Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 432 (8.3.1935)
- Date
- 1935-03-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 20 g V. t>. b. Freitag-Ausgabe JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 432 | Wien, 8. März WS | Redaktion und Administration: Wien, I., Marc-Aurel-Strsße 9. Tel.: U 22-3-91. .TedaktionsschluB Montag und Mittwoch vorm. yrntmarnrnmammmmmmmm .■ Für die Sonderfahrt des Riesenozeandampfers „ROMA“ (33.000 Tonnen) TRIEST—PALÄSTINA 28. März 1935 wurden die Preise EINHEITSKLASSE (ERSTE KLASSE) auf Lire 12,2.0*— (das ist etwa S 562a-) herabgesetzt Nur drei Tage Überfahrt! EINE EINMALIGE GELEGENHEIT! Sichern Sie sich rasch Ihren Platz bei der Generalagentur des „Lloyd Triestino", Wien, I., Kärntnerring 6 (3. Adar 11 5695) | 8. Jahrgang Wendung in Ungarn Vorschuß auf die künftige Schedule Jerusalem, 6. März. (Z. T. A.) Wie 'das Mitglied der Exekutive und Leiter des Einwanderunge-Departmente der Jcwieh Agency, Jizchak Grünbaum, der „JTA“ mlbteilt, scheint sich die Hoffnung auf Erlangung einer Ergänzungs-Schedule nicht verwirklichen zu wollen. Dagegen erwartet das Einwa-nderunge-Department der Jewfeh Agency, daß die Regierung a.ls Vorschuß auf die Schedule der nächsten Halbjahresperiode eine gewisse Zahl Zertifikate bewilligen wird. Ferner besteht die begründete Hoffnung, daß bei der Ausgabe der. kommenden, im April d. J. fälligen Halbjahree-Schedule den großen Bedürfnissen nach erhöhter jüdischer Einwanderung zwecks Behebung des Arbeitermangele Rechnung getragen werden wird. (Wie es. heißt, hat die Regierung 1000 Zertifikate als Vorschuß angeboten.) Wieder illegale Einwanderer int Hungerstreik Ein kaum erst geschlossener Gefahrenherd öffnet sich wieder. In Ungarn vollzieht sich eine politische und soziale Wendung, die in jeder Einzelheit, auch in ihrem schlagartigen Beginn, eine deutliche Ähnlichkeit mit dem deutschen Nationalsozialismus zeigt. Die sogenannte Reformbewegung ist fast genau eine Kopie des Hitlertums, wenn sie auch einstweilen nur ihre Sympathie für diese Art Erlösung betont. Über Nacht ist eine völlig neue Lage geschaffen worden, die sich noch dadurch auszeichnet, daß ein zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Grafen Bethlen geschlossenes Übereinkommen als nicht existent beiseite geschoben worden ist. Ob es sich den derzeit regierenden Männern um einen Schlag gegen den Legitimismus handelt, ist noch nicht ganz klar. Sicher aber ist, daß sie, falls sie der ihnen selbst drohenden Überrumpelung durch die Reformgeneration nicht Vorbeugen, die gleiche Erfahrung machen werden, wie Papen und Hugenbejg. Im Vordergrund der Ereignisse stehen nicht Gömbös und die Seinen, sondern die Rassen- Randstaaten einem schleichenden Wirtschaftsverfall preisgegeben. Es liegt in der Natur der Sache, daß diese Entwicklung unter dem Druck der deutschen Macht zwangsläufig geworden ist, die der Linie des geringsten Widerstandes folgt und sich auf Ungarn wirft, möglicherweise um eine Art Einkesselung Österreichs vorzubereiten, möglicherweise um ein Gegengewicht gegen Italien zu schaffen. Sicherlich aher, um, ankniipfend an gewisse ungarische Traditionen aus den Zwanziger jahren, das Werk zu vollenden, das damals in bezug auf die Juden Ungarns abgebrochen wurde. Es wird eine Äußerung des Herrn von Wolff kolportiert: „Jetzt sehen wir erst, was wir versäumt haben!“, und dies in klarer Anspielung auf das Schicksal der deutschen Juden. Nun besteht ja das Minderheitenrecht in Ungarn, aber abgesehen davon, daß die Budapester Assimilantenpartei feierlich auf diesen Schutz verzichtet hat, ist 6s fraglich, ob dieser dünn gewordene Damm halten wird, wenn er von der verhetzten Jygend angegangen wird. Deutschland, Saar, Danzig, Polen, Ungarn — es wird mit jedem Tag in furchtbarster Weise dem Judentum eingehümmert, daß nur der Zionismus den rettenden Ausweg schafft. Das ungarische Judentum ist genau so wie das deutsche patriotisch, sogar nationalistisch gerichtet. Die erste Quittung hat es nach dem Umsturz erhalten und steht jetzt vor der zweiten.. Es ist unsinnig, von den Verdiensten der Juden um Ungarns Wirtschaft, um seine Industrie, seine Literatur und Kunst zu sprechen. Die Tatsache ist, daß kein Volk für solche Mitarbeit Dank weiß, ja, daß es sie nur a>s Last empfindet. Das Judentum muß sich an die zionistische Argumentation anschließen und sich auf sich selbst besinnen. Seine politische Führung aber muß sich dazu ermannen, in London, in Genf und in allen Zentren politischen Lebens nachdrücklich die Öffnung Palästinas und seiner Nachbairgebiete fordern. Es wird immer weniger Zeit für Parteidifferenzen, die Lage verschlimmert sich von Tag zu Tag. Wer heute noch von links und rechts redet, begeht ein Verbrechen. Jerusalem, 6. März. (Z. T. A.) Zwei wegen illegaler Einwanderung im Gefängnis von Betlehem untergeb rächte, jüdische Frauen, Fanny K a t z und Margarete R e i c h f e 1 d, sind in Hungerstreik getreten, weil sie seit sieben, beziehungsweise vier Monaten in Haft sind, ohne daß eine Verhandlung gegen sie angesetzt ist. Eine Freilassung gegen Kaution wies diie Polizei ab. Neville Laski gegen Mosley Auf der in Manchester abgehaltenen IJahreskonferenz des zionistischen Arbeiterverbandes in England brandmarkte der Präsident des Board of Deputies of British Jews, Neville Laski, in sehr scharfen Worten die antijüdische Kampagne des Führers der British Union of Fascists, Sir Oswald Mosley, als unaufrichtig und führte u. a. aus: Sir Oswald Mosley behauptet, der „internationale Jude“ sitze in einem Lon doner Büro und wirke gegen die Interessen des Landes. Er sagt dies, obwohl er ,weiß, daß es nicht wahr ist, aber er darf solche Behauptungen wagen, weil!lm niemand deswegen gerichtlich zur Verantwortung ziehen kann. Er hat nicht den Mut, einen Namen zu nennen Wir sind leider ein zerstreutes Volk und haben nicht die Möglichkeit, uns gegen Ver leumdungen zu schützen. Würde man kleine Völker, wie etwa Griechen oder Belgier, so verleumden, so würde es vielleicht gar zu einem Kriege deswegen kommen. Der englische Premierminister hat es nicht für nötig befunden, auch nur ein Wort der Empörung gegen die Verfolgung der Juden, in Deutschland auszusprechen. schützler, vor allem der aus den Zwanzigerjahren her bekannte Karl von Wolff, Abkömmling einer alten jüdischen Familie, und der Nationalsozialist Bornemissa, der bereits als Handelsminister dem neuen Kabinett angehört, das die Wahlen vorbereitet. Zweifellos ist deutsches Geld und deutsche Organisation an der überfallsartigen Wandlung beteiligt. Das ungarische Judentum, das sich kaum von den Ereignissen der Gegenrevolution erholt bat, gerät wieder in eine schlimme Situation. Sie wird noch verschärft durch die Wirkung der Vorgänge, die sich seither in Mitteleuropa abgespielt haben. Das deutsche Judentum ist verelendet und gedemütigt, das Judentum in Polen und den Außenkommission der britischen Judenschaft über Oesterreich In der am 5. d. M. in London abgehaltenen Sitzung des Rates der Anglo-Jewish Asso ciation hielt der Präsident Leonard G. M o n t e f i o r e, Mitvorsitzender des Joint Foreign Committee, eine Ansprache, in der er unter anderem ausführte: Wir müssen beweisen, daß die jüdische Gemeinschaft zu beträchtlichen Opfern fähig ist. Fällt der Appell für die deutschen Juden nicht erfolgreich aus, werden die Nichtjuden sagen, daß die Juden zu ermüden beginnen. Es steht mehr auf dem Spiel als das Schicksal der 400.000 Juden in Deutschland; der Die deutsche Judenfrage vor dem Kongreß der Völkerbundligen INSTALLATIONEN ELEKTRISCHE KRAFT-, MODERNE BELEUCHTUNGS- UND RADIO¬ ANLAGEN /ELEKTR. H AUSH AL- . TUNGSGERÄTE/LUSTER/RADIO Fachmännisch« Beratung kostenlos Paul Heller, I., Llchtensteg 1 Tal. U «t-«»1S Genf, 5. März. (2. T. A.) Die Minderheitenkommission des Weltverbandes der Völkerbuudliga hat sich während ihrer kurzen Tagung hauptsächlich mit dem Studium des Problems der Aufrechterhaltung und der Verallgemeinerung der Minderheitenverträge beschäftigt, das durch die bekannte Stellungnahme der polnischen Regierung anläßlich der vorjährigen Völkerbundversammlung akut geworden ist. Die Debatte in der Minderheitenkommission, an der als Vertreter der palästinensischen Völkerbundliga Dr. Nahum Goldmann teilgenommen hat, hat noch zu keinerlei endgültigen Schlußfolgerungen geführt. Im allgemeinen war die Kommission darin einig, daß jedem Studium dieser Frage der Grundsatz der Aufrechterhaltung der bestehenden Minderheitenverträge zugrunde liegen, daß aber ihre Verallgemeinerung angestrebt werden muß. Ein der Kommission von Lord D i c k i ns o n — der aber krankheitshalber an der Tagung nicht teilnehmen konnte — unterbreiteter Vorschlag geht dahin, das Minderhcitensehutzproblem aus dem Rahmen der Tätigkeit politischer Organe (Völkerbundrat, Dreier-Komitee des Völkerbundrates) auf das Gebiet der nationalen und internationalen Gerichtsbarkeit zu übertragen, wobei auf internationalem Gebiete als Hauptorgane eine Ständige Minderheitenkommiss ion, nach dem Muster der Ständigen Mandatskommission, und der Internationale Gerichtshof im Haag fungieren sollten. Dr. Goldmann wies darauf hin, daß nach Ablauf eines Jahres die Juden im Saargebiet derselben Entrechtung anheimfallen werden, wie die ganze Judenheit des jetzigen Deutsehen Reiches, und daß daher fliese Frage nunmehr einen Bestandteil der ganzen Judenfrage in Deutschland bildet. Er behielt sich daher das Recht vor, dem Weltverband der Völkerbundligen, dessen Kongreß am 10. Juni in Brüssel stattfindet, die Frage der Entrechtung der Juden in Deutschland in einem breiteren, über die Lage der Juden in der Saar hinausgehenden Rahmen vorzulegen. gute Ruf der jüdischen Gemeinschaft steht auf dem Spiel. Es trifft nicht zu, daß sich die Wirtschaftslage der Juden in Deutschland gebessert hat; die scharfe antisemitische Propaganda ist nicht einen Tag, nicht eine Minute unterbrochen worden. Der „Stürmer“ findet mehr Verbreitung denn je, jetzt erscheint in Berlin „Der Judenkenner“, der dem „Stürmer“ nicht nachsteht. Es ist unsere heilige Pflicht, in dem uns aufgezwungenen Kampf auszuharren. Montefiore gab eine Schilderung der Lage der Juden in den Kleinstädten Deutschlands und erzählte, daß in etwa 300 Ortschaften in Hessen und Franken Bekanntmachungen ausgehängt sind, daß den Juden der Zutritt untersagt ist. Die Lage in den kleineren Orten wird für die Juden immer schlimmer. Aber auch in den Großstädten geht es immer mehr abwärts. In Berlin müssen 30.000 Juden unterstützt werden. Rabbiner Dr. D a i c h e s sprach über die Lage der Juden in anderen Ländern und wies darauf hin, daß allein in Kiew 12.000 Juden bitterste Not leiden. Er fragte, wie es um die Juden in Algerien und im Irak steht. Montefiore erwiderte, im Irak sei wohl eine Anzahl Juden aus ihren Positionen verdrängt worden, dagegen konnten andere Juden Positionen erlangen. Eine ernste antisemitische Bewegung bestehe dort nicht. Neville Laski, Präsident des Board of Deputies, führte aus, die Alliance Israelite Universelle erörtere mit der französischen Regierung die Angelegenheit der algerischen Juden. Es handle sich dort nicht allein um eine jüdische Frage. Die Haßpropaganda ACHTUNG HAUSBESITZER! Eure Häuserverwaltungen, Geldbeschaffungen und Reparaturkredite kulantest nur durch das behördlich konzessionierte Realitäten*, Hypotheken- und Verwaltungsböro Tel. A 48*9-22 Sensal R. TAUBMANN Wien, II., Nordpolstraße 2/3