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Die Stimme · 1935-05-14 · Heft 449 (14.5.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 449 (14.5.1935)
Date
1935-05-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Dil «TIMM* Seite 5 Kr. HO - U Mal 103“ Quellen der .Protokolle', welches ihre Her kunft und Urheberschaft?“ beantwortet Loosli so: Die flauptquelien der „Proto kolle“ sind die „Dialogues aux Enfers entre Macchiavel et Montesquieu“ von Mauric 'J o 1 y. Nicht weniger als 170 Stellen sind daraus wortwörtlich abgcschrieben, mit der einzigen Änderung, daß Überall dort, wo es für den besonderen Zweck notwendig war die Juden an Stelle Napoleons 111. oder «eine Regierung unterschoben sind. Eine andere Quelle bildet der Roman des Antisemitischen Schriftstellers Goedsche „B j a r r i t z“ in seinem Abschnitt „Der judenfriedbof zu Prag“. Goedsche .schrieb unter dem Pseudonym Sir John Retcliff. Als weitere Quelle ist zu nennen „La France juive“ von Edouard Drnmmond der gelegentlich an einzelnen Stellen der „Protokolle“ fast wörtlich angeführt ist Das sind d i o II a u p t q n e 11 e n der FII1 s c h u n g. Über Herkunft und Urheberschaft der „Protokolle“ stellt fest, daß die Sammlung von Grundlagen dazu bereits im Jahre 1884 nachweisbar ist. Es besteht jedoch die Wahrscheinlichkeit, daß mit der Sammelarbeit schon früher begonnen wurde. Erwiesen ist, daß die „Protokolle“ in ihrer fast endgültigen französischen Fassung, wie sie jn russischer Übersetzung die Zeitung „Snamja“ 1903 veröffentlicht hat, auf Anstiftung Ratschkowskys, Chefs der russischen politischen Geheimpolizei im Ausland, angefertigt wurden. Der Text der „Protokolle“ wurde später namentlich von Nilus noch erweiternd gefälscht. Die vierte Frage: „In welcher Beziehung Stehen die ,Protokolle* zmn Zionistenkongreß 1897 in Basel?“ beantwortet Loosli: in gar keine r, als in der von den Fälschern und Echtlieitshofürwortern der „Pro tokolle“ unerwiesen behaupteten. Fünfte Frage: „Fallen die ,Protokolle* in Jitorarischer Hinsicht unter don Begriff der S c h u n d 1 ti t e r a t u r?“ Antwort: „J a.“ Die „Protokolle der Weisen von Zion“ gehören fraglos der niedrigsten, gefährlichsten Art von Schundliteratur an. Ihre ganze Anlage, ihr Aufbau, ihre Beweisführung, ihre Form und ihr Etil wirken zusammen, um die Juden und Freimaurer als verbrecherisch, staats- und gcscllschaftsgefährdend darzustellen. Die Antisemiten aller Länder geben sich die größte Mühe, die „Protokolle“ in stets neuen großen Auflagen immer wieder in die Massen zu worfen, um dem Zorn und die Empörung dieser Massen bis zu weithinreichenden Tathandlungen aufzupeitschen. Fleischhauers Replik Donnerstag naolmwttage erhielt Fleischhauer das Wort m einer Replik. Er beklagt sich darüber, daß der überparteiliche Exporte Loosli iihn schlecht behandelt habe, und erklärt, Loosli habe auch da« nationalsozialistische Deutschland beschimpft. Er verwahrt sich gegen den Vorwurf der „Unwissunschaftlichkoit“, erklärt, ergebe zu, daß Korenski nicht Judo sei, er gehöre aber b 1 u t m ä ß i g d o in J utlcntnm a n. Der B n o i B r i t li - 0 r d e n «ul, entgegen den Behauptungen Looslis, politisch. Wann Looeli auf die vielen Vorstrafen von Fritsch hin weisen kann, so nur darum, weil die Justiz in Deutschland verjudet war. Fleischhauer richtet weiter Angriffe auf Freimaurer, Juden, den Völleerhurnj, dou Versailler Vertrag usw, und „beweist“ an Hand von zahllosen, aus antisemitischen Büchern aibgcschrioboncin Zitaten, daß Zionismus und Bolschewismus ein* und dasselbe seien. Zum Schluß ruft Fleischhauer emphatisch: „Die Wahrheit der ,Protokolle* ist erwiesen, sie sind o c h t j ii d i sclios Godankongu t, und ihre Verbreitung ist Pflicht der Kulturstaaten!“ Einige im Saale anwescaido Fron tistein klatschen ihm Beifall, Wieder eine Fälschung Nun erhebt sich Experte Loosli, um nach ein „Beweismittel“ Fleischhauers zu entkräften. Fleischhauer habe dem Gericht eine jiddische Ausgabe der „Protokolle“ eingereicht zum Beweis dafür, daß die Juden die „Protokolle“ für echt halten. Loosli verliest die Einführung zu dieser jiddischen Ausgabe, aus der hervorgeht, daß sie nach den Gerichtsverhandlungen ImOktober 1934 entstanden ist und den Zweck verfolgt, die jüdische Öffentlichkeit über dieses „ekelhafte Falsifikat“ aufzuklüren* Als Fleischhauer sich nun erhebt, um eine Notentschuldigung vorzubringen, wird sein Verhalten von der Zuhörerschaft mit „P f u H“ -Rufen quittiert. In der Vormittagssitzung am Freitag «teilte der Vertreter der Klikrensc/haft den Antrag, die Angesoliuldigten Fischer und Schnell gemäß dem Gesetz gegen die Schundliteratur angenußs e n z u b e « t r a f c n. die inkrimin,ierten dm Schriften, darunter die „Protokolle“, zu beschlagnahmen und die beiden Angesehuldigten zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Bezüglich der übrigen An,geschuldigten stellte der Vertreter der Kläger keine Anträge. Der Mord in Jerusalem Zu den Nachrichten über den Überfall und Mord, der «ich am Freitag, den 3. Mal, in J crns a 1 c m abgespielt hat, werden uns noch die folgernden Einzelheiten gemeldet*. Der getötete Kaiman Schapira, ein Verwandter des bekannten Ohowew Zion, des Drobobyezer Rabbis, der 1920 mit seiner ganzen Familie nach Palästina kam, arbeitete in einer Fabrik in Bajit-Wegan bei Tel-Aviv. Am letzten Sabbat kam er zu Besuch zu seinem Vetter Rabbi Jakob Scihapira nach Jerusalem. Nach dem Abendbrot, etwa um 10 Ulvr abends, ging er mit «einer Tante in der Umgegend der jüdischen Siedlung K e r c n A b r a h a m spazieren. Unterwegs wurden «io plötzlich von zwei Personen überfallen. Eine von ihnen w a. r f F r a u S e h a p i r a z u Boden, der zweite Angreifer begann mit Kalman Soluipira zu ringen und stach ihn mit e i n e m 5t o sscr in die Brust, in den linken Arm und in die Lunge. Die Frau iiel in Ohnmacht. Als sie wieder zu «ich kam, ging sie auf Kalman Schapira zu, der ein paar Schritte von ihr entfernt auf dem Boden lag und sehr stark blutete. Trotz «einer schweren Verwundung begannen beide zu laufen, unterwegs aber brach Kalman Schapira zusammen. Frau Schapira begann nun um Hilfe zu rufen. Auf ihr Geßchroi strömten Passanten zusammen und brach ton den Verwundeten sogleich in ein Haus, in dem ihm zwei Ärzte die orsfco Hilfe leisteton. Der Verwundete war noch bei Bewußtsein, konnte jedoch keine Frage beantworten. Im Krankenluuuse, in das der Verwundeto um 11 Uhr nachts gebracht wurde, fiel er in Ohnmacht und starb kurze Zelt darauf. Au« den bei dom Toten gefundenen Papieren wurde erst sein Name festgestellt. Die Polizei nahm sofort <lio Untersuchung auf, in dam am Tatorto unter Führung de« Captain R i o t einige Polizeioffiziere mit Polizeihunden erschienen. Am nächsten Morgen wurden aus Jaffa die aus der Untersuchung des Arloßoroff-Mordcs bekannten b e i d c n S purensuc h e r gebracht, die die Spuren in der Richtung auf da« arabische Dorf L i f t a bei Moza verfolgten. Am Morgen hielt d.io Polizei alle Autobusse auf der Chaussee von Lifta nach Jaffa—Tel- Aviv an. Im Laufe de« Sabbat wurden durch die Polizei e i n i g o Dutzend Araber verhaftet. Frau Profeesor G e t z o w a, die die Obduktion des Ermordeten durchführte, stellte fest, daß er mit o i n e m g ewöli nlieben Taschenmesser verwundet worden ist. Die polizeiliche Untersuchung i«t dadurch erschwert, daß dio Begleiterin des Ermordeten durch den Überfall noch sehr verwirrt ist und auf keine polizeiliche Frage antworten kann. Der getötete Kalman Schapira ist vor zwölf Jahren nach Palästina gekommen. Seine Eltern und seine Frau befinden «ich noch in Polen. In Palästina trat er der Re visionis tischen Partei bei und gehörte zu ihren aktiven Mitgliedern. An 6einer Bei- Pension Eckstein - Mm Setzung nahm eine große Anzahl von Menschen teil. Nachrufe hielten Herr Nahum L i p s c h ü t z und im Namen der Revisionisten Dr. Waschitz, Die polizeiliche Untersuchung hat bisher noch zu keinen klaren Ergebnissen geführt. Es ist jedoch sicher, daß dar Überfall durch zwei Araber erfolgte. Ausbau der Parallelklassen Dio im Vorjahre erlassene Verordnung des Unterrichtsministeriums, es seien die jüdische n Mittels« h ii 1 c r in besondere Klaasen zusammenzufassen, wird, obzwar ihre Zurückziehung in Aussicht gestellt worden war, weiter aufreohterhaltcn. Gegenwärtig sind, wie verlautet, bereits Vorbereitungen im Gange, die Wirksamkeit der Parallelklassen über die erste Klasse hinaus auf die zweite Klasse auszudehnen. Hechaluz Hahlal Zloni, Snif Graz Die Konsolidieningsbestreibttngen der Allgemein-zionistischen Jugend iti Österreich halben in Graz zur Bildung eines Snif des Hechaluz Haklal Zioni in Graz geführt, der vom Gliawer Ignaz Fleißig geleitet ward. Wir beglückwünschen die Grazer jüdische Jugend zu diesem Schritt. Herren Professor Dr. Herbert Elias, Dr, Eduard Nelken, Professor Dr, Heinrich v. N e um a n n, Zentraldirektor Ing. Isidor P o 11 ak, Professor Dr. Fritz Sil berste in, Alexander Tele Ii. Fünfjahrplan für das palästinensische Postwesen Der palästinensische Göneralpostmoistcr kündigto einen F ii n f j a h v plan zur Ausgestaltung des palästinensischen. Post Telegraphenmul Tolephonnetzes an, wobei als Ziel gilt, dieses Netz auf den höchsten Stand im gesamten Nahen Osten zu bringen. Zu diesem Zwecke wird die Regierung 500.000 Pfund neu investieren. Der GeneraIpostmcister filgto hinzu, infolge der jüdischen Einwanderung haben sich dio Bedürfnisse des palästinensischen Postwesens in einem oinz.'igen Jahre um 90 Prozont erhöht, während sich die Bedürfnisse im Postwesen in der Übrigen Walt nur um etwa 15 Prozent erhöht haben. Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa academlca judmca Am 0. d. fand in den Räumen des Verbandes der Israelitischen Hiunanlitätsvcreinc B’na! IVrith, IX., Univonsitätsstr. 4, die 11. ordentliche Goneralversajimuihing statt. Aus Anlaß dos zehnjährigen Bestandes des Vereines erstattete der langjährige Prilsklont, Qbormodizuuilrat Dr. Moritz L a u b, einen Bericht über dio Tätigkeit des 'Kuratoriums in den ab gelaufenen zeliu Jahren. Der Verein hat sciuo Aufgabe, armen jüdischen Studenten durch Gewährung eines nahrhaften und kräftigenden Mittagessens zur Fortsetzung und Beendigung ihrer Studien zu verhelfen, trotz der Ungunst der Verhältnisse voll erfüllt. Es ist zu hoffen, daß sich die jüdische Bevölkerung de« großen Kultunvorkos bewußt ist, das sieh der Verein gestellt hat, und ihm die Unterstützung auch Aveiterliin nicht versagen wird. Unter lebhaftem Bei falle der Anwesenden wurde dom Vorstande der Israelitischen Kultusgenieindo, dem Vorstände der Israelitischen Allianz und der Huinanitätfivereinigung B’nni B’rith „Wahrheit“ für ihre Unterstützungen bestens gedankt. Ganz besonders aber wurde Frau Alice K1 i n g o r gefeiert, welche seit Jahren ln Erkenntnis der Notlage der jüdischen Studenten, die Bestrebungen des Vereines mit seltener Hilfsbereitschaft unterstützt. Auch wurde den Herren Dr. Eduard Nelken und Zentraldirektor Ing. Isidor Pollak für deren große Verdienste um dio Institution der besondere Dank zum Ausdruck gebracht. In den Vorstand des Vereines wurden per acclamationcm vicdorgowühlt: Die Herren Ohomedtzinalrat Dr. Moritz Laub, als Präsident; Direktor Fritz Weill, als Vizepräsident; Direktor Rudolf Frau k, als Ktussaverwalter; ferner Frau Alice Kliugor und die Warnung vor einem Schwindler Ein junger Mann besucht Wiener Zionisten und bittet um Unterfertigung einer Petition an die englische Regierung wegen Befreiung von Zionisten, dio in Port Said in Haft sind. Er beruft «ich hiebei auf das Zionistische Landeskomiteo und sammelt für die angeblich in Port Said verhafteten Zionisten Geldspenden. Das Zionistische Landeskomiteo gibt hiemit bekannt, daß es prinzipiell keine Ermächtigungen für Sammlungen erteilt und daß ihm auch von einer Petition au dio englische Regierung wegen Freilassung von Gefangenen nichts bekannt ist. Es wird ersucht, den Sammler, der schon von ungefähr 300 Personen Geldspenden von 1 bis 5 Schilling erhalten bat, im Betretungsfalle der Polizei zu über» geben. Zionistische Bezirkssaktion und Wizo Wieden-Margareten Mittwoch« IS. Mal« abends, findet im Rahmen der jüdischen Kilnstlerspielo, Prater» strafte 34, unter Mitwirkung der gefeierten Künstlerin Frau Sevilla Pastor und Fräulein Erna ÄÄ«™ 1S- „Ohne Zertifikat nach Palästina" statt. Der Reinertrag fließt der Kfar-Kremeneaky-Aktion zur Gänze zu, Restliche Karton: Teohandlung Müller, IV., Argentinieratraßo Ö2, Telephon U 4(i-9-öß Papierhandlung Schreier, 1., Goldechmidgassc 10, Telephon U 28-1-00 Leo Hirsch: Praktische Judentumskünde. Kein Lexikon, kein Handbuch: das Lesebuch für das jüdische Hau«. Der Jude unserer Tage,1 alter Sitte und Brauchtum zumeist entfremdet, sucht heute einen Weg, der zurück in die Welt der Väter führt. Dieses Buch will ihm eine Stütze sein, indem es ihn das jüdische Leben in seiner Fülle wieder kennen und verstehen lehrt. Der Jüdische Angestelltenverband „Emunah“, I., Bibemtraßc 17, macht auf seine neuen Sprachkurse aufmerksam. Hebräisch für Anfänger nach moderner Sprechmethode, Leitung; Ben Gliaviv; Englisch für Anfänger und für Erwachsene; Französisch, Esperanto. Anmeldungen im Sekretariat. Jeden Dienstag Sehachabend, jeden Samstag gesellige Zusammenkünfte im Helm, Sonntags Ausflüge. Gäste herzlicliet willkommen. Vortrag: Auf Einladung des Jüdißch-akad. Juvistenvereines hält Privatdozent für forensische Psychiatrie Dr. Karl Groß Mittwoch, den 15. d., einen Vortrag mit Lichtbildern Uber da« Thema: „Handschrift und Geisteskrankheit.“ Beginn punkt 8 Uhr. Gäste willkommen! IX., Alserstraße 26. Legltimlstlsche jüdische Frontkämpfer im Eisernen Ring. Mittwoch, den 15. d., 8 Uhr, findet, im Hotel „Continental“, II., Taborst-r. 4, ein Vortragsabend mit folgendem Thema statt: „Die Juden und der Staat Österreich.“ Einladungen in der Verband&kanzlci, I., Parkriug 4. KASTEINS VORTRAG: iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin THEODOR HERZL - DAS ERLEBNIS DES JÜDISCHEN MENSCHEN ist soeben in einer vornehm aaisgestatteten Broschüre im Verlag R. Löwit erschienen. Der Vortrag hat nicht nur in der jüdischen Öffentlichkeit, sondern in allen politischen Kreisen Österreichs größtes Interesse gefunden. Dio knappe und dabei doch lebenswarmo Diktion machte den Vortrag zu einem Ereignis, an das dio ebon erschienene Broschüre die Erinnerung festhält. Dio Broschüre ist im Büro des Zion. Landesverbandes, Wien, I., Mare-Aurel-Straße 5, zum I Preise von 8 1.26 erhältlich und wird über I Wunsch auch per Post zugesondet. Die Zionistische Organisation ist in Gefahr! Hur ein konsolidierter Allgemeiner Zionismus kann sie retten. Meldet Euch zur Schekelarbeit in den Bezirkssektionen i

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