Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 457 (14.6.1935)
- Date
- 1935-06-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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H Juni 1935 DIB STIMME Seite 7 Kfc '157 - ... IN DER tiALUTH* AntijUdische Ausschreitungen in Grodno Ein Toter, 60 Verwundete Warschau, 11. Juni. (2. T. A.) ' Am Freitag, den ,7. Juni, dem ersten Schwuot-h-Tag, kam es in Grodno zu schweren antisemitischen Ausschreitungen. In einem Tanzlokal war ein gewisser Ladislaus Kuscz in der Nacht zum 4. Juni mit zwei Juden in eine Prügelei geraten und durch Messerstiche tödlich verletzt worden. Im Anschluß an die Beerdigung am Freitag marschierte eine Gruppe nach dem Judenviertel und ging gewalttätig _ gegen die jüdische Bevölkerung vor. Die Demonstranten plünderten eine Anzahl von Läden, drangen auch in die Wohnungen ein und zerstörten die Einrichtungen. Die Huligans mieden die Stadtviertel, in denen die jüdischen Fuhrmänner und Schlächter wohnen; vermutlich fürchteten sie deren Selbstwehr. Insgesamt wurden 60 Personen verwundet, mehrere von ihnen wurden in ernstem Zustande ins Hospital eingeliefert. Von diesen Schwerverwundeten ist am 0. Juni Israel Bereszczowski, der 21jährige Sohn des Leiters des Synagogenchors, seinen Verletzungen erlegen. Die Polizei befahl, die Beisetzung des Opfers in aller Ruhe vorzunehmen, so daß die Beerdigung am Montag abends in aller Stille erfolgte. In der Stadt ist die Ruhe wieder hergestellt; schwere Polizeipatrouillen durchstreifen die Straßen. Über 30 christliche Rowdies wurden verhaftet, ferner acht Juden wegen Bildung eines Selbstschutzes. Offizieller Bericht betont, daß Unterweltselemente an den Ereignissen teilnahmen und auch den Mob lenkten. Der Distriktsleiter hat emo jüdische Delegation empfangen und hat ihr versichert, daß alle Maßnahmen ergriffen wurden, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Zwei Juden, Samuel Steiner und Melech Kantarowioz, clie beide der Grodnoer Unterwelt angchören, sind unter der Beschuldigung, Ladislaus Kuscz ermordet zu haben, verhaftet worden. In offiziellen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß nicht nur jüdische Häuser und Geschäfte angegriffen wurden, sondern daß auch in christlichen Häusern Fenster eingcschlagen wurden, und daß noch andere Anzeichen darauf hinweisen, daß die Huligane Plünderungen beabsichtigten. Die „Lese- und Redehalle Jüdischer Hochsdiüier" gratulieren ilirem lieben Bb. Josef Katz und Frau Dully Katz, geb. Wallerstein herzlichst zu ihrer Vermählung A. H. V. f. d. Activitas Pr, Karl Jellinefc cand. med. Ire Schwarz Ein neues Jüdisches Siedlungsgebiet wird gesucht Warschau, 6. Juni. Unter dem Vorsitz des ehemaligen Außenministers Leon W a e s i 1 e w a k i fand in Warschau ein von dem Institut zur Erforschung des Minderheitenproblems in Polen veranstalteter Vortrag des Publizisten Dr. Czurnicbowor über die Lösung der Judenfrage statt. Der Redner gab einen Überblick über die Geschichte der jüdischen Kolonisation in Palästina und Biro Bidscban. Er betonte die Notwendigkeit und Nützlichkeit beider Kolonisationsaktiouen, besonders derjenigen in Palästina, erklärte aber, die Judennot sei ßo groß, daß zu diesen beiden Siediungslän- Üem noch e i n d r i 11 e s Te r r i t o r i u m hinzukommen müsse. Die neue Siedlungsaktion köune nur in internationalem Rahmen erfolgen, deshalb richte er an die freiheitlich gesinnte christliche Welt den Appell, ein solches drittes jüdisches Territorium ausfindig zu machen. Außer nm Jordan und am Amur müsse noch an einem drittenFluß eine jüdische Niederlassung entstehen. Den Namen dies es dritten Flusses könne er nicht nennen, aber wer s u c h e, der finde. Es gäbe genug zur Kolonisation geeignete uubesiedHte Lüinlor; am ge- «igno.t.i|teft A.Uika* fflfltul füllr f r i f rfTTTPW I rlWi ttt dsm Die bisherigen Aufführungen fanden ungeteilten Beifall von Presse und Publikum jy V IV,-1. & WELTURAUFFÜHRUNG Täglich %4, 5, 'hl, 8 und 1/a10 Uhr im KRUGER-KINO KARTEN an der Kasse des Kruger-Kinos, in der Buchhandlung R. Lanyi, I., Kärntnerstraße 44, in der Buchhandlung A. Mejstrik, I., Wollzeile 6-8, in der Bücherstube M. Rath und in der jüdischen Kunststelle, II., Aspernbrüdengasse 2 Deutsche Flüchtlinge nach Süd• amerüsa New York, 9. Juni. (2. T. A.) Herr James G. MacDonald, der Hochkommissar des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge, kehrte soeben aus Brasilien zurück, wo er Möglichkeiten der Ansiedlung für deutscho Flüchtlinge suchte. Er erklärte, daß er betreffend Ansiedlung von Flüchtlingen in den südamerikanischen Ländern optimistisch sei, daß aber der wachsende Faschismus dort ein Handikap bilde. Herr MacDonald leugnete die Gerüchte, wonach er von sciuem Amt als Hochkommissar zurückzutreten gedenke. Kein Erfolg in Argentinien Buenos Aires, 9. Juui. (2. T. A.) Wie die ITA erfährt, haben der argentinische Außenminister Dr. Llarnas und der Innenminister Dr. Melo den Hochkommissar MacDonald dahin informiert, daß die Regierung keine besonderen Verfügungen für die Einwanderung deutsch-jüdischer Flüchtlinge zu machen gedenkt, da solche Einwanderung nur Wasser auf die Mühlen faschistischer Elemente im Lande bedeuten und zu antisemitischer Propaganda ausgeniitzt werden würde. Die Regierung habe jedoch nichts dagegen, wenn deutschjüdische Flüchtlinge als Landarbeiter oder als Verwandte im Lande Wohnender nach Argentinien kommen. H Demnächst erscheint AMITKADEM" (Der Fortgeschrittene). von Ben-Chaviv Verfasser des bekannten und verbeitetsten Buches für Anfänger „Lerne Hebräisch" Verlag: Jos. Schlesinger, Wien, I,, Seitenstettengasse Nr. 5 Albanische Regierung für jüdische Siedlung Tirana, 8. Juni. (2. T. A.) Der albanische Wirtschaftsministor, Herr D. Beratti, erklärte in einem Gespräch, betreffend Niederlassungen von Juden in Albanien, demITA-Vertrcter gegenüber: „Ich kann Sie versichern, daß die albanische Regierung alle von Juden gestellten Ersuchen, sich in Albanien niederzulassen und Kapital in landwirtschaftlichen und industriellen Unternehmungen zu investieren, sorgfältig und entgegenkommend prüfen wird.“ Pension Eckstein - Siiii Ausschaltung jüdischer Angestell ter auch aus Jüdischen Betrieben Wie die „Frankfurter Zeitung“ meldet, hatte sich dae Landesarbeitsgericht mit der Berufung eines nichtarischen Angestellten gegen das Urteil des Arbeitsgerichtes in Frankfurt a. M. zu befassen. Der Angestellte war im Jänner 1933 durch den vom Treuhänder der Arbeit ernannten kommissarischen Geschäftsführer seiner Firma fristlos entlassen worden. Mit seiner Klage machte der Angestellte geltend, daß die Firma trotz des kommissarischen Betriebsführers noch immer ein jüdisches Unternehmen sei, das mit jüdischem Geld arbeite, und da sein geschäftliches Verhalten keinen Anlaß zu einer Kündigung gegeben habe, sei seine Entlassung eine unbillige Härte. In der Verhandlung wurden die Betriebs- Verhältnisse der Firma behandelt. Das Unternehmen gehörte drei Nichtariern, von denen der eine als Hauptaktionär der Leiter war. Iin September 1933 wurde gegen ihn eine Untersuchung wegen Devisenvergel.eus und versuchten wirtschaftlichen Landesverrates eingeleitet. Der Leiter des Untenehmens wurde jedoch nach zehnmonatiger Untersuchungshaft entlassen und das Strafverfahren e i n g e s t e 111, In der Verhandlung wurde von der beklagten Firma hervorgehoben, d a ß L e i t u n g und sämtlicho Angestellte der Firma jetzt arisch seien und unter diesen Umständen die Weiterbeschäitigung de? Klägers nicht t r a g b a r sei. (Der Betrieb ist also den Juden gestohlen worden.) Das Landesarbeitsgericht änderte das erstinstanzliche Urteil dahin ab, daß die fristlose Entlassungunberechtigt und die Beklagte verpflichtet sei, dem Kläger das ihm zusteh endo Gehalt bis zum Ablauf dev regelmäßigen Kündjgimgszeit, biß Ende März 1935; zu zahlen. Jüdisches Kinderheim „Atid" In Seebenstcin (Pittcntal), herrlich gelegen, cig. Waldbestand, ständige ärztliche Aufsicht, individuelle pädagogische Beeinflußung, vorzügliche rituelle Verpflegung, Hport, Gymnastik, Schwimmen, Nachhilfe. Auskünfte, Prospekte, Photoeinsicht u. Anmeldung: Wiener Sekretariat: IX., Schwarzspanieretraße 12, Mezzanin, täglich außer Sa. und So. von 3 bis 6 Uhr. Tel. A 26-3-73. Gegen den Numerus clausus in Ungarn Budapest, 9. Juni. (2. T. A.) In der Nachtsitzung zum 6. Juni des Abgeordnetenhauses richtete der katholische Abgeordnete Rudolf Rupert, der in den beiden ersten Nationalversammlungen zu Beginn der Zwanzigerjahre in unerschrockener Weise für die prinzipielle Gleichbehandlung aller Bürger des Landes ohne Unterschied der Konfession eingetreten war, eine Interpellation an den Unterrichtsmiinster, in welcher er die Abschaffung des Numerus clausus verlangte. Er erklärte, daß.dieses Gesetz schon beim Entstehen von der ungarischen Öffentlichkeit abgelehnt wurde und ein Mißgriff war. Es widerspreche übrigens dem Geiste der nationalen Einheit, den Ministerpräsident Gömbös und auch Kultusminister Homan wiederholt betonten, daß begabte junge Menschen aus konfessionellen Gesichtspunkten der Lernfreiheit beraubt werden. Der Präsident des Abgeordnetenhauses erklärterer werde die Interpellation an den Kultusminister weiterleiten, mmmmmmtmmmmrnmmmmmmm XUNSTCHRONIK „Die Chaluzah“ — ein Gemälde von Wilhelm Wachtel vom Lloyd Triestino erworben. Wie wir erfahren, wurde das bekannte Gemälde „Die C h a 1 u z a h“ von Meister Wilhelm Wachtel durch den Lloyd Triestino erworben. Das Bild des bekannten Malers wird einen Saal der nach Palästina verkehrenden Dampfer schmücken. In den jüdischen Künstlerspielen (II., Prater, straße 34) gelangt Samstag, den 15. d., die drelaktige Komödie vom Kalmanowicz „Marne — Schwieger“ zur Erstaufführung. Sonntag, y,4 Uhr nachmittags (bei ermäßigten preisen „Marne — Schwieger“, Sonntag abends bis inklusive Donnerstag, den 20. d, „Marne —? Schwieger“. Iosef-Kamen-Abend. Sonntag, den 16. d., um y9 Uhr abends, findet im Festsaal des Misrachi, II., Praterstraße 60, ein großer Vortragsabend, statt, bei .welchem der berühmte Schauspieler und Rezitator der „Wilnaer Truppe“, Herr Josef K a m e n, „Ernstes und Heiteres aus der jüdischen Literatur“,, vortragen wird. Regiebeitrag. Jüdische Kulturstelle, II., Aspernbrückengasßo 2 (R 48-2-91). Zweigstellen: VI., Loquaiplatz 11 (B 20-0-81), IX., Währingerstraße 48 (A 14-400). Den Mitgliedern stehen ermäßigte Karten in alle Theater zur Verfügung, ebenso auch zu allen Konzerten und einer Reihe sonstiger Veranstaltungen. Wir machen besonders aufmerksam, daß in unseren Büros Karten für den Palästinafilm „Awodah“ („Segen der Arbeit“) ausgegeben werden. Empfang im „Dr.-Krüger-Heim“, Mittwoch, den 19. d., ab 4 Uhr nachmittags, findet im Rahmen einer Ausstellung der Frauenberufsschulen ein Empfang mit Unterhaltung aller Art statt. Caf6haus, Bridgesäle, heiterer Abend am Dachgarten. Bei dem Konzert im großen Festsaal, haben nebst anderen prominenten Künstlern, Komponist Dr. Leo Ascher und Tochter Franziska, ihre Mitwirkung zugesagt. Auch eine neue Gruppe jüdischer Sängerknaben unter Leitung von Dr. Tennenhaus, wird zum erstenmal vor dio Öffentlichkeit treten. Karten ä S 1.50, im Heim, II., Malzgässc Nr. 7. Der Vorstand des Hum. Vereines Horodenka in Wien ist tief erschüttert über das Unglück, welches das Vorstandsmitglied Frau Sprincie Zuckermann und das Mitglied Schnellte Zuckermann als Fitem dnrcli den tragischen Tod ihrer 21jährigen Tochter stud. med. Nusla Zuckermann getroffen hat. Dio Familie sei des tiefsten Mitgefühls der ganzen Landsmannschaft versichert.