Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 457 (14.6.1935)
- Date
- 1935-06-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DU STIMMI Nr. 457 — 14. Juni 1985 iBERGMlNIUi MffiNSIE]G| HIMMELPFORTG. 5 KOLLNERHOFG. 1 SÄMTLICHE ARTIKEL IN WASCHE UND WIRKWAREN SPOTTBILLIG! FÜHREND IN ETERNA-HEMDEN (von S 680 aulw.) Lesern zn vermitteln. Wer sieh aber nicht damit begnügt, den wirklichen See len zu stand der arabischen Bevölkerung nach ihrer Presse zu beurteilen und Gelegenheit hat, mehr in die Tiefe des arabischen Problems hineinzublicken, der sieht, wie sehr der Prozeß des psychologischen Anpassens an das veränderte Schicksal des Landes, das nicht ausschließlich von einem Volk zu beherrschen ist, sondern zwei Völkern Platz bietet, sich immer mehr durchsetzt. Wir haben gesehen, wie in der gemischten Munizipalität Jerusalems gerade die Verstärkung der jüdischen Repräsentantenzahl günstige Bedingungen für. jüdisch-arabische Zusammenarbeit geschaffen ist. Jerusalem liefert hiefiir ein Beispiel. In der vorangegangenen Periode haben wir in der Jerusalemer Stadtverwaltung einer Zahl von 12 Stadträten, 4 Juden gehabt, sie waren stets eine hilflose Minorität, immer majorisiert und immer ignoriert. Im Jahre 1930 sahen sich die jüdischen Repräsentanten im Jerusalemer Stad trat, gezwungen, zu demissionieren und fünf Jahre lang war' die Stadtverwaltung in Jerusalem judenrein geblieben. Jetzt verfügen wir von 12 Mandaten über sechs. Wir halben also statt eines Drittels die Hälfte der verfügbaren Mandate in unserem Besitz. Obwohl der Bürgermeister ein Araber ist, lind obwohl ihm bei etwaiger Stimmengleichheit die Entscheidung zufällt, spielen die Juden im Jerusalemer Stadtrat die Rolle eines gleichberechtigten Partne rs, dessen Zustimmung und Wille für das normale Arbeiten der Verwaltung unentbehrlich ist. Die Kooperation beruht auf gegenseitigem Respekt, und Respekt ist das Resultat der Anerkennung der gegenüberstehenden Kräfte. Man kann also sagen, daß die Errichtung eine6 Legislativen Rates, wo die Juden gegenüber . den Arabern eine Minorität darstellen, einen Schritt nach rückwärts in diesen ganzen Prozeß bedeuten würde. So ein Rat wird auch nicht die Vertreter der obenskizzierten arabischen Strömung befriedigen. Diese Kreise werden sich mit dem engen Befugniskreis des Councils nicht begnügen und die Konzession, die die Errichtung des. Rates selbst darstellen wird, werde sie immer mehr dazu ermuntern, um neue Konzessionen zu kämpfen. Es ist sehr wichtig, darüber im klaren zu sein, daß wenn ein Legislative Council auch zustandekommt,, er mit all seinem negativen Charakter politisch und praktisch wenig wird bedeuten können, er wird nichts anderes als eines der Hindernisse sein, die wir in unserer Aufbauarbeit zu überwinden haben. Keinesfalls wird er einen verhängnisvollen Faktor für uns bedeuten. Schließlich ist die neueste Geschichte der Nachbarländer Palästinas von parlamentarischen Experimenten voll,, die ohne entscheidenden Einfluß auf die ökonomische Entwicklung und die politische Stellung dieser Länder geblieben sind. Die Fortsetzung unserer Arbeit führt zu viel tieferen Umwandlungen, als zu solchen, die durch die parlamentarischen Versuche zum Ausdruck kommen. Das trifft in bezug auf unser eigenes Schicksal und auf unsere eigene Zukunft ebenso zu, wie auf die Gestaltung der jüdisch-arabischen Beziehungen. Die Kapitalien, die wir nach Palästina bringen, die arbeitswissenschaftliche und initiative Kraft, die wir hier konzentrieren, die Wirtschaft und Kultur, die wir hier aufbauen, machen nicht nur die Zukunft des ganzen Landes von uns abhängig und uns für das Land unentbehrlich, sondern sie wirken sich auch außerhalb Palästinas aus. Wir sind in diesem Teil der Welt eine integrierende Kraft, ein Faktor, der die Verbindung zwischen Palästina und seinen Nachbarländern intensiviert, der sie dazu führt, gemeinsam ihre Handels¬ und Transportprobleme zu lösen, der sie dazu zwingt, dem Entwicklungsbeispiel Palästinas nachzueifern. Die Erkenntnis der grundlegenden ökonomischen, sozialen Tatsachen bleibt hinter der Die Allgemeinen Zionisten und mit ihnen der Zionismus Herzls können sich nicht durchsetzen, wenn sie nicht die Schlüßtselstellung in Palästina durch wesentliche und planmäßige praktische Arbeit dörtselbst gewinnen. Diese Sorge wurde seit der letzten AC-Sitzung in Jerusalem noch drückender. Natürlich müßten unsere bisherigen, zaghaft und zusammenhanglos begonnenen Versuche, in Erez Fuß zu fassen, tatkräftig und systematisch fortgesetzt werden. Dies scheint durchaus verheißungsvoll. So ist der Wiener Jugendverein „G’d u d Zirim“ mit seiner Spitzengruppe Teig kürzlich in sein Machaneh bei Kirjath Bialik eingezogen. Auf der benachbarten KKL-Parzelle geht die Wiener Mädchenorganisation’ „Mirjam“ daran, das Mirjam Pollak-Hans für Unterbringung und Hachscharah von Chaluzoth zu erbauen. Auch die österreichische Mittelstandssiedlung im Anschluß an die von den deutschen Olim bei Haifa begründete Vorstadt '„Kirjath Bialik“ dürfte endlich Wirklichkeit werden. Unser Freund Ing. K r u m h o 1 z hat 20 Interessenten aus Palästina selbst beigestellt und — auf Ermächtigung der Hiitachdiuth Olej Austria, Snif Haifa — das Siedlungsreferat übernommen. Noch weniger, wenngleich schwieriger,, ist die Begründüng einer landwirtschaftlichen Siedlung der Österreicher. Alle bisherigen Versuche hiefür, Allgemeinen Zionisten Boden zu sichern, sind zwar gescheitert. Und dies, obgleich doch gerade die Allgemeinen Zionisten, wenngleich nicht die lautesten, jedoch seit Anbeginn die treuesten Anhänger, Sammler und Spender des KKL waren. Nie wurden sie abgelenkt durch Sammlungen für konkurrierende Fraktionsfonds, wie etwa die linken Gruppen schon Kindersommerheim Reichenau a. d. Rax S,"' Semmeringgebiet, für Kinder von 3 bis 16 Jahre bereits eröffnet. Sehr komfort. Villa, großer Park, eig. Wald, Tennispl. Erstkl. Verpflegung, beste Referenzen. Englisch, französisch und hebräisch Konversationsgelegenheit Auskünfte: Nelly Abramowicz-Eidinger, dipl. Montessorilehrerin im Montessori - Kindergarten, II., Ob. Donaustr. 19, von 10—12 und A—6 Uhr. Tel. A 43-6*40. Von I—3 und Sonntag, vorm, nur Telephon A 44-8-29 politischen Stimmung zurück; es wird einige Zeit dauern, bis die tiefen Änderungen, die unter dem Einfluß unserer Arbeit in der ökonomischen Wirklichkeit vor sich gehen, ihren entsprechenden politischen Ausdruck finden werden. Der Prozeß ist aber unaii fhaltsam und ,e$ soll — so schloß Mr. Shertok die Unterredung — die Aufgabe unserer Politik sein, diesen Prozeß zu beschleunigen. seit 1909 durch ihren „Kapai“ fPaiästina- Arbeiterfonds) und ihre vielen anderen, seither begründeten Sonderfonds und -institutionen, oder der Misrachi durch Jen „K eren Hatora h“, die Revisionisten durch den „Keren Tel Chaj“ usf. Gerade diese Sonderfonds aber haben den genannten Fraktionen geholfen und helfen ihnen noch, in Erez ihre Apparate au .-zubauen, von denen aus die gemeinsamen Mittel der Zionistischen Organisation — und so auch des KKL — zur Arisiedlung der FrakHonsgenossen herangezogen und verwertet werden. Den Löwenanteil hat hiebei die nunmehr Vereinigte Arbeiterpartei, welche durch den „H e c h a 1 u z“ die Hachscharah beherrscht, vielfach ‘ durch die Palästina-Ämter die Alijah und durch die „H i s t a d r u t h“ diie Bodenzuteilung und Besiedlung maßgebend beeinflußt. Dies können und wollen die Allgemeinen Zionisten nicht länger hinnehmen, einmal, weil sie ihre selbstlosen nationalen Geldopfer durch die programmäßige Gegnerschaft einer Klassenpartei beantwortet sehen, dann aber auch, weil nunmehr sie selbst für sich und ihre Kinder diie An Siedlung in Erez und nicht zuletzt in deT Landwirtschaft brauchen und anstreben. Die bürgerlichen Elemente haben aber zum nationalen Boden keinen Zutritt, weil sie für die Ansiedlung, zumal am Land, faktisch auf den ersten Blick hin mindergeeignet scheinen und weil die nationalen Behörden bisher wenig Neigung zeigten, sich den speziellen Bedürfnissen dieser Siedlungswerber anzupassen. Deren Kinder haben zwar schon eher Zutritt, doch nur, wenn sie durch den vorgenannten, formell neutralen, faktisch aber linksklaseenkämpferisch eingestellten Apparat gehen; das aber bedeutet, daß sie von ihm verschluckt werden. So fühlen sich die bürgerlichen Elemente, und voran die Allgemeinen Zionisten, denen man ihre Kinder entfremdet, arg verletzt und durch die nationalen Institutionen zurückgesetzt. . Was. die A 11g em e ine n Z i o nie t e n in Österreich anlangt, haben sie schon erfahren, daß ihre wiederholten Versuche, auf KKL-Boden Fuß zu fassen, trotz zweifellos guten Willens des Hauptbüros nicht ans Ziel kamen, da ja das Hauptbüro selbst den Machtverhältnissen in der Zionistischen Organisation unterliegt. Das beweist zum Beispiel die Tatsache, daß die vom G’dud Zirim abgefallene Gruppe die Hälfte des den ABBAZIA orth. “WS Pension Weiss früher Laurana Terrassen, Zimmer mit Meeraussicht. Bestrenommierte Küche. Schattiger Garten Zeitgemäße Preise Allgemeinen Zionisten zugesagten und zuerteilten Bodens erhielt. Über unsere traurigen Erfahrungen mit M i f a 1 Ariosor o f f soll ein andermal gesprochen werden! Was sollen nun die Allgemeinen Zionisten angesichts dieser Sachlage tun? Eine Erwägung, die KKL-Spenden zwecks Erzielung einer Reform einzustellen oder einzuschränken, kommt bei dem Verantwortungsgefühl der Allgemeinen Zionisten keinen Moment in Betracht. Oder etwa die Widmung jeder einzelnen KKL-Spende ausschließlich für Fraktionsgenossen wäre auch odios und würde die Arbeit der nationalen Institutionen lähmen; schon die Evidenzhaltung wäre schwer und es bliebe noch immer zweifelhaft, ob die von den Spendern verlangte Rücksichtnahme auf Allgemein - zionistische Siedler nicht schließlich doch an den bestehenden Machtverhältnissen scheitern würde. Hier nun scheint ein Gg. W i 111 i n unter dem Eindruck des von ihm jüngst in Palästina Erlebten entworfenes Projekt einen Ausweg zu bieten; denn es versöhnt das Interesse des KKL mit jenem der Siedlungswilligen aus dem Kreis der Allgemeinen Zio* nisten. Ist es diesen erst einmal geglückt, Palästinaboden — wenngleich nur privat¬ MaturasdiuIe,Universum' Wien, IXV Garnisong. 3. Tel. A 20-4-48 rechtlichen Eigentums — zu erwerben, dürften die offiziellen zionistischen Stellen nicht umhin können, ihnen bei der Ansiedlung —■ durch Rat, Kredit u. dgl. — vorwärts zu helfen. Zugleich werden sich die bürgerlichen Elemente von dem direkt und indirekt gegen sie erhobenen Vorwurf der Arbeitsscheu und der Landflucht befreit sehen. Das Projekt Wittlin sieht vor, daß 100 Allgemeine Zionisten mindestens je 10 Dunam Boden in der Preislage von 8—10 Pfund auslösen, so daß jeder Interessent 80—100 Pfund, also zirka 2000—2500 Schilling bei der Palestine Land Development Company; bereitzustellen hat, damit dieses Institut im Einvernehmen mit dem Hauptbüro des KKU neben dem von diesem für Kfar Kremenezkyj in der Nähe Jerusalems zu kaufenden Boden private Parzellen für die Gruppe Wittlin erwirbt. Dadurch bekäme auch Kfar Kremenezky einen stärkeren Rückhalt. Auf den so erworbenem Privatboden soll der KKL so-* gleich ein Vorkaufsrecht in der Weise er-* halten, daß es ihm freisteht, falls ein Siedler seine Parzelle verkaufen will, diese zum Originalpreis zuzüglich einer mäßigen Verzin- Bei stockendem Stuhlgang, aufgetriebenem Unterleib und allgemeinem Unwohlbefinden leitet das sehr milde, natürliche „Franz- Josef“-Bitterwassor die im Magen und Darm angesammelten Rückstände der Verdauung ab und verhütet in vielon Fällen die Entstehung von Blinddarmentzündungen. Eine neue Methode der Ansiedlung Maimonidles-Feier des Zionistischen Landesverbandes und der Zionistischen Sektion Prater Am 15. Juni I. J.f präz. 9 Uhr abends, findet im Lustspieltheater (Prater) die Maimonides-Feier des Zionistischen Landesverbandes und der Zionistischen Bezirkssektion und Wizo Prater statt. Der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister der spanischen Republik, Exzellenz E. Garcia Comin, hat sein Erscheinen zu dieser Feier zugesagt. Das Programm: Eröffnung: Dr. N. Frey, Begrüßungsansprache: Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde j Festrede: Dr. David Rothblum, Präs, der Histadruth Ivrith. Es wirken mit: Opernsänger Josef Schmidt, Opernsängerin Fritzi Merley, Klaviervirtuosin Dr. Morgenstern-Haftel, Klaviervirtuosin Sarra Stukkard, Violinvirtuose Heinrich Haftel und Kapellmeister Max Opernmann Karton «rnaltllchi Zionistischer Landesverband. Wien, I., Marc-Aurel-Straße Nr. 6. Telephon U 22-2-11 Sektion Prater. Wien, II, Jungstraße Nr. 8 (ab 6 Uhr abends). Wäschesalon Ilona Abraham, Wien, I., Christinengasse Nr. 4, Telephon U 11-0-63 Optiker Karl Seidner, I., Franz-Josefs-Kai 33, Telephon U 28-9-66 Sektion Leopoldstadt, Wien, II., Praterstraße 13, Tel. R 42-407. L Hirschler & Co., Wien, I., Rabensteig 2 (Buchhandlung), _ . M. Brückner, II., Glockeng. 11, Wizo I., Schottenring 25, Tel. A 11-6-26 Mit Rücksicht auf die Anwesenheit Seiner ftx/ellenx ries RnaniHclion (lesniullen wirf das P. T. Publikum htifliclmt ersucht, präzise um 0 Uhr sich auf seinen I'lätzen einfimlen zu wollen. Zuspätkommende finden keinen EinlaU I