Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-07-03 · Heft 463 (3.7.1935) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 463 (3.7.1935)
Date
1935-07-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054140-3054218--5157-3060859
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite Z DIE STIMME Nr. 463 - 3. M 1931t asssfisssssasEa ■ws HOTEL BELLEVUE n» PÖRTSCHACH ah WÖRTHERSEE Vornehmes Haus unter streng ritueller Leltung/HerrlicheLage, direkt am See / Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser / Vorzügliche internationale Küche Yolie Pension: Vor- und Nachsaison . . S 9*- Hauptsaison.. . S12'- Seebad und Garage frei / Geöffnet von MaibisOktober / VerlangenSie Prospekte Judentum in Bausch und Bogen zu diffamieren. ihm jeden Anspruch auf bürgerliche Ehre, auf Leben und wirtschaftliche Existenz zu bestreiten und alle Juden Deutschlands jeden Lebensalters und jeden Berufes außer Gesetz zu stellen. In Hitlers ..Mein Kampf'* ist das alles zu lesen, und soweit dieses Buch nicht ausreicht, sind die Geheimnisse der Weisen von Zion herangezogen worden. Und wie gerade diese Fälschung in direktem Niederschlag in der Politik des Dritten Reiches nachzuweisen ist, so ergab der 30. Juni, daß die sogenannten typischen Verbrechen des Judentums als fester Besitz nationalsozialistischer Geistigkeit vom System und seinen Trägern verfolgt werden konnten. Es ist niemandem eingefallen, die von Hitler als obersten Gerichtsherrn ahne Beweis und Verfahren Ungerichteten Urninge und Kapitalsansammler als Repräsentanten deutscher Art, als Musterbeispiele nordischen Wesens hinzustellen, und dem deutschen Volk ist vorgegaukelt worden, daß nunmehr wieder alles in Ordnung sei! Es ist seither kaum ein Tag vergangen, an dem nicht irgend ein Gewalttätiger wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit, wegen allzu unbekümmerten Diebstahls an Volksgut hat gemaßregelt werden müssen. Trotzdem aber wird in Tausenden von Reden und Zeitungen diese ganze Reihe von Delikten als jüdisch ausgegeben, trotzdem lebt ein Streicher weiter von der Verbreitung dieser antisemitischen Pauschallügen und trotzdem wird die Marterung der Juden unter Berufung auf ihre „antisoziale Erbanlage” fortgeführt. Und die Menschen Europas, die am 30. Juni einen so schönen Einblick in das Wesen der Blubo und die neugerrnanische Mystik er- 3™ Mtauront CWrcMatter betlangc auöbtücflicf) Fit* Seinen SSein gemengt mit ©auecbtttitn hielten, haben nichts getan, um den Weltverbrechern ihr Handwerk zu legen. Alle Staatsmänner, die auf weiße Weste eingeschworen sind, verkehren mit den Vertretern des braunen Systems auf dem Boden der politischen und moralischen Gleichberechtigung. Sie denken nicht daran, daß dem 30. Juni in Deutschland auf direktem Geleise der 25. Juli in Österreich gefolgt ist. * Zur Jahresfeier des großen Ereignisse^ hat in Berlin der Minister Goebbels selbst das Wort genommen. In einer Rede auf dem Tempelhofer Feld hat er über die Gegner des Systems gesprochen und sich in der bei Nationalsozialisten nun einmal eingebürgerten Manier mit den Juden beschäftigt, „Glaubt denn einer — führte der Minister unter dem Beifall und dem Händeklatschen der Menge aus — wrir hätten Knöpfe statt 'Augen, um nicht zu sehen, wie sich gewisse Gegenströmungen in der Reichshauptstadt heute wieder ungescheut breitzumachen versuchen? Und wie bürgerliche Intellektuelle sich wiederum anschicken, ihnen Hilfsbrü- /innAzi/i orth. “TO Pension Weist früher Laurana Terrassen, Zimmer mit Meeraussicht. Bestrenommierte Küche. Schattiger Garten Zeitgemäße Preise dersohaft. zu leisten mit den Phrasen, daß der Jude auch ein Mensch s e i. Mens e h s c i n, d a s i s t a n s i c h n 0 c h gar nie h t s. E i n Floh ist a u e h ein Tier, aber darum noch lange kein a n g e u 0 h in v s T i e r. W 1 r w o J 1 e n <1. 0 11 J u d 0 n n i e h t mehr, er hat in der deutschen Volksgemeinschaft nichts mehr zu suchen. Der .Jude hat sich gefälligst den Gesetze n d e r G a s t f r e u n d s e h a ft anzu b cquemen und nicht aufzutreten, als wäre er unsresgleichen. Wir kennen auch seine Bundesgenossen. Wenn er heute auf dem Wege über die Auslandpresse versucht, uns kirre zu machen, so kennen wir das, und darauf fallen wir nicht, mehr hinein.“ Es ist unter der jüdischen Ehre, sich mit dem zoologischen Vergleich des Goebbels auseinanderzusetzen. Innerhalb eines Systems, das sich auf den Grundsätzen der Tierzüchtung aufbaut, ist diese Ausdrucks¬ Wie der JTA-Sonderkorrespondent aus Deutschland mitteilt, ist auf den beiden G a u 1 e i t e r t a g u n g e n im Jänner und April dieses Jahres beschlossen worden, den Antisemitismus systematisch vorzutreiben. Ebenso hat sich im Propagandaministerium insbesondere der Ministerialrat J a h n dahin geäußert, daß die Methoden verschärft werden müßten. Die Stürmerkästen hängen jetzt in allen Orten aus und bilden den Mittelpunkt besonders wüster Judenhetze. Von dieser Zelle geht auch, zumal in Mittel- und Kleinstädten, die eigentliche Boykotthetze aus. In den Großstädten, insbesondere in Berlin, verpufft die Wirkung im allgemeinen. Allerdings ist festzustellen, daß die Dinge jetzt schon in manchen Berliner Vororten anders liegen. Aus Moabit berichteten zwei jüdische Kaufleute, daß als Folge der Hetze mit den Stürmerkästen eher eine Zunahme der Kundenzahl festzustellen sei. Der Stichtag für die Rückwanderung ist jetzt auf den 28. Jänner festgelegt worden. Alle jüdischen Rückwanderer müssen jetzt damit rechnen, daß sie a uf unbestimmte Zeit in Schulung s- 1 a g e r gebracht werden. Frauen und Männer werden getrennt untergebracht, die Frauen in dem Lager Mohringen bei Hannover, die Männer an verschiedenen Orten. Auf die Erklärung der Festgenommenen, daß sie Deutschland endgültig verlassen, werden sie in der Regel freigelassen; nach der neueren Praxis wird ihnen der Paß alsdann an der Grenze beim Übertritt in das Ausland ausgehändigt. In einzelnen Fällen haben Rückwanderer, die im Ausland keine Existenzmöglichkeit gefunden haben, erklärt, daß sie es vorzögen, eine gewisse Zeit im Schulungslager Kinder - Sommerparadies in Sauerbrunn, große moderne Villa inmitten eines auf einer Anhöhe gelegenen ausgedehnten (12.000 m2) parkähnlichen Gartens, vorzügliche Verpflegung und liebevollste Behandlung, ärztliche Aufsicht, Spiel und Sport, Badegelegenheit, eventuell Nachhilfeuntorricht. Anfragen A 30-5-42 und A 37-163 ganztägig zu bleiben, wenn ihnen alsdann keine Schwierigkeiten beim weiteren Verbleiben in Deutschland gemacht würden. Die Behörden haben es aber abgelehnt, auch nur die Dauer der Festhaltung im Lager anzugeben, ln einem speziellen Falle hat ein Journalist, der, nachdem er über ein Jahr in einem Konzentrationslager bereits zugebracht hatte und alsdann ins Ausland gegangen war, dort aber keinerlei Existenzmöglichkeiten gefunden hatte, zurückgekehrt war, erklärt, daß er «selbst sechs Monate im Lager auf sich nehmen wolle, ohne daß es ihm möglich gewesen wäre, eine Zusicherung zu erhalten. Es ist ihm vielmehr eine sehr kurz ibernesweise eine selbstverständliche Sache. Viele Tiere fressen einander bei lebendigem Leib. Der 30. Juni ist ein Beweis dafür. Und in die Zoologie gehören auch die Begriffo von Gastfreundschaft, die dieser Goebbels entwickelt und die von Nationalsozialisten immer angewendet werden, wenn von Juden die Rede ist. Die Juden sind auf der Erde genau so beheimatet wie die anderen Völker und sie waren schon vor tausend und noch mehr Jahren in Deutschland zu Hause. Wenn sie aber nur Gäste sein sollen, so ist es eine merkwürdige Art von Gastfreundschaft, die den Gästen den Schädel einsohlägt. Bei Menschen wird ein Gast respektiert, mit allem Reckt ausgestattet und nicht bestohlen oder gedemiitigt. Goebbels und die Seinen kennen diese Gastfreundschaft nicht. Sie haben gesehen, daß die paar Juden keine Waffen haben, und so werfen sie sich mit Hurra auf die Wehrlosen. Und schreien dann über jüdische Greuelmärchen. .sene Frist zitun Verlassen Deutechlaiids gesteht w'orden. Über sein weiteres Schicksal ist bisher nichts bekannt geworden. Die Abwanderung aus Deutschland selbst ist mit Ausnahme jener nach Palästinas fast ganz zum Stillstand gekommen. Gründe: Die allgemein erkannte außerordentliche Schwierigkeit des Unterkommens in der Welt, das fortwährende Absinken der Spernna-rkkuxise, die Verweigerung der Mitnahme auch nur ganz geringer Teile des Vermögens und daneben die für gewisse Branchen in Deutschland noch für Juden bestehende Möglichkeit eines einigermaßen anständigen wirtschaftlichen Fortkommens. Während der ersten vier Monate dieses Jahres ist die Besorgnis über das weitere Schicksal der in Deutschland noch lebenden Juden außerordentlich groß gewesen, in den letzten Wochen hat sich die Stimmung in einigen Gegenden etwas beruhigt, in anderen, wie in Franken, ist eie nach wie vor so gespannt, daß sie 'beim ersten Anlaß 1 n Panik ausarten könnte. Anscheinend ist man auf Seiten der Regierung besonders ängstlich darauf bedacht, gerade in der Periode der internationalen Verband I u n g e n u 11 d mit besonderer Rücksicht auf England im Auslände Diskussionen über die Judenfrage zu vermeiden und etwas weniger als sonst Anlaß zu ihnen zu geben. In ganz Bayern ist die Besorgnis der dort wohnenden Juden sehr groß gewesen, besonders anläßlich der Münchener Vorfälle, bis sich infolge der bekannten Wagners oben Erklärungen die Stimmung vorübergehend beruhigt hat. Die Berufsumschichtung, von der man sich im Anfang viel versprochen hatte, kann aäis in negativem Sinne erledigt angesehen wenden. Die Frage der Berufswahl bietet natürlich große Schwierigkeiten. Doch ist es noch möglich, die jungen Leute in handwerksmäßigen und kaufmännischen Lclirs t e 11 e n unterzubringen. Man gäbt schätzungsweise folgende Zahlen: Jährlich etwa 7000 Berufsuchende, davon 2000 Zertifikatsanwärter. Unter den restlichen 5000 gibt es 2800 Mädchen, der Rest von 2200 jungen Leuten kann unter bestimmten Bedingungen noch untergebracht werden. In manchen Berufen, und zwar gerade weiblichem Personen offen stehenden, besteht sogar Mangel. In Berlin gibt es freie Stellen für jüdische Dienstmädchen uml Hausangestellte, Kranke n- Schwestern sind sehr g 0 s u c h t, ebenso sind Stenotypistinnen hie und da nnterzuhriiigeii. ln Berlin sind trotz dem 15.000 jüdische Arbeitslose bei einer auf etwa 180.000 Personen geschätzten jüdischen Einwohnerzahl vorhanden. I11 der Provinz ist die Zahl im Verhältnis erheblich geringer. Der Steuereingang ist in den jüdischen Großgemeinden befriedigend, die kleinen Ferienfahrt der „Czernowitzer Allgemeinen Zeitung“ mit Sammelpaß nach Polen u. Cernauti am 7. Juli (Abfahrt: Nordbahnhof, 9 Uhr früh) und 4. August (Rückfahrt: 4. August, 1. September und 15. September!. — Technische Durchführung, Anmeldungen und Ausk.: usterr. Verkahrsburaau, Wian, I., Friefrlchatr. 7, Tel. B 27-500, und Graban 20, Tele« plion U 20-0-35, Polnisehaa Reisebüro „Orbis“, Wien, I,, kärntnarstr. 41, Tel. K 26-1-13, und Reisebüro „Marionbrüeke", Wien, I, Botenturmstr. 28, Tel. H 21-2-80 u. R 24-2-87 Gemeinden sind wegen dor dort vielfach herrschenden schlimmen Zustände und der dadurch hervorgcrufene.il deutschen Binnenwanderung au nt Verschwinden verurteilt. Die Existenzmögilichkeit besonders in den kleinen Städten und Dörfern Pommern Ostpreußens, Hessens (dort besonders in der Kasseler Gegend), in Franken und seit, neuester Zeit auch im einem Teil von Württemberg hat sich außerordentlich verringert. In Dachau befinden sich, soweit es sich fcststeilen läßt, noch 00 Juden. Dio Verhältnisse dort haben eich nicht gebessert. Zu dem Propaganda verbot ist zu bemerken, daß in jüngster Zeit ein Rechtsanwalt aus Münster, der einen Vortrag über die Geschichte der Juden in Westfalen gehalten hat, am Tage darauf in ein Konzentrationslager gebracht worden ist. M1»" I., Bösendorferstr. 12 (Musikverein) Tel. U 46-4-37 l„ Hlmmelpfortgasse II Telephon R 28-1-75 26. Schuljahr Direktion: Prof. Josef Reitler Unterricht in Gesang, Klavier und allen Orchesterinstrumenten von den ersten Anfängen bis zur künstlerischen Ausbildung. Eigene Kinderabtcllung. Anmeldungen und Aufnahmsprüfung täglich vor- und nachmittags ausschließlich im Musikvereinsgebfiude, I., Bösendorferstraße 12 Der neue Terrorfeldzug Zu den in den letzten Tagen in Berlin vorgekommenen Ausschreitungen schreibt der Berliner Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung“: „Die antijüdischen Krawalle, die sich in den letzten Tagen in Neukölln und vielen anderen Stellen der Stadt Berlin abgespielt haben, lassen durch die ,G 1 e i c hzeitigkeit* v auf eine systematische Vorbereitung der Aktion schließen. Es kam zu Zusammenrottungen, zu Bedrohung jüdischer Geschäfte und Lokale und zur Verschmierung von Schaufenstern, während die neueste Nummer des ,S t ü r m e r* verteilt und der Kampfruf , J u d a verrecke!* ausgestoßen wurde. Bevor die Kundgebungen ihren Höhepunkt erreicht hatten, alarmierte die Gauleitung der NSDAP, die Amtswalter und die SA.-Funktionäre der betreffenden Quartiere und erteilte ihnen den Befehl, die Demonstranten nach Hause zu schicken. Es gelang denn auch, die Störungskolonnen aufzulösen und größere Zwischenfälle zu vermeiden. Die' Agitation des Streicher-Kreises darf immerhin für sich den Erfolg buchen, daß der Antisemitismus jetzt auch in Berlin auf der S t r a ße aufzuflackern beginnt. Die ganz oder teilweise in jüdischen Händen befindlichen Warenhäuser haben weitere Anfechtungen mit handgreiflichen Mitteln zu befürchten; der Druck, der daraus für die jüdischen Besitzer und Teilhaber folgt, wird behördlicherseits dazu ausgenützt, um eine Umwandlung der Besitzverhältnisse herbeizuführen, wio sie schon bei der Firma Leonhard T i o t z oder bei Zeitungsverlagen, wie Messe, Ullstein und der ■,Frankfurter Zeitung* erfolgt ist.“ * Dem „Pariser Tageblatt“ wird aus Düsseldorf gemeldet: Die von Streicher befohlene Judenhetze der „Hago“ hat nun in starkem Umfang auch Düsseldorf erfaßt. Nach einem hier stattgofundenen „Ka- Villenpension Kreuzten BREITENSTEIN am Semmering, Sech. 1U50 m Telephon Brcitenatain Nr. 11 Fllr Kinder und Erwachsene Leitung Frau Lola Schill (staatl. gepr. Kindergärtnerin) Ar/.t im Hauso Geöffnet Mai bis Oktober Auf Wunsch Frospokt Die Lage der luden in Deutschland Oer ade auf Deine Stimme kommt es an! Du wählst: Liste des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten Lislenlvüirer: Dr. Grünbauin, Sophie Löwenherz, Di, Frey 78526231

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.