Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 431 (5.3.1935)
- Date
- 1935-03-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 20 g y, j,. b, Dienstag-Ausgabe JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 43» | Wien, S.März 1935 | neoaKTion una Aomimftrauofl: irian, f*, marc-Aurei-öiraDe o. Tal.: U 22-3-91. aedaktlonsschluB Montag und Mittwoch vorm. Dl« großen, vorzüglichen Salonschiffe „Galllea“, „Palegflna“ und „Gerusalemme“ der direkten Eillinie TRIEST. JAFFA des LLOYD TRIESTINO verkehren Jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag / Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten tfiglich bloß zirka ö. S 258'— / Auskünfte: Lloyd Triestino, I., Kärntnerring 6 (30. Adar $695) I 8. Jahrgang Manifest der Zionistischen Exekutive ■Vf ■■■ —— Die Exekutive der Zionistischen Organisation erläßt das folgende Manifest an die Zionisten: Der Neunzehnte Kongreß naht. In der seit dem Achtzehnten Kongreß in Prag verstrichenen Frist hat unsere Bewegung weitere wichtige Schritte auf dem Wege zur (Verwirklichung unseres Ideals gemacht. Unter dem Druck der sich immer tragischer gestaltenden jüdischen Lage in vielen Ländern und angezogen von der wachsenden Aufnahmefähigkeit des Landes, hat die jüdische Einwanderung nach Palästina unbeschadet aller künstlichen Beschränkungen bisher unerwartete Dimensionen erreicht, wobei die Möglichkeiten ihrer Ausdehnung immer noch unbegrenzt sind. Im Bewußtsein der Judenheit wie in dem der ganzen zivilisierten Welt ist der Wiederaufbau Palästinas zur zentralen Aufgabe der gegenwärtigen jüdischen Generation geworden. Die allmählich zum Abschluß kommende gegenwärtige Arbeitsperiode verzeichnet in allen anderen wichtigen Sphären unserer Wiederaufbautätigkeit ebenfalls einen beträchtlichen Fortschritt. Das Einkommen der nationalen Fonds hat sich unbeschadet der Verstärkten Wirtschaftskrisis und der Störungsversuche seitens unverantwortlicher Elemente innerhalb der Bewegung in den meisten Ländern wesentlich erhöht. Die finanizellen Verpflichtungen der Jewish Agency und des Keren Hajessod haben sich dank einer rationellen Finanzpolitik merklich vermindert. Die erste große auswärtige Anleihe in Höhe von 500.000 Pfund Sterling wurde erlangt und hat die Regelung unseres Schuldendienstes, die endliche Konsolidierung unserer landwirtschaftlichen Siedlungen und die Wiederaufnahme nationaler Siedlungsarbeit auf dem Boden unseres Volkes durch selbstarbeitende Siedler ermöglicht. Durch den Erwerb der Hule-Konzession wurde eine neue Schlüsselposition erlangt, die dem jüdischen Volke weite Ausblicke auf landwirtschaftliche Betätigung bietet. Das vom 18. Kongreß geschaffene Departement für die Ansiedlung deutscher Juden hat in vollem Einverständnis mit der Exekutive in einem bedeutenden Maße zur Einfügung dieses neuen und wertvollen Menschenmaterials, wobei die deutsch-jüdische Jugend besonders zu erwähnen ist, in die allgemeine Struktur Palästinas beigetragen. In geduldiger und zäher Arbeit, die ihre Kraft aus der Tiefe der historischen Verbindung des jüdischen Volkes mit Palästina und aus dem Wachstum unserer wirtschaftlichen und kolonisatorischen Leistungen zieht, ist es uns gelungen, eine allgemeine Verbesserung der politischen Lage herbeizuführen, sowie zumindest einen Aufschub konstitutioneller Neuerungen , die unserer Meinung nach dazu angetan wären, den politischen Status des jüdischen Volkes in Erez Israel zu gefährden, zu erreichen, Die zionistische Bewegung hat eine Periode fruchtbarer und schöpferischer Arbeit hinter sich; wir dürfen aber auch nicht unsere Augen vor Problemen und Gefahren verschließen, die gerade jetzt eine besondere Schärfe annehmen. Die erfreuliche und vom historischen Standpunkt unschätzbare Zunahme unserer numerischen Stärke in Erez Israel ist begleitet von drohenden Schatten, deren Vertreibung höchste nationale Pflicht ist. Erez Israel als das Land jüdischer Masseneinwanderung bedeutet den Beginn der Verwirklichung des gloriosen zionistischen Traums, Allein wir dürfen es nicht zulassen, daß irgend etwas die Brauchbarkeit unseres Menschenmaterials, seine technische Schulung für das fundamental neue Leben im Lande, seine Bereitschaft, das Schicksal dieses Landes bedingungslos und für alle Zeiten zu teilen, und seine Fähigkeit, sich den unumgänglichen Geboten wirtschaftlicher Reorganisierung und besonders dem Gebot der Schaffung einer breiten landwirtschaftlichen Basis für ein gesundes jüdisches Leben in Erez Israel anzupassen, beeinträchtige. Mehr denn je ist es jetzt geboten, die Idee menschlichen und nationalen Pioniertums — der Chaluziuth — zu intensivieren. Die Flucht vom Lande in die Stadt, die Einengung unserer landwirtschaftlichen Basis und die schreckliche Heimsuchung zügelloser Bodenspekulation — all das sind Probleme und Gefahren, gegen die nur mittels einer von höchster nationaler Verantwortung getragenen Solidarität, mittels Idealismus und systematischer Anstrengungen des ganzen Volkes angekämpft werden kann. Den nationalen Bodenbesitz zu erweitern, die nationalen Fonds Keren Kajemeth und Keren Hajessod zu stärken, die Siedlungsarbeit zu erweitern, nationalen Unternehmergeist neu zu beleben, privaten Unternehmergeist und seine systematische Anpassung an die Interessensphäre des nationalen Wiederaufbaus zu fördern, jüdische Arbeit und humane Arbeitsbedingungen in Stadt und Land zu gewährleisten, Pionier-Idealismus unter dem ganzen Volke, besonders in unserer Jugend, zu verbreiten und zu intensivieren, — das sind die Aufgaben der Stunde. Die zur Erfüllung dieser Aufgaben — Aufgaben von bisher nicht dagewesenem Umfang und wahrhaft staatsbauendem Charakter — notwendige primäre Bedingung ist eine stark ineinandergekettete und disziplinierte Zionistische Organisation unter einer einheitlichen Führung, die, während sie Meinungs-, Gewissens- und Aktionsfreiheit ihrer einzelnen Mitglieder gewährleistet, nichtsdestoweniger befähigt sein muß, alle ihre Teile zu freiwilliger Unterordnung unter das höchste nationale Interesse zu bringen und in unserer eigenen Mitte sowie gegenüber der Außenwelt — innerhalb des Rahmens der Jewish Agency — den auf demokratischer Selbstbestimmung basierenden Willen des jüdischen Volkes zu repräsentieren. Leider hat die Bewußtheit dieses Interesses noch nicht alle Teile unserer Bewegung in dem notwendigen Grade durchdrungen. Die Versuche, die Bewegung zu vereinheitlichen und die Organisation gegen destruktive Tendenzen zu stärken, sind erst im Anfangsstadium. Der Kampf für die Konsolidierung der Organisation und ihren Schutz gegen Separatismus in äußeren politischen Angelegenheiten und gegen Unterminierung ihrer Grundlagen im Innern muß mit äußerster Energie fortgeftihrt werden. Die Zionistische Organisation, die von Herzl als das Instrument des Neuaufbaus und der politischen Selbstbestimmung des jüdischen Volkes geschaffen wurde, muß seitens aller verantwortungsbewußten Zionisten mit äußerster Energie und Entschlossenheit gegen jeden Angriff auf ihre Existenz, ihre Souveränität, ihre Rechte und ihren demokratischen Charakter geschützt werden. In diesem Geiste müssen sich die Zionisten aller Länder, ohne Unterschied der Tendenz oder der Ansicht, auf den Neunzehnten Kongreß vorbereiten. Die Massen müssen an dem Kongreß in einem alle trüberen Rekorde übersteigendem Maße teilnehmen. Zionismus ist Sache des ganzen Volkes. Der Schekel muß in die Hände von Hunderttausenden, ja Millionen jüdischer Männer und Frauen kommen. Aber seine Hergabe darf nicht auf bloße Sammlung kleiner Beiträge oder auf Stimmensicherung reduziert werden. Der Schekel ist ein Medium, mit welchem Anerkennung der zionistischen Idee und Annahme aller aus der Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation sich ergebenden Verpflichtungen dokumentiert werden. Die Schekel-Aktion muß zu einer großzügigen Mobilisierung der jüdischen öffentlichen Meinung für zionistische Tat werden. Die Werbung neuer Schekel-Zahler muß unter der Losung erhöhter Verantwortung für die Erziehung und dauernde Bindung neuer Massen an die zionistische Idee und die Zionistische Organisation vor sich gehen. Nur auf diese Weise können die Schekel-Aktion und der ihr folgende Kongreß zu einer großen Demonstration des Willens des jüdischen Volkes werden. Bereitet euch vor auf den Neunzehnten Kongreß! Kauft und verbreitet den Schekel! BASSERMÄNN EmsJARÄ? MCHIBD MEINL EL8 £ BASSERMANN HANS HOMMA'ETHA VSTOH# OSKAR KARJWS MUSIK: FRANZ SALMHOFER ZWEI UEOER t RICHARD TAUBER MUSIK AL LTO 'PROF. KARL ALWIN •DIE WIENER PHILHARMONIKER• EINE FRITZ SCHULZ-INSZENMUK VUJNliNfUM Wl tUtA» TEL. AH S-SQ «tbiNtFwsi&Q Präsident Masaryk 85 Jahre alt Der Präsident der Tschechoslowakischen Republik, Th. Gr. Masaryk, begeht heute seinen 85. Geburtstag. Seine Feier ist eine Feier der ganzen .Kulturwelt, die es mit Freude wahrnimmt, daß dieser seltene Manm sein hohes Alter in ungebeugter Kraft trägt. Er ist in der Wirrnis dieser Zeiten ein fester Punkt. Wer noch an Demokratie, an Frieden, an Versöhnung der Menschen, an die heilsame Wirkung der Arbeit glaubt, der denkt. an Masaryk, der zugleich auch in seiner Person ein großes und schönes Kapitel der Weltgeschichte verkörpert. Dieser Gelehrte hat mit der Macht seines Geistes über die Berufsdiplomaten und die Kriegsbureaukraten gesiegt. Er hat im Vertrauen auf das Recht seines Volkes das Große unternommen und erreicht. Wenigen ist es vergönnt, den Traum ihrer Seele Wirklichkeit werden zu sehen. Masaryk kann dies von sich sagen, und er selbst hat seine Idee zum Siege geführt. Er ist heute in Europa der vornehmste Repräsentant der Bestrebungen, zum Frieden zu kommen. Und daraus ergibt sich auch seine Stellung zum Judentum. Er ist kein Philosemit, aber ein Mann von streng rechtlicher Gesinnung. Er hat die Hilsner- Liige zerpflückt und ist gegen den Judenhaß aufgeitreten. Aber er ist nicht dabei stehen geblieben. Er ist für das Recht des jüdischen Volkes auf Land und Freiheit. Er erkennt die historische Lüge in der ganzen heutigen Stellung des jüdischen Volkes und ist dem Zionismus ein warmherziger Freund. Er nimmt sich noch jetzt die Zeit, sich von den Details des Aufbaues in Palästina zu informieren,. aus dem Empfinden heraus, daß hier ein fast zu Stein erstarrtes Unrecht aufgelockert und von den Juden selbst in Segen gewandelt wird. Das ganze jüdische Volk dankt dem großen alten Mann für seine Sympathien und wünscht ihm ein noch recht langes Leben. In der Tschechoslowakei hat das Judentum unter Führung der Zionisten mit einer Sammlung begonnen, die, auf die Schaffung einer Siedlung - in Palästina abzielt. Masaryks Name soll auch in dem