Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 421 (29.1.1935)
- Date
- 1935-01-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 421. — 29. Jy.nn.flr 1.935 DIE STIMME Seite 5 beert. Doch noch reden die uralten, bemoosten Steine von längst Vergangenem. Steine mit blumenreichen, frommen Inschriften, mit den Symbolen des I/ammes, des Kränzlein«, der priesterlicben Krone und der segnenden Hände im Relief. Der schwärzliche Blechsarg des sagenumwobenen Grabmals des Wunderrabbi von Horowitz ist mit unzähligen Wac.hstränen bedeckt. Man erklärt mir, daß alljährlich viele Men,sehen zu diesem Bleohsarg pilgern, um zu beten und Kerzen anzuzünden. Viele, viele hebräische Schriftzeichen sind in den Sarg eingeritzt worden: Bitten in großer Not. Ein paar Schritte weiter ein großer, steinerner Fboh, einst der Wasserspeier eines Brunnens. Hier soll einem Fisch ein Grabmal gesetzt worden sein, der den Mund öffnete, um das „Höre, Israeli“ zu beten. Vielleicht versinnbildlicht der geheimnisvolle Fisch den Leviathan, dessen Fleisch die Frommen nach dem letzten Geschehen nähren soll, vielleicht die verborgene, esoterische Weisheit, deren letzter Schluß immer der Schrei nach dem Einzigen und Ewigen ist. Ich weiß es nicht... „Kirjath Sepher“ Die vierte Nummer des elften Bandes der von der Jüdischen National- und Universitäts-Bibliothek in Jerusalem herausgegebene.n bibliographischen Vierteljahrssohrift ..Kirjath Sepher“ ist »soeben croci tonen. Mit ihr tot der elfte Jahrgang der Zeitschrift abgeschlossen. Das Heft enthält außer den regelmäßig erscheinendem Nachrichten der Bibliothek, der Bibliographie der Pa.läst.ina-Drucke sowie der in aller Welt erscheinenden Hebraioa und Judaiea, eine Reihe von ausführlichen Besprechungen wichtiger Bücher aus verschiedenen Wissensgebieten, die in letzter Zeit erschienen sind. Die Rezensionen wurden verfaßt von: B. Sohochetmann, N. Braun, S. Oh. Kuck, II. Bergmann, S. A. Neuhaußen, A. M. Habermann, A. Zirikower, J. Klausner, A. J. Brawer, J. Ben Zwi, S. D. Goitein, Fr. Baer. Unter der Rubrik „Aufsätze und Forschungen“, ünden sich die folgernden Arbeitern: S. As®af: Über verschiedene hebräische Manuskripte. J. Sonne: Jacob Lombroso und das Buch s,Chc3ohek Schlomo“. J. Pograbimsky: Achad Harum; eine Bibliographie. A. Yaari: Bibliographische Notizen. A. Yaari, E. Brauer und E. R. Malachi: Ergänzungen zur Bibliographie über die j em en itis eben Juden. Außerdem enthält das Heft noch einige bibliographische Anmerkungen von M. Narkis, A. B. Jabionsky, S. D. Goitein und J. Sonne. Zusammen mit Nummer vier des elften Jahrgangs, erschien das Register zu Band XI der V i eitel ja hrsechnift im Umfange von 36 Seiten. Die Zeitschrift ißt durch die Jüdische Nationaluni Universitäts-Bibliothek Jerusalem und durch jede Buchhandlung z,u beziehen. Br. Mosenheck (Mödling) ein Fünfziger Kürzlich hat Gg. Dr. Rosenheck in Mödling das 50. Lebensjahr überschritten, Dr. Rosenheck nahm seit seiner Jugend ernsten und aktiven. Anteil an unserer Bewegung. Er gehörte der „Kadimah“ an und ist stets in den ersten Reihen der Kämpfer für das jüdische Recht und die jüdische Zukunft gestanden. Er war eine Zeitlang Mitglied des Zionistischen Landeskomitees. Er ist der Her. usgeber dee Gedenkbuclies, das die ,,Ka iimah“ anläßlich ihres hundertsemeetrigen F xstamde herausbrachte und das viel auföi iilußreac « Material über die Anfänge der österreichischen zionistischen Bewegung enthält. Seit Jahren leitet er die Mödilinger x'oruistisr' e Ortsgruppe. Dr. Rosenheck gehört zu en bes* teidenen Zionisten, denen die Sache ■’ ar Person vorangeht. Die Zionistische Organisation Österreichs wünscht ihm und sich vom Herzen noch viele Jahre der Arbeit und dankt ilnn für seine nimmermüdo Treue. Aus Anlaß seines 50. Geburtstages wurde Dr. Rosenheck von der Mödlinger Ortsgruppe gefeiert, und zu seinen Ehren zehn Bäume in seinem eigenen Garten gestiftet,. Das jüdische Kapital in Palästina Wie vor kurzem rnitgeteilt, sind nach'und durch die private Kolonisation Schätzungen sachkundiger Kreise im Laufe 250.000 Pfund investiert, des Jahres 1934 in Palästina Neuinvestitio-) Wie authentisch mitgeteilt wird, hat die nen in der Höhe von zehn Millionen Schwerindustrie allein (Palestine Pfund vorgenommon worden. Am höch- Electric Corporation, Palestine Potash Ltd., sten waren die Investitionen im Bauwesen.1 „Nasher“) das in ihre Unternehmungen in- In Tel-Aviv wurden im Laufe des Jahvestierte Kapital um weitere SOO.OOO Pfund res rund 37.000, in Jerusalem 7000 und erhöht. Für die Erweiterung anderer bein II a i f a einschließlich der Vorstädte stehender Industriebetriebe wurde ein Ka- 20.000 Quadratmeter Wohnraum bebaut, pital von 250.000 Pfund aufgewendet, in Unter Berechnung der durchschnittlichen neuen Unternehmungen wurden 450.000 Baukosten mit 6 Pfund pro Quadratmeter Pfund investiert. Die Gesa.mtinvestitionen ergibt sich eine Gesamtinvestition von 4H in der Industrie betrugen somit 1 Million Millionen Pfund in Neubauten in diesen drei Pfund. Städten. Die durchschnittlichen Baukosten | Im Jahre 1934 wurden von Juden 200 in den Kolonien betragen 5 Pfund pro Qua- Personenautomobile, 150 Taxis und 250 dratmeter. Demgemäß werden die Gesamt- Lastautos im Gesamtwert von 340.000 Pfund kosten der Neubauten in den Kolonien auf gekauft. Die Gesamtinvestitionen im Trans- 800.000, die Gesamtinvestitionen für Bauten portwesen werden auf 500.000 Pfund gern Stadt und Land auf 5,300.000 Pfund ge-,schätzt schätzt. Insgesamt wurden also in den erwähnten Im Jahre 1934 gab ea 85.000 Dunam noch I Wirtachatoweigen 8 700.000 Pfund invenicht fruchttragender Orangenplantagen in »tiert Nicht eingerechnet in diese Summe jüdischem Besitz; 45.000 Dunam Orangen- ™d Arabern neuerwoi-bene Termins, Plantagen, die bereits fruchttragend waren, öffentliche Arbeiten m den Städten (Arheierfordem Investitionen nur noch von Zeit ‘“* df ^.J“l'Av,v tu Zeit; für die nichtfruchttragenden Plan- Jüdischer Vorsmdte) und die Investitionen tagen entfiel pro Dunam im Durchschnitt "? kaufmännischen Betrieben. Deinen sprechend rechnet man mit einer Gesamthohe der Investitionen ira Jahre 1934 von 10 Milein Investitionsbetrag von 10 Pfund, die Investitionen in diesem Wirtschaftszweig betrugen also 850.000 Pfund. Außerdem wurde ein Kapital von 750.000 Pfund für die Anlionen Pfund. Diese Ziffern zeigen, daß die Investitionen läge von 30.000 Dunam neuer Plantagen l” Jah!;e der Industrie gegenüber aufgewendet. Die Gesamtinvestitfonen des dem Jahre 1932 um 185 Prozent, gegenüber Jahres im Plantagenbetrieb betrugen somit dcm dahre ,933. ”” “ber, «0 Prozent 1,600.000 Pfund. In anderen Landwirtgestie gen sind; die Investitionen im schaftszweigen wurden - durch den Keren £ Uajessod, die PICA für Bewässerungsanlagen im Jahre 1932 und um 80 Prozent höher als lim Jahre 1933. Das künftige polnische Parlament Warschau, 24. Jänner. (2. T. A.) Nach erfolgtet Abschaffung der Propottionßwahlen und Einführung des Systems einfacher Mehrheiten in Polen, ferner nach der Umbildung der Wahlbezirke, wodurch die von jüdischen Massen bewohnten Städte mit reinen Landbezirken verbunden wurden, wird es wahrscheinlich den etwa drei Millionen Juden in Polen nicht möglich sein, auch nur einen einzigen Sitz im polnischen Parlament und im Senat zu erringen. Die Warschauer jüdische Tageszeitung „Nasz Pszeg.lad“ fordert darum die Einführung nationaler W a h 1 k u r i e n; die Zei tung weist darauf hin, daß falls die jüdischen Wähler keine Möglichkeit haben werden, für jüdische Kandidaten zu stimmen, sie oft das Zünglein an der Waage zwischen den konkurrierenden polnischen Parteien bilden werden, was zn Reibungen und antijüdischen Ausschreitungen führen könnte. Der Innenminister Marian Z y g d r o m- Kosztszalkowski empfing in längerer Audienz die jüdischen Deputierten Doktor Henryk Rosmarin und Dr. Emil S o mmerstoin und besprach mit ihnen Angelegenheiten der jüdischen Bevölkerung Polens. V orher empfing der Unterrichtsminißter Jedrzejewicz den Deputierten Dr. R o ß m a r i n, der mit ihm Lage und Zukunft des jüdischen Schulwesens in Polen erörterte. Nach der Einweihung der Haifaer Röhrenleitung Haifa, 24. Jänner. (2. T. A.) Die Einweihung der Haiüer Ausraündung der Petroleum-Röhrenleitun.; aus dem Irak durch den High Commissioner General Sir Arthur Wauchope erfolgte in Gegenwart von mehreren Hundt t Gästen, unter ihnen höhere Re-gierungsb amte und Repräsentanten der Wirtsi ’iaftskreise. An der Feier nahm auch du’ Präsident der Iraq Petroleum Company, 8:r John Cadman, teil. Sir Robert Waley Cohen aus London, der bekannte englisch-jüdische Führer, der zur Teilnahme an der. Feier als Direktor der Shell Company nach Palästina gekommen war, konnte an der Feier nicht teilnehmen, da er von dem schweren Autounfall, den er kurz nach seinem Eintreffen in Palästina erlitten hat, noch nicht wiederhergestellt ist. Der letzte Akt der Feiern, die in Kirkus bei Anwesenheit des Königs Ghasi vom Irak, des französischen Hochkommissars für Syrien und des Präsidenten der Libanon- Republik begonnen haben, wird in einigen Tagen in der Hauptstadt Transjordaniens, Amman, unter der Leitung des Emirs Abdullah von Transjordanien stattfinden. Bekanntlich führt die Hauptlinie der Leitung Mossul-Haifa durch transjordanisches Territorium. Nach Beendigung der Einweihungszeremonie in Haifa besuchte der High Commissioner Sir Arthur Wauchope die Arbeitervorstadt K i r j a t Hain bei Haifa, wo er vom Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Mosche S h e r t o k, empfangen wurde. Der High Commissioner äußerte sein Wohlgefallen über die Solidität und Schönheit der Häuser der jüdischen Arbeiter, die in freundlicher Umgebung stehen. Er erkundigte sich eingehend über die Bedingungen der Rückzahlung der für den Erwerb der Häuser den Arbeitern gewährten Darlehen. Wegen Beihilfe zum Schächten in Schutzhaft Berlin, 24. Jänner. (2. T. A.) Wie der „Völkische Beobachter“ meldet, wurde in Hammelburg (Bayern) ein Gastwirt wegen Vergehens der Beihilfe zur jüdischen Schäc-htung in Schutzhaft genommen. Jüdische KultursteHe. Zentrale: II., Aspernbrückengaese 2, Tel. R 48-2-91, Zweigstellen: VI., Loquaiplatz 11, Tel. B 20-0-81; IX., Währingerstraße 48, Tel. A 14-400. Unseren Mitgliedern stehen für sämtliche Wiener TheateT ermäßigte Karten zur Verfügung. Hakoah- Veranstaltung: Stadttheater, 2. Februar, J411 Uhr, Nacht der Prominenten. Zionistische Bezirksrektion Innere Stadt, I., Neutorsasse Nr. 6 Donnerstag, den 31. lünner 1935, \/89 Uhr abend* Prof. Dr. Wilhelm Stein: „Die Juden im neuen Europa" Palästinafilm von Dr. Philipp Rezek Donnerstag, een 7. Februar um V«7 und V»9 Uhr abend* Colt Altes Rathaus, I., Wlppllngerstraße Nr« 24 aas:,.,1 Vom Jüdischen Klub in Baden Aus Baden bei Wien wird uns berichtet: Am 20. Dezember 1934 fand in unserem Klubheim die diesjährige Generalversammlung statt. Obmann Dr. Rudolf Lackenbacher erstattete einen ausführlichen Bericht über das abgelaufeno Jahr, erwähnte die zahlreichen Vorträge und Veranstaltungen und dio Wichtigkeit der Unterstellung des Klubs unter das zionistische Landeskomitee. Redner kam dann auf die günstigen Ergebnisse seiner Keren-Kajemeth-Tätigkeit zu sprechen, wodurch den K. K. L. fast die dreifache Summe dee Vorjahres zugeführt werden konnte. Ebenso hat der Mifal Arlosoroff ein glänzendes Ergebnis gezeitigt. Auch auf dem Gebiete der Hebräisch-Arbeit und der Fürsorg hat der Klub im abgelaufenen Jahre Wertvolles geleistet. In einem zweiten Referate über die politische Tätigkeit der Zionisten in Baden schilderte Obmann Dr, R. Lackenbacher den Wahlkampf, den Sieg der vereinigten Liste der Zionisten und der Wirtschaftspartei, er kam dann auf die Veränderungen im Vorstande zu sprechen, schilderte, wie es zur Bildung eines rein zionistischen Präsidiums kam und gab der bestimmten Hoffnung Ausdruck, daß es ihm gelingen werde, die diversen lokalen Streitfragen einer günstigen Lösung zuzuführen. Mit dem Bericht über die bisherige erfolgreiche Tätigkeit der Zionisten in der Kultusgemeinde auf dem Gebiete der Kultur und der Fürsorge schloß der Obmann Beine Ausführungen. Hierauf erstattete der Obmann-Stellvertreter und Kassier, Herr Hermann Glück, den Kassabericht, aus welchem zu ersehen war, daß der Klub auch in materieller Hinsicht gut abgeschnitten hat. Schließlich wurde folgende Liste einstimmig gewählt: Dr. Alles Josef, Borisiewicz Robert, Glück Anny, Glück Hermann, Griinwald Ludwig, Dr. Katz Leo, Kohn Emil, Dr, Lackenbacher Rudolf, Dr. Rosler Moses und Doktor. Spitzer Samuel. * Bei der konstituierenden Sitzung am 2. Jänner 1. J. wurde mit Rückeicht auf die Berufung des Obmannes, Herrn Dr. Rudolf Lackenbacher zum Präsidenten der Kultusgemeinde, eine neue Khibleitung gewählt, die sich wie folgt zusammensetzt. Obmann: Ludwig Grünwald, Obmannstellvertreter: Dr. Katz Leo und Glück Hermann, letzterer auch Kassier, Schriftführer Dr. M. Rosler. Es ist zu hoffen, daß es der neuen Leitung in verstärktem Maße gelingen wird, die zionistische Arbeit in Baden weiter auszubauen. Große Auktion im Franz- Josef "Saal des Dorotheums Am Montag, den 28. d., beginnt im Franz- Josef=Saal des Dorotheums eine Schaustellung, die bis einschließlich Mittwoch, den 30. d., von- 10 bis 18 Uhr, zugänglich ist. Eia reich mit Bildern versehener Katalog ermöglicht eine Übersicht auf die mehr als 1200 Auktionsobjekte, welche zum Teil aus dem Nachlasse Else Bloch, der Witwe nach dem bekanntem Medizinalrat Dr. Alois Bloch, aus den Beständen eines vornehmen Wiener Haushaltes sowie aus verschiedenen Adels- und Privatbesitz stammen. Bei deT Fülle der Gegenstände kann nur auf einzelne Stücke besonders hingewiesen werden; so auf ein aus dem Nachlasse Bloch zum Verkauf gelangendes Speisezimmer, wuchtig und prunkvoll im Gesamteindruck, im Detail mit feiner Bildhauorarbeit reich geschnitzt, der Hochrenaissance angehörig. Beachtenswert ist eine Reihe prachtvoller Perser- und anatolischer Teppiche, wie Mossul, Schiras, Turkbaff, Täbris, Afghan, Mir, Brussa u. v. a. Unter den vielen hübschen Gemälden fallen uns zwei Landischaftsbilder von Obermüller, das stimmungsvolle Bild „lieau kehr vom Feld“ von F. Streitt und die anziehenden Bilder von L. NeustäGer „Spielende Kinder“, F. Thöne „Der Vogel-heller4* besonders auf. Eine Meisterleistung ist auch „Der Traunsee mit dem Traunstein“ von Sehweuinger. Ferner sei noch auf „Die Wegandacht“ von E. Czech, die „Kartenspiele)" von P. Krämer und „Vom Schatz“ von ICa l Knicheldorf hingewiesen. Prunkservice der Firma Lohn iyr für zwölf und sechs Personen, silberne Samoware, Beeteokkassetten, Tafelsilber, komplette Schlaf-, Speise- und Herrenzimmer, Salons, Sitzgarnituren, Bronzen, Gegenstände aus Zinn sind in vorzüglichen Qualitäten vortreten. Die Versteigerung wird am 31. d. sowie am 1 und 2. Februar ab 15 Uhr im Franz-Josef- Saal abgehalten.