Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 420 (25.1.1935)
- Date
- 1935-01-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Mummsr 20 g V. b.b. Freitag-Ausgabe Leser Döblings beachtet Seite 21 JÜDISCHE ZEITUNG MACrDA SCHNEIDER./ vJVOLFAI-- ALBACH-RETTY THEO LINOEN .m EüTE-MMPERfAL't OPERN-KINöT^ S£H01TENRINC?*i LUSTSPIELTHE ATER«FLOITENH* »0»Qf0i»i»HUM ö £ I M (• M* Nr. 420 I Wien, 25. Jänner 1935 i Redaktion und Administration s Win, I., Mars-Aural>Sfrafla >• Tal.: U 22-3-81. RadaktionuehluS Montag und Mittwoch vorm. Nationales Kapital, Privatkapital und Bodenspekulation Seit dem Ende des Weltkriege hatte das jüdische Volk die Möglichkeit den Boden Palästinas zu erlösen und hat davon leider sehr geringen Gebrauch gemacht. Als Uesischkin vor ungefähr vier Jahren in New York weilte, sagte er bei einem ihm zu Ehren gegebenen Bankett: „W e n n die amerikanischen Juden nur zehn Prozent des Geldes, das sie älahauseeanderBörse verspielt haben, dem Keren Kajemeth gegeben hätten — der ganze Boden Palästinas wäre heute erlöst undin jüdischem Besit z.“ Diese Worte Useischkins gelten in größerem oder geringerem Maße für die Juden jedes Landes, vor allem aber für die J u d e n Deutschland s. Wieviele deutsche Juden wären heute glücklich, hätten 6ie nicht, verstrickt in die falschen Theorien der Ass i m i 1 a t i o n, für den Zionismus nur Spott und Hohn, bestens Fälle ein Achselzucken übrig gehabt. So kam es, daß dem Keren Kajemeth nur die zionistischen Sparkreuzer zur Verfügung standen und daß der Boden Palästinas sozusagen hur parzellenweise gekauft werden konnte und selten in goßen Flächen. Als nun gar das private Kapital Boden erwarb, als T e 1 - A v i v sich in einem amerikanischen Tempo vergrößerte und die Masseneinwanderung nach Palästina einsetzte, da schnellten die Bodenpreise zu ungeahnter Höhe empor. Millionen jüdischen Kapitals, die besser für produktive Zwecke hätten verwendet werden können, flössen in die Taschen der Araber und gingen so verloren. Es hat heute vielleicht keinen Zweck, darüber zu klagen, aber man sollte doch wenigstens die Lehre aus den schweren Fehlern ziehen, die nun einmal gemacht wurden. Es ist aber unvernünftig, wie dies oft geschieht, von einem Extrem ins andere zu fallen. So hört man jetzt oft ein großes Gezeter über das spekulierende Privatkapital und die Bodenwucherer. Gewiß sollen alle Mittel angewendet werden, um gewissenlosen Bodenspekulanten das Handwerk' zu legen. Man soll es aber nicht zulassen, daß Privatinitiative und privates Kapital mit Bodenspekulation in einen Topf geworfen wird. Palästina verdankt der Privatinitiative und dem privaten Kapital das Aufblühen seiner In d ue t ri e. und den Städtebau; letzteren allerdings hat der Keren H a j e s s o d oft erst ermöglicht, zum Beispiel in Tel-Aviv. Ist aber der Jude ein Bodenspekulant, der für seinen zukünftigen Gebrauch Boden kauft und sich durch Abverkauf eines Teiles dieses Bodens zu einem höheren Preise, die Möglichkeit schafft, den Boden urbar zu machen und zu bebauen? Sicher nicht, denn sonst wäre auch unsere Exekutive eine Bodenspekulant^. Sie hat seinerzeit verkrachte Bodengesellschaften übernommen, um zu verhindern, daß der Boden, der nur angezahlt war, wieder an die Araber zurückfällt. Als dann die Bodenpreise kolossal stiegen, hat sie sich durch den Verkauf eines Teiles dieser Böden zu einem erheblichen Maße 'saniert. ‘ '•*. B ö d'e'n'sp-e k'üTan t 'i s t'-däh e r nur d e r j e ii i g e, d e r B o d e n i n d e r Absicht z ü s a m m e n k ä u f t, i h n teurer zu verkaufen, oline ihn für sich selbst zu benötigen, ohne also die Absicht zu haben, seine künftige Tätigkeit i n P a 1 ä s t i n a und auf diesem Boden auszuüben. Bodenspekulation in diesem Sinne ist also schädlich und zu verurteilen, Privatkapital hingegen ist ebenso nützlich, wie notwendig. Das nationale Kapital allein ist nicht in der Lage Handel- und Imdustrieunternehmungen zu gründen und zu erhalten, das kann nur d a p private Kapit a 1 besorgen. Es darf daher nichts unternommen werden um das Privat kapital davon abzuhalten nach Palästina zu gehen. Im Gegenteil, das Privatkapital muß ermuntert und unterstützt werden und die Exekutive sollte sich energisch gegen die beabsichtigte Erhöhung der 1000-Pfundquote für sogenannten Kapitalisten zur \Vehr setzen und sie sollte alles tun, um Handwerkern und Fabrikanten die Einwande- Röhrenleitung Irak-—Haifa feierlich eröffnet Völkerbund und Saar Genf, 21. Jänner. (Z. T. A.) In seiner Erklärung anläßlich der Annahme der Entschließung des Völkerbundrates über die Rückgliederung der Saar an Deutschland hat der französische 'Außenminister gesagt, daß die Frage Jder Flüchtlinge aus dem Saargebiet — wenn Bie aufkommen sollte und gemäß dem Ausmaß, das sie annehmen könnte — als eine Internationale Frage behandelt werden müsse, deren Lösung dem Völkerbund obliege. Die französische Regierung wird dem Yölkerbimdrat ein Aide-Memoire in dieser Frage überreichen. ¥ Kein Schutz der Minderheiten In seinen Entschließungen bezüglich der Rückgliederung der Saar ist der Völkerbundrat auf die Frage des Schutzes der Minoritäten. nicht mehr eingegangen, da diese Frage endgültig durch die im Dezember v. J. angenommenen Ratsbeschlüsse geregelt worden ist.. Diese Beschlüsse enthalten u. a. die Verpflichtung der deutschen Regierung, die jetzigen Gesetze der Gleichberechtigung aller Einwohner der Saar ohne Unterschied ihrer Sprache, Rasse und Religion auf dio Dauer eines Jahres nach erfolgter Rückgliederung aufrechtzuerhalten. Erklärung der saarländischen Judenschaft Der Vorstand der Synagogengemeinde des Kreises Saarbrücken veröffentlicht eine Kundgebung, die unter anderen lautet: ,,... Am 13. Jänner hat das Saarvolk eindeutig gesprochen. Die auf den außergewöhnlichen Erfolg zu erwartende Atmosphäre der Entspannung wird, wie wir hoffen, neben der Befriedigung des Kontinents auch eine ruhigeren und gerechteren Beurteilung des gesamten Komplexes der 'Judenfrage günstig sein. .Wir haben nun auch äußerlich den Anschluß an die deutsche Judenheit und deren Organisationen, mit denen wir gemeinsam für die Ehre des Judentums tätig sein wollen. .Unsere hauptsächliche Sorgfalt muß nach wie vor unserer Gemeinde und den übrigen Gemeinden des Saargebietes gelten. Wir hoffen, daß der Gemeinschaftssinn unserer Mitglieder unsere Gemeinde nach dem Anschluß der engeren Saarheimat an das Deutsche Reich in beachtlichem Zustand zu erhalten vermag, daß unsere Synagoge, unsere Schule und unsere kulturellen und wohltätigen Vereine weiterhin Sammelstellen regen jüdischen Lebes bilden. Nach fünfzehnjähriger territorialer Trennung kehren wir zu Deutschland zurück. Wir wünschen von ganzem Herzen, daß sich der 13. Jänner 1935 für unser Vaterland, unsere Heimat und das deutsche Judentum segensreich auswirken möge!“ Haifa, 23. Jänner. (Z. T. A.) Am Dienstag, den 22. Jänner, eröffnete der High Commissioner für Palästina, General Sir Arthur Wauchope, in feierlich er Zeremonie die unterirdische Röhre n 1 e i t u n g, die das Erdöl aus dem Irak in den Hafen von Haifa leitet, von wo es nach den verschiedenen Ländern verschifft werden wird. Nach einer Ansprache über die Bedeutung der Ölröhrenleitung für Palästina und die Welt öffnete der High Commissioner das Ventil, woraufhin sich zum erstenmal das öl aus der Pipe Line in ein englisches Tankschiff ergoß. Die vom Irak nach Haifa führende Pipe Line ist etwa 1000 Kilometer lang und wird etwa 500 Kilometer durch die Wüste geführt. In Kirkusch, wo vor wenigen Tagen die .Einweihung der Pipe Line stattfand, befinden sich die Bassins, in denen das öl in die Röhrenleitungen gepumpt und dem Mittelmeer zugeführt. Die eine Leitung führt nach Haifa in Palästina, gehört also dem englischen Interessengebiet an, während die andere Leitung durch das französische Mandatsgebiet Syrien geht und in Tripolis endet. Für die Sonderfahrt des Riesenozeandampfers „ROMA" (33.000 Tonnen) TRIEST—PALÄSTINA 28. März 1935 wurden die Preise der ERSTEN KLASSE auf Lire 1220*- (das ist etwa S 562*-) herabgesetzt > Nur drei Tage Überfahrt! EINE EINMALIGE GELEGENHEIT! Sichern Sie sich rasch Ihren Platz bei der Generalagent^ des „Lloyd Triestino", Wien, I., Kärninerting 6 rung zu erleichtern, auch dann, wenn ge* wisse Kreise fürchten sollten, daß es sich um sogenannte „Bourgois“ handelt, die ins Land kommen wollen. Gerade bei der Ansiodlung dieser kleinen Leute ist auch eine Kooperation zwischen nationalem und privatem Kapital möglich und in Übung. Nur der Keren Kajemeth kann Mittelstands- und Arbeitersiedlungen schaffen, weil nur er in der Lage ist, den notwendigen Boden gegen geringe Pachtzinse zur Verfügung zu stellen: Damit ist aber der Aufgabenkreis des Keren Kajemeth keineswegs erschöpft. Nie kann, lim nur .ein Beispiel zu erwähnen, das Privat.kapital das Huleseegebiet entwässern und urbar machen. Das nationale Kapital allein ist in der .Lage die Böden trainieren, urbar zu machen und dort eine große landwirtschaftliche Siedlung zu gründen. Daun erst werden dort Mittelstandssie dlungen, Geschäfte, Werkstätten und Fabriken entstehen können. Gerade das Beispiel des Huleseegebietes zeigt die unbedingte Notwendigkeit der Förderung der nationalen Fonds. Durch Reden und Zeitungsartikel, kann man die so beklagenswerte Landflucht nicht bannen. Das kann nur dadurch geschehen, daß der chalu zische Geist an neuen, heroischen Aufgaben, wie sie die Erschließung des Huleseegebietes ist, wachgehalten und neu entfacht wird. Noch viele solche Landstrecken können erlöst werden, aber nur durch Chaluzim. Ni*r der echte ohaluzische Opfermut kann aber ©ine g esunde soziale Schichtung Erez Israel ermöglichen. Die Liebe zum B o de n, der durch jüdischen Schweiß erlöst wird, kann nur durch die nationalen Fonds wachgehalten werden. Nur die nationalen Fonds geben auch unseren verarmten Volksmassen die Möglichkeit einer sozialgesunden Ansiedlung BESTE QUALITÄTEN ANTHRAZIT KOHLE KOKS BASCH "• 0 fl-HO ACHTUNG HAUSBESITZER! Eure _H5userverwaltungen, Geldbeschaffungen untj R<paratur|tree|jte kulantest nur durch das behördlich konzessionierte Realitäten-, Hypotheken- und Verwalfungsbüro Tel. A 4S-9-8S Sensal R. TAUBMANN Wien, II., Nordpolstraße 2/3