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Die Stimme · 1935-01-29 · Heft 421 (29.1.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 421 (29.1.1935)
Date
1935-01-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mi dieser Nummer 20 g V. b. b. Dienstag-Ausgabe Nr. 421 _JÜDISCHE ZEITUNG 2ATSam <90 .TannAI* f Oie I Redaktion und Administration: Wien, I, Maro-Aural-StraBe 5. »0*1» »7* uonncr »7J> | T*l.: U 22-3-fll. ,1ed?ktion«sehluO Montag und Mittwoch vorm. diej’ev Firma Taufende danken 0*»urxn, - MJKOlasch I MIKOLAsch 7M\l sei* den 32 J&hren ihre« Beslandes Hilde tu Fuß- und Bruchleidan — Sie verdien! aaecla Ilar Verlreue» Hrniringen-HlIhDltisdi Vien, Taborslrade 22. Tel. R 47-1-3«, R 41-0-4* |^SdttwädT»9S)|b Jahrgang Zion und Galuth Die Session des neuen Stadtrates von Jerusalem eröffnet Jerusalem, 27. Jänner. (2. T. A.) Nach dreimonatigem Kämpfen um die Reobtmäßigkeit der letzten Stadfcratewahlen in Jerusalem und nach Überwindung einer im letzten Augenblick um die Besetzung der Stelle des ersten Vizebürgermeisters abgebrochenen Krise hat am 24. d. die k o n s t i t u i e r e n d e Sitzung des neuen Stadtrats unter der Leitung des Bürgermeisters Dr. Hussein Fakri el .Khaldi und im Beisein des Distriktskommissars Campbell stattgefunden. Zum ersten Male seit fünf Jahren nahmen wieder jüdische Stadträte an einer Sitzung des Jerusalemer Stadtrats teil. Bürgermeister Dr. Khaldi erklärte in seiner Eröffnungsansprache, die neue Stadtvertretung werde kein Tummelplatz der Politik, sondern eine ‘ Stätte konstruktiver Arbeit für daß Wohl Jerusalems sein. Der jüdische Vertreter im Stadtpräsidium, .der erste Vizebürgermeister Daniel Allster, ein Mann von etwas über 40 Jahren, ließ sich, nach dem Krieg in Jerusalem pieder. Als österreichischer Offizier war er während des Krieges nach Palästina gekommen und übernahm nach der Demobilisierung gemeinsam mit. dem Tel-Aviver Rechtsanwalt Dr. Dunkelblum die Abteilung der Zionist Commission für die Verwaltung des jüdischen Friedensgeriohts. Einige Zeit später errichteten er und Dr. Dunkelblum eine der ersten Rechtsanwaltskanzleien in Jerusalem. Eines der ersten drei Häuser in dein jetzt stark ausgebauten Jerusalemer jüdischen Vorort Rechawia wurde von Daniel Auster errichtet, der heute auch Vorsitzender des Rates von Rechawia ist. In der ersten £elt seines Aufenthaltes in Palästina war Daniel Auster der Gruppe Hapoel Hazalr in der jüdischen Arbeiterbewegung angeschlossen, ging jedoch später zu den Allgemeinen Zionisten über. Ein iüdischer Vizebürgermeister für Jaffa? Jerusalem, 27. Jänner. (2. T. A.) Es verlautet, daß wie in Jerusalem auch i n J a f f a ein Jude zum Vizebürgermeister ernannt werden soll. Auflösung des Rates der Jüdischen Gemeinde Lemberg Lemberg, 27. Jänner. (2. T. A.) Der Rat der Jüdischen Gemeinde Lern berg wurde mit der Begründung, daß seine Mandatszeit ahgelaufen sei, behördlich aufgelöst. Es wurde ein Regderungskommissär zur Leitung der Gemeinde eingesetzt. Ihm wurde ein aus fünf Zionisten und elf Vertretern der assimilatorischen Richtung und der Kaufleute bestehender Beirat zur Seite gestellt. Zw i Rosenblatt in Palästina Jerusalem, 27. Jänner. (2. T. A.) Das gegen Zwi Rosenblatt, den freigesprochenen zweiten Angeklagten im Arlosoroff-Prozeß, ausgesprochene Einreiseverbot wurde zurückgenommen. Der ungeheure Aufschwung Erez Israels und die tiefe wirtschaftliche Depression in der ganzen Welt bringen es mit sich, daß sich bei den zionistischen Organisationen und Palästina-Ämtern in verschiedenem Ländern, hauptsächlich in Ost- und Mitteleuropa zahllose Zertiükatswerber einsteilem. Tausende Mitläufer bevölkern die zionistischen Versammlungen und Vortragssäle und die Vorgänge in Palästina sind da.s Thema der meisten Reden . und Zeitungsartikel. Es ist kein Wort darüber zu verlieren, daß d'iie politische und wirtschaftliche Entwicklung Palästinas der regsten Aufmerksamkeit aller Zionisten würdig ist. Wie man sich bettet, so liegt man, auch in der Politik. Ähnliches kann von der Wirtschaft, im vorliegenden Falle aber in einem leider nur sehr beschränkten Umfange ausgesagt werden, weil eben leider , die Kapitalseinwünidenmg keiner' Einflußnahme der zionistischen Instanzen unterliegt.1 Die unaufhörliche, wenn arnch notwendige Beschäftigung mit den Problemen Palästinas birgt; aber eine nicht zu unterschätzende Gefahr mit sich. Es gibt heute" viele Zionisten, die mit einer gewissen Geringschätzung auf die jüdischen Probleme in der 'Galuth herabblicken und sich mit . ihnen gar nicht oder nur so nebenbei beschäftigen. Für diese Zionisten scheint nur Palästina zu existieren. Vor dieser Einstellung kann nicht genug gewarnt werden. Eine jüdische Diaspora hat es schon lange vor der Zerstörung des jüdischen Reiches gegeben ' und auch dann, wenn Palästina, sogar zu beiden Seiten des Jordans, einmal jüdisch sein sollte, wird es eine Galuth geben. Nichts ist daher verhängnisvoller als eine Vernachlässigung der Galuthprobleme. Diese Erkenntnis hatte schon Herzl, als er die Parole ausgab: „Erobert die Kultus gemeinden!“ Auch hier hat sich die prophetische1 Gabe Theodor HerzLs bewährt. Noch im Jahre 1932, kn Wahlkampf um die Wiener jüdische Gemeinde, hat. die „Union“ gegen das zionistische Wahlprogramm gewettert und hat die Tätigkeit unserer Gemeinde auf Thora, Awodah und Gemilath Chessed, auf Religionsunterricht, Gottesdienst und Fürsorge eingeschränkt wissen wallen. Die Zionisten haben demgegenüber verlangt, daß die jüdische Gemeinde, als die einzige uns zur Verfügung stehende öffentlich-rechtliche Körperschaft, für sich die ganze Führung in Anspruch nehmen müsse, daß also ihrer Obsorge nicht nur Religionsunterricht, Gottesdienst und Fürsorge an vertraut sein sollen, sondern der jüdische Mensch in allen seinen Angelegenheiten* Handelt es sich um wirtschaftliche Angelegenheiten, dann sei es Aufgabe der jüdischen Gemeinden, für die soziale Umschichtung der Jugend, für eine Arbeitsvermittlung und für K reff ifckaesen für Geweruetreibemde zu sorgen. Es sei ebenso ihre Aufgabe, für den Schutz unserer staatsbürgerlichen Rechte wie für die S c h a ff u n g eines j ü d i s c h e,n S c.h ulwerk e s zu sorgen. Dabei haben sich die Zionisten zur Aufgabe gestellt, für den konservativen Charakter der Gemeinde, für den Ausbau ihrer religiösen und philan'tropi sehen Institute ebenso zu wirken, wie für den Ausbau des Religionsunterrichtes. Auf allen diesen Gebieten haben wir außerordentliches geleistet. Tausende jüdische Kinder erhalten zusätzlichen Religio ns- und Hebräischunterri.cht auf Kosten der Gemeinde, die Ju ge n'dgottesd lenste sind überfüllt. Ein Arbeitsnachweis und eine G emi 1 a th . C h e.s s e d - K ass a wurden geschaffen, die Umschichtung der Jugend wird gefördert und eine jüdische Volksschule ist in Vorbereitung. Damit ist die ersprießliche Tätigkeit der zionistischen Kultusmandiatare, insbesondere des Präsidenten Dr. Friedmann und des Vizepräsidenten Dr. Löwenherz nur angedeutet. Vorgestern wurde nun der Z ub au zum Ve rs o rgung.shaus — wann wird endlich dieser häßliche Name verschwinden und dem Worte „Altersheim“ Platz machen? — eröffnet, der es ermöglicht 58 alte und hilflose jüdische Menschen vor Hunger und Elend zu retten und ihnen einen geruhsamen Lebensabend in einem jüdischen Milieu zu bereiten. Dieses neue Institut, in der Zeit schwerster wirtschaftlicher Not geschaffen, ist ein neues Ruhmesblatt in der Geschichte der zionistischen Gemeindeverwaltung. Daß dieses schöne Werk geschaffen werden konnte, ist vor allem das bleibende Verdienst unseres Freundes Dr. I. H. Körner, der seine Schützlinge so betreut, als wären es seine leiblichen Eltern. Und es ist rührend zu sehen, wie der Zionist Körner, einer aus der studentischen Garde Theodor Herzls, sein Ehrenamt versieht.. Nichts ist bezeichnender, als daß ihm sämtliche Pfleglinge im Jahre 1932 eine Denkschrift ülberreieilten, als er nicht mehr kandidieren wallte. Sie Hehlten ihn an — ihren „Vater“ wie sie ihn nannten — er möge weiter Kultusvorsteher bleiben und es war gut, daß er den Bitten der alten Menschen, deren zittrige Unterschriften und rührende Worte Bände sprachen, nachgegeben hat. Er möge des Dankes aller Juden in dieser Stadt sicher sein. So sehen wir, das die Zionisten ihre Versprechungen aus dem Wahlkampf erfüllen. Im Wege der Tat wird die jüdische Kultusgemeinde zur Volksgemeinde, die in gleicher Weise auf allen Gebieten, sowohl für Kultus, Unterricht und Fürsorge, als auch für die Wirtschaft und — wie sie oft beweist — für die Sicherung unserer bürgerlichen Rechte tätig ist. Nichts ist daher mehr zu verurteilen, als der frevelhafte Versuch einer verschwindenden Minderheit die Einheit der Gemeinde zu sprengen, oder der untaugliche) Versuch, sich eine Legitimation für politische Extratouren zu schaffen. Die Mehrheit des Kultusvorstandes ist zionistisch und das Präsidium wirkt in politischen Dingen in unserem Sinne, ebenso wie unser bewährter Freund, der Zionist Doktor Jakob Ehrlich, im Rate der Stadt Wien mit Ausdauer und Mut für die jüdische i Für die Sonderfahrt des Riesenozeandampfers „ROMA“ (33.000 Tonnen) TRIEST—PALÄSTINA 28. März 1935 wurden die Preise der ERSTEN KLA SSE auf Lire 1220*- (das ist etwa S 562*-) herabgesetzt. Nur drei Tage Überfahrt! EINE EINMALIGE GELEGENHEIM , Sichern Sie sich rasch Ihren Platz bei der Generalagentur des „Lloyd Triestlno'Y Wien, I., Kämmening 6 Bevölkerung arbeitet. Das sollte wohl jedermann genügen. Was von unseren Mandataren geleistet wird, ist zionistische Tätigkeit im, besteh Sinne des Wortes. Diese Tätigkeit wird auch von unseren Gegnern respektiert uni anerkannt. Sie wird um so erfolgreicher sein, je geschlossener die' j ü d ische Bevölkerung hinter der Führung der jüdischen . Gemeinde stehen wird. Diese Gemeinde wirkt auch durch die Fürsorge für die Palästina-Wanderer und die Dotierung der Fonds für Palästina. Sie bringt damit am besten die von einander untrennbaren Arbeitsgebiete zum Bewußtsein der jüdischen Bevölkerung, um die wir kämpfen müssen: Die Galuth und Erez Israel. Keines dieser Arbeitsgebiete darf vernachlässigt werden. Es kann kein starkes Palästina geben, ohne eine starke, gleichberechtigte und wirtschaftlich gesunde Galuth und umgekehrt. Überwindung des Galuth-Geistes darf nicht gleichbedeutend sein mit Verneinung des Galuth. Wir müssen die Galuth bejahen, wie wir Palästina bejahen. Wir Zionisten sind die Kämpfer für die jüdische Zukunft. ,,Zion und Galuth“ steht auf unserer Fahne. Besserung des Gesundheitszustandes von Dizengoff Der Gesundheitszustand des 73jä.hcigea Bürgermeisters von Tel-Aviv Mayer Dizengoff, an dem drei Bluttransfusionen vorgenommen wurden, hat sich in den letzten Tagen soweit gebessert, daß die Herausgabe von täglichen Bulletins über den Verlauf der Krankheit nunmehr eingestellt worden ist, Alfred Rosenbergs Arbeit in Jugoslawien In den letzten Tagen erschienen in "serbischer Übersetzung und in cyrilisoher Schrift gedruckt die „Protokolle der Weißen von Zion“. Vor etwa fünf Jaftren erschienen die „Protokolle“ in lateinischer Schrift. Diesmal “wird das Heft per Post gratis an viele Personen versandt.

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