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Die Stimme · 1935-05-14 · Heft 449 (14.5.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 449 (14.5.1935)
Date
1935-05-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 20g y.b.b. D ie Zukunft des Zionismus liegt im Allgemeinen Zionismus JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 449 | Wien, 14. Mal I9S5 [ Kedaktion und Administration. Wien, Maro-Aurai-StraBa 0. Tel.: U 22-3-91 .ledaktionsschluB Montag und Mittwoch vorm. ie Juden im Ständestaat Estland Tallinn, 12. Mai. Durch die Überleitung aller Einrichtungen des estnischen Staatswesens vom parlamentarischen zum korporativen System wird den Juden, die Weher infolge ihrer geringen Zahl niemals dauernd eine Vertretung in den leitenden Körperschaften des Staates erlangen konnten, ein entsprechender Anteil an der Staatsführung gesichert. Bisher wurden ian Zuge der Verwaltungsreform erst eine Reihe berufssihndischer Organisationen geschaffen, den betreffenden Kammern gehören auch die in den einzelnen Berufen tätigen Juden an. Nunmehr eoil auch an Stelle des Parlaments eine allgemeine beratende Kammer treten, der Vertreter aller Richtungen, Berufe und Nationalitäten angehörem werden. Hier wird auch den Juden eine ständige Vertretung gesichert werden. Bisher hatten die Juden nur in den Städten Tallinn (Reval) und Valk einen Vertreter im Stadtrat, während eie in den übrigen Städten und im Parlament unvertreten waren. Ende März wurde auf Wunsch des Ministeriums in Estland eine jüdische Volkszählung durchgefühxt. Die Ergebnisse sind noch nicht vollständig verarbeitet. Festgestellt wurde durch die Volkszählung u. a., daß die Juden am estnischen Freiheitskrieg in großer Zahl teilgenommien halben. W aad-Leumi-Budget bewilligt Jerusalem, 10. Mai. (2. T. A.) Die Regierung hat das Budget des Waad I.eumi, des exekutiven Organs der legalen jüdischen Gemeinschaft Palästinas Knesseth Jisrael, gebilligt. Das Budget verzeichnet auf der Einkommenseite 113.120, auf der Ausgabenseite 112.929 Pfund Sterling. Die syrisch - palästinensische Grenze Jerusalem, 12. Mai. Der arabische „Felestin" meldet, daß die palästinensisch-syrische Grenze durch Angliederung eines syrischen Gebietsteiles an Palästina reguliert ■werden soll. Die französische Regierung soll sich mit der Änderung bereits einverstanden erklärt haben und es finde bereits eine Bereisung der Grenze durch hohe syrische Beamte statt, die die Abtretung vorbereiten. Eine Bestätigung der ziemlich unwahrscheinlich klingenden Nachricht liegt nicht vor. . - Für unsere Leser nür: Neudegger Fahrschulen Wien, VIII., Neudeggerg. 18 Tel. B 46-5-72 und Inzersdorf (Nieder-Osterreich) PrUfungserleichterung durch:.!l Laufendes Auto im Lehrsaal!! Der Tod Pilsudskis Marschall Pilsudski ist gestorben. Mit ihm chwiudet eine der Mittelpunktfiguren, die nach dem Krieg den Osten neu geformt haben, ins Dunkel des Todes. Ein an Abenteuern und Romantik fast überreiches Leben ist beendigt und gerade in unseren Tagen, die voll von heiklen und gefährlichen Problemen sind, wirkt sein Tod wie ein jähes Ereignis von einer noch nicht abzuschätzenden Tragweite. Pilsudski hat bis in seine letzten Stunden bestimmenden Einfluß auf . die politischen Vorgänge in seinem Staate genommen, in dem er eine fast unumschränkte Autorität besaß. Der alte sozialistische Revolutionär ist durch den Krieg bis zum Diktator eines neuen Staatswesens emporgeftthrt worden, das er zum Range einer Großmacht zu entwickeln bestrebt war. Nun tritt er ab und die nächste Zukunft liegt im Ungewissen. Innenwie außenpolitisch. Aus dem Sozialismus ißt er hervorgegangen, ’ aus einem osteuropäisch gefärbten Sozialismus, der vor allem das nationalpolnische Gepräge trug und im Beginn weniger für die soziale Entwicklung des Proletariats wirken konnte, als vielmehr alle Kraft an den Kampf gegen den Zarismus, für die Befreiung und Unabhängigkeit der polnischen Nation setzen mußte. Es war ein zwangsläufiges Geschick, das diese Kämpfernatur in den konsequenten nationalistischen Militarismus drängte. Es wird ihm nachgesagt, daß er die polnische Idee auch nach der Errichtung des freien Staates noch nicht für vollendet hielt und daß er an ein Polen von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer dachte. Vielleicht liegt darin die Erklärung für die Linie, die die Politik Polens in den letzten zwei Jahren verfolgte und die das Erstaunen der glanzen Welt wach rief. Er wollte wohl nach Westen gedeckt sein, um nach dem Osten di© Hände freizubehalten. Der Tod hat in dieses Konzept eingegriffen und in Berlin wie in Moskau guten Grund für nachdenkliche Betrachtungen geschaffen. Pilsudski hat seinem Staat die Beachtung im europäischen Konzert gesichert. Innenpolitisch ist durch den gewaltsamen Sturz der Regierung Witos, durch das schroffe Vorgehen gegen die Opposition und durch die letzthin vollzogene Verfassungsreform eine Monge von Konfliktsstoff aufgehäuft worden, die möglicherweise infolge des Todes Pilsudskis in der nun kommenden Zeit die Aktivität der Regierung ganz und so sehr in Anspruch nehmen wird, daß sich dies auch außenpolitisch fühlbar machen muß. Für den auch in Polen angestrebten Übergang von der repräsentativen Volksvertretung zum Autoritätsregime fehlt die autoritäre Person und hier beginnt auch das. besondere Interesse, mit dem die jüdische Bevölkerung Polens den jähen Wechsel auf der politischen Bühne beobachten muß. Es ist bekannt, daß sich in Polen schon fast seit dem ersten Tag des neuen Staates ein wirtschaftlicher Abstieg des Judentums bis fast zur völligen Verarmung vollzogen hat. Dieser Prozeß, der sich zum Teile aus der Weltkrise, zum übergroßen Teile aber aus einer systematisch betriebenen Ausßchaltungsteiidenz herleitet, ist in ununterbrochener Ausdehnung begriffen und hat aus den Vorgängen in Deutschland viele Impulse gewonnen. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß bei den exzessiven Vorstößen dieser Bestrebungen deutsches Geld und deutsche Organisatoren beteiligt waren. Aber daneben besteht ein gesellschaftlicher tiefgreifender Judenhaß, der sich auf allen Gebieten des staatlichen und wirtschaftlichen Lebens geltend macht. Ein großer, aktiver Teil des jüdischen Volkes steht vor dem vollständigen Ruin und er soll auch politisch ausgeschaltet werden. Der von Sejm und Senat eben jetzt verabschiedete Entwurf des neuen Wahlsystems richtet sich offen gegen die Minderheiten und trifft mit besonderer Schärfe die Juden. Die Mitglieder des Parlaments werden durch Handelskammern, Berufsvereinigungen, landwirtschaftliche Organisationen1 und organisierte Mitglieder der Gemeinde gewählt werden. Wahlmänner-Komitees, in denen die Regierung vertreten sein wird, werden die Kandidaten nominieren. Statt wie jetzt 444 soll es in Zukunft nur 200 Parlamentsmitglieder geben. Wohl werden kompakt zu* sammenwohnende Minderheiten wie Ukrainer und Weißrussen im Parlament vertreten sein, aber es scheint festzustehen, daß die dreieinhalb Millionen Juden, die terri-. torial zerstreut leben, ohne Vertretung im Parlament bleiben, somit ohne die geringste i Möglichkeit, sich zu wehren. Diese nationalistischen Strömungen haben sich wiederholt auf Pilsudski berufen. Ob mit Recht oder Unrecht, ist im Augenblick irrelevant. Pilsudski selbst ist an der Judenfrage völlig desinteressiert gewesen. Sicher ist, daß das Judentum Polens von Gefahren bedroht ist und daß es mit Sorgen in die Zukunft sehen muß. Lader ist es auch politisch und sozial zersplmert, so daß es dem diesmal vom Westen herandrängenden aktiven Haß wenig innere Kraft entgegenstellen kann. Der Palästina-Pavillon in Brüssel Die Eröffnung findet Im Juni statt. Die antijiidische Weltliga in Nürnberg Nürnberg, 12. Mai. (2. T. A.) Wie der „Fränkische Kurier“ in Nürnberg meldet, fanden die von Streicher angekündigten Massenversammlungen der antijüdischen Weltliga mit dem Thema: „Wer ist der W e 11 f e i n d in Wirklichkeit?“ unter sehr großer Beteiligung statt. Nack dem Bericht des Blattes begrüßt© Oberbürgermeister Jakob-Fürth namens der antijüdischen Weltliga die Erschienenem Danach sprach Gauleiter Julius Streicher. Er wies auf die Bedeutung der Rassenfrage hin und sagte u. a.: „Wer das Wirken des jüdischen Volkes in der Weltgeschichte kennengelernt bat, der weiß, was in der Gegenwart geschieht, der weiß, warum das deutsche Volk auch in der Gegenwart gehaßt wird und vernichtet werden soll. Ein Volk, das das Geld zum Gottei und kein Vaterland hat, wird ewig heimatlos bleiben. In der Welt gibt es ungefähr 20 bis 25 Millionen Juden... Gerade! die arischen Völker beherbergen sie zu großen Massen. Überall liegt der Jude als Staat im Staate. Aufgeteilt unter alle anderen Völker, sind die Juden doch ein Volk. Das jüdische Volk ist das einzige auf dieser Elegant and doch billig durch Abholung und Zustellung kostenlos R 20-3-34 “ÄKS! EhdMi und wtnreltc den ScheKel!

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