Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 418 (18.1.1935)
- Date
- 1935-01-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seit« 6 DIB STIMMI Nr. 318 — 18. Jänner 1935 LICK IN DIE WELT Die Bene. Iscaei Ut Indien Die im Oktober 1934 ein ge weihte Synagoge der Bene Israel in Ac hmed ai a d wurde von dem Gouverneur von Bombay, Lord Brabourne, besucht, dem bei dieser Gelegenheit eine prächtig ausgestattete Denkschrift mit der Geschichte der 14.000 Seelen umfassenden Gemeinde der Bene Israel im Regierungsbezirk Bombay überreicht wurde. ln der Denkschrift wird auf die Überlieferung hingewiesen, wonach die Bene Israel als letzte Überlebende der Bevölkerung des Reiches Israel vor 2000 Jahren bei Nowgan, 18 Kilometer südlich von Bombay, gelandet seien. In ihrem AdoptivVaterland hätten sie sich besonders dem Heeresdienst gewidmet und viele hätten hohe Stellungen in der englischen Ar me e erlangt. Viele hervorragende Offiziere aus den Reihen der Bene Israel hätten an dem Feldzug gegen Sultan Tipu teilgenommen. Besondere Dienste hätten sie im indischen Aufstand im Jahre 1856 geleistet. Durch die Einwirkung von Offizieren der Bene Israel seien mehrere Regimenter davon abgehalten worden, sich den Meuterern anzuschließen. An allen militärischen Expeditionen außerhalb Indiens hätten die Bene Israel ebenfalls teilgenommen. Nunmehr aber werde ihre militärische Laufbahn durch die neue Bestimmung eingeschränkt, daß bei jeder Konfession nur zwei Offiziere auf je 100 Mann entfallen dürfen. Damit werde den Bene Israel, die sich zum Handel ganz und gar nicht eigneten, der wichtigste Beruf verschlossen. Die 20.000 Bene Israel in Indien und Burma hätten an allen öffentlichen Diensten ihrer Zahl entsprechend Anteil. Zum Schluß wird in der Denkschrift an den Gouverneur die Bitte gerichtet, bis zur gesetzlichen Regelung der Vertretung in öffentlichen Körperschaften den Bene Israel je einen Sitz im Gesetzgebenden Rat von Bombay und im Stadtrat von Achmedab ad zuzuteilen. Der Gouverneur dankte ßr die ihm in Anwesenheit zahlreicher jüdischer und nichtjüdischer Festgäste zuteil gewordene feierliche Begrüßung, erklärte sich jedoch au ß er stände, den Wunsch nach einer eigenen Vertretung der Bene Israel in den öffentlichen Körperschaften zu erfüllen. Es gebe in Achmedabad zahlreiche Minderheitsgemeinden, die weder im Stadtrat, noch im Gesetzgebenden Rat eine besondere Vertretung besäßen. Arbeitsmäntel kaufen Sie in der Spezialerzeugung Berta Enoel I., Marc-Aurel-Straße 3 (Eing. Sterng.) Tel. U 25-6-36 Unverbindlicher Besuch Bofort Aerztemäntel.von S 6.40 Modellmäntel.von S 8.40 Servlerkleld kompl.von S 8.40 auch nach MaB I Eine Warnung aus Barcelona ln Spanien herrschen auch bei den Juden ungeordnete Verhältnisse. Nach und nach bilden sich kleine jüdische Gemeinden, darunter auch in Barcelona. Ein Jude aus der Slowakei namens Fried mann kam nach manchen Irrfahrten nach Barcelona und bot sich der dortigen Gemeinde als Rabbiner an. Die Gemeinde lehnte jedoch ab, nachdem sie über Friedmann die Auskunft erhalten hatte, daß er überhaupt kein Rabbiner sei und sich keines guten Rufes erfreue. Das genierte aber Herrn Friedmann nicht. Er bildete mit einigen eingewanderten Juden einen Bethausverein und richtete an den Präsidenten der katatonischen Regierung, M acia, ein Gesuch, worin er um die Bewilligung ansuchte, eine eigene Gemeinde bilden zu dürfen. Seine Minjanmänner Unterzeichneten ebenfalls ein Gesuch, wie es heißt gegen entsprechendes Honorar. Die Regierung bewilligte Friedmanns Gesuch und nun begann dieser seine Tätigkeit. Er eröffnete sich zunächst e i n Bankkonto, für das er allein zeichnungsberechtigt ist und schickte Bettelbriefe in die ganze Welt, in denen er sich als „Oberrabbiner der aschkenasischen Gemeinde Barcelona“ bezeichnet. Was mit den gesammelten Geldern geschieht, weiß nur Im Mittelpunkt der Ausgrabungen in den neu er öffneten Sälen des Berliner Vorderasiatischen Museums stehen das durch seine reliefierten Wandteile gekennzeichnete herrliche I s c htar-T or und die Ausgrabungen des Freiherrn Max von Oppenheim, die sogenannten Tell-Halaf- W er k e. Man darf an ihnen ebensowenig vorübergehen, wie an dem Modell eines der sieben W eltwunder, des Turmes von Babylon. Denn in der Rekonstruktion dieses Turmes der Sprachverwirrung, über der ein undurchdringliches Dunkel lange Zeit lagerte, müssen wir die hingebungsvolle jahrzehntelange Arbeit der Archäologen sehen, die ein Werk aufbauten, das Weltgeltung haben und die ganze Menschheit in seinen Bann ziehen wird. R ob ert Koldewey hat lange vor dem Weltkrieg mit den Ausgrabungen im babylonischen Lande begonnen; wer einmal seine „Heiteren und ernsten Briefe aus einem deutschen Archäologenlebent( durchblätterte, wird mit Bewunderung vernehmen, wie der Forscher Sommer und Winter jeden Tag mit 200 bis 250 Arbeitern an den Ausgrabungen in Babylon geschafft hat. Von der Generalverwaltung der Museen, deren Direktor Wilhelm von Bode war, in Übereinstimmung mit der Deutschen Orient-Gesellschaft und ihrem besonderen Gönner James S im o n, ging man daran, die Hauptstadt des Babylonischen Weltreiches auszugraben. Und in der Tat — alle früheren Ergebnisse, wie die der Amerikaner, Engländer und Franzosen, wurden durch die deutsche, nie ermüdende Forschungsarbeit überholt. Die fortlaufenden Ausgrabungsberichte, jene „Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft“ und die Berichte über das mutige Werk in den „Wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft“ hielten die abendländische Welt der Gelehrten bis zum Ausbruch des Weltkrieges in höchster Spannung. Wer jetzt im Vorderasiatischen Museum das große Holzmodell des Turmes von Babel bewundert, kann sich nur bedingt einen Begriff davon machen von dem, was die Gelehrten für die Forschung geleistet haben. Mit Staunen sehen wir, wie sich die verschiedenen Anlagen von Babylon am Ufer des Euphrat gruppierten, an Hand einer Karte kann man sich orientieren, man findet die vielen Anlagen, aus deren Mitte der Turm als drohendes Wahrzeichen aufragte. Farbig abgetönt ist das Modell, es stellt die Grundmasse des Bauwerks und die Hauptmotive seiner Gestaltung klar. Nach der Legende muß der Babelturm ein Riesenwerk gewesen sein, und die Forschungen der Deutschen Orient-Gesellschaft belehren uns, daß es sich wirklich um einen Kolossalbau handelte mit riesenhaften Treppenrampen von vielen hundert Stufen, ln seinem meisterlich unterrichtenden Werk „D a s wiedererstehende B ab ylo n“ erzählt Koldewey gerade von diesen Stufen, die, wie immer in der Antike, besonders steil sind. Höhe und Breite einer Treppenstufe waren für gewöhnlich gleich! Man muß bei einer Würdigung der wertvollen Ausgrabungsarbeiten im babylonischen Lande in Betracht ziehen, wie wenig greifbare Unterlagen die Gelehrten gehabt haben: einzig und allein die Angaben des Griechen Herodot waren vorhanden, in denen der antike Schriftsteller im ersten Kapitel seines bekannten Werkes den Babelturm als einen „massiven Turm“ beschreibt, auf dem ein zweit er, dritter bis zu acht Türmen standen, oben darauf ein „großerTempe l“. Dies allein bildete die literarische Voraussetzung für die er. Die wirklich in Barcelona bestehende jüdische Gemeinde macht alle Versuche, um die jüdische Öffentlichkeit vor Friedmann zu warnen. Wir veröffentlichen diese Nachricht über den von Friedmann betriebenen Mißbrauch und wollen hoffen, daß es gelingen wird, seinem Treiben ein Ende zu bereiten. Vorstellung, die man bis zu den Grabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft von den „Terrassen-Türmen“ Mesopotamiens gehabt hat. Es ist interessant, zu erfahren, daß Koldewey sich mit besonderer Genauigkeit den Inschriften zuwandte, die die Könige des Landes hinterlassen haben. N ebukadnezar und N abup olas sar konnten, was jetzt nachgewiesen ist, in Zylinderin s c hr i f t en Äußerungen über das Riesenwerk hinterlassen, in denen von der Höhe des Turmes und den für seinen Bau benötigten Werkstoffen die Rede ist. Lehmziegel und Lehmerde und mächtige Zedern vom Libanon werden da genannt, und man weiß heute, daß die Bedachung des Tempels auf dem Turmplateau aus Holz gezimmert war. Und zugleich weiß heute die Welt, daß deutsche Forscher auf zwölf Stempelziegel gestoßen und vier beschriftete Ziegel babylonischer Könige zu Tage gekommen sind, die von der Beschaffenheit des Babelturmes Kunde geben. Koldewey und seine Mitarbeiter in langer Arbeit veranstalteten in besonderem Maße Grabungen in dem uralten heiligen Bezirke, „Sachn“ geheißen, in welchem sich der Zikurrat „E t emenank i“, der „Grün dst ein Himmels und der Erd e“, der Turm von Babylon, erhob. Umgeben war er von einer Ringmauer, an die sich allerlei mit dem Kult zusammenhängende Baulichkeiten lehnten. Noch wissen wir heute nicht genau die volle Höhe des Wunderwerkes, aber aus der Ruine gewinnen wir klarste Anschauungen, wenn sie auch stark zerstört ist. Das kolossale Motiv des Turmes, den die Juden des Alten Testamentes als Inbegriff menschlicher Überhebung betrachteten, inmitten der stolzen Priesterpaläste, der weiten Vorratshäuser, der zahllosen Fremdengelasse — weiße Wände, bronzene Tore, drohende Festungsmauern ringsum mit hochragenden Portalen und einem Wald von tausend Türmen — ein überwältigender Eindruck der Größe, Macht und Fülle — im Berliner Vorderasiatischen Museum der bewundernden Nachwelt vor Augen geführt! Das hölzerne Modell in diesen neueröffneten Sälen erzählt noch genauer, daß der Turm in der Südwestecke des heiligen Bezirkes stand, daß er um seinen sehr beträchtlichen Lehmziegelkern noch eine dicke Mauer um sich hatte aus gebrannten Ziegeln, die jedoch bis tief hinab durch die Ziegelräuber entfernt sind. Und so sehen wir heute, wenn wir an Hand der Beschreibungen das Museum durchwandern, nur den tiefen und breiten Raubgraben, der die Lage der großen Freitreppe erkennen läßt. Ein undurchdringliches Dunkel lagerte allzulange über der Geschichte des Turmes zu Babel, der nach der Bibel von Noahs Nachkommen als weithin sichtbares Versammlungszeichen begonnen, aber von Jahwe durch Verwirrung der Sprache der Bauenden, die weltbekannte babylonische Sprachverwirrung, in der Vollendung gehemmt wurde. Generationen dachten über diesen wunderbaren Vorgang nach, machten sich Gedanken darüber, wie wohl jener Turm der Sprachverwirrung überhaupt ausgesehen haben mag. Die Forschungen im Rahmen der Deutschen Orient-Gesellschaft haben ergeben, daß in Wirklichkeit jede größere babylonische Stadt einen solchen Turm besaß, welcher religiösen, astronomischen und militärischen Zwecken diente. Die Menschen, die diese monumentalen Werke erdachten, sind längst zu Staub zerfallen, die Arbeit ihrer Hände aber und ihres Geistes hat die Zeiten überdauernt. Dr. 0. B. £in Paiäsüna-Ücief Ein Einwanderer aus Wien schreibt unö aus Palästina unter anderem: Die Einwanderung hält an; desgleichen der Import von allen Ländern nach Palästina. Was die Palästina-Orange betrifft, so wird es wohl heuer mit einiger Anstrengung noch möglich sein, die Ernte (6 Millionen Kisten) zu guten Preisen an den Mann zu bringen. Was aber in fünf Jahren sein wird, wenn die Ernte 25 Millionen Kisten betragen wird, ist schwer vorher zu sagen. Die Exportfachleute behaupten, daß noch viele Märkte, darunter auch der österreichische Markt, noch sehr aufnahmsfähig sind. Bezüglich Österreich ist man aus verschiedenen Gründen pessimistisch; trotzdem soll auf d§r Wiener Frühjahrsmesse eine Orangenpropaganda-Ausstellung von Palästina aus arrangiert werden. Die Paläßtinaregierung hat der austro-palästinensischen Handelskammer 100 Pfund Subvention hiefür in Aussicht gestellt. In Wien unterstützt der Präsident der Wiener Handelskammer Dr. Streeruwitz sehr die Bemühungen der Orangenexporteure, da er weiß, daß Palästina für die österreichische Industrie ein wichtiges Export-: land darstellt. Heute ist die Handel s-i bilanz Österreich — Palästina 9:1 zu Gunsten Österreichs. Es ist natürlich klar, daß dies nicht immer so bleiben kann. Es gibt hier Kreise, welche' ein Gesetz propagieren, daß die Einfuhr von Waren nur denjenigen Ländern gestattet sein soll, die mindestens für ein Drittel ihres Exportes nach Palästina Palästinaprodukte kaufen. Nun bestimmt jedoch Artikel 18 des Palästinamandates, daß die Palästinaregierung keinerlei „Diskrimination“ bezüglich der Einfuhr von Waren anordnen darf. Man ist zwar hier der Meinung, daß eine derartige Bestimmung, welche auf alle Län*i der Anwendung haben soll, keine Verletzung der Gleichberechtigung bedeutet; jedoch ist es zweifelhaft, ob England sich dieser An* sicht anschließt oder deswegen einen diplomatischen Konflikt mit den Großmächten, Amerika oder dem Völkerbunde herbei-« führen wird. Sicherlich werden aber in nächster Zeit Zollerhöhungen für manche Indiustrieerzeugnisse, welche nun auch Palästina erzeugt, gefordert werden, so zum Beispiel für Seife, Schuhe, Marmelade usw. Charakteristisch für die Tendenz der Regierung ist die Tatsache, daß der Leiter des Handelsdepartements gleichzeitig auch der Leiter des Zolldepartements der Regierung ist. Die Zölle sind derzeit keine Schutz-, sondern in Wirklichkeit reine Finanzzölle. Die jüdische Bevölkerung soll derzeit itf Palästina schon 300.000 betragen. Doch' leider ist die Schichtung auch bei uns ungünstig. 85 Prozent befindet sich iü den Städten und nur 15 Prozent am Lande* Die Milchwirtschaft, Viehzucht und auch der Gemüsebau werden noch arg vernachlässigt, obwohl die großen Städte dieser Erzeugnisse dringend bedürfen. In den Städten; haben eine große Anzahl von Leuten Luftexistenzen, welche beim ersten Wind einer Krise Umfallen würden; dann leben zu viele Arbeiter vom Bau, wie Tischler, Elektriker, Maler, Eisenbieger, Balattenleger (Brettelleger), Baumeister usw. Man muß daher erst eine gesunde Basis für das Land schaffen. Soeben wurde im Norden Palästinas nördlich von Tiberias die sogenannte Hulekonzession erworben, auf welcher man etwa 37.000 Duman Boden entsumpfen (1 Duman 1000 Qudratmeter) und der Produktion übergeben will. Es sollen dort 3000 Familien angesiedelt werden. Dort wird eine gesunde Kolonisation ermöglicht werden. Weitere Bodenkomploxo müssen folgen. Eine starke landwirtscahftliche Bevölkerung ist der beste Krisenschutz. brner ns msin Palästina-Orangen Grape Fruit sowie sämtliche Früchte für das Hamisdia-Assar-Fest liefert sehr billig: S. Holpern, Wien, II., F6rstergaisse 6. Tel. A 46-4-12 saU du 7uuu zu Babel aus? Ililllllllllillllllllllliillllllllllllllllllllll!