Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-05-17 · Heft 450 (17.5.1935) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 450 (17.5.1935)
Date
1935-05-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054140-3054205--5050-3060739
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 0 DIB STIMME Nr. '450 - 17. Mai 1035 Jahresversammlung des Vereines jüdischer Ärzte Br. Hugo Bergman tritt von der Leitung der jüdischen Nationalbibtiotheh zurück Jerusalem, 14. Mai. (?„ T. A.) Dr. Hugo Borg man, Leiter der Bibliothek der Hebräischen Universität, und der «Jüdischen Xafionalhibliothek. hat auf der Mitteilungstafel der Bibliothek seinen It ti e k t r i 11 b e k a n n t g e g e b e n. Dr. Hugo Bergman war einer der Gründer und der geistige Leiter der .13 r i f h Scha- 1 0 m - B e w e g u n g. Nach dem arabischen Aufstand von 1929, Her auch der Brith Schalom-Bewegung einen empfindlichen Stoß versetzte, wurde die Bewegung unpopulär. Wiederholt, wurden Forderungen nach Berg* •mans Rücktritt laut. Im Februar 1935 hat such Dr. Bergman veranlaßt gesehen, gegen die — jetzt nicht mehr erscheinende — hebräische Zeitung „I t o n M e j u c h o d“, | die ihn antijüdischer Tätigkeit; und Förderung des Kommunislö u s bezichtigt hatte, Yerleiimdungsklage einzureichen. In seiner Aussage vor Gericht wies Dr. Bergman die Behauptungen der Zeitung scharf zurück, insbesondere erklärte er es als Erfindung, daß er der Zeitung ..ha ’Or‘, die angeblich kommunistische Theorien propagiert, Subsidien zukommen ließ. Als eine böswillige Verleumdung erklärte er die Behauptung, daß er Feinden der zionistischen Bewegung geholfen und besonders die arabischen Pogromisten von Hebron und Safed unterstützt, habe. Seine Beziehungen zu ..ha ’Or“ bestünden lediglich darin, daß er dessen Herausgeber Dr. Stein einige Briefe geschrieben bat; Stein habe ihn einmal gebeten, für eine unter dem Verdacht kommunistischer Betätigung verhaftete Person eine G e 1 d b ü r g s c h a f t zu leisten, was er aus Gründen der Humanität getan habe. Der Mann wurde später wegen Zugehörigkeit zur kommunistischen Partei verurteilt. Man könne ja ihm, Bergmau, gewiß keine Sympathien mit der revisionistischen Bewegung nachsagen; dennoch aber, wenn man ihn bäte, für einen Revisionisten Bürgschaft zu stellen, würde er es ebenfalls getan haben. Er halte es für seine Bürgerpflicht, jeden Menschen vor Gefängnis zu bewahren, so lange er gerichtlich noch nicht verurteilt, ist. Was die Zeitung ,.ha ’Or" betrifft, so sei sie nicht kommunistisch, sondern konsequent sozialistisch. Er habe sich bei ihrem ersten Erscheinen für sie interessiert, weil sie Aufsätze über arabisch-jüdische Zusammenarbeit gebracht bat. Er, Bergman, sei gegen die Angriffe des Kommunismus auf die Religion. Er habe privat Professor Kohn eine Geldsumme geliehen, die Kohn dem Verlag ,.ha ’Or“ übergeben hatte; das Geld wurde ihm rückerstattet. Auch der Universitätskanzler Dr. M a g n e s habe „ha ’Or“ Geld gegeben. Theoretisch sei er, Bergman, für Legislative Council und halte dafür, daß die Juden sich an dieser Institution beteiligen sollten. Sollten aber die autorisierten jüdischen Stellen beschließen, an einem Council nicht teilzunehmen, so würde er, Bergman, sich diesem Beschluß fügen. Die Klage Bergmans gegen „Iton Mejuchod“ wurde vom Jerusalemer Hauptfriedensriebter Hubbard mit der Begründung a b g ewiesen, daß die beklagten Artikel keine Diffamierung enthielten; es sei durchaus nicht Diffamierung, zu behaupten, daß jemand einen Legislative Council begünstige oder im Falle seiner Gründung in ihn gewählt zu werden wünsche; oder daß jemand den Redakteur einer als kommunistenfreundlich geltenden Zeitung aufgefordert habe, eine seiner Wahl günstige Atmosphäre zu schaffen, und daß eine solche Unterredung mit. der Aushändigung von 40 Pfund geendet habe. Die bloße Behauptung, daß Dr. Bergmari etwas getan habe, was diese oder jene politische Partei nicht billigt, sei an sich nicht diffamierend. GROSSFLEiSCHHAUEREi SIEGM. KORNMEHL ZENTRALE IX., BERGGASSE NUMMER 19 TELEPHOMNUMMe» A 17-3-99 und A 18-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen t. ^trD-Plci«<h untei Aufsicht des Ehrwürdigen Rabblnats der israelitischen Kultusgemeinde Wien Autosustallung kostenlos IX„Berggasae 16, XVIII.,'.Vähringerstraße 7t Die Vereinigung dor jüdischen Arzte hielt am Mittwoch ihre Jahresversammlung ab. Es hatten sieb unter dem Vorsitze des Präsidenten Prof. Dr. Ludwig Braun mehrere Hundert. Ärzte und Ärztinnen versammelt. Auf dem Programm standen Beratungen über G e genwart und Z u kiinf t der jüdischen Ä r 11 e s c h a f t i n W i e n und ü s t e rr c i c h. Aus den Referaten des Präsidenten, der beiden Vizepräsidenten Dr. J e 11 i n e k und Dr. P1 a s c h k e s, sowie des Primarius Dr. T s c. h i a s n y ist hervorztiheben: Vizepräsident Dr. J e 11 i n e k besprach die Folgen der Verordnung vom Juni des Vorjahres, durch welche die Versicherungsanstalten infolge ihrer Notlage das Recht erhielten, die Ärzte ohne A n gäbe von Gründen zu pensiouieren oder zu entlassen. Die Kündigungslisten enthielten fast nur jüdische Ärzte, von denen hunderte vor den Verlust der Grundlagen ihrer Existenz standen. Es ist gelungen, die meisten v o r d i e s e m Verhängnis z u b ewahren. Tiefste Besorgnis ruft die Lage des jungen ärztlichen Nachwuchses hervor. In den Fondskrankenansfalt.cn wurde trotz vielfacher Bemühungen im Sozialministerium nichts er- I reicht, abgesehen von einzelnen Ausnahmefällen. Bel der Ernennung von Aspiranten und Seku ndarär zt e n werden die Juden grundsätzlich übergangen. Sogar systemisierte Stellen bleiben unbesetzt, wenn nur jüdische Anwärter vorhanden sind. Der Hinweis auf die Gefahr mangelnder Ausbildung des Nachwuchses blieb e r f o 1 g- 1 o s. Die Folgen drücken sieh in folgenden Ziffern aus: Im Allgemeinen Kranke n h a u s werden ab August von 61 Stellen nur zwei mit Juden besetzt sein, im Franz-Josef-Spital 7 unter 40, und zum Herbst werden vielleicht auch diese sieben weichen müssen, im W i 1h e 1 m i n e n - S p i t a 1 sind unter 80 Hilfsärzten ein jüdischer Sekundararzt und ein Aspirant. Unter den entlassenen jüdischen Ärzten der Stadt Wj e n wurden von 64 elf wieder eingesetzt und vieren wurde die Wiederanfitellung versprochen. Zur Eindämmung dieser Katastrophe der jungen Ärzte, denen jede Ausbildungsmöglichkeit genommen wird, wurde ein Hilfsf o n d s gegründet, ferner hat clie K u 11 u sg e m e i n d n in ihrem Krankenhaus und im Altersheim etwa 20 unbesoldete Hilfsärztestellen geschaffen, nur um die Ausbildung des Nachwuchses zu ermöglichen. Die jüdische Ärzteschaft muß gegen diese Zustände ankämpfen, weil sie eine alte ruhmreiche Tradition zu verteidigen hat, ferner weil sie ihre staatsbürgerliche Gleichberechtigung verteidigt. Daß os sich dabei nicht bloß um eine Frage der Ärzte- ***%*»#****» 23J8hr. Mädchen mit eigenem Geschäft, Hauptstraße Wiens, sucht zwecks Ebb einen Mann im Alter von 25—32 Jahren, mit oder ohne Kapital kennenzulernen. Unter „Einheirat" a. d. Adm. d. Bl. *%*«*%»»»»**»»***»**»%»%#*»» schaff, sondern um eine grundsätzlich e F r a g e d e r G e s a ui t j u d e n- * e h a f t handelt, hat am besten eine Enquete gezeigt, in der sich Angehörige aller akademischen Berufe. Künstler, Schriftsteller und Wirtschafter darüber aussprach cm. Die Sorge fiir die Zukunft. Primarius Dr. T s e h i a s n y, der bekannte Lnryngologe, führt aus, daß die Aussicht oti für die Zukunft ebenso trüb seien wie die Gegenwart. Der Bundeskanzler hat in feierlicher Proklamation für den christlichen Ständestaat einen vorbildlichen S e h u t x der religiöse n u n d n ationa len M i n o r i t ä t c n zugesagt. Damit stehen die Maßnahmen mancher Verwaltungsstellen in einem bedauerlichen Widerspruch, die faktisch für den ärztlichen Nachwuchs bereits den Numerus clausus e i n g e f ii h r t haben. Die geringen Roste der jüdischen Hilfsärzte werden vielleicht in einigen Monaten gänzlich verschwunden sein. Besser steht es in den der U n t e.r r i e<h fsverwallung u n t e r«s t oh end en Anstalten, in denen die Vorschläge der klinischen Vorstände beachtet werden. Eine weitere Gefahr bildet die Regelung der F a c li ä r z t e f r a g e n. Ihre Ausbildung soll in einer bestimmten Zahl von Anstalten erfolgen und es wurde der Vorschlag gemacht, j n deren Reihe das S pit a 1 der K u1tus g e m einde n i c h t. a u f z u n e. h m e n. Wo sollen also unsere Fachärzte dann herangebildet werden? Gegen diese Absichten müssen wir uns aus allen Kräften wehren. Gegenüber dieser .Katastrophe der juugen Ärzteschaft scheint das Schicksal der bereits praktizierenden fast erträglich. Aber auch für diese hängt die Zulassuug zur Kassenpraxis vom „freie n Erinesse n“ , ab. Sogar erworbene Rechte wollen manche * nicht respektiert wissen, ln die Leitung der „Wirtschaftlichen Organisation" wurden zwei Juden erst nach dringlicher Intervention bei der. Vaterländischen Front, auf-, geuoinmen und auch d i e F a c li b e i r ä t e scheinen die Juden ausseblioßen zu wollen. Allerdings darf man dem Obmann der Wirtschaftsorganisation, Med.-Rat Dr. P e t k o, alles Vertrauen entgegenbringen, daß er go-j hüssigen Maßnahmen abgeneigt ist. Aus all dem ergeben sich trübe Aussichten für diej Zukunft. In der Diskussion teilte Vizepräsident Dr. Siegfried P I a s c h k c s mit, daß er mit der Organisation dbr österreichischen Ärzte in Palästina Verhandlungen wegen der Unterbringung von jungen österreichischen Ärzten gepflogen habe. Die Aussichten seien n i c h t u n g ii n s t i g. Ein aus den Diensten der Gemeinde Wien entlassener Arzt hob die großen Bemühungen des Präsidenten der Kultusgemeinde, Staatsrats Dr. Friedmann, und des Rates der Stadt Wien, Dr. Ehrlich, um das Schicksal der entlassenen Gemeindeärzte hervor, die zu manchem dankenswerten Erfolge geführt haben. Dieser Bericht spricht Bände. Was gedenkt dio Regierung zu unternehmen, um die Bestimmungen der Verfassung auch gegenüber futterneidischen arischen Ärzten durchzusetzen? Die arischen Rechtsanwälte und die arischen Geschäfts* weiser Wir hat)en berichtet, daß die Wiener Rechtsanwaltekamtner die Anzeigen von Rechtsanwälten in den diversen „arischen Gesehäftswcisern“ als st-an des widrig erklärt und die bei reffenden Anwälte aufgefordert, hat, dafür zu sorgen, daß ihr Name in eine etwaige Neuauflage dieser Oeechäl'tsweiser nicht mehr aufgen omnien wird. Der Verband dentsdiariseber Rechtsanwälte hat die Befolgung des Auftrages abgelehnt und dies der Kammer in einem Schreiben mitgeteilt, in welchem es heißt: „Die Note vom 2. April (der Auftrag der Kammer) bietet keine Aufklärung darüber, a u s w e 1 e h e m Recht die Kammer den Anspruch darauf ableitet, auf den Inhalt der den Bedürfnissen der bodenständigen, ch ris 11 ich -den t-sch en Be vö I kerung Rech nu n g tragenden Nachschlagewerke und sonstigen Behelfe Einfluß zu nehmen und zu diesem Zweck an die darin abgedruckten Rechtsanwälte den Auftrag zu einer positiv ablehnenden Veranlassung zu erteilen, obzwar ein solches Verhalten den in der geltende n V e rf a s «s u n g begründeten Bestrebungen der bodenständigen Bevölkerung nach übersichtlicher Zusammenfassung der den verschiedenen Borufsdänden angchörendon ch rist-li ch -deutech ei i Staatsbürger wid e rstreiten würde. Es ist, insbesondere ungeklärt, ob etwa die Absicht besteht, darüber Ungewißheit herrschen zu lassen, wer von den in die Liste der Rech tsanwa 1 tska mm er in Wien eingetragenen Rechtsanwälten a,rascher Abstammung und christlichen Bekenntnisses ist-, und ob damit etwa, der Zweck verfolgt wird, der bodenständigen, christlich-deutschen Bevölkerung dde Kenntnis dieser füT ihre Entschließungen bei Auswahl eines Rechtsanwaltes wichtigen Tatsachen zu verschließen.“ In diesem Brief, der zwar nicht in deutscher, sondern in arisch-bodenstä/ndig-nordischer Sprache abgefertigt ist, erfährt die geltende Verfassung eine Auslegung, die sich sehen lassen kann. Nirgends sind aus ihr Bestrebungen des behaupteten Zweckes abziih'itmi. Dio arischen Anwälte berufen zur Diskussion der Angelegenheit, eine Versammlung ein, in der trotz des Versammln ng^verbotes der Auftrag der Kammer, also eino behördliche Verfügung, diskutiert werden soll. Gilt das Versainmlungsverbot auch fiir Arier? Restaurant Rillet itfO Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs ÄS V90u. 8*60 Schwechater Brau II.. Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke Telephon A 41-0-2J 300. Todestag Dieser Tage jä.hrt sich zum dreihundertsten Male der Todestag einer der hervorragendsten Persönlichkeiten der älteren Geschichte dets Wiener Judentums, des Dr. Leo L 11 c e r n a,, Doktors dreier Fakultäten, wie es in seiner Grabinschrift heißt, mit seinem eigentlichen Namen Juda Löh M a 0 r k a 10 n. Er wirkte ebenso wie sein Vater Moses Maorkaton, der gleich ihm auf dem alten Wiener Friedhöfe in der Seogaisso beigesotzt ist, wo beider Grabsteine sehr gut orhalten sind, als Arzt uncl Rabbiner, Er erbaute in Wien ein Gotteshaus, aus dein nach den Forderungen der Religion zwölf Fenster, je drei auf jeder Seite, nach den vier Himmelsgegenden blickten. Er bearbeitete rhifi jüdische Schrifttum in vielen Werken, die seine Bescheidenheit jedoch ungedruckt ließ. Seine Tochter heiratete einen Angehörigen der damals in Wien durch ihre Gelehrsamkeit und ihren Reichtum besonders angesehenen Familie A u 0 rbaoh, und Leo Lucerna« Enkel war Simeon Auerbach, von dem sich noch in den Gebetszykleu der jüdischen Gemeinden Österreichs ein Bußgedicht erhalten hat, da,s anläßlich eines großen Kinder,Sterbens in Wien 1634 entstand. Dr. Leo Luconia, der Im 1 jar 1635 starb, dürfte um das Jahr 1560 geboren worden sein. (Näheres über Leo Lucorna bei Dr. David Kaufmann, Dio loizlo Vortreibung der Juden aus Wem. 1889; auch Wachstein. Jüdische GrabGducj Die Maimonides-Feier in Tiberias Pßö Modell /% gin neues Grabmal. mm Ü; mm, wm&m

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.