Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 434 (15.3.1935)
- Date
- 1935-03-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 434 — IB.Mftra 1985 LICK IN DIE WELT II Um füdaUicccndc Sekte’ Zu verschiedenen Zeiten gab es in den östlichen Ländern judaisierendc Sekten, so zum Beispiel in Rußland die Subotniki. Wie nun „The Jewish Chronicle“ meldet, ist in Polen eine neue Sekte aufgetaucht, die 1500 Mitglieder zählt und sich ,,Neues Jerusalem“ nennt. Die Anhänger dieser Sekte behaupten, daß sie vom Propheten Elia den Auftrag hätten, die Juden, die sie ■wie Brüder lieben, zu befreien. Die Anhänger der Sekte leben in einigen Dörfern und Städtchen der Distrikte Drohoczyn und Sana im östlichen Polen. Die Sektierer waren noch vor fünf Jahren Mitglieder der russischen Kirche. Sie behaupten, daß vor fünf Jahren der Prophet Elia einer Bauernfrau erschienen sei. Er sei als Bauer verkleidet gewesen und habe die Einwohner des Dorfes Zaztryca in der neuen Religion unterrichtet. Elia erscheine noch immer der Bäuerin und nenne sie „Mutter Zions“. Zwölf Apostel ziehen nun in Polen herum, um den neuen Glauben zu verbreiten. Die Apostel behaupten, daß sie für die eigene Befreiung und für die Befreiung der Juden kämpfen. Die Befreiung verstehen sie in einem religiösen und nicht in einem politischen Sinn. Einer der beiden Apostel, die in Warschau arbeiten, namens Nikifar Palto kommt aus dem Städtchen Mot eie, das im Distrikt Drohoczyn liegt, ln diesem Distrikt kam auch Prof. Chaim Weltmann, der vormalige Präsident der Zionistischen Weltorganisation, zur Welt. Nikifar Palto ist aber mit Dr. Weltmann gar nicht zufrieden und meint, der Zionismus sei nicht der Weg, den Juden zu helfen. Die zwei Apostel in Warschau rufen großes Aufsehen hervor. Sie besuchen die Synagogen und versuchen dort Predigten über ihre neue Religion, über Bruderliebe, strikte Heiligung des Sabbat und Vegetarismus zu halten. Sie besuchten auch mehrere Rabbiner und machten sich erbötig, ihnen dabei zu helfen, daß die Juden den Sabbaä mehr beobachten. Sie befolgen genau die Vorschriften der Thora. Darüber hinaus aber übernehmen sie einiges vom Neuen Testament. Ihr Herr und Meister ist aber nicht Jesus, sondern Elia. Ihre primitive Art verschafft ihnen Anhänger in den Dörfern und Städtchen des Ostens. Der Korrespondent von „The Jewish Chronicle“ meint, es sei schade, daß der Prophet Elia so selten nach Polen komme, denn sonst könnte er die polnischen Antisemiten dazu überreden, daß sie Freunde der Juden werden, wie die Anhänger der Sekte „Neues Jerusalem“. Lia Habermann - Markus Zauderer XVI II Verlobte Wien, im März 1935 £üt [iidUcku Antisemit In Argentinien erschien kürzlich in spanischer Sprache ein Buch mit dem Titel „D i e Wiederherstellung Spanien s“. Der Autor M. Es trug verlangt, daß die spanische Regierung die sephardischen Juden, die durch die Jahrhunderte die spanische Sprache bewahrt und die spanische Kultur verbreitet hätten, nach Spanien zurückrufe. Der Autor erklärt, daß die sephardischen Juden sozusagen die Adalsklasse im Judentum darstellen, und daß die Einwanderung von aschkenasischen Jaden nach Spanien nicht wünschenswert ist, weil die aschkenasischen Juden meistens Bankiers und G-eklverleiher seien. Estrug hofft, daß die spanischen Juden Spanien wieder zu einer Weltmachtslellung mit Hilfe der spanischen Juden in der ganzen 'Welt verhelfen können. Er gibt dem Wunsche Ausdruck, daß die spanischen Juden sich nicht separieren würden, wenn sie nach Spanien zurückkommen, sondern sich mit den Katholiken Spaniens durch Heiraten vermischen würden. Er macht weiter in Antisemitismus, indem er verschiedene antisemitische Vorwürfe gegn die Juden wiederholt uml behauptet, daß die aschkenasischen Juden deswegen gehabt und verfolgt wßt* den, u'cil sie große Finanzmänncr sind und, die Industrie kontrollieren. Schließlich versichert er, daß die spanischen Juden keine Abneigung gegen die Christen haben, daß sei nur bei den aschkenasichen Juden der Fall, insbesondere bei den russischen und polnischen Juden. Estrug behauptet schließlich, daß es auf der ganzen Welt 650.000 sephardische Juden gibt, davon 195.000 in der Türkei, 150.000 in Südamerika, 120.000 in Griechenland, 75.000 in Marokko, 55.000 in Ägypten, 50.000 in England, Holland, Italien und Nordamerika, in den anderen Balkanländern 55.000 und schließlich 25.000 in Tunis, Algier und Palästina. Man wird die Äußerungen Estrugs nur mit Befremden zur Kenntnis nehmen und die sephardischen Juden werden sicherlich Mittel und Wege finden, um Herrn Estrug begreiflich zu machen, was sie von seinem jüdischen Antisemitismus halten, ln Argentinien hat Estrugs Buch in jüdischen Kreisen peinliches Aufsehen erregt. Afodve&s fbfee und die, Jude* Aus Anlaß des kürzlich statt gefundenen Andreas-Hof er-Jubiläums gab Professor Dr. R. Granichstädten-Czerva in der amtlichen „Wiener Zeitung“ interessante Aufklärungen über die Beziehungen zwischen dem Aufstand Andreas Hofers und den jüdischen Finanzgrößen seiner Zeit.. Wir lesen da u. a.: In den Wiener Finanzier eisen hatte der Widerstand Andreas Hofers gegen die Okkupation Tirols durch Napoleon nach dem Waffenstillstand zu Znaim Mitte Juli 1809 großen Beifall gefunden, da man hiedurch eine Schwächung der Stellung Napoleons in den bevorstehenden Friedensverhandlungen erhoffte. Daher wurden die „Tiroler Aufstandswechse l“ in Wien rasch übernommen und honoriert, wobei voran sich das Bankhaus Arnstein & Eskeles besonders beteiligte. Die Chefs des Hauses waren Nathan Freiherr v on Ar n st e i n und Bernhard Freiherr von E s k eie s. Aber nicht nur geschäftlich, auch persönlich interessierte sich das Haus Arnstein für die heldenhaften Tiroler. Nathan Arnsteins Gattin, Franziska Freifrau von Arnstein, geborene Itzig, eine berühmte Schönheit, war, wie von Hormayr in seinem „Taschenbuch“ berichtet, für die Tiroler unermüdlich tätig und hilfsbereit. Ihr gastliches Haus in Wien war der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens und ihre Salons am Hohen Markt ebenso der Treffpunkt der ganzen Wiener Aristokratie wie das Palais in der Dorotheergasse des Barons Eskeles, dessen Gemahlin Cäcilie Freifrau von Eskeles, geborene Itzig, eine Schwester der Fanni Arnstein war. „Ihre geistreichen Abendgesellschaften bildeten“, wie der Tiroler Priesterdichter Beda We b er schreibt, „ein Asyl für das Tiroler Herz, wo es sich aussprechen und seinem Gram Luft machen konnte. Ehrenwerte Männer von auswärtigen Gesandtschaften schlossen sich diesem Tiroler Kreise an und erweckten in den gedrückten Gemütern die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.“ Eine wichtige Rolle spielte die Firma in den Jahren 1810 bis 1814, als die englischen Unterstützungsgelder für Tirol durch die Kassen des Bankhauses flössen. Es war die Zeit des Wiener Kongresses, wo sich die Prominenten der ganzen Well in Wien versammelten. Da trat, es war im April 1813, in den Salon der Fanni Arnstein ein bäuerlich gekleideter Mann, der sofort die Aufmerksamkeit der ganzen Gesellschaft auf sich lenkte. Es war Josef Speck buche r, der von den Franzosen so gefürchtete und steckbrieflich verfolgte Feuergeist. Er machte der Baronin seinen Besuch, um ihr für die Vermittlung seiner Korrespondenz mit dem Historiker und preußischen Diplomaten Jakob Simon Bartholdy uml dem preußischen Staatsmann Fürsten Karl August Hardenberg zu danken. Daß der „Mann von Rinn“ bei diesem Besuch auch einige Tiroler Späße und Schwänke zum Besten gab, berichtet uns Hormayr, der Schutzherr der Tiroler in Wien. Speckbacher, der damals auf dem Gute des Saiulwirtssohnes Johann von Hofer in Leonding bei Linz wohnte, trachtete, sich mit dem „zu den Allerhöchsten Finanzen in so vielfältigen Relationen stehenden“ Bankhaus möglichst gut zu stellen, da seine neuen kühnen Aufstandspläne noch viel Geld erforderten. Besonders Ende April 1813 war der Briefwechsel zwischen dem prunkvollen Palais in Wien uml dem schlichten Bauerngut in Ober- Österreich sehr, lebhaft. Auch der Intendant Dr. Philipp von W o er nd l e - Ad el s f r id hat, nach einem Brief des Erzherzogs Johann an Kaiser Franz vom 28. August 1913 mit dem Bankhaus Eskeles — der Erzherzog schreibt „Esquelles“ — in geheimer Korrespondenz wegen des Tiroler Aufstandes 1813 gestanden. Ein anderes Alt-Wiener Bankhaus, das schon zu Andreas Hofers Zeit mit Tirol in Verbindung stand, war die Firma Steiner & Comp. Schon am 11. November 1809 erhielt es von privater englischer Seite durch die Firma Baring in London 30.000 Pfund Sterling zur Unterstützung des Tiroler Aufstandes. Am 5. Jänner 1810 übergab Steiner dem geheimen Kurier Hofers, Johann W i l d, seines Zeichens Hausknecht beim Mondscheinwirt in Bozen, 11.000 Gulden Konventionsmünze, das erste Geld der englischen Subsidien für die Förderung der Flucht Andreas Hofers nach Wien. Wild genoß großes Ansehen in Wien, da er am 28. Dezember 1809 vom Kaiser in besonderer Audienz empfangen worden war. Bankier Steiner hat übrigens mit den Tiroler Geldern ein gutes Geschäft gemacht, da er die englischen Pfund zu sehr niedrigen Kursen umreclmete und am Goldagio sowie am Kurs der umgetauschten Bankozettel mehrmals verdiente, so daß er später deswegen in eine hochnotpeinliche Untersuchung gezogen wurde. Das berüchtigte Silberpatent vom 10. September 1800, das Finanzpatent vom 26. Februar 1810 und das Bankerott patent vom 20. Februar 1811 hat alle weiteren Geschäfte der Wiener Finanz mit den Tiroler Freiheitskämpfern erschwert, und schließlich wurde mit der Rückkehr Tirols an das Haus Österreich diese Verbindung von Politik und Geschäft Liquidiert. Die Kontore der Firma Arnstein & Eskeles befanden sich im Hause Bräunerstraße 9, in jenem Gebäude, das beim Bombardement auf Wien am 11. Mai 1809 um 9 Uhr vormittags als erstes Wiener Haus den Brandgranaten Napoleons zum Opfer fiel. Ende des Jahres 1809 wurde das Bankhaus W ‘Mauer, im Jahre 1859 das einst so mächtige Bankhaus Arnstein & Eskeles fallit. Saul Tsdiemithowsky bei der Kalevala-Feier In Finnland An (1er Jahrhundertfeier des Abschlusses der Kalevala, des N a t. i o n a 1 e p o s Finnlands, hat als Gast des Festkomitees auch der hebräische Dichter Dr. Saul Tschernichowsky, der die Kalevala ins Hebräische übertragen hat, teilgenoinmen. Das Hotel, in dem die ausländischen Festgäste, unter ihnen Tschernichowsky, abgestiegen waren, hatte neben den Flaggen aller Nationen auch die blau-weiße j ti d i s c h e F 1 a g g e gehißt. Tßchemichowsky wurde in Helsingfors von dem Unterrichtsminister Dr. Manters und führenden Vertretern der finnischen Literatur und Wissenschaft empfangen. Auch die Jüdische Gemeinde Helsingfors und der Verband der jüdischen Gemeinden Finnlands veranstalteten zu Ehren Tschcrnichowskys einen Empfang. Den Vorsitz führte der Präsident der Jüdischen Gemeinde, Dr. Pergament. Er erklärte, die Juden Finnlands seien stolz darauf, daß die jüdische Literatur bei der Kalevala-Feier durch einen so hervorragenden hebräischen Schriftsteller wie Tschernichowsky vertreten sei. Der Oberrabbiner von Finnland, Dr. Simon F ed e r b li s c 1), begrüßte Tschernichowsky als einen der Begründer der modernen hebräischen Literatur und einen ihrer größten Meister. In Finnland werde er nicht nur als der Vertreter der hebräischen Literatur, sondern auch als der des jüdischen Volkes empfangen. Alle finnischen und schwedischen Zeitungen haben Artikel über Tschernichowsky und sein Werk sowie Interviews mit dem Dichter veröffentlicht, in denen er erzählt, wie er dazu kam, die Kalevala ins Hebräische zu übertragen. Bei dem vom finnländischen Staat veranstalteten offiziellen Bankett sprach Tschernichowsky im Namen der hebräischen Literatur. In der anläßlich des Kalevala-Jubiläums herausgegebenen Festschrift schreibt Professor P u n k o über Tscherniehowskys hebräische. Übersetzung der Kalevala. Ein Teil der Übersetzung wird in der Festschrift abgedruckt. Das jiddische wissenschaftliche Institut in Wilna hat dem Kalevala-Komitee eine jiddische Übersetzung des Epos eingesandt. Zur Makkabiade nach Palästina Preis S 580-— Wien-Wien Vißura gegen Kaution Compa s Toms, Wien, IX., Spitalgasse 3, Tel. B 42-5-38 Palästina meldet: Für Jerusalem 25%, für Tel-Aviv 5% Das Budget der Stadt Tel-Aviv für das neue Wirtschaftsjahr beträgt ungefähr 400.000 Pfund und ist um etwa 80.000 Pfund oder 20 Prozent höher als das vorjährige. Das Budget der Stadt Jerusa- 1 e m für 1934/35 dagegen beträgt nur 80.000 Pfund und sieht keinerlei Ausgaben für Erziehungs- und Krankenfürsorgoweeen, sondern nur solche für Beleuchtung, Kanalisation usw., sovvio einen gewissen Betrag für öffentliche Arbeiten vor. Trotzdem trägt die Regierung 25 Prozent dieses Budgets, indem sie der Stadt eine Subvention von 20.000 Pfund gewährt. In Tel-Aviv beträgt die Regierungesubvention 17.150 Pfund, daß ißt 5 Prozent des Budgets, obwohl dieses einen Posten von 32.000 Pfund für das städtische Krankenhaus, 4000 Pfund für andere sanitäre Einrichtungen und 65.000 Pfund für Erziehungßwesen einschließt. In dem neuen Budgot werden für Erzieluingßzweeke voraussichtlich nicht weniger als 110.000 Pfund aufgeworfen worden. Vizebürgermeister Pokeach weist im städtischen Mitteilungsblatt darauf hin, daß die Regierung bei ihrem Millionen betragenden Verwaltungsübersehuß t a u s o n d o Kinder o h n o Schulbildung uufwachsen läßt, die jüdische Bevölkerung aber unter der Last ihres seifet erhaltenen Schul werks zusammenbreehon sicht und einer Stadt wie Tel-Aviv noch Schwierigkeiten in den Weg legen und sie zwingen will, ihr System kostenlosen allgemeinen V o 1 k s Schulunterrichts fallen zu lassen. GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. 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