit keine deutschen Waren zum Verkauf gelangen. Entzieht sieb ein Geschäftsmann der Überwachung, so werden die Hausfrauen des betreffenden Bezirkes auf Versammlungen und durch Post ersucht, das betreffende Geschäft zu meiden. Meist sind die Ladeninhaber peinlich darauf bedacht, nichts mit deutschen Waren zu tun zu haben. Eine Ausnahme machen lediglich einige Einheitspreisgasehäfte. 400.000 Juden seit dem Weltkrieg aus Polen ausgewandert New York, 8. Juli. (2. T. A.) Nach einem von der Gesellschaft HIAS herausgegebenen Bericht sind in der Zeit von 1918 bis Ende 1934 aus Polen 404.020 Juden ausgewandert, davon 300.653 nach Übersee. In der Zeit zwischen 1024 und 1934 sind aus Polen 151.011 Juden ausgewaulert, davon 40.611 nach den Vereinigten Staaten, 48.950 nach den Ländern Südamerikas, 50.402 nach Palästina. In der Statistik sind die Auswanderer nach den Ländern des europäischen Kontinents nicht berücksichtigt. Albanien-Regierung begünstigt jüdische Einwanderung

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