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Die Stimme · 1935-06-25 · Heft 460 (25.6.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 460 (25.6.1935)
Date
1935-06-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 460 — 25. Juni 1935 Gefährliche antijüdische Hetze im Yemen Jerusalem, (Ä. T. A.) Aus dem Yemen ein treffende zuverlässige Berichte lauten dahin, daß neuerdings dort ein systematischer antijüdischer Feldzug durchgeführt wird, der die jüdische Bevölkerung in Panik versetzt hat. Es zirkulieren in.Yemen aus Palästina importierte Plakate, in denen behauptet wird, daß die Juden in Palästina, namentlich in Jerusalem, Moscheen zerstörten, darunter auch die Moschee „Al Buraq“ an der Innenseite der Klagemauer. (Die Moschee „Al Buraq“ ist eines der moslemitischen Heiligtümer; laut der Moslem-Tradition soll an dieser Stelle Mohagimed auf dem Rücken seines magischen Rosses Al Buraq in den Himmel gefahren sein.) Die yemenitischen Moslems haben auf Grund dieser lügenhaften Meldungen Fasten proklamiert und Versammlungen in den Moscheen abgehalten. Die Verfolgung der Juden im Yemen wird in den letzten Jahren immer auf Umtriebe palästinensisch-arabischer Nationalisten zurückgeführt. Eine palästinensisch-arabische Delegation hat unlängst den Iman Yahiah des Yemen gebeten, nicht zuzulassen, daß yemenitische Juden nach Palästina kommen, wo sie sich der „jüdischen Front zur Ausrottung des arabischen Volkes“ anschließen. Der Iman erließ daraufhin ein Verbot der jüdischen Auswanderung aus dem Yemen nach Palästina, auf dessen Übertretung schwerste Straf e n, oft auch der Tod, gesetzt werden. Antijüdische Ausschreitungen in Saloniki Saloniki, (Z. T. A.) Im jüdischen Viertel von Saloniki artete ein Streit zwischen einigen Juden und einigen Griechen in .einen Massenangriffantiserryt^sch aufgehetzter jBevölfeerungsteile gegen Juden aus. Da die Juden sich wehrten, gab es auf b.e i d e ri S e i t e n y.Tetb Verletzte. Die Polizei trennte schließlich die Streitenden und verhaftete sieben Griechen und drei Juden. Ungehörte Proteste der Banziger Juden Danzig, 21. Juni, (Z. T. A.) Der Vorstand der Danziger Synagogengemeinde hat an den Senat einen Protest gegen die jüngsten Vorfälle in einem der Danziiger Strandorte, wo Nationalsozialisten antisemitische Hetzlieder sangen und gegen die Juden Stimmung machten, gerichtet. Auf den Protest, den die Synagogengemeinde vor einiger Zeit gegen die Ausführungen des Senatspräsidenten Greiser erhoben hat, der die Juden für die jüngste Währungspanik in Danzig verantwortlich machte, ist bisher noch keine A n t- ,w o r t erfolgt, Zur Auflösung der jüdischen Siedlung in Groß-Gaglow Dortmund, 23. Juni. (Z. T. A.) Zu der behördlich verfügten Räumung der jüdischen Siedlung in Groß- Gaglow schreibt die „Westfälische Landeszeitung Rote Erde“: In diesen Tagen hat eine Einrichtung ihr Ende gefunden, die für die ganze politische und weltanschauliche Einstellung der judenfreund liehen Naebkriegspolitiiker mehr als typisch war. Die ländliche Judensiedlnng hei Groß-Gagilow bei Kottbus wurde aufgehoben. Wer weiß, wieviel jüdische Siedler es heute schon in Deutschland geben würde, wenn nicht der Nationalsozialismus einen Strich durch diese fein ausgeklügelte Rechnung gemacht hätte. Will der Jude beweisen, daß auch er ein „s e ß h a f t e r Bane r“ ist, so mag er das in Palästina Dil ITiMMl feffs % tun. Auf d e u t s c h c m .. Bodeni s fr kein Platz für solche Versuche. Hitler, der fleißigste Leser des „Stürmer“ Wie aus Nürnberg gemeldet wird, erklärte Julius Streicher ausländischen Pressevertretern gegenüber, das einzige Blatt, das der Führer Adolf Hitler jeden Tag von Anfang bis zu Ende lese, sei der „Stürmer“. Wie Streicher seinen Spitzeldienst, in der Schweiz-organisiert,• wird .durch folgende „Briefkastennotiz“ in der letzten. Ausgabe des „Stürmer“ beleuchtet: „Lugano: Herzlichen Dank für Ihre Auskünfte! Es ist eine: Schande, daß sich ar.tvergessene deutsche Männer und Frauen, in der Schweiz mit Juden herumtreiben. Bitte, . berichten Sie uns Einzelheiten.“ Hilfsaktion für die Juden Polens in Amerika New York, 21. Juni. (Z.T.A.) Die Förderation polnischer Juden in Amerika hat beschlossen, eine großzügige Aktion zugunsten der. Juden in P o 1 e n einzuleiten. Die Aktion wird außerhalb des Rahmens .des -UnitcrlJowish Appeal, dessen Erträgnisse zum Teil für den Palästinaaufbau, zum anderen Teil für. die Juden Deutschlands und Osteuropas verwendet werden, vor sich gehen. Prag, 17. Juni. (Eigenbericht.) Der karpathorußsisohe Landesaueßchuß faßte den Beschluß, die Garantie für ein Millionendarleihen der jüdischen orthodoxen Gemeinde im Uzhorad zu übernehmen,, die bekanntlich unter der ausschließlichen Führung der Aguda steht-undin -der letzten- Zeit von Exekutionen geradezu verfolgt wird. Diese Meldung hafr-in. wgifen jüdischen. Kreißen,. nicht; allein befr,, „den.-Zk>MßtOTV, Erregung’' -ünd' berechtigte- Empörung - 'hfervprg.enrfenj .weil es sich uni "ein politisches Monöver der in Karp afchor u ßland maßgebenden tschechischen Agrarier handelt, die sich wahrscheinlich auf diese Weise für die „ ihnen .bei den Wahlen geleistete Schützenhilfe erkenntlich zeigen wollen,' Denn es ist eine durchaus zugestandeme Tatsache, daß die Agrarier mit der Ag-uda kooperieren und. so der jüdischen Partei nicht nur Wähler abspenstig machen, sondern auch die . verdienstvolle zionistische Arbeit unter der rückständigen jüdischen Bevölkerung dieses Landes . unterminieren. Dio LamdesgaramtLe wurde, wie die „Lidove Noviny“ melden,-unter dem Vorwand erteilt, daß es sich um soziale Zwecke handelt, die Vom jüdischen Werhdorf in Holland Amsterdam. Zugunsten des jüdischen Werkdorfes im Wieringermeer Polder (trockengelegtcr Teil der Zuider See), in dem bekanntlich jüdische Jugendliche aus Deutschland in Handwerk und Landwirtschaft zwecks späterer Niederlassung in Palästina und anderen überseeischen Ländern a ungebildet werden, wurde auf dem Landsitz des Senators S. van den Bcrgh, eines der bedeutendsten jüdischen Philantliorpen Hollands, eine Garden Party organisiert, bei deren Eröffnung auch drei holländische Minister, Prof. S 1 o fern a k e r de B r u i n e, Dr. 0 u d und Doktor Deckers sowie der Bürgermeister des Haag teilnahmcn. Der Minister für soziale Wohlfahrt, Prof. Slotemaker de Bruine, gab in seiner Eröffnungsansprache einen Überblick über. Geschichte und Erfolge des Arbeitsdorfes und teilte mit, daß in der Siedlung jetzt. 160 Personen, und zwar 142 Schüler, 7 Lehrer . und 10 Hausangestellte, leben. Unter den 142 Schülern gibt es 25 Landwirtschaftselevinnen, etwa 60 junge Leute, die in Landwirtschaft und Gartenbau ausgebildet werden, und etwa 60, die ein Handwerk erlernen. Nach Abschluß der Ernte werden die 30 ersten in dem Dorf ausgebildeten Zöglinge nach Palästina abreisen; im November wird eiue Gruppe von zehn jungen Leuten in Südafrika untergebracht werden. gefördert werden müßten. In Wahrheit tun aber clie agudistischen Gemeinden für die öffentliche Wohlfahrtspflege gar nichts, im Gegenteil, lassen es zu, daß ganze Truppen von verarmtem und zerlumpten jüdischen Menschen in den historischen Ländern der tschechoslowakischen Republik einen geradezu organisierten Schnorrerdienst durchfüh- ..ren-,: In W-ah r h e i t 1 ,e i s t e n nur z i o n i- •t? t.ijj/c h 0. ivb r pp r ää i o n e n, wie z. B. die. W izo, s o ziale A r b eit, die in den letzten drei Jahren an 800.000 - Techecho- -kronen in barem Gelde und Millionen in S a c hwerten unter dien Juden Karpathorußla-ndß zur Verteilung brachte. Dazu kommt noch, daß sich die Finanzen der agudistischen Gemeinden in einer heillosen Unordnung befinden, daß Klagen und Zwangsvollzüge an der Tagesordnung sind, und daß aus dieser Situation ganz ändere Auswege möglich sind als Staatsg-arantien für Schulden, die nie eingelöst werden können. Diese orthodoxen Gemeinden haben sehr schöne Einn-ahmscjuellen, z. B. eine recht ertragsreiche Ga-- bella für koscheres Fleisch. Diese Gelder werden und wurden aber für clie verschiedenen Durchreise polnischer Palästinafahrer über Wien Mitteilung des Palästinaamtes Donnerstag, den 27. Juni 1935, tref« fen zirka 300 Palästinafahrer, aus Polen kommend, mit einem Sonderzuge auf der Durchreise nach Erez Israel in Wien ein. Der Zug dürfte gegen 3 Uhr nachmittags am Nordbahnhof eintreffen und fährt nach einem Aufenthalte von 10 bis 15 Minuten zum Ein schiff ungsba fen Triest weiter. Feldzüge der Wunderrabbi verpulvert, man opfert sio persönlichen lntriguen, eventuell Wahlkämpfen, aber für die V o 1 k s k ü c h e u n d für Waisenhäuser m ii s s e n sich private Institutionen kümmern. In eimgeweikten Kreisen erklärt man dezidiert, daß auch dio letzte Landesgarantle nichts anderes ist als ein politisch es Geschäft, bei dem alle verdienen können — nur nicht die verarme jüdische Masse in Karpathorußland. Die jüdischnationalen Abgeordneten bereiten, wie verlautet, gleich zu Beginn der neuen Session eine Interpellation au den Innenminister vor, und es wird interessant sein, wenn im Parlament der großen Öffentlichkeit gezeigt wird, welche Dinge im karpathorussischen Gebiet möglich sind. In diesem Zusammenhänge ist eine weitere Meldung der „Lidove Noviny“, bekanntlich eines dem Außenminister Dr. Beneseh nahestehenden Blattes, sehr interessant. Die übeirschukleto orthodoxe Gemeinde in Uzbo-rod hatte an eine Baufirma einen Betrag von über einer Viertelmillion tschechischer Kronen zu bezahlen, zahlte aber, wie schon üblich, nicht,1 und es wurde nach dem Gesetze die Exekution bewilligt. Die zweite Instanz hob aber den Bewilligungsbeschluß auf, und zwar, so stellt sich jetzt heraus, über Intervention des Landesamtes, das als reine Verwaltungsbehörde natürlich kein Recht hat, gerichtliche Entscheidungen zu beeinflussen. Das Landesamt steht aber unter Kuratel der Agrarier. Diedritte Instanz hatte jedoch keinen Respekt vor politischen Interventionen und gestattete die Exekution. Und die orthodoxe Gemeinde muß nun zahlen, sei es auch wieder aus Mit* te-ln, die unter Garantie des Landes aufgebracht werden. Dr. Licht Präsident der Zionistischen Organisation in Jugoslawien. Belgrad, 21. Juni. . (Z. T. A.) Die zionistische Landesorganisation in Jugoslawien hielt in Novi Sad ihre Jahres-i konferenz ab. Zum neuen Präsidenten der jugoslawischen zionistischen Landesorganisation wurde Dr. Alexander Licht, ehemaliges Mitglied des zion. A. C., gewählt, LOKALCHRONIK Jüdisch-Kultureller Elternbund. Am 29. Mai d. J. fand im Sitzungssaale der Israelitischen Kultusgemeinde Wien die letzte Vorstandssitzung im Schuljahre 1934/35 des Jüdisch-Kulturellen Elternbundes statt. Die Obmänner aller Bezirksgruppen erstatteten Be-< rieht über die bisherige Tätigkeit. Außer den Oha-nuka- und Purimfeiern wurden in allen Bezirken Vorträge jüdischen Inhalts und über Fragen der Berufsberatung gehalten. Referenten waren: Prof. Dr. Kupfer, Prof. Dr. Papo* Rabbiner Dr. Weiner, Dr. Lehmann, Dr. Weißkopf, Dr. Stein, Dr. Grünzweig, Müller, Doktor Ellner sowie der Obmann Prof. Rath und dessen Stellvertreter Herr Dr. Klaber. Die Tätigkeit für die Schülerfürsorge wurde besonders in den letzten Wochen aufgenommen. Herr Prof. Rath trat mit Rücksicht auf seine neue Tätigkeit als Leiter der Bibliothek der Israelitischen Ivultusgemeinde von 'seinem Amte als Obmann zurück und dankte allen Mitarbeitern für ihre Tätigkeit im abgelaufeneu Schuljahr. Im Namen der Lehrerschaft sprach Herr Prof. Dr. Papo, im Namen der Eltern Herr Direktor Kolmin dem scheidenden Obmann Anerkennung und Dank aus. Hierauf wurde einstimmig 'Das Sßtäftbtnm mtb her Sorfiaitb bet 3;jraelittfdjcn MtuSgemciitbc Söicit flehen auf ba§ Hoffte bcltx'flt 9Nid;rid)t hon bem überaus» fdpueren 2$crlüfte, ben bic. SB i eit er $fraelitifd)e ÄuItitSgcmcinöe burd) bal am 23. $atni 1935 erfolflfe Ülblcben beö Slmtgbireftor mtb erfter ©eftetät bc£ SEÖieucr ÄuHuößemcinbc, .fmuptmamt t. b. 9tef., 23efifcet bc§ SRilitärberbicnftfreujCi III. 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