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Die Stimme · 1935-05-07 · Heft 447 (7.5.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 447 (7.5.1935)
Date
1935-05-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. h. b. Preis dieser Nummer 10,!! Leser Favoritens siehe Seite 5!i JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 447 | Wien, 7. Mal 1935 rtedaktion und Administration; Wien, Marc-Aurel-Straße a. Tel.: U 22-3-91 .ledaktfonsschiuB Montag und Mittwoch vorm. i DER WEG HACH EREZ ISRAEL führt übei die PALÄSTINA-EILLINIE des LLOYD TRIESTINO T RIE S T—J AFF A—H A IF A nur S 350*—- in der ausgezeichneten Touristenklasse in zwei* oder vier bettigen Außenkabinen mit reichlicher u. schmackhafter Verpflegung (vier Mahlzeiten täglich) Die großen Luxusschiffe .GALILEA', .GERUSALEMME*, .PALESTINA* (je 12.500 Tonnen Deplacement) Verkehren sechsmal monatlich nach Palästina, außerdem dichter Verkehr via Ägypten und via Athen- Istanbul. Gelegenheit zu herrlichen Rundfahrten im Mittelmeer Für Reisegesellschaften Sonderpreise Lloyd TriestinOi Wien, Kärntnerring 6. Tel. U 47-5-60 ■■■■■WBBnaawaBWBWBHHawai (4. IJar 5695) | 8. Jahrgang ■HHUummmmmmmmi Keine Einwanderungszertifikate für Touristen mehr Jerusalem, 5. Mai. (Z. T. A.) Die Einwanderungabteilung der Jewisli Agency hat folgende Mitteilung veröifentlieht: ■ Die Abteilung hat bisher stets eine kleine Zahl von Zertifikaten der Arbeiterschedule zurückbehalten, um Besuchern des Landes, die später eine Erwerbsmöglichkeit gefunden hatten und ihren dauernden Wohnsitz in Palästina aufsohlagen wollten, das Verbleiben als Siedler zu ermöglichen. Die Abteilung hat in solchen Fällen nur sehr selten und nach sorgfältiger Prüfung, der wirtschaftlichen Verhältnisse des Einwanderungskandiidaten und seiner Familienverpflichtungen Zertifikate ausgegeben. Im vergangenen Monat wurde der Abteilung von der' Regierung mitgeteilt, daß diese in Zukunft die Zuteilung von Zertifikaten an Touristen dieser Kategorie nicht mehr bewilligen werde; Die Regierung ist der Ansicht, daß dieser v">rgang unfair ist gegenüber den im Ausland geduldig auf Zertifikate wartenden Bewerbern. Die mit der Regierung geführten Verhandlungen haben zu einer Änderung ihrer Haltung nicht geführt. Die Frage der Legalisierung des dauernden Aufenthaltes von Touristen, die schon lange im Lande $ind, wird weiter von der Exekutive der Jewish Agency geprüft und bildet den Gegenstand gesonderter Verhandlungen zwischen ihr und der Regierung. Die interessierten Personen sollten sich jedoch bewußt sein, daß die Agency nicht in der Lage ist, ihnen durch Zuteilung von Zertifikaten zu helfen. Über 7000 jüdische Palästina- Einwanderer im März Jerusalem, 2. Mai. (Z. T. A.) Wie das Einwanderungsamt der Palästina- Regierung mitteilt, sind im Monat März 1935 6800 Juden in Palästina eimgewandert; außerdem wurde im März die Einwanderung von 277 Touristen, die sich nachträglich entschlossen, dauernd im Lande zu verbleiben, legalisiert. SJomit beträgt die offizielle Einwanderungsziffer für März 7077 Personen. Dies sei die höchste monatliche Einwanderungsziffer bisher. Im ersten Jahresviertel 1935 — so wird weiter mitgeteilt — sind 16.836 Juden in Palästina eingewandert. 22.639 Wahlberechtigte in Jerusalem, 2. Mai. (Z. T. A.) Die soeben aufgelegten Wahllisten für Tel-Aviv enthalten 22.639 Namen von Wahlberechtigten. Viele Tausende neu Eingewanderte haben noch nicht das Wahlrecht. In Tel-Aviv wird jetzt viel darüber diskutiert, welche Minimalrechte, u. a. auch Wahlrechte, diesen Tausenden von Einwohnern Tel-Avivs zuzuerkennen seien. Fleischhauer und Stürmer Wenn die Mächte, die Deutschland gegenstreich seiner bewaffneten Scharen an irgend überstehon, das drastischeste Mittel der Ver teidigung suchten, dann müßten sie zu der Waffe greifen, die ihnen der Führer und Reichskanzler selbst liefert. Sie müßten seine Reden vom 1. Mai 1933 und vom. 1. Mai 1935 Satz für Satz einander gegenübergestellt in der ganzen Welt und in allen Sprachen plakatieren; die von Gift und Galle strotzende Drohrede wider alle, und dieses letzte jammervolle Eingeständnis: kein Geld, einer Stelle immer möglich. Wenn es dazu kommen sollte, dann wäre es das Ende... Kein Geld, kein Kredit, keine Rohstoffe, keine Devisen — nur das Volk — hat Hitler gesagt. Man muß hinzufügen „... und die Juden!“ Denn das ist das Erste, das Einzige und das Ganze, was das Hitler-Programm erfüllt hat, die Diffamierung und Ausräubung der Juden. Hier wird ganze Arbeit geleistet, mit dem Erfolg, daß jüdische Exikeine Rohstoffe, keine Devisen, keinen Kregtenzen sonder Zahl vernichtet wurden, dit ... Nach zwei Jahren unumschränktester Herrschaft über Menschen, Material, Arbeit ohne daß sich für das deutsche Volk irgend ein Gewinn daraus ergeben hätte. Der und Besitz, nach zwei Jahren einer Macht-1 Nationalsozialismus und vor ihm die unterausübung, wie sie sonst nur vom asiatischen j schiedlichen Arier, Völkische, Germanen Steppenfürsten erzählt wird, die das Volk un(j Bodeständige, hatten behauptet, daß umd sein Geschick als willenloses Eigentum Judentum in der Politik, in der Presse, behandeln. Die braune. Schlammflut hat alles jn ^er g.unst, in den freien Berufen, im erstickt, was es im deutschen Voliv an posi- Handel und der Wirtschaft eine übermäßige tiven Werten gegeben hat-.. Die Herren, in p^ition besitze, daß die Juden den braven, deren Faust es gefangen und gefesselt liegt, gar s0 tüchtigen Ariern das Brot wegessen führen ein Herrenloben; sie sind reich, bej und darum verjagt werden müssen. „Die sitzen ihre Schlösser und Güter, Autos, Se- Juden sind Deutschlands Unglück.“ — Das paratzüge und — Privatkinos. Das Volle,'steht auf Tafeln und Plakaten, die Juden das ihnen front, hungert und wartet mit hetzen zum Krieg und.winseln um Frieden, banger Angst von einem Tag zum anderen j die Juden schädigen die Wirtschaft. Nun a.uf neue Qualen und neue Offenbarungen | sind, die Juden nicht zurückgedrängt, sonnationalsozialistischer Regierungskunst. Die dern vernichtet, der schrecklichsten physiöffentliehen Kassen stehen leer; was das Volk ' schen und seelischen Not überliefert, *sie erarbeitet, wird in Waffen umgewandelt,1 sind nicht mehr in der Politik, in der die nur der Zerstörung zu dienen bestimmt. Presse, in der Kunst, in den freien Berufen, sind, nur Angst und Grauen hervorrufen' im Handel und der Wirtschaft, ihre Positiokönnen und sollen. Unablässig ist die Knute nen sind von den braven Ariern besetzt — in Bewegung, Galgen und Beil in steter Bei aber was ist eingetreten? Hitler sagt es in reitschaft. Heines Wort vom Nationalzucht- \ seiner Mai-Rede. Die Totalität des Chaos ist haus und der gemeinsamen Peitsche ist erreicht und ihr Geist hat sich eben jetzt in schrecklich in Erfüllung gegangen. Die stolze dom Berner Prozeß in dem erstaunlichen deutsche Kultur besteht nicht mehr; die Gutachten des Weltantisemiten-Fleischhaners Theater, die Filme sind ein Greuel gewor-1 — der Name konnte gar nicht besser geden, die Hochschulen nur mehr Trainingsj wählt werden — manifestiert. Die Heiierstätten für den Krieg, die Presse stirbt in, keit, mit der der sonst so ernste Schweizer sich, alles, auch das Wort und sogar da<s i Rio-hiter und die Zuhörerschaft diesen Dar- ~ . legungen folgten, gilt nicht dem Manne, der sie in kindischer, dabei aber überheblicher Form vortrug, sondern dem von diesem Fleischhauer repräsentierten System, das alles, was an Rechtlichkeit, an Anständigkeit, an Ehre und Treue erinnert, als jüdisch diffamiert. Der Kampf gegen die Juden hat aus Lügen begonnen, er. muß zwangsläufig mit Lügen und Fälschungen fortgesetzt werden, mit Marter von jüdischen Gefangenen, mit Ausbürgerungen, Vermögenseinziehungen, mit Menschenraub, mit Aussonderung von jüdischen Kindern. Den Fleischhauern und Stürmern ist die jüdische Minderheit ausgeliefert. Ee gibt auch außerhalb Deutschlands, auch in Österreich Kreise, die den Nationalsozialismus ablehuen, aber sein Judenrezept akzeptieren. Sie beziehen ihr Gedankengut aus der deutschen Küche. Auch in Österreich wird behauptet, daß die Judon, die hier schon zu Zeiten der Kelten und Römer lebten, nicht bodenständig sind und daß sie den Ariern im Wege stehen. Draußen sagt man, daß der Staat ein Staat des deutschen Volkes sei. Wie weit man mit dieser These Denken ist in die Uniform gepreßt. Es ist ein Zustand, den nur ein Mann in eine knappe Formel zusammenfassend darstellen kann: Hitler in seiner Mai-Rede. Sie wird ergänzt durch die vom Danziger Nationalsozialismus verfügte Abwertung des Geldes, die die Gehalte und Pensionen und Preise zur Hälfte zerstört und die wahrscheinlich schon in kurzer Frist im Dritten Reich nachgeahmt werden wird. Das deutsche Volk ist in eine Katastrophe hineingeführt worden, aus der es sich iu Jahrhunderten erst wird erholen können, wenn es einmal die Entschlußkraft aufbringt, sich von den Vampyren zu befreien. Wie die Dinge stehen, ist die einzige Möglichkeit hiefür ein Krieg und das erklärt es, weshalb sogar in den Massen der Arbeitenden und der Arbeitslosen eine gewisse Begeisterung für den Krieg besteht. Wenn diese Millionen Gewehre in die Hand bekommen, dann wird die Stunde der Abrechnung geschlagen haben. Uud das ist der Grund, weshalb Hitler und die um ihn immer wieder ihre Fredensbereitsehaft betonen. Hitler wird und kann von sich aus keinen Krieg führen. Allerdings ist ein Wahnsinnskommt — siehe Hitlers Mai-Rede. Hier spricht man bei jeder Gelegenheit von dem christlichen Staat und reibt den Juden den Prozentsatz unter die Nase. Ein Staat i-fc weder national, noch konfessionell betont; er ist der Staat, die technische Zusammen; fassung der Einwohner. Wenn er von ihnen für die Zwecke der Gesamtheit Steuern, Abgaben und Zölle verlangt und einhebt, so muß er ihnen ohne nationale oder konfessionelle Einschränkungen das volle Recht auf Arbeit, Leben und Fortkommen bewilligen. Er darf keine innere Fehde gegen irgend eine Minderheit dulden und Österreich, da« vor der Weit als Minderheit gegen die pan-! germanischen Tendenzen Schutz sucht, darf dies am allerwenigsten, denn es würde damit seine berechtigten Forderungen selbst negieren. Wenn Österreich die Geistigkeit der Fleischhauer und Stürmer akzeptiert, wenn weiter jüdische Ärzte entlassen, jüdische Gewerbetreibende eliminiert, „arische Sommerfrischen“ offiziell durch die Frenidenverkehrsstellen gefördert werden, wenn, weiter antisemitische Zeitungen geduldet werden — und es soll angeblich demnächst wieder ein antisemitisches Abendblatt1 zu* gelassen werden, was bei dem geltenden Preßgesetz im Ausland einige Sensation erregen würde. Dies wurde auch zusammen mit übrigen zur Genüge bekannten Erscheinungen im öffentlichen Leben Österreichs den im Ausland schon bestehenden peinlichen Eindruck verstärken, daß die Gleichschaltung in Österreich sich durchsetzt und daß die nordische List stärker ist als die Verfassung und alle Erklärungen der Regierung. Die jüdische Öffentlichkeit hat bisher dem österreichischen Staat sehr große Hilfe geleistet. Sie hat — nicht allein, aber auf ihren Posten — an der Aufklärung der Welt über die Gefahren des braunen Alldeutschtums mitgewirkt. Sie bleibt auf der Wacht gegen die Fleischhauer und Stürmer.. Revisionisten offiziell aus dem A» C. ausgetreten Die revisionistische Exekutive teilte der zionistischen Exekutive mit: Wir haben die Ehre Ihnen mitzuteilen, daß in Übereinstimmung mit dem Beschluß des Exekutiv-j komitees der Weltunion der Zionisten-Fevisionisten, die Z. 0. zu verlassen,. folgende Vertreter der revisionistischen Fraktion im Zionistischen Aktionskomitee ihre Mandate niederlegen: Ing. S. J a c o b y, Dr. J. S c h e c h t m a n, Dr. J. Hoffman, Dr. L a z a r o w i t s c h, Ad. Movshv i t c h, Dr. W a s c h i z und B. A r d i t i; ferner die Ersatzmitglieder A. Ben- Chor i n, Ch. B e 1 i 1 o w s k i, Dr. J.; D a m m, Dr. D. W d o m i n s k i, A. P r op e s, Ing. Scheskin, Sternberg und Dr. Oskar R a b i n o w i c z. 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