Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 439 (2.4.1935)
- Date
- 1935-04-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE STIMME Sefte 3 Nr. 439 — 2. April 1935 Herz! über Zionismus iismus Es ist vielleicht nicht unangcbnicht, eine Äußerung Ilerzls über .Sozialismus zu zitieren. Sie fitulet Hielt in der Rede, die Herz! itn dünner 1899 auf dem Kommers der Wiener zionin listdien S| udentmiselial'l zu Ehren Nonla.us gehalten hat. Herzl sagte unter anderem: „Ich bin nicht der Ansicht, daß sich der Zionismus so ganz über den Leisten des Sozialismus schlagen lasse. Aber ich glaube, daß der Zionismus ein Gehäuse ist. das alle P n r t e i r n tim s c h 1 i e ß c n k a n n. Das war die Größe unserer bisherigen Bewegung, das ist der Erfolg unserer Baseler Kongresse. Wir haben uns a u f d e n tödtei* Sfc lkce> yeUtitoCU' bic $f)iten Spiegel bereitet, eüua ber 9ia djl'oriit ober einer ^remtbin cut^ ücrtrauert, bafj fie fiel) pintcr Qfyrcm hülfen fu.[tig niadgn? Üleiuif) nicht! ißtetut S'ljr fcfyöneg £>aar einen Süd) in§ türmte klemmt, berhienkit Zk „tönt nt pal", ba§ beit $a-arnvur.jcln bie tverbranri)ten jyarbjtcfic yifitfjrt. -Bie ergrünten ."paare erlangen ityre itrjprüng(icT;c ^-arbe luiebev. (Sitte Ctiginalflafd): S 8.80, mit ^aftjnjenbnng 8 9.80. 2I.p o t () e f c ißaper, 5E:en, I., SBoli.jeitc 13. allen größeren ißarfüntcriett, itpot^efen uub Srcgericn crfjältlid). Qn breitesten Boden der Abstraktion gestellt; für alle, die sich uns anschließen wollen, die Strenggläubigen und die Freigeister, die Reichen und die Armen, ist hei uns Platz. Dabei soll es immer bleiben. Wir haben in dem jetzigen Zustande unserer Bewegung nichts an d er e s zu tun, als daß wir einen möglichst breiten und ebenen Boden schallen, auf dem sie alle zu uns kommen können. Freita.' den 29. März, traf Dr. Josef K a s t e i n, van Graz kommend, wo er tags zuvor vor einem mohrhundertköpfigen Auditorium einen Vortrag hielt, in Wien ein. Er wurde am Stidba.hnbof von einem Vertreter des Zionistischen Landedvomitees im Namen des krankhoitshaliber verhinderten Präsidenten Dr. Oskar G r ii n b a u m herzlich begrüßt mit in sein Hotel geleitet. Samstag, den 30. März, hielt Dr. Iva stein im Mittleren Konzerthauesaal seinen mit größter Spannung erwarteten Vortrag über „Ahasver oder die Ü b e rw i n d u n g eine « M y t h o <sli. Das jüdische Wien nahm mit freudiger Genugtuung wieder die Anwesenheit des großen jüdischen Historikers Dr. Josef Kaste in. znr Kenntniß Dies kam auch am Samstag anläßlich ßeincis Vortrages zum Ausdruck. Der Vortrag des berühmten SchrifUstellers ging unter allen AnZeichen eines besonders kulturellen und gesellschaftlichen Plreignisßeß vor sieh. Es haf ten sich die Repräsentanten des jüdischen Wien eingefe.n len, und ein den Konzert saal bis auf den letzten Platz füllendes auserlesenes Publikum lauschte den Ausführungen Dr. Kasteln« mit gespanntester Aufmerksamkeit. Vor dem Vortrag Kastei,ns hielt der Präsident des Z-ioniist.i6ch.en Landesverbandes für Österreich, Herr Dr. Oskar G r ii n b a u m, eine Ansprache, die der Zehnj a h r f e i e r der Hebräischen Universität Jerusalem gewidmet war. Dr. Grünbaum führte unter anderem folgendes aus: Montag, am 1. April feiert die hebräische Universität am Skopusberg in Jerusalem die 'Feier ihres zehnjährigen Bestandes. Ihr Grundstein wurde im Weltkrieg durch Chaim Weizuuum am 21. Juli 1918 gelegt. Damals donnerten noch die Kanonen und die Völker zerfleischten sich, Das jüdische Volk aber, das knapp vorher, am 2. November 1917, durch die Balfour-Deklaration das Recht auf die Wiederrichtung seiner nationalen Heimstätte in Palästina erlangt hatte, ergriff von seinem Land Besitz, indem es den Grundstein zur hebräischen Universität legte. Wir sind das Volk das Geistes und des Buches. Deswegen stand am Beginn der Landnahme nicht das Maschinengewehr, sondern die hebräische Universität. Das jüdische Volk hat schon im Mittelalter. zweimal den Versuch unternommen, eine jüdische Universität zu gründen. Im Jahre 1466 stimmte Johann II., König von Aragon und Sizilien, dem Wunsch der sizilianischeti jüdischen Gemeinden zu, i n S izilien eine hebräische Universität zu gründen, die den damals bestehenden Universitäten in jeder Weise ähneln sollte. Der Plan scheiterte am Widerstand der katholischen Geistlichen. Im Jahre 1564 regte Rabbi David Provinzilia in M a n t u a. die Gründung einer hebräischen Universität an. Es sollte dort jüdischer und allgemeiner Unterricht, „heiliger“ und „profaner“, zusammen erteilt werden. Auch dieses Projekt wurde nicht ausgcfiihrt. Im Jahre 1882 befürwortete Professor Zwi Schapira, der Gründer des Keren Kajemeth, die Schaltung einer hebräischen Universität. Vor dem ersten Zionistenkongreß im Jahre 1897 tat dasselbe Rüben Braiuin. Seit 1902 propagierten Weizrnaim, Buber und Feiwel diese Idee. Aber erst am 24. Juli 1918 kann Weizmann den Grundstein legen, und erst am 1. April 1925 fand die Eröffnung der Universität am Skopusberg in Jerusalem statt. Sie erhielt ihr. besonderes Gepräge durch die Anwesenheit Lord Balfours, des Schöpfers der Balfour- Deklaration. Dr. Grünbaum erinnerte an die bedeutungsvollen Worte in der Ansprache dieses großen Nichtjuden. Auf dem Skopu»berg erhebt sich das mäehUg” Gebäude der jüdischen National- und Universitätsbibliothek, die JOb.OUO Bände enthält. Als während der letzten zwei Jahre so viele jüdische Familien Deutschland verlassen mußten, boten sie der Universität ihre Bibliothek an. Im Jahre 1934 allein wurden 15.000 Bände aus Deutschland nach Palästina geschickt. Im folgenden zeichnete Dr. Grünbaum ein lebendiges Bild über die Entwicklung^ und die Erfolge der Universität im ersten Jahrzehnt ihres Bestandes. Zur Zeit der Eröffnung hatte die Universität nur das Judaistische Institut mit nur drei Lehrkanzeln. Heute umfaßt es die folgenden Lehrstühle: Talmud, Neuhebräische Literatur, jüdische Geschichte, Palästinaforschung, jüdische Philosophie, hebräische sehr umfangreichen Herbariums der Universität ist eine hebräische Flora Palästinas erschienen (eine englische Übersetzung ist in Vorbereitung), welche den Bestand der Blutenpflanzen und ihre Verteilung auf den palästinensischen Raum fast erschöpfend behandelt. In der Zoologie steht die Arbeit so ziemlich noch im Anfangsstadium. Besondere Aufmerksamkeit wurde der bereits in der Bibel erwähnten Wanderheuschrecke (Sehistoeera gregaria) anläßlich ihres letzten Auftretens geschenkt. Die Geologie trägt ebenfalls ihr Scherflein zur Lösung dieser biologischen Probleme bei. Auch die chemische Forschung an der Universität bestrebt eich, den Erfordernissen des Landes zu dienen. Die heule bestehenden, modernsten Fragen der Bodenbildung und Bodenchemie, der künstlichen Dünger (Kalisalze des Toten Meeres, Phosphate), der Eiweischemie, der Enzymreaktionen, der pflanzlichen Atmung, alles Probleme der modernen physikalischen Chemie. Biochemie und Kolloidchemie, stellen die dominierenden Objekte der Tätigkeit auf diesem Gebiete dar. Die zionistische Frauenorganbation in Amerika, „Hadassa“, und das jüdischamerikanische Ärztekomitee haben Vorbereitungen getroffen, um ein Universitätskrankenhaus zu errichten. Die Mandatsregierung hat eine — in ihrer Höhe noch nicht genau festgesetzte — Beteiligung an dem ßaufonds zugesagt. Das Krankenhaus soll den Namen Baron Edmond de Rothschild tragen und in der Nachbarschaft der Universität errichtet wer-Gottes den. Dr. Grünbaum erinnerte an den vom Rektor der Universität, Dr. Magnus, ausgearbeiteten Fünfjahrplan, der eine großzügige, Ausgestaltung der Universität vorsieht. Der Plan sieht u. a. die Organisierung eines W e 11 v e r b a n d e s d e r F r e u u d o der hehr ä, i s c h e n Universität vor. Es sollen 100.000 Mitglieder gesammelt werden, die zusammen 100.000 Pfund an Mifgliedsbeitrügen im Jahr der Universität zur Verfügung stellen. Es braucht, kein Wort darüber verloren zu werden, wie wichtig in unserer Zeit der Ausbau der hebräischen Universität in Jerusalem ist und welche bedeutenden Aspekte sich für die Universität als Geisteszentrum des Nahen Ostens sosowohl in kultureller als auch in politischer Beziehung ergeben. Das jüdische Volk wird allen Anlaß haben, dem Ausbau der hebräischen Universität seine tätige Fürsorge angedeihen zu hissen, und ich möchte wünschen, daß auch hier in Österreich ein Verein der Freunde der hebräischen Universität gebildet wird, wozu der Zionistisch e L a n d e s v e r b a n d für Österreich hiemit die Initiative ergreift. Dr. Grüubaum schloß seine mit großem Beifall aufgenommene Ansprache mit den folgenden Worten: Es war ein Nichtjude, und zwar kein Geringerer als JeanJacquesRousseau, der im Jahre 1762 in seinem „Emile“ das Kommen der hebräischen Universität prophezeit hat. Er schrieb dort davon, daß die Juden in der Zerstreuung nicht die Möglichkeit haben, der Welt ihre eigene Wahrheit zu sagen und fährt fort: „Ich glaube daran, daß die Juden erst dann, wenn sie einmal ein freies Reich, ihre eigenen Schulen und ihre eigenen Universitäten haben, in denen sie ohne Gefahr werden sprechen können, imstande sein werden, zu wissen, was das jüdische Volk uns zu sagen hat.“ Das hat Jean Jacques Rousseau im Jahre 1762 gesagt, und heute, da wir uns freudig des zehnjährigen Bestand?]ubiläums der hebräischen Universität amt dem Skopusberg m Jerusalem erinnern, die fünfzehn jüdische Professoren und Wissenschaftler aus Deutschland aufgenommen hat, möchten wir allen denen, die im Land unserer Väter an der Universität wirken, unseren brüderlichen Gruß senden und es als unsere höchste Pflicht erachten, für das Gedeihen und Wachsen der hebräischen Universität zu wirken und beizutragen. Es soll wieder das Wort Wahrheit werden, daß von Zion die Lehre a u s g e h t und das Wort von Jerusalem. »Ahasver, oder die Überwindung eines Mythos« Der MoAias Kas e’ns Dr. Kastein stellte in seinem Vortrag zunächst fast, daß bei einer Übersicht über die Gestalten, die die Juden geschaffen haben, es im jüdischen Bezirk keinen Ahasver gibt. Gewiß kennt auch die jüdische Legende, wie die Legende aller Völker, Gestalten seiner Geschichte, oder seiner Dichtung, die es so liebt, daß es ihnen ein ewiges Leben verleiht. Sprache, talmudisches Recht, gaonälscho und raibbinische Literatur, spanisch-jüdische Poesie, Bibel und Bibelexegese, jüdische Soziologie, Kabbala. In Verbindung mit dem Institut steht die Archäologische Abteilung, die im Laufe des verflossenen Jahrzehntes sehr schöne Ausgrabungen gemacht hat. Das Judaistische Institut ist nur ein Teil der Geiste« wissenschaftliche n F a k u 11 ä t. Diese umfaßt heute außer den judaistischen Fächern noch das Institut für die Wissenschaft des Orients, das sich insbesondere auch mit arabischer Sprache, Literatur und Geschichte befaßt, sowie mit der Archäologie und Zivilisation des Nahen Ostens: außerdem noch Philosophie, klassische Sprachen, allgemeine Geschichte und einen Teil der romanischen Sprachen. Das Mathematische Institut ist vorläufig der Geisteswissenschaftlichen Fakultät angegliedert worden. Parallel mit der Geisteswissenschaftlichen Fakultät ging die Entwicklung der N a t u rwissenschaftlichen Fakultät. Palästina ist für den Biologen ein besonders begünstigtes Forschungsgebiet. Die B o t a n i k hat ihre erste Aufgabe buch* im großen erfüllt. Auf Grund des Das wissen Eli j ahn Gestalt Propheten auch von Messias. Aber es ist zu beachten, daß wir im Krei? der jüdischen Legenden und Sagen überhaupt kein Wandermotiv besitzen im Sinne der andern Völker, etwa des „Wilden Jägers“ oder „Fliegenden Holländers“ der germanischen Welt oder der Gestalt des Chidher in der islamischen Sagenwelt. Das Fehlen eines Wandermutha im Kreis der jüdischen Legende ist psychologisch bedingt. Zwar sind die jüdischen Stämme in ihren Anfängen Nomaden und folglich war das Umherwandern das Medium ihres Lebens. Aber das Judentum hal seine Wanderzeit und seine Wanderlust im tiefsten Sinne des Wortes erledigt, abgelegt, aus sich weggelegt. Schon die vierzig Jahre Wü'teinvandorung waren nicht mehr ein bloßes Umherstreifen, sondern schicksalsgen Abschluß der Wanderzeit. Hier starb der Nomade. Der Drang nach Seßhaftigkeit, nach der Verwurzlung mit der Scholle ist so tief, daß hier zum erstenmal in der Geschichte der Menschheit der Begriff des „Heiligen Lande s“ entsteht. Und wenn der Jude später aus dein Land vertrieben wurde, so bedeuten die tausend Wege, die er ging, noch immer nicht Wanderung, sondern die Suche nach Lebensraum. Die Galuth war nicht gewollt und die Wege der Galuth waren nicht gy ullt. Das Wandern auf diesen Wegen w.m im tiefsten Grunde verneint, denn immer sind auf all diesen Wegen die Menschen nach Zion und zur Heimkehr gerichtet. Fremd wie die Gestalt und das Motiv ist uns auch der Name Ahasver. Gewiß kennen wir aus der Megillath Ester einen Mann namens Ahaschverosch. Aber der ist kein Jude, sondern ein Perser, und er steht da aus ganz anderen Motiven als denen der Wanderung und Verdammnis, I m Jude nt u m s e 1 b s t gibt es de n N a in e n A h a s v er nicht, weder im Leben noch in der Literatur. Die Quelle der Gestalt und der Vorstellung Ahasvers müsse daher a ußer h alb d o s Jud e nt u m s liegen. N a ch einer h is t o r i s oh -p sy e h o 1 og Lehen Analyse legt Dr. Kastein diese Quellen bloß. Der Kern der Sign vom „Ewigen Juden“ stammt aus der indischen Erzählung von Pindola, dem Schüler, der sieh gegen Buddha aufgelehnt hatte und dafür die schwerste Strafe erfuhr: Un Verweigerung des Nirwana. v hafte Auslese. Sie bedeuten den geisti-[13. Jahrhundert erzählen die E-'st im christlichen