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Die Stimme · 1935-01-11 · Heft 416 (11.1.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 416 (11.1.1935)
Date
1935-01-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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' Nr. 416 — 11. Jänner 1985 Seite 3 OIE STIMME Palästinabericht vor dem Völkerbundsrat Genf, 7. Jänner. (2. T. A.) Auf der Tagesordnung der am 11. Jänner beginnenden Session des Völkerbundrates figurieren unter anderen die Berichte der beiden vorjährigen Tagungen der Ständigen Mandatskommission, nämlich der 25. Tagung vom 30. Mai bis zum 12. Juni 1934, während welcher auch der Jahresbericht über das Palästina-Mandat geprüft wurde, und der 26. Tagung, die vom 29. Oktober bis zum 12. November stattgefunden und unter anderen auch einige Palästina betreffende Positionen geprüft hat. Als Berichterstatter des Rates fungiert der Vertreter der Tschechoslowakei Minister des Äußeren Dr. Edouard B e n e §. In der gleichen Tagung wird der Rat ein neues Mitglied der Mandatskommission anstelle des im Oktober v. J. verschiedenen Vizepräsidenten D. F. W. van Rees ernennen. Genf, 7. Jänner. (2. T. A.) Die Mandatskommission hat durch eine auf eine arabische Petition bezugnehmende Bemerkung die „Aufmerksamkeit des Rates auf die Geistesverfassung gelenkt“, die in dieser Petition ihren Niederschlag findet. Während der Debatte über diese Petition hat der Berichterstatter der Kommission, Herr Orts (Belgien), unter anderen folgendes erklärt: „Der beglaubigte Vertreter der Mandatarmacht hat uns anläßlich der Prüfung des Jahresberichtes 1933 über Palästina wohl gesagt, daß die Mandatarmacht unter allen Umständen für die Aufrechterhaltung der Ordnung bürgen kann, aber man kann sich nicht verhehlen, daß, angesichts der von arabischen Petenten zum Ausdruck gebrachten Drohungen und der Pogrombefürchtungen seitens der Juden, man die Eventualität ernster Vorkommnisse im Lande befürchten muß.“ Es ist zu erwarten, daß der Vertreter Großbritanniens im Rat zu den oberwähnten Bemerkungen der Mandatskommission anläßlich der Entgegennahme ihres Berichtes durch den Rat Stellung nehmen wird. Vorzügliche Zubereltang -Schwechater Biere Natui weine RESTAURANT HOTEL STEFANIE II., Taboratraßo 12 Telephon R 46-5-57 Genf, 7. Jänner. (2. T. A.) Während der 26. Tagung der Mandatskommission, deren Bericht soeben veröffentlicht wurde, hat die Kommission fünf das Palästina-Mandat betreffende Petitionen, vier jüdische und eine arabische, geprüft. Die jüdischen Petitionen wurden wie folgt erledigt: 1. Petition des palästinensischen Verbandes der Zionisten-Revisionisten. Es ist dies die als Welt-Petition bekannte Broschüre der Revisionisten: „The Meaning of the Mandate: the creation of a Jewish State“ (Der Sinn des Mandates: die Schaffung eines Judenstaates). In ihren Schlußfolgerungen appelliert die Petition an die Mandatskommission, zugunsten „einer radikalen Revision der Grundsätze der Palästina-Verwaltung“ zu intervenieren. Der Berichterstatter der Kommission Herr Orts (Belgien), resümiert die in der revisionistischen Petition enthaltenen Forderungen wie folgt: „Aufhebung der Einwanderungbeschränkungen für die Juden zwecks progressiver Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina als vorbereitende Maßnahme zur Schaffung eines Judenstaates, der nach Ansicht der Petenten das Endziel des Mandates sei. Dieser Judenstaat soll in der Vorstellung der Petenten anscheinend auch Transjordanien umfassen.“ Die Mandatarmacht bemerkt begleitend, daß diese Petition auf einer Auffassung der sich aus dem Mandat ergebenden Verpflichtungen fußt, die vollkommen von der vom Völkerbund approbierten Auffassung der Mandatarmacht abweicht. Diese allgemeine Feststellung enthebe daher die Mandatarmacht von dem Eingehen auf < detaillierte Kommentare der in der Petition enthaltenen verschiedenen Vorschläge und Kritiken. Immerhin befaßt sich Herr Orts mit einem Punkt der Petition, da dieser „an eine allgertiein verbreitete Besorgnis ankniipft“, nämlich: die Gefahr, die für die jüdische Bevölkerung Palästinas aus der Tatsache erwächst, daß ein Polizei mit zirka 60 Prozent arabischem Element und eine schwache britische Garnison nur wenig Vertrauen in die Sicherheit des Landes erwecken können, gier (mag jeiqcö daran erinnert werden^ ★ fügt Herr Orts hinzu, daß anläßlich der Tagung der Mandatskommission im Jahre 1932 der Vertreter der Mandatarmacht die Versicherung abgab, mit den der Mandatarmacht zur Verfügung stehenden Mitteln für die Aufrechterhaltung der Ordnung für jede Eventualität bürgen zu können. Nach Anhören des Berichtes von Herrn Orts nahm die Kommission auf seinen Vorschlag hin eine Entschließung an, die feststellt, daß die revisionistische Petition „den Bedingungen der An- „Mein lieber Jabotinsky. Ich unterstütze die Weltpetition für das Recht der freien Einwanderung nach Palästina und stimme mit ihrem Zweck völlig überein. In dieser ungerechten Welt ist dieses ,Recht4 nicht mehr als simple Gerechtigkeit; für den verfolgten Juden ist es die einzige Hoffnung. Die ,Aufnahmefähigkeit4 des Landes wird sich dann von selbst durch natürliche Gesetze regeln, und wird nicht von denen beurteilt und bestimmt werden, welche für die Juden keine freund-, schaftliclien Gefühle hegen und mit ihrer Not kein Mitleid toben. Das englische Parlament ist die richtige Instanz, an die sich die Petition wenden muß. Auch seitens dieser Körperschaft kann ich keine rasche und sichere Hilfsaktion versprechen, aber es gibt meines Wissens keine andere Körperschaft, die für menschenfreundliche Beweggründe empfänglicher und darum geeigneter ist, diese elementare Gerechtigkeit zu sichern. Zwar ist auch das englische Parlament, wie alle anderen, von der ansteckenden Epidemie, die sich von Berlin ans über die ganze Welt verbreitet, nicht verschont worden. Aber ich hoffe, daß es sich als erstes von der Infektion frei macht, und daß die Weltpetition seine Sympathie erweckt und ihm dadurch zur Gesundung verh.ilft. Das Schweigen der englischen Staatsmänner angesichts dieser furchtbaren Krisis in der jüdischen Geschichte ist für mich ebenso peinlich, wie es für die Juden unheilvoll ist. Daß starke Wort, das den schlimmsten Grausamkeiten Einhalt gebieten könnte, ist nicht gesprochen worden; wir sind nicht mit gutem Beispiel vorangegangen; wir führen nicht mehr die Welt der Freiheit und Menschlichkeit, wie wir es sollten. Unsere Tradtion ist eingeschlafen. Und ich bejahe diese ehrliche und aufrichtige Weltpetition; möge sie die Flecke von unserem guten Namen wegwischen. Ich kenne kein besseres Mittel. Ich bin dessen sicher, daß es von keinem Nutzen ist, wenn Juden die englische Regierung nehmbarkeit (admissibility) nicht entspricht, weil sie Forderungen aufstellt, die mit dem Pa1ä s t i na-Mandat unvereinbar s i n d.“ Abgelehnt wurden weiter die Petitionen des „General Council of Women W o r k e r s in Palestine“, gegen die Gemeindewahlordnung, des Zentralkoneistoriums. der Israeliten Bulgariens gegen die falsche Handhabung des israelitischen Zentralkonsistoriums in Bulgarien und eine Petition syrischer Araber aus Palästina, schließlich eine Petition des „B r i t Kibbuz Galuit in Palestine“ (Verband rückkehrender Landesverwiesener): Diese Petition wendet sich gegen die „Immigration Ordinance44 (Einwanderungsverordnung) vom Jahre 1933, die nach Ansicht der Petenten in Widerspruch zu Art. 6 des Palästina- Mandats steht, wonach die Palästina-Verwaltung „die jüdische Einwanderung erleichtern“ und „die dichte Ansiedlung der Juden auf dem Lande fördern“ soll. Die Kommission beschloß, daß „unter den jetzigen Umständen bezüglich dieser Petition dem Rate keine besondere Empfehlung vorzulegen sei.“ und das englische Volk angreilen. Wir sind daran seitens der Iren, Inder, Ägypter und Kommunisten in ausreichendem Maße gewohnt, so daß selbst die Aufmerksamsten unter uns es kaum noch bemerken. All dies wird mit dem Wort ,unvernünftig4 abgetan, während gerade die jüdische Forderung so pathetisch ,vernünftig4 ist. Man nennt uns ,perfides Albion4. Aus welchem Grunde? Einfach darum, weil wir nicht alle dasselbe denken und sprechen. Da wir keinen Diktator haben, haben wir noch das Recht, verschiedene und entgegengesetzte Anschauungen zu äußern, und diese Widersprüche erscheinen dem Außenstehenden wie Der Vorstoß, den die kleine verschwindende . Minderheitsgruppe in der Wiener „Adas J i s r o e 1“ kürzlich gegen die jüdihat in der gesamten orthodoxen Judenschaft Wien s und darüber hinaus in zahlreichen orthodox-jüdischen Zentren des Auslandes schärfste Verurteilung und Ablehnung ausgelöst. Unter dem Eindruck der von einer zahlenmäßig ganz unbedeutenden Gruppe der „Adas Jisroel“, vor kurzem eingeleiteten Aktion zur Schaffung einer Trennungsorthodoxie, hat sich in Wien ein Komitee, welches zumindest 95 Prozent der orthodoxen Judenschaft Wiens präsentiert, zur Abwehr dieser, die gesamte Judenheit schädigenden Tendenzen gebildet und seine Gegenaktion in den letzten Tagen bereits durchzuführen begonnen. Dem Komitee gehören die bedeutendsten Vertreter der jüdischen Orthodoxie an, unter ihnen auch zahlreiche Mitglieder der Agudah und anderer orthodoxen Körperschaften und Vereinigungen. Die „Stimme“ hatte Gelegenheit, mit Mitgliedern dieses Komitees zu sprechen und sich von ihrer einzig im Interesse der Erhaltung der jüdischen Ein- Heuchelei. Die Gedankenfreiheit führt uns zur Verschiedenheit der Gedanken. Aber Angriffe auf antisemitische Engländer sollten lieber Engländern überlassen werden, selbst wenn ihre vulgären Vorteile in bezug auf Palästina die jüdische Emanzipation ohne jeden Grund aufhalten. Machen Sic die Petition mit Würde; verhalten Sie sich wie Stoiker und beten Sie: daß der Gott Abrahams, Isaaks und Jaakobs ein freies England da.zu führe, das Unrecht wieder gutzumacben und so ,Dein Volk Israel4 zu retten. Seien Sie versichert, daß wenn der geeignete Zeitpunkt kommt, und ich dann noch Parlamentsmitglied bin, die Petition vorgebracht werden wird. Herzlicbst Ihr J. C. W e d g w o o d.“ * Zu der Konferenz hatten sich einige hundert Delegierte aus allen Ländern der Welt, unter ihnen etwa 100 a.us Polen, eingefunden. Einen der Hauptgegenstände der Beratungen wird die Farge des Zusammengehens mit der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, beziehungsweise mit den linksgerichteten Parteien in der zionistischen Bewegung bilden. Die Weltkonferenz wird voraussichtlich am Dienstag, den 15. Jänner, zu Ende gehen. ¥ Die Betar-Konferenz Krakau, 8. Jänner. (Z. T. A.) 1 Am 6. Jänner wurde im „Alten Theater4* zu Krakau die II. Weltberatung des B r i t h Trumpeldor bei Anwesenheit von Hunderten von Delegierten aus verschiedenen Ländern Europas und anderer Weltteile und etwa 4000 Gästen feierlich eröffnet. Die Konferenz wurde mit einer großen Rede Jabotinskys über „Brith Trumpeldor und die Aufgaben der jüdischen Jugend“ eröffnet« Jabotinsky steltle fest, daß der Betar Organisationen in mehr als 30 Ländern mit insgesamt 70.000 Mitgliedern besitzt, und unterstrich die Tatsache, daß 64 Prozent der Betarim Angehörige der Arbeiterjugend sind. Der Betar ist entschieden gegen Klassenkampf in der jüdischen Sphäre, für Hebräisierung und Sozialisierung der jüdischen! Jugend und ihre Befreiung aus der bisherigen Passivität. Die gesamte Erziehungsarbeit des Betar, sagte Jabotinsky, müsse an die jüdische Tradition anknüpfen. Der Betarist, sagte Jabotinsky weiter, geht nicht nach Palästina, um dort sein Privatheitsgemeinde vertretenen Tendenzen zu überzeugen. Wie wir erfahren, hat eine Deputation, bestehend aus den angesehensten Mitgliedern der Wiener Orthodoxie, Mittwoch den 9. d„ beim Präsidium der Kultusgemeinde in dieser Angelegenheit vorgesprochen. Die Sprecher der Deputation wandten sich mit größtem Nachdruck gegen die Trennungsbestrebungen, die von einem Bruchteil orthodoxer Kreise inauguriert werden, denen das Recht abgesprochen werden muß, im Namen der Orthodoxie das Wort zu führen und baten das Präsidium der Kultusgemeinde, alle. Maßnahmen und Mittel zu ergreifen, um dein Plan der „Adas Jisroel4* nach Sprengung der Einheitsgemeinde entgegenzutreten und die jüdische Einheits-f gemeinde zu erhalten. Die Deputation wies besonders darauf hin, daß die Orthodoxie mit der Führung der Wiener Kuitusgemeinde vollauf zufrieden ist und die Kultusgemeinde jeder religiösen Richtung, auch der der strengsten Observanz, sich voll und ganz auszuleben die Möglichkeit bietet. Die Deputation wies ferner darauf hin, daß die bedeutendsten Repräsentanten des orthodoxen Judentums in Wien und im Ausland, unter ihnen die Großrabbiner aus Huasiatyn, Kupeczincze und Sadagora, der Vizepräsident der agudistischen „K e n e ssiah Gedaul o“, ferner fast alle orthodoxen Bethausvereine in Wien, die über 12,000 bis 14.000 Mitglieder verfügen, sich gegen die Trennungsbestrebungen mit aller Energie ausgesprochen haben. Die Deputation legte eine Sammlung mehrerer Tausend Unterschriften von einzelnen orthodoren Juden vor, die sich ebenfalls gegen diese Tendenzen richten. BESTE QUALITÄTEN ANTHRAZIT KOHLE KOKS BASCH IV., ARGENTINIERSTRASSE 22 TEL SERIE U 47-5-40 Die VI. revisionistische Weltkonferenz in Krakau Krakau, 9. Jänner. (2. T. A.) Die VI. Weltkonferenz der Union der Zionisten-Revisionisten begann mit einer großen Rede des Präsidenten der Union, Wladimir Jabotinsky, über „Die Lage des Weltjudentums und des Zionismus“. Ein besonderes Referat über den Stand der Palästinapetition erstattete Doktor J. Sehechtman. In diesem Zusammenhang wurde unter großer Spannung und bei spontanem Beifall der Delegierten und Gäste folgendes Schreiben des bekannten Mitgliedes des britischen Parlaments Josiah C. Wedgwood an Wladimir Jabotinsky verlesen: Wiens orthodoxe Judensdiaft für die Einheitsgemeinde sehe Einheitsgemeinde in Wien unternahm,

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