Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 422 (1.2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 90 g V. b. b. Freitag-Ausgabe fei JÜDISCHE ZEITUNG Dein Kind soll eins) auf geraden, gesunden Füfsen sieben — dazu brauchen die zarfen Fu£kfiocher« unbedingt eine Siüfze: Dr. Hechts Spezialeinlagen für Kinderl FACHINSTITUT BANDAGEN-MIKOLASCE TABORSTRASSE 22, R 40-0-61, R 47-1-t Seit 32 Jahren ftir den Kinderfufi spezialisier Nr. 422 I Wien, 1. Februar 1935 I Redaktion und Administration: Wien, I, Mare-Aursl-StraBs B. Tel.: U 22-3-91. .lediktlonmhluft Montag und Mittwoch vorm. I (38. Schewath 5695) | 8. Jahrgang Vom jüdischen Geist iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ IMIN, Eine neue Ära zionistischer Arbeit In einer am 27. Jänner in Jerusalem abgehaltenen Pressekonferenz gaben der geschäftsführende Direktor des Keren Hajessod, Leib J a f f e, der Vorsitzende der Palästina- Exekutive der Jewish Agency, Dr. Artur R u p p i n, und der Schatzmeister der Exekutive, Eliezer Kaplan, Erklärungen über den Stand der zionistischen Aufbauarbeit in Palästina ab und verkündeten gleichzeitig den Anbruch einer neuen Ära in der zionistischen Arbeit, Leib Jaffe erklärte, ohne die Arbeit der Chaluzim und das nationale Kapital hätte Erez Jisrael seine heutige Entwicklung nicht erlangt und hätte nie ein Asyl für Hunderttausende werden können. Erst das nationale Kapital ebnete den Weg für private Initiative. Der Keren Hajessod hat bis jetzt 1,600.000 Pfund in der jüdischen Kolonisation investiert, auch jetzt wird die Hauptarbeit in der Landwirtschaft geleistet werden. Dr. Ruppin führte aus, der landwirtschaftliche Jischuw umfasse heute nur 15 Prozent der jüdischen Bevölkerung Palästinas; schon im kommenden Jahre müsse dieser Prozentsatz wesentlich erhöht werden. Mehr als 500 jüdische Familien werden in Wadi Hawarith angesiedelt werden. Weitere 8000 Kandidaten warten darauf, daß die Reihe an sie kommt. Eliezer Kaplan berichtete über den finanziellen Status der Jewish Agency, der sich wesentlich verbessert hat. Nach Abschluß der 500.000-Pfund-Anleihe der Jewish Agency eröffnen sieh neue Perspektiven auf dem internationalen M a r k t; eine zweite Anleihe werde wohl folgen. Bei Aufnahme der 500.000-Pfund-Anleihe im Dezember 1934 wurde mitgeteilt, daß mit Hilfe dieser Anleihe das lange aufgeschoben gewesene Programm neuer zionistischer Siedlung in Angriff genommen und die endgültige finanzielle Konsolidierung der Emek- Siedlungen durchgeführt werden wird. Die Rückzahlung der Anleihe ist durch die Einkünfte des Keren Hajessod, die sich aus den freiwilligen Besteuerungen der Juden und aus den Rückzahlungen der Siedler zusammensetzen, garantiert. In Berlin hat im Hamack-Haus eine Ehrung für den verstorbenen Gelehrten Fritz Haber, den Erfinder des künstlichen Stickstoffes, stattgefunden. Die Feier, die vor 500 Persönlichkeiten aus allen Gebieten der Wissenschaft erfolgte, hat eine eigenartige Vorgeschichte. Alle deutschen Hochschulrektoren und andere Führer des geistigen Lebens hatten eine Zuschrift des Reichserziehungsministers Rust erhalten, in der ihnen die Teilnahme an der Feier untersagt wurde, weil Haber Jude gewesen war. Der berühmte Mathematiker und Physiker Planck wurde bei Rust deshalb vorstellig, und der Minister bestritt die Absendung des Briefes, der ohne sein Vorvvissen binausgegangen sei. Nunmehr stand der Veranstaltung nichts mehr im Wege. Die Bedeutung Habers als Chemiker wurde von den Professoren Planck, Hahn und Oberst Koeth gewürdigt und sogar das Philharmonische Orchester dürfte die Ehrung durch ein Rahmenkonzert verschönern. Fritz Häher, dessen erster Todes tag solcherart begangen wurde, ißt einer aus einet fast unübersehbaren Reihe von. Persönlichkeiten, die, aus denn Judentum kommend, die Erkenntnisse von der Natur bereichert haben. Haber hat durch die Zusammenp r eßsung von Stickstoff und Wasserstoff Ammoniak erzielt. Zur Verwertung des Verfahrens wurden die riesigen Leu na-Werke bei Magdeburg errichtet, und Deutschland wurde in den Stand gesetzt, den Stickstoffbedarf seiner Landwirtschaft zu decken und den Weltmarkt für Ammoniak zu einem sehr Die Reichsvertretung der deutschen Juden erklärt: Auch das überwältigende Ergebnis der Saar-Abstimmung hat zu unserem schmerzlichen Bedauern dem Gauleiter Julius Streicher dazu gedient, in einer Rede in Nürnberg uns Juden zu diffamieren. Er tat dies mit folgenden Worten: „Der Jude Max Braun war Beauftragter der jüdischen Rasse, des jüdischen Volkes. Er war beauftragt, zu verhindern, daß das Saarvolk zum Mutterland zurtickkehre. Ihr Nürnberger, Deutsche, vergeßt nie: Ein Jude war es, der an der Spitze des Terrors stand, ein Jude war es, der mit dem Geld der Judenbanken und der jüdischen Weltbörse glaubte, dem deutschen Volke das Unglück bringen zu können, daß hunderttausende Deutsche für immer dem deutschen Volk genommen werden, jawohl, wollen wir nie vergessen: Ein Jude stand großen Teil zu erobern. Milliarden Mark hat der deutsche Außenhandel aus dieser Entdeckung gezogen, hunderttausende deutsche Arbeiter haben durch Haber Verdienst und Brot gefunden. Aber die Erfindung Habers hat au cli zur Folge gehabt, daß Deutschland im Krieg, wo es von dem Salpeterimport abgeschlossen war, aus eigenen Mitteln die Front mit Sprengmitteln versorgen konnte. Der Dank des Vaterlandes? Haber ging nach der Vertreibung der jüdischen Gelehrten ins Exil und starb in der Schweiz an gebrochenem Herzen. Haber war einer der deutschen Nobelpreisträger; einer der Juden, deren Leistung für den Frieden von der internationalen Gelelirtenwelt, anerkannt, aber für die deutsche Wissenschaft gebucht worden ist. Es gibt noch mehrere solche Persönlichkeiten, mit deren Werk sich Deutschland rühmt, auf deren Arbeit sich der Stolz der nordischen Rasse aufbaut. Da ist der Nobeljireistfäger i 11 s tä't;t e.r,. der in München angepöbelt wurde, der Nobelpreisträger Otto Wallach, der die . deutsche Parfämindustrie geschaffen hat, da sind die Nobelpreisträger’ Einste in, M i c h e 1 s o n, Landsteiner; es ..gibt kein Gebiet geistiger Arbeit in Deutschland, das nicht von Juden befruchtet worden. wäre. In seinem ausgezeichneten Werk „Juden in Deutschland“, das eben (bei Löwit in Wien) .erschienen ist, gibt Josef K a s t e i n eine ganz kleine Auslese: die Philosophen Hermann Cohen. Ernst Marcus, Münsterbach, Laak, Simmel, Hiisserl, Joel, Dessoir, Wilhelm Jerusalem; an der Spitze der Schande, die wir erlebten." Demgegenüber erklären wir: Dies ist nicht wahr, und stellen fest: Max Braun ist weder Jude, noch jüdischer Abstammung. In derselben Rede hat der Gauleiter Streicher Dr. Walter Rathenau die Worte in den Mund gelegt: „300 Mänfter, die sich gegenseitig kennen und durch das Blut verbunden sind, regieren die Geschicke, der Welt." Dem gegenüber stellen wir fest: Die Äußerung Rathenaus (in seinem Buch „Zur Kritik der Zelt", Berlin 1912, Seite 206) lautet: ,„300 Männer, von denen jeder jeden kennt, leiten die Wirtschaftsgeschicke des Kontinents und suchen sich Nachfolger aus ihrer Umgebung.“ Die Worte „durch das Blut verbunden" hat Rathenau nicht gebraucht. Wann endlich werden solche, uns tief verletzende Äußerungen ein Ende nehmen?! Zur Wahrung unserer Ehre bleibt uns nichts als feierlicher Protest! Die Reichsvertretung der deutschen Juden: Baeck Hirsch Für die Sonderfahrt des Riesenozeandampfers „ROMA“ (33.000 Tonnen) TRIEST—PALÄSTINA 28. Man 1935 wurden die Preise der EINHEITSKLASSE (ERSTE KLASSE) auf Lire 1220*- (das ist etwa S 562'-) herabgesetzt Nur drei Tage Überfahrt! EINE EINMALIGE GELEGENHEIT. Sichern Sie sich rasch Ihren Platz bei der Generalagentur des „Lloyd Triestino", Wien, l.( Kämmen ing 6 die Irz t e Weipert, Edinger, M. und H. Op* penheim, Cassirer, Wallenherg, F. Hi Lewy, Dreyfuß, Steiner, Steinfeld, Sänger, Siegmund Auerbach, Isserliim, Eliasberg, Liepmamn, Birnbaumy Kronfeld, Kohnstamm, nicht zu vergessen Freud und Adiler; der Jude Henle hat das Epithel entdeckt, Ferdinand Cohn war der Vorläufer K00I13, Wassermann hat die bekannte Reaktion gefunden; dann sind noch da Morgenroth, Sachs. Neißer, Jadassokn, Minkowski. Siegfried Marcus hat das erste telegraphische Relais und das erste Automobil gebaut, Leo Grätz das Grätzlicht, Heinrich Hertz die elektri-'. sehen Wellen und damit die Radiotelegraphie entdeckt, Rudolf Goldschmidt den Hochfrequenzapparat, Eugen Goldstein die Kanals trab len’ gefunden; Pringsheim und Julius Sachs sind die führenden Pflanzenphysiologen; Emil Berliner hat das Grammophon, Artur Korn die P h o t o t el e g r a p h i e, Jacobi die Galvanoplastik, Otto Lilienthal die Flugmaschin e, David Schwarz den Zeppelin geschaffen, dessen Motore Karl Arnstein gebaut hat. Hunderte und Hunderte von Juden muß man nennen, nennt man die besten Namen; und sie alle haben für Deutßohlandß Ehre gearbeitet und gewirkt, und sie sind heute verfemt und geächtet. Sie haben für Deutschland geschaffen, und sie haften nicht da.s Bewußtsein, als Juden zu wirken. So sehr wir nns über die Kraft des jüdischen Genies freuen, die von zwei Jahrtausenden des Exils nicht eingeschränkt werden konnte, so sehr müssen wir es bedauern, daß wir mit der stolzen Leistung dieser Großen für die Ga.luth zahlen. Was sie getan, gelehrt, entdeckt haben, ist wegannektiert worden und nicht nur das: es ist in der Abkunft so spurlos geschwunden, daß in diesem selben deutschen Volk von heute BESTE QUALITÄTEN ANTHRAZIT KOHLE KOKS BASCH IV., ARGENTINIERSTRASSE 22 TEL SERIE II W-5-40 ACHTUNG HAUSBESITZER! Eure Häuserverwaltungen, Geldbeschaffungen und Reparaturkredite kulantest nur durch das Hyp othekert- und VerwalteRjji'bÜT* behördlich konzessionierte Realitäten*, R. TAUBMANN Wien, II., Nordpolstraße 2/3 Tel. A 48*9-22 Sensal Die deutsche Judenschaft über Streichers Lügen