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Die Stimme · 1935-05-21 · Heft 451 (21.5.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 451 (21.5.1935)
Date
1935-05-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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M «TIMMI Seite 5 Xt. 451 — 31. Mal 1035 9- Chassidische Exzesse gegen Rabbiner Warschau, 17. Mai. (Z. T. A.) In den letzten Tagen ist cs in Warschau tu Ausschreitungen gegen einige Mitglieder des Rabbinatskollegiums gekommen. Die Exzesse wurden von einer Gruppe junger Chassidim gegen diejenigen Rabbiner verübt, die einen Aufruf zugunsten des Jüdischen Nationalfonds unterzeichnet habon. Die Demonstranten belagerten die Wohnungen der betreffenden Rabbiner und forderten diese auf, ihre Unterschriften zurückzuziehen. Als dieß 2urüekgewiesen wurde, nahm die Menge eine drohende Haltung an und ließ sich zu schweren Beschimpfungen der Rabbiner hinreißen. Die Kundgebungen wurden im Gebäude der Warschauer Gemeindeverwaltung wiederholt. Dort drangen die Demonstranten in die Rabbinatskanzlei ein, zertrümmerten zum Teil die Einrichtung und beschimpften die anwesenden Rabbiner. Herbeigeoilte Misrachijugend übernahm den Schutz der bedrohten Rabbiner. Es kam zu Tätlichkeiten, denen erst durch Polizei ein Ende gemacht werden konnte. Im Zusammenhang mit diesen Vorfällen hat die Mlsrachileitung iu Polen den durch die Kundgebung in Mitleidenschaft gezogenen Rabbinern ein Sympathietelegramm geschickt, in dem es heißt, die Angegriffenen müßten überzeugt sein, daß zehntausende Juden, die der Thora und dem Glauben treu sind, ihren Schritt zugunsten des Aufbaus des Heiligen Landes im Geiste der heiligen Thora zu würdigen wissen. Das Zentralkomitee der Agudas Jisroel veröffentlicht eine Erklärung, in der betont ,wird, daß die Aguda die zionistischen Fonds auch weiterhin bekämpft und es deshalb b ed;iuert, daß sich Rabbiner zur Unterzeichnung eines Nationalfondsaufrufes bereit gefunden haben. Die Kundgebungen religiöser Juden seien ohne Willen und Wissen des Zentralkomitees als spontaner Ausdruck der unter den religiösen Massen über die unzulässige Handlungsweise der Rabbiner herrschende Erregung erfolgt Die Rabbiner hätten einen sch w är e h Chillul Haschern begangen. An die religiösen Juden wird der Appell gerichtet, sieh von ihrer Erregung nicht fortreißen zu lassen und keinerlei Schritte ohne vorheriges Einvernehmen mit der Agudaleitung zu tun. Eine Abordnung der Generalität erschien in der Wohnung des Heeresoberrabbiners Dr. Posnör, der ebenfalls attackiert wurde, um ihm diö Sympathie der Heeresleitung auszusprechen. Holland gegen Schihhtverbot Amsterdam, 16. Mai. (Ä. T. A.) Wae der Amsterdamer JTA-Vertreter erfährt, hat der holländische Außenminister de Graeff eine ihm vor einiger Zeit von dem Vorkämpfer der Tiere chutzbowegung H. W. K n o e s t und anderem Persönlichkeiten überreichte Petition, im der verlangt wurde, Holland soll« im Völkerbund eine Internationale Regelung der Tierechlachtmethoden unter Ausschluß der jüdisch-rituellen Sohächtmethode beantragen, in ablehnendem Sinne beantwortet* Der Außenminister hat mitgoteilt, daß die holländische Regierung es aus ■wirtschaftlichen Erwägungen heraus für notwendig halte, die Zahl der internationalen Vereinbarungen emzuschränken. Ein schon früher von Kmoest an Königin Wilhelmine gerichtetes Gesuch, die von ihm gewünschte Regelung wenigstens für das Gebiet Hollands zu treffen, ist eben falls abgelehnt worden. Die Industrialisierung Palästinas Die Industrialisierung Palästina« vollzieht weh in einem Eiltempo. Die M-etall- und Maschinen Industrie Palästinas arbeitet heute bereits in 830 Betrieben nxlt 3940 Arbeitern, bei einem jährlichen Umrntz von 670,000 Pfund Sterling. Palästina besitzt zwar keine Kohle und keine Eleenerze, auch werden weder Roheisen noch Rohrt tahl erzeugt, dennoch bietet dio Metallverarbeitung viele Möglichkeiten, die man beetrebt ist, auezunützen. Es gibt außer den Schmiede- und Sohlo&serwcrkstäitten bereits verschiedene Betriebe, welche Gußarbeiten vornehmen und Maschinen hersteilen, darunter die „Jaffa Iran Works“ und die „Paamon“-Werke. Metallmöbol und Metallbettstellen werden schon seit Jahren in größeren Mengen erzeugt. In den letzten drei Jahren haben die bestehenden Industriezweige sich schnell weiter entwickelt und neue Industrien wurden eingelegt. Die wichtigste neuere Gründung ist die jetzt vor dem Abschluß stehende Kremonef Gießerei. Unter den M etallmöbo. Ifabfiken gehört die „Haifa Me'tal-Works“ zu den bedeutendsten. Die drahtverar beiten de Industrie stellt Drähte, Nägel, Drahtzüunc und Moskitonetze her. Einwanderer haben jüngst die Fabrikation von Lampen, Hospital- und Ärzteeimriehhingen und von elektrischen Öfen in Palästina eimgeführt. Auch wurde eine Schratibenfa.brik eingerichtet. Die Blechwa.renindustric «teilt erat in ihren Anfamgsötadien, doch hat in Klijaht. Arje bei Petaoh-Tikwah die Fabrik „Doli“ einen Verzinkung-betrieb und eine moderne Fabriiksanla.ge errichtet. Die beiden grüßten Kühlapparalufabriken, die Frigidairo und Kelvinator, importieren nur die Kiihlmartchinen, während die äußere Ausrüstung, die Metall- und Holzarbeiten in Palästina vorgenommon werden. Falls die bestehenden Pläne zur Verwirklichung gelangen, sollen auch die in der Bauindustrie benötigten Eisenattsritetumgen demnächst in Palästina angefertigt werden. ggf mmB flm'woIdD Br BSBH Dilw«)l ■ Berlin, 16. Mai. (2. T. A.) Unter der Überschrift „Für Juden ist kein Platz im Eeerl“ nimmt „Das Schwarze K ö r p s“, die Zeitung der Schutzstaffeln der NSDAP, und das Organ der Reichsführung der SS., zur Judenfrage in einem Aufsatz Stellung, in dem es in bezug auf das kommende Staafcsbiirgerrecht u. a. heißt: „Man hat bei den Juden sofort erkannt, daß in diesem Gesetz eine Formulierung gewählt worden ist, die in ihrem entscheidenden Teil eine Regelung der Judenfrage in staatsrechtlicher Hinsicht darstellt. Eine Klarstellung des Judenproblems im Staate hat man in den diesbezüglich interessierten Kreisen seit längerer Zeit gewünscht; nun ist eie Tatsache geworden und ist ein© klare, unmißverständliche Folgerung aus der nationalsozialistischen Weltanechauung: Deutscher Staatsbürger kann nur ein arischer Volksgenosse werden. ~~ Es ist nicht anzunehmen, daß man bei den Juden eine andere Lösung erwartet haben könnte; sicherlich nicht b e i den Z i o n i ß t e n, die au« ihrem fremden Volkstum die anerkennenswerte Erkenntnis gezogen haben, daß sie hier in Deutschland ein jederzeit kündbares G a s trecht genießen, und die deshalb das Land Palästina immer eifriger mit der Seele zu suchen beginnen“ Neben diesen Juden, die etwa Dreifünftel ihres in Deutschland lebenden Volkes ausmachten und zum größeren Teil aus jüngere» Elementen beständen, gebe es, so fährt der Aufsatz fort, einen erheblichen Rest jener Juden, die noch immer mit allen Mitteln gegen ihre fortschreitende gesellschaftliche und staatsrechtliche Dlstanzfltung kämpften. Sie betrachten Deutschland als ihre „angestammte H e im a t“. Anscheinend seien sie keineswegs gewillt, die Bestrebungen um eine verbriefte und geeetzlich anerkannte Familiengemeinechaft mit dem deutschen Volke aufzugeben. „Und e« verschlägt anscheinend auch nichts, daß ihnen schon recht häufig bedeutet worden ist, wie spät sie mit ihrem Eifer komme n.“ „Es soll nicht nachgepriift werden“, eo heißt es weiter, „mit welcher Begeisterung die Juden damals i n den Krieg gezogen sind, es kann sogar unterstellt werden, daß es sogar auch jüdische Soldaten gegeben hat* die ihre Pflicht im Rahmen der ihnen gestellten Aufgaben im Feld erfüllt haben... Als unser deutsches Volk in Gefahr geriet, seine völkische Existenz zu verlieren, als sich prominente Juden zu Wortführern alles dessen machten, was den Ruin des deutschen Volkes politisch und moralisch bezweckte, stand ein großer Teil der beute „heimattreuen“ jüdischen Organisationen in der Front des Liberalismus und Marxismus.“ Der Versuch, über das neue Wehrgeeetz eine Anerkennung zu erschleichen, die das kommende Staatsbürgerrecht verweigere, müsse als vergeblich bezeichnet werden. Man habe bei den Juden geglaubt, sich dadurch helfen zu können, daß man die Bildung rein jüdischer Formationen vorgeschlagen habe. Im Verlaufe einer Debatte habe ein prominenter Jude fest-gestellt, daß er im Ernstfälle eine Verantwortung für eine eolche Truppe nicht übernehmen könne. „Wir wollen diese Verantwortung auch nicht übernehmen und geben den reisigen Juden, die eich durchaus mit uns in Reih und Glied stellen wollen, den Rat, ihre Bemühungen um den Eintritt in das Heer aufzugeben, die Gestellungsanweisungen für ihre Anhänger in den Papierkorb zu werfen und heute nun dasselbe zu tun, was sie in den Jahren 1918 bis 1933 unternahmen — cs dabei bewenden zu lassen.“ mm* Qneg Schabbath beim Gdud Zirim Per Gdud Zirim sah beim Oneg Schabbath im Stadtkibbuz in der Innstraße am 10, Mai 1035 den Präsidenten des Zionistischen Landeskomitees Herrn Dr. Oekar G r ü n b a u m, den Historiker Dr. Josef Kaste in und führende Mitglieder einiger BezirkssoktiouoTt als Gäste bei eich. Die Gäste nahmen zum Teil an dem einfachen, aber fröhlichen gemeinsamen Abendessen im Kreise von etwa 200 Chawerim und Chaweroth teil und blieben mit Ihnen gemeinsam noch lange bis in die späten Nachtstunden beisammen. Die schönen Jüdischen Lieder, von den vielen jungen und begeisterten Burschen und Mädeln gesungen, .die ganze Gemeinschaft, die nicht bloß ein Beisammensein, sondern ein wirkliches Zusammenleben ist und auch so wirkt, ist eine Eigenart, die am stärksten In don Kreisen der jüdischen Jugendlichen erlebt wird. Wenn noch eine Bestätigung für die Lebenskraft dos zionistischen Gedankens und des Judentums notwendig wäre, so würde ein solcher Abend, in der Gesellschaft der jüdischen Jungen und| Mädchen verbracht, diesen Beweis erbringen können. Nach einem Bibelvortrag des Chawer Hirsch richtete Herr Dr. Grünbaum einige Worte an die Jugendlichen und betonte die Notwendigkeit, gerade die allgemeine zionistische Jugend gegenüber den straff organk rert-en F]ü<Hparteien zusaramenzufassen und zu fördern. Er versicherte die Jugend seiner Freundschaft lind seiner Bereitwilligkeit, siv immer, wenn es notwendig sei, zu untmsUiUen und zu fördern. Herr Dr. Josef Kaste in, der etwas später erschien und mit freudigem Respekt begrüßt wurde, sprach in seiner aus den Wiener Vorträgen bekannten durchgeistigten Art über die Bedeutung des Schabbath, Gerade der Schabbath, sagte er, sei e«, der als einigendes Bund die Juden aller Richtungen und aller Arten umfasso und gerade in Erez könne man dies am deutlichsten beobachten. Die Idee de« Ruhetages, eine Neuerung, die die Welt, wie so vieles anj dere, dem Judentum verdanke, erweist sich I nii ht nur als eine soziale und kulturelle Errungenschaft für da« Judentum, sondern als Zeichen und Mittel der Einigung. Mit einer leidenschaftlich getanzten. II orra wurde der Oneg Schabbath geschlossen, ein Symbol, daß dio allgemeinzionietische Jugend ihre Lebensfreude aus allen geistigen und seelischen Bezirken des Judentums holt und auf festem und breitem Boden steht und wächst. Streicher-Filiale in Berlin Nürnbergs Gauleiter Streicher hat für dio von ihm herausgegebene Zeitschrift „Der Stürmer“ im Zentrum Berlins ein g a nzes Stockwerk eines großen Geschäftshauses gemietet. In diesem Ziißaanimenliang waren Gerüchte über eine bevorstehende Amts Versetzung Streicher« nach Berlin auf getaucht. Streicher sollte nach diesen Gerüchten Nachfolger des Admirals von Levetzow im Posten des Berliner Polizeipräsidenten werden. Die Absicht, Streicher in amtlicher Stellung nach Berlin m berufen, scheint nicht zu bestehen. Beachtenswert ist aber, daß Streicher in Berlin eine neue Zentrale gräm det, die rein propagandistische Zwecke verfolgt, denn die SchrjftJeltung und die V&t* waltung des „Stürmer“ bleiben in' Nürnberg. Das große Berliner Büro hat den Zweck, die judenfeindliche Bewegung! im Stile Streichers auch in Berlin und Nord.-! deutsch land zu verbreiten, wo die Judenfeinde c-haft sich im Vergleich zu Franken, dem Reiche Streichers, weniger heftig äußert. Die Verhandlungen zwischen Agudas Jisroel und Waad Leutni Jerusalem. Am 7. Mai wurden im Regierungsgebäudo die Verhandlungen über eine Zusammen*« arbeit zwischen Waad Leumi und Agudas Jisroel innerhalb dar Kmeeßeth Israel eröffnet. "Wie die JTA erfährt, fordert Waad Leumi, daß die Agudah noch vor Beginn der Verhandlungen formell der Kn ee s e th Israel bei tritt, während! die Agudah ihren Eintritt von der vorherigen Sicherung ihrer religiösen Forderungen abhängig macht. _ Mon Eckstein - irnrn Die österreichische Arbeit*' anleihe Die österreichische Arbeitsanleihe ist am! 14. Mai zur Zeichnung aufgelegt wördem, Die Begebung dieser Anleihe, deren sozialer Charakter besonder« unterstrichen worden’ muß, kann als Beweis dafür angesehen werden, daß Österreich in dem verhältnismäßig! kurzen Zeitraum von zwei Jahren einen wesentlichen Schritt zur wirtschaftlichen Gesundung getan hat, daß die! Konsolidierung mit der Aufbauarbeit Schritt hält. Die Verzinsung wird W\ Prozent, der Zeichnungspreis 86 Prozent, die Anleihedauer 25 Jahre betragen. Die Titres der neuen Anleihe lauten auf 100, 500, 1000 und 5000 Schilling und sind auf Inhaber ausgestellt. Den* Zeichnungspreas kann a u c h in Raten abgestattet werden, und zwar müssen mindestens 30 Prozent bei der Zuteilung, weitere 30 Prozent bis 5. Juli 1935 und der Rest bis 5. August 1935 entrichtet werden. Die Zinsen werden halbjährig im nachhinein am 1. Mai und 1. November jeden Jahres, beginnend mit 1. November 1935, bezahlt. Für die Arbeitsanleihe 1935 besteht die W e r t s i c h e r u n g s k 1 a n s e I der Trefferauleihe, so daß der Gläubiger Anspruch auf gesetzliche Zahlungsmittel in’ einem Betrage hat, dessen Goldwert dem wirklichen Goldwert des fälligen Betrages am 1. Mai 1935 (ein Schilling ist gleich 0*1654069275 Gramm Feingold) gleichkommt, mindestens aber im Betrage des Nennwertes der Fälligkeit. Der Reinerlös der Anleihe wird ausschließlich zur Dockung der Kosten öffentlicher Arbeiten und zur Rückzahlung kurzfristiger Bundesschatzschelne verwendet. unser« Paroi«: Verdoppelung der Allgemein-Zionistischen Schekalim!

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