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Die Stimme · 1935-03-29 · Heft 438 (29.3.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 438 (29.3.1935)
Date
1935-03-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 20 g V. b. b. Vortrag Dr. Josef Kasteln Samstag, den 30. März 1935, um 8 Uhr abends, im Mittleren Konzerthaussaal Sichern Sie sich noch heute die restlichen Karten im Zionistischen Landeskomitee, I., Marc-Aurel-Straße Nr. 5, Tel. ü 22-2-11. JÜDISCHE ZEITUNG Ostern in Palästina EINE HERRLICHE SONDERFAHRT mit dem bekannten Riesenmotorschift SATURNIA II ff ff (36.000 Tonnen Deplacement) 8. April ab Neapel, via Palermo, Athen und Rhodos 14. April an Haifa 8t. April ab Haifa, via Santorin und Athen 87. April an Neapel Hin* und Radefahrpreis in zwei- und vierbettigen K.blnen S 588*- 50% Ermäßigung auf den italienischen Bahnen Gelegenheit zu einem Ausflug nach Aegypten ITAUA"-,,"'*"1 WIEN, I., Kärntnerring 6 COSULICH Nr. 438 | Wien, 29- März 1935 | Redaktion und Administration. Wien, i, Mero-Aurel-StraBe e. Tel.: U 22-3-91 .ledaktionsschlufl Montag und Mittwoch yorpi. | (A4. Adar II S695) ) 8. Jahrgang Palästina-Arbeiterorganisation lehnt Londoner Abkommen ab Tel-Aviv, 27. März. In dem unter den Mitgliedern der Histadruth veranstalteten Plebiszit über das Londoner Abkommen zwischen Ben Gurion und Jabotinsky wurden insgesamt 25.440 Stimmen abgegeben; davon lauteten 15.227 Stimmen gegen und 10.187 für das Abkommen. In Tel-Aviv wurden 3983 Stimmen gegen, 3296 Stimmen für die Ratifizierung des Abkommens gezählt; in Haifa wurden 3785 Kontra- und 1555 Pro-Stimmen abgegeben; in den jüdischen Kolonien erzielten die Gegner des Abkommens 1119, die Anhänger 882 Stimmen; nur in Jerusalem konnten die Anhänger des Abkommens eine kleine Mehrheit, 805 gegen 760 Stimmen, erzielen. Die Tageszeitung „Haarez“ veröffentlicht einen Artikel, in dem die Niederlage der gemäßigten Führer der Arbeiterpartei als schweres Unglück für die gesamte zionistische Bewegung bezeichnet wird Auch die Gegner der Arbeiterpartei hätten keinen Grund, sich darüber zu freuen, daß die fortschreitende Radikalisierung der Arbeiterbewegung nunmehr offenkundig werde. * Dieses Ergebnis der Abstimmung war nach allem, was vorher gesagt und geschrieben wurde, vorauszusehen. Trotzdem ist es eine tief zu bedauernde Tatsache. Der fessellose innere Kampf wird zur Freude der antijüdischen Welt wieder sanktioniert. Daß die Autorität Ben Gurions so schwer erschüttert werden konnte, ist wahrscheinlich durch Einflüsse der radikalen Flügelgruppen in der Galuth herbeigeführt worden. Die Verwerfung des Friedensabkommens schafft der eben in Palästina tagenden Konferenz des Aktionskomitees ein schlechtes Relief und wird im gesamten Judentum außerhalb Palästinas als unverständlich mit Bestürzung aufgenommen. Jüdische Siedlung in Syrien Der französische Kommissar für Alexandrette, D u r i e u x, teilte in einer Sitzung der Distriktsverwaltung mit, daß eine jüdische Gesellschaft sich bei der Regierung um eine Konzession auf der Alomex- Ebepe in Syrien zwecks Entsumpfung dieses Gebietes beworben hat. Das Ansuchen der Gesellschaft wurde an maßgebender Stelle wohlwollend geprüft und es sei wahrscheinlich, daß die Konzession an die jüdische Gruppe erteilt werden wird. Noch im September vorigen Jahres hatte der französische Oberkommissar für Syrien, Graf de Märtel, in einem Gespräch mit Senator Justin Godart erklärt, er stimme grundsätzlich der Zulassung von 10.000 j üdischen Einwanderern nach Syrien zu. Ende Oktober wurde von dem Pariser Komitee zur Verteidigung der jüdischen Rechte in Mittel- und Osteuropa dem französischen Außenminister L a v a 1 ein Gesuch um Zulassung jüdischer Einwanderer nach Syrien und Libanon überreicht. Das Gesuch wurde an den Oberkommissar von Syrien zur Begutachtung weitergeleitet, der sich zu dem Plane zu stimmend äußerte. Als Voraussetzung für die Schaffung einer geschlossenen jüdischen Siedlung am Oberlauf desOrontes wurde die Bildung einer Siedlungsorganisation gefordert Deutschlands jüdische Sklaven Was bereitet sich in Deutschland vor? herbeigesehnt haben, aber sie dürfen nicht. Von allen Seiten wird eine neue verschärfte Ich sage es offen heraus: Wer drüben den Hetze gegen die Juden signalisiert, alle Aus- Frieden nicht will, das ist der Jude. Wir halandskorrespondenten berichten über einp ben den Feind erkannt. Wir sagen heute frei Flut von behördlichen und gerichtlichen Maß heraus, daß drüben im Osten, in Räterußnahmen, von neuen Degradierungen der Juland, die Waffen, die geschaffen wurden, den, von Reden, die das bisher Gebotene, nicht geschaffen wurden, .um den Frieden das wahrlich nicht geringfügig war, noch Europas zu machen. Wir glauben, daß der steigern. Es ist zu befürchten, daß in der Jude auf den Tag wartet, wo die Waffen, überhitzten Atmosphäre, die gegenwärtig die dort geschaffen wurden, das deutsche über Deutschland lagert, neue irreparable Volk zu Boden zwingen sollen.“.Zur gleichen Pogromakte gesetzt werden. Um einen Vor- Zeit werden Mitteilungen über ein neues Gewand, die Juden anzuklagen und anzupransetz für die „Nichtarier“ gemacht; die i h n e n gern, ist man ja im Dritten Reich nie eingeräumten Rechte sollen verlegen und wie nach der Saarabstimmung sehr gering sein, dafür werden die Saarjuden des Verrates beschuldigt wursie zu wahren Fronarbeiten verden, so werden sie auch jetzt für die außenhalten werden und sich von Zeit politische Krise verantwortlich gemacht, in zu Zeit in Arbeitslagern aufhaldie Deutschland geraten ist. Das ist unverten müssen, statt des Militärblümt ausgesprochen worden. In Köln hat dienst es, der den Ariern allein der Gauleiter Grohö in einer'Riesenversamm- ^V o r b e b a 11 e n b 1 e i b t. lung erklärt, die Judenfrage werde restlos Das .alles wird unter den Augen der Welt und für immer geklärt werden, und zwar vollzogen, die. aus ihrem Abscheu kein Hehl „in der Form, wie wir sie aus dem ,Stüimacht, aber nichts unternimmt. Der Berner mer‘ kennen“ — und damit niemand noch „Bund“ teilte letzthin im Rahmen einei einen Zweifel hegen solle, erschien dann Serie „Gespräche mit Deutschen“ den Ruf Streicher selbst auf der Tribüne, um selbst einer jüdischen Frau mit: „Warum verkehseine Ansichten vorzutragen: „Wir wissen, ren die Regierungen mit Deutschland?!“ Ihr warum drüben aus Frankreich nicht die Hand Gatte antwortete: „Wenn Al Capone Präsikommt, die den Frieden will. Im französident wäre, so würden sie ihm ihre Aufwar sehen Volk sind Stimmen zu Hunderttausentung machen!“ Wer im Besitze ist, wohnt den und Millionen, die längst den Augenblick im Recht und die Minister Englands, des Jugoslawiens Kultusminister erklärt: Jugoslawien lehnt Antisemitismus ab Beograd, 27. März. (2. T. A.) Der Kultusminister Jugoslawiens, Stevan Ciriö, gab während seiner Anwesenheit in N o v i s a d einer jüdischen Abordnung gegenüber die folgende Erklärung ab: Ich freue mich zu sehen, daß Sie unsere Probleme und unseren Kampf aus der Perspektive der historischen Entwicklung und der Zukunft betrachten. Aus dieser Perspektive kann ich euch als Historiker sagen, daß nach meiner innigsten Überzeugung antisemitische Tendenzen und Leidenschaften, welche die Atmosphäre beunruhigen, ephemer Art und vergänglichsind. Ich glaube, daß dies d i e letzten Wogen einer überlebten Welt sind. Natürlich, es ist uns, die nur Zuschauer sind, leicht, von der Vergänglichkeit des Antisemitismus zu sprechen, es ist aber ein schwacher Trost für euch, weil Ihr es aushalten müßt. Und doch müßt Ihr aushalten und nicht verzweifeln. Wir Jugoslawen haben eine mit uns geborene, tief verwurzelte Tradition, die weder gegen die Juden noch gegen andere Völker Haß kennt. Daß die Juden in Serbien in Freiheit und voller Gleichberechtigung gelebt haben, daß wir, die Mitglieder der Regierung und die maßgebenden politischen Kreise, die manchmal hervortretenden an t i j ü d i 6c h en Tendenzen nicht in Schutz nehmen und für dieselben kein Verständnis haben, dies ist keine zufällige Erscheinung. Es ist dies die Tugend unserer jugoslawischen Auffassung des Nationalismus, der menschlichen Gesellschaft überhaupt, die Instinktiv den unduldsamen Chauvinismus ablehnt. Auch Ihr Juden habt große Tugenden. Eine fällt besonders auf: die Treueund Hingabe an das Vaterland, an den Staat, in dem Ihr lebt. Das kann man von Generation zu Generation bei euch feststellen. Wir Jugoslawen werden treu bleiben der Tradition in der Beziehung zu euch. Bleibt auch Ihr treu eurer Tradition, treu diesem Lande. Auf diesem Wege wird euch in unserem Lande jene Anerkennung zuteil werden, die Ihr auch in anderen Ländern habt. ACHTUNG HAUSBESITZER! Hjuscrverwdltungen, Geldbeschaffungen un<* araturkredite kulantest nur durch das behördlich konzessionierte Realitäten-, Hvoo heken- und Verwaltungibüro R. TAUBMANN Tel. A 1(8-9*28 Sensal Wien, I!., Nordpolstraße 2/3 Staates, der einmal gegen die „macedonian atrocities“ der Türkei einschritt, setzen sich mit den Herren vom Dritten Reich an den Beratungstisch und — holen sich ein Refus nach dem anderen. Es wird mitgeteilt, daß Minister Simon den Reichskanzler über die Ansichten und Stimmungen des englischen Volkes unterrichtete. Vielleicht war dabei auch von den Juden die Rede. Hält man das, was aus Entgegnungen Hitlers über Frankreich und Rußland gemeldet wird, mit dem zusammen, was Streicher in Köln auszusagen wußte, so erkennt man die Grundanschauung Berlins in der Judenfrage und man sieht das, was zur „restlosen“ Lösung geplant wird, in den Umrissen vor sich. Das will besagen, daß die Mächte allen Grund hätten, die Wahrheit bekanntzugeben und die deutschen Juden öffentlich vor dem Kulturgewissen zu entlasten. Aber da es sich um Juden handelt, wird wohl nichts geschehen. In Memel haben sich die Mächte beeilt; dort geht es um deutsche Nationalsozialisten ... Deutschland kämpft — das wird ja immer behauptet — um seine Gleichberechtigung als Staat und Macht. Das Verhalten gegen, die Juden entwertet diesen Kampf, weil einem System, das die Gleichberechtigung gegen eine verschwindend geringe Minderheit nicht gelten lassen will, mit Fug und Recht die Gleichberechtigung und gleiche Geltung abgesprochen werden muß Auch die gerade jetzt ausgebrochene Entrüstung wegen der Memeler Todesurteile kann an dieser Haltung nichts ändern. Denn dieses Ereignis kreuzt sich mit der Verschleppung eines jüdischen Schriftstellers aus der Schweiz nach Deutschland und in der frischesten Erinnerung stehen noch die Mordfälle Bell in Kufstein, Lessing in Marienbad und Formis in Stechowitz. In Memel waren es schließlich Urteile eines Gerichtes nach öffentliche! Verhandlung. In Deutschland leben noch immer an hunderttausend Menschen in den Konzentrationslagern, ohne zu wissen weshalb. In Deutschland, dessen ganze Politik sich auf Beschuldigungen gegen alle Juden aufbaut, ist in keinem einzigen Fall der Versuch gemacht worden, auch nur eine der Anklagen in einem öffentlichen Gerichtsverfahren gegen Juden vorzutragen, geschweige denn sie zu beweisen. Das mit gutem Grund; denn diejenigen, die die Anklagen erheben, wissen es, daß es sich um zusammengelogenes Zeug handelt, das sie selbst zum größten Teil erfunden und gebraut haben. Und genau so wie in Deutschland, so treiben sie es in Österreich, wo das unsinnigste Geschwätz verbreitet wird, um im Volk Haß gegen die Juden anzustiften, so in der Tschechoslowakei, wo vor wenigen Tagen ein junger jüdischer Arzt von einer nationalsozialistischen Lüge in den Tod getrieben worden ist. ln Madrid haben die von deutschen Agenten organisierten „Faszisten“, an deren Spitze der Sohn Primo de Riveras steht, ein jüdisches Geschäft überfallen und geplündert. Es ist überall dasselbe Bild wc der Geist, an dem die Welt genesen wird, sein Wesen zeigen kann. „Nur ruhig verleumden!“ Die seinerzeit von den Wiener Nationalsozialisten ausgegebene Parole wird überall hingetragen und sie wirkt überall so, wie das Grohe und Streicher anstreben. Die Lässigkeit, mit der die europäischen Staaten dieser Vergiftung Vorschub leisten, rächt sich an ihnen selbst. Aber mit dieser

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