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Die Stimme · 1935-05-07 · Heft 447 (7.5.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 447 (7.5.1935)
Date
1935-05-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 447 - 7. Mal D1C STIMME Safte 5 .dankte ihm ergriffen -wiederholt duroh stür¬ Btriert, als du« Echo dos „Judenstaats“: „Es heulten die ewig Gestrigen vor Wut über diesen utopistischen Juden, der sie im Ye r da.ii u tigssehlaf störte. Und es begrüßten ihn die ewig Morgigen, deren volles Judentum die Hoffnung auf künftige Gestaltung und Erlösung ist.“ Herzl selbst wird der besessene Arbeiter. Aus dem kultivierten Ästheten wird ein hemmungsloser Gläubiger. Es beginnt sein Opfergang für das jüdische Volk. Mit 40 Jahren «ohrclbt Herd, daß ihn die zionistische Bewegung alt., müde und arni gemacht habe, und bald darauf schreibt er: „Die Welt ist nn i r nicht, mehr V o r s t e 11 u n g, « o n d e r n W ,i 11 e.“ Kastein geißelt die damaligen Widersacher Theodor Herds, d i e n och h e u t e leben, „diese geschäftigen kleinen Verräter, die um ihrer eigenen Sicherheit und Beharrlichkeit willen, den, der für sein eigenen Volk sich Ciiiiisetzt, hei der Umwelt als Vaterlandslosen denunzieren“. II c rzl antwortete mit der Gründung der „We 11“. Das sei eine Tat gewesen, die wiederholt werde ii m ii s s e. „Wir haben keine würdige Tribüne mehr für unsere Probleme, nur mehr ein Podium, wo die Intrigen der kleinen Geister sich in der Tragikomödie darstellen. Diesen kleinen Geistern zum Trotz hat Theodor Herzl den I. Kongreß geschaffen, auf dem er noch weinen konnte vor Erregung und auf dem man noch nicht wütete aus gekränkter Selbsthilfe und Dogmentreue.“ Kastein „schilderte nun die seelischen Quäle n T h c o d o r Her z 1 s durch die Entwicklung des U g a n d a p r o j e k t c s. Er wollte auf Kischonew eine Antwort geben und sah im Ugandaprojekt eine Zwischenlösung. Er hatte keine Macht hinter «doli, insbesondere nicht das jüdische Kapital, auf das er rechnete. „Jüdisches Kapital gab 09 für alle Dinge in der Welt, nur nicht für das jüdische Werk. Es gab jüdisches Kapital für Petroleum und Kriegsanleihen, aber nicht für Zion.“ Dramatisch schilderte nun Kastein die Entwicklung des VI. Kongresses und die eingetretene Spaltung-, von der Theodor Herzl sagte, sie gehen mitten durch die Brust .dos Führers. Herzl brach zusammen. Aber der Kreis sei geschlossen, so in sich gerecht und gültig, daß der Anfang und das Ende isioh ohne Lücko zusumra e ns oh 1 i eße n. Ivaetein schloß mit folgenden Worten: „Es ist so, als ob der Segen, den man beim Nahen eine« Menschen sagt, daß dieser Gruß des Baruch ha’ba in den anderen Segen ei«mündet, den man bei der Nachricht vom Tode eines Menschen spricht: baruch dajan bahnet, gesegnet sei der Richter der Wahrheit. Und wir? Wir Übriggeb lieben en V Sehen wir überhaupt noch einen Wog, der uns zum jüdischen Erlebnis führt? Sind wir nicht klein und ängstlich geworden? Und wio kann ein Erlebnis groß sein, wenn die Menschen klein sind? Wir sind gewohnt, Almosen zu geben. Aber uns selber mögen wir nicht mehr geben. Und doch sollten wir nicht vergessen: der sparsame Mensch ist arm. Nur dor Verschwender ist reich. Wer mur die kleine Liebe gilbt, bekommt. Dior die kleine Antwort. Nur wer die große Liebe hhigiilbt — und zerbräche er selbst iu dieser Hingabe — wird beschenkt durch das, was einmalig und Gnade ist: durch das Erlebnis. Und nur vom Erlebnis, nur vom a u f g e r i « s e n e n II e r z e n h e r g ii b t es ei n e n Z u g a n g e u m H e i 11 g t u in unseres Volke e.“ * Der hier nur skizzierte Vortrag löste bei dor Zoschaimrmenge eine gewaltige Wirkung ans. Wir haben es ln Kasteln mit einem Manne zu tun, dor nicht nur ein Gelehrter ist, sondern gerade deswegen, weil er keiner politischen Partei augehört, „sich den klaren Blick gewahrt hat. Wir sind überzeugt;, daß Kasteln dazu berufen ist, einmal das geistige Antlitz dor Galuth und Palästina« entscheidend zu beeinflussen. Da« Publik um, da« «einen Ausführungen mit großer Spannung gelauscht hatte, mischen Beifall. Der Schluß der Feier Nun kamen die von K a p e 11 in e i « t e r F u c h s g e I b geleiteten Chöre nochmal« zmn Wort. Es erklang die Tikwa.li, von Fuchsgelb für mehrstimmigen Chor neu gesetzt. Bemerkenswert war hiebei, daß Fucbsgclbs Tonsatz die hebräischen Worte mit ihrer richtigen Betonung brachte, ohne daß dadurch die Melodie eine Veränderung erfüll ren hätte. Damit, endete die Ilerzlfeier, d i e s c h ö n „s t, o, g r ö ß t c u n d i m p o 6 a nt e «t. e H e r z 1 f e i c r, d i e e s j e in a 1 s in der zionistischen Bewegung 1 n W i en g e g e b e n h a t. Die A i 1 g cm einen Z i o n i s t e n können auf diese Feier, bei der viele hunderte Nichtziouisten teil nahmen, wahrhaft stolz sein. Durch diese Inr Rahmen chice Gencralappelle fand gestern vormittags im Zirkus-Renz-Gebäude eine große Kundgebung des „B u n d j ü d ischer Fr on te o 1 dat eil Ö s t e rr e i c h s“ statt, die mit einer Übergabe von Wimpeln an die Bezirks Ortsgruppen verbunden war. Ungefähr 4000 Personen hatten «ick teils in Uniform teils in Zivil au der Kundgebung eh gefunden. Eine Ehre nk o m p a g n ii o dos Bundes mit der Bundetsfa.lmo und die Musik des Vaterländischen Ringes östcrreichieoher Soldaten hatte im Rund des Gebäudes Aufstellung genommen. Zu der Feier hatten sich nebst Vertretern der staatlichen und militärischen Behörden emgcif unden: Der Präsident der Kultußgomeindc Staaterat Dr. Desider Friedm a n n mit Amtßdirektor Reg.-llat F u c h sg e 1 b, Oberrnbbiner Dr. F e u c h t w a n g, Altpräßidcnt, der gewesene Präsident Geiieraloberstailjisarzt Univ.-Prof. Dr. Alois Pie k, Rat der Stadt Wien Dr. Ehrlich, für das Zionistische Landoskoamteo Dr. P i c k h o 1 z, ferner der Präsident der Israelitischen Kultusgemoiiiide Baden bei Wien, Dr. L a e k e nb a c h e r. Zahlreiche Abordnungen der jüdischen Organisationen au« Wien und den Bundesländern, ßow.ie Abordnungen der Bezirkßgruppon Linz, Graz, Innsbruck, Ekenstad t, Gmunden, Baden bei Wien, Krems, Horn, Mödling und Wr.-Neustadt waren erschienen. Nach der Begrüßung durch den Landesf (ihrer Dr. Ernst L am borg brachte Direktor Jakob F e 1 d li a m m o r die Hymne des jüdischen Frontsoldaten Österreich« von Alfred Winze r in wirkungsvoller Weise »uni Vortrag. Hierauf leitete Bimdeßführor Ilauptniann a. D. Siegniund Edler v. Frledmann seine 'Festrede ein mit Worten des Gedenkens an dio toten Kameraden, dio Musik spielte „loh lrntt' einen Kameraden“. Er entwarf sodann da« Programm des Bundes und Ilerzlfeier wurden der zionistischen Bewegung hi Wien zahlreiche neue Anhänger und Freunde gewonnen. Herzl'Feier in Budapest Der Ungarische Zionistische Landesverband veranstaltet am 12. Mai anläßlich des 75. Geburtstages von Theodor Herzl, der in Budapest geboren wurde, eine großzügige IIorzl-Fcior. Die Feier wird an dm- Stelle stattfinden, wo einst das Geburtshaus des großen Mannes stand, an der heute zum Gedenken der Gefallenen des Weltkrieges eine Synagoge steht. Die Festredner sind: Dr. Julius M i k 1 6Präsident des Ungarischen Zionistischen Landesverbandes, J)r. Oskar G r ii n b au in, Präsident des Zionistischen Landesverbandes für Österreich, und Chefredakteur des „Mult es Jövö“, Dr. Josof Patai (hebräisch). betonte seine positive Einstellung ziuu neuen Österreich. Iet das vergossene jüdische Blut, so fragte er, etwa weniger wert, als das der Nicht] uclcn? Es war da« gleiche Herzblut, das den Boden cler Schlachtfelder getränkt hat, und es waren die gleichen Tränen, die jüdische un d n i c h t j ü d i s c h e Mütter um ihre gefallenen Söhne geweint haben. Daher bitten wir nicht um Gleichberechtigung, wir betteln nicht um gleiches Recht: Wir fordern! Wir werden es nie verstehen, daß eine antisemitische Note nur deshalb angeschlagen wird, um einer in der gesamten gesitteten Welt als Barbarei bezeichneten Richtung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Behandlung der Minderheiten und der Juden im besonderen war immer ein Maßstab der Kulturhöhe eines Volkes und gerade Österreich mit seiner vielhundertjährigen Kultur war immer ein Bollwerk gegen Barbarei und Unduldsamkeit. Gegen Angriffe auf unsere jüdische Ehre werden wir uns mit ganzer Kraft wehren und nie Schmähungen oder Diskriminierungen des Judentums zulassen. Wir eine! auch dior Meinung, daß es Sache der Mehrheit der österreichischen Bevölkerung ist, «ich für jene Staats!onn »u ent- «clieideu, dio ihren historischen und politischen Empfinden am besten entspricht. Mit dieser unserer Auffassung ist es aber durchaus vereinbar, unsere Sympathien für dio legitimistische Idee dort zu bekunden, wo die Tradition der alten. österreiehischungiarisdion Armoo und das Ansehen ihres obersten Kriegsherrn gepflegt und liochgohalten wird. Der Bundesf(ihrer forderte dio Bildung einer j ii d Ls c h o n E i n h o i t sfront und wandte sich gegen alle Sondernktion e n. Der Bund wird seinem Programm treu bleiben: vaterländisch zu denken und »u handeln und das ö s t e rr oiohis cUo J u d o n tu m zu einigeu. Obersledluns SSJSZSHSZ ».* Das Heim der Zionistischen Bezirkssektion Favoriten, des Klub Junger Zionisten X und de8 Snif X des Gdud Zirim befindet «ich ab 6.Mni inWien, X.. Laxenhurserstr. 42 (Caffc Alt-Wlen). Zugang Haustor, linker Gang, durch die Kaffeehausktlche. Hierauf eifolgto die Übergabe devs vom Ring österreichischer Soldaten gestifteten Fahiienibaiides, bei der Direktor II a n n i namens dieser Körperschaft an den großen Appell am Jahre 1914 erinnerte, bei welchem alle Völker Österreichs zusammengemfen wurden, um dio Muttererde und Heimat zu verteidigen. „Der wahre Österreicher“, sagte er, „kennt keinen Antisemitismus, er kennt keine Rassen und keine K ln «sein, er kennt nur Treue und Kameradschaft. Wir wollen auch heute, so wie damals, alle ziißammenstehen für dio Freiheit de« ganzen Volkes. Wenn wir alle unsere Pflicht tun, dann kann kein N a z i d e u t s c h 1 a n d uns n i e d e rs c h m etter n! Wir werden die Front der Saboteure niedierkämpfen, wir werden sie dorthin jagen, wohin sie gehört. Wir wollen unser Land »so aufbauen, wie es um «ere Frontsoklateuregierung verkündet hat, wir werden diesen Aufbau durch niemanden stören lassen lind wollen Hand iu Hand da* für arbeiten. Reichen wir uns die Hand, dann ist der Sieg unser! Nach diesen Worten heftete Dr. Ritter von Kaschenreuther daß Fahnenband an die Fahne des Bundes jüdischer Frontsoldaten Österreichs. Der Wehrfübrer des Bundes, Gblt. I. d. Res. Exnßt Stiaßny, dankte für diesen Ausdruck der Kameradschaft und gelobte. Treue. Er übergab den Bezirksgruppenfiihrern die neu gestifteten Wimpeln und nahm das Gelöbnis der Treue aJb. Nachdem vom Jüdischen Gesangsvereluf die „Hatikwah“ gesungen 'worden wair, führte Bundeßkulturrat Dr. Lngmayer in einer großangelegiten Ansprache unter anw derem aus: „Als ee sich um die Neuordnung inl Staate handelte, war es klar, daß auch daiä Judentum in diesem Rahmen zum Ausdruck! kommen muß. Wir haben im Judentum da3. Beißpiel vor uns, daß der Geis t, die Rasse,- die aber nicht im anthropologischen Sinne? gemeint 'ist, fortlebt. Auch das deutsche! Volk, das in ßo vielen Staaten verteilt ist,; kennt die Schwierigkeiten des Lebeniß als M i n d e r h e i t am eigenen Leib. Die Juden sind <im einer besonders schwierigen Nachhilfe in Latein und Griechisch erteilt jüdischer Hoohschüler mit langjähriger Unterrichtspraxis. Anträge unter „Über die Ferien“ an die Administr. Lage! Tatsache ist, daß daß jüdische Volk,- in jedem Staate eine Minderheit, infolge «einer besondere starken Famitienibaude eind .gewisse Interna bionalitlLt hat, und daß d i e « c B e z i e li u ng en völlig aus* genützt werden zugunsten des Heim a 11 a n d o s. Ich sehe die Zukunft in .der Ergänzung des Volkskörpere in allen Berufen. Es handelt sich nicht um Sperrung von Berufen, sondern um dio freiwillige U m g ruppieru n g, um »u einem geordneten Zusaimnenleben zu gelangen. Das «Lud die Leitsterne, die uns leiten, und dio unter allen Umständ cu zu einer Verß tändigung f ü h r o u werde n. Die Form muß gefunden werden, sich als Mensch au Mensch gegenüber«tehen »u können. Dor Sekretär der Kammer für Arbeiter und Angestellte Dr. M a t e j k o behandelte die Grundwahrheit, daß der Mensch einer einheitlichen Familie angehört. Er ßchloß ßeiiiu Rede mit den Worten: „Über alle Fehler und Mißbräuche hinweg, wollen wir in ehrlicher Zusammenarbeit einer Gemeinschaft zustreben: ,Der Schieksalsgeniein- «chaft der Österreicher1, die der Welt ein Vorbild «ein wird, wie inan Klassen- und Rassenhaß sehr leicht überwindet.“ FMLt. W o i h « - T i h a n y, Edler von JteülCf'P T’OV'&Cit&toS G^tLgrobamjmmcm^ faset Mtd vec&ceiiei die „StüMne" Sduje^derjüelieiM^irö^JEirjzelaxcr^ X., Keplerplatz 1 ___ BANQUE DES PAYS DE L’EUROPE CENTRALE ZENTRAL-EUROPÄISCHE LÄNDERBANK AKTIENGESELLSCHAFT. Gesellschaftskapital 100 Millionen Franken. Sitz der Gesellschaft: Paris, Rue de Castiglione No. 12. Kundmachung. Die Herren Aktiontire werden hiemit für Freätaff, den 24. Mai 1025. vormlttnfjs halb cif Uhr, zu der im Saale der Rociöte des Ingenieurs Civils de France in Paris, Rue Blanche No. 19, stattfindenden ordentlichen Generalversammlung einberufen, TAGESORDNUNG: 1. Bericht des Verwaltungsrntes und der Zensoren. Genehmigung der Bilanz des Rechnungsabschlusses für das am 81. Deznnbor 1034 nhaeinufene Geschäftsjahr. 2. Wiederwahl von Verwaltungsrttlen.!!. Erteilung der Ermächtigung an die Verwaltungsräte gemäß Art. 40 Ges. vom 24. Juli 18R7. 4. Wahl der Zensoren für das Geschäftsjahr 1035 und Festsetzung der ihnen zukominenden Entschädigung. Paris, am 1. Mai 1035. (Nachdruck wird nicht honoriert.) Der Verwaltungsrat. Generalappell des Bundes Jüdischer Frontsoldaten Zionistische Bezirkssektion, Klub Junger Zionisten X und Snif X d. Gdud Zirim, Rosonsäle, Favoritenstraße 89 Mittwoch, 8. Mal 8 Uhr abends Große Herzl-Feier Dr. Josef Löuenlierz Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde

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