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Die Stimme · 1935-01-01 · Heft 413 (1.1.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 413 (1.1.1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 90 g V. b. b. fl IVI«M « (Alf fl Redaktion und Administration: Wien, i., Maro-Aural-StrsBe 6. W 1% 413 I ™ len, Jle aanner lys» I Tel.: U 22-3-91. .TedalctlontschluB Montag und teittwoch vorm. Unsere nächste Nummer erscheint Freitag, den 4. Jänner 1935 JÜDISCHE ZEITUNG T. W, Die vorzüglichen, großen Luxusschiffe „GERUSALEMME“ UHO „PILSNA“ der direkten Eillinie TRIEST—JAFFA des LLOYD TRIESTINO (Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr) führen nur eine erste und eine Touristenklasse Auch in der Touristenklasse höchster Komfort (zwei« und mehrbettige Kabinen) und täglich vier sehr gute Mahlzeiten Auskünfte: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6,Tel.U-47<5-60 | (Z6. Tebeth 5695) ( 8. Jahrgang Amerikanische Notstandskredite für jüdische Arbeit in Europa Paris, 28. Dezember. (2. T. A.) Wie offiziell mitgeteilt wird, hat der Rat der American Joint Reconstruction Foundation vor der Abreise der Direktoren dee Joint und der Foundation nach Amerika beschlossen, für jüdische Wiederaufbau- und Hilfsarbeit in Österreich, Deutschland, Lettland, Litauen, Rumänien und Polen Kredite in der Höhe von 280.000 Pfund zur Verfügung zu stellen. In derselben Sitzung des Rate« wurde der Präsident der JCA und des Council der Jewish Agency Sir Osmond d’Avigdor G o 1 demid zum Vorsitzenden der Foundation, zu Mitgliedern des Rates wurden Lord Erle i g h und Emilie Ettinger (Italien) gewählt. Palästina-Einwanderung im November: 4838 Juden Jerusalem, 28. Dezember. (2. T. A.) Im Monat November 1934 kamen, wie da« Einwanderungsamt mitteilt, 4838 Juden nach Palästina, unter ihnen 371 Angehörige der Kapitalietenkategorie mit einem Mindestkapital von je 1000 Pfund. Auf TouristentVißen kamen 448 Juden ins Land. 100.000 Pfund fSr Palästina Die Juden in Südafrika, deren Leistungen für die nationalen Fonds stets hervorragend waren — wir erinnern daran, daß der kürzlich vom Präsidenten Sokolow geleitete Drive 120.000 Pfund einbrachte — haben weitere 100.000 Pfund aufgebracht. Diese von der Vereinigung „South A f r i c a n Palestine Corporation“ verwaltete Summe dient Zwecken des Palästina-Aufbaues. Aus ihr werden auch Aufbaukredite gewährt, deren Zinsfuß nach einem kürzlich gefaßten Beschluß auf 7 Prozent herabgesetzt wurde. Außerdem wurde beschlossen, ein weiteres Kapital von 50.000 Pfund aufzubringen. Die südafrikanischen Juden wirken beispielgebend. Sie sind zu ihren großen Leistungen zu beglückwünschen. Eine l0,000-Pfund*Spende für den Nationatfands Jerusalem, 28. Dezember. (2. T. A.) Dem Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem ging eine anonyme Spende von 10.000 Pfund für Bodenau«- lösung als „unveräußerlicher Besitz des jüdischen Volkes“, zu. Alte Sorge - neue Hoffnung Es ist, wie man behauptet, ein neues Jahr, das jetzt beginnt. Aber es bringt keine Änderung der Verhältnisse, keine Minderung der Sorgen, mit denen die Menschheit sich in dem alten Jahr hat abplagen müssen, und insbesondere die jüdische Welt findet keinen Anlaß zu einer optimistischeren Auffassung. Die Atmosphäre des Hasses und der wildesten Feindschaft zeigt keine Neigung sich aufzuhellen und wo immer jüdische Volksteile wohnen, wird ihnen mit meist taktloser Deutlichkeit klar gemacht, daß sie doch nur Minderheiten sind, deren Lebensnotwendigkeiten und Lebensäußerungen einer mißgünstigen, vielfach auch böswilligen Beurteilung unterliegen. Das war so und daran wird sich nichts zum Besseren ändern, ehe nicht das jüdische Volk, seinen Status ändert, ehe es nicht in jeder Beziehung ein Volk wie jedes andere Volk geworden ist: frei und unabhängig, im vollen Milieu, umgeben von einer abgrundtiefen Feindschaft, die sich längst von den letzten Resten moralischer Hemmungen befreit hat. Es gibt für Juden in Deutschland kein Recht, kein Gesetz, keine Menschlichkeit; nichts an seelischen und vielfach auch körperlichen Folterungen bleibt ihnen erspart, jeder Atemzug wird zur Qual. Das deutsche Volk hat in einem rasenden Tempo den Rückweg in die Zeit der Kreuzziige vollzogen und es hat dem jüdischen Mitbewohner die Rechtsstellung von damals zugewiesen. Das deutsche Volk hat sich versklaven lassen und es ist Art und Wesen von Sklaven, sich an noch rechtloseren auszutoben und an ihnen den eigenen Zorn und alle bittere Enttäuschung auszuleben. Was in langen Jahrhunderten in Deutschland aufgebaut war an Rechten der Person, an Freiheit des Wissens und Lehrens, das ist ausgelöscht; das deutsche Volk ist materiell Besitz aller Mittel, sich diesen Zustand zu und geistig auf Jahrhunderte zurückgeworwahren. Die Geschehnisse der letzten Jahre haben uns mit grausamer Folgerichtigkeit diese Grundwehrheit vor die Augen geführt. Es ist noch immer nur eine Minderheit im Judentum, die im Volksbekenntnis und im Volksbewußtsein den einzigen Weg in die Erlösung erkennt. Aber doch ist diese Überzeugung in der Ausbreitung begriffen. Die Entwicklung in der Galuth und die Entwicklung in Erez Israel, das immer mehr zum Erez Israel wird, — diese beiden Komponenten wirken immer stärker auf das Judentum und führen es zur Wahrheit. Der Zionismus hatte gehofft, durch sich selbst, durch die kristallene Klarheit seiner Idee wirken zu können, aber welche Orkane mußten über das Judentum hinwegbrausen, ehe die zionistische Anschauung zur Weltanschauung werden und über den Bezirk enger Parteidoktrin hinaus zur Basis einer neuen Lebensperiode des alten Volkes werden konnte! In diesem eben abgelaufenen Jahr ist der Druck des Judenhasses noch stärker und gewaltsamer geworden. Die halbe Mililon Juden in Deutschland geht ihren Märtyrerweg weiter. Sie lebt in einem verpesteten fen und es wird, wenn es einmal aus seiner Hypnose erwacht und zur Normalität gelangt, Jahrhunderte der Arbeit brauchen, um auch nur den Stand von Ende 1932 zu erreichen. Diesen moralischen Absturz freilich hat das Judentum Deutschlands nicht mitgemacht. Es ist in der Seele gesund geblieben und trägt sein Unglück mit unerschüttertem Mut. Und wenn es wahr wäre, daß es besseres und minderes Blut gibt, dann hätte sich das jüdische Blut in dieser furchtbaren Probe bewährt. Die Juden sind jüdisch und das schützt sie vor sittlicher Verwilderung. Sie haben gelernt und jeder Tag bestätigt die Lehre, daß ihnen niemand hilft, daß ihr Schicksal niemanden so weit rührt, daß er ihnen tätig beispringt. Und doch zeigt die Lage der Juden in Deutschland deutlich an, welches Los den Völkern beschieden wäre, wenn der deutsche Nationalsozialismus mit Waffen über Europa sein Geist, der die Grenzen überschreitet, und er sucht überall die antijüdischen Instinkte der Masse als den Punkt auf, von dem aus er die Welt aus den Angeln heben Anleihen für Tel-Aviv und Petach Tikwah Gesetzliche Sabbathruhe in jüdischen Orten Palästinas Jerusalem, 28. Dezember. (2. T. A.) Wie die JTA erfährt, gedenkt die Regierung Palästinas, den verschiedenen Munizipalitäten Vollmacht zu erteilen, die Ge- \6chäftsstunden innerhalb ihres Bereiches "von sich aus zu regeln; auf diese Weise worden die Munizipalitäten in Orten mit vorwiegend jüdischer Bevölkerung die G eechäftsschließung an Sabbath- und jüdischen Feiertagen verfügen können. Der High Commissioner — so verlautet es — zieht es vor, in dieser Frage das lokale Bedürfnis entscheiden zu lassen; eine diesbezügliche für das ganze Land gültige Geeetzgebuag ist nicht geplant, _ Jerusalem, 27. Dezember. Die Regierung Palästinas bestätigte den bereits mitgeteilten Beschluß des Stadtrates von Tel Aviv, eine Anleihe aufzulegen, deren Ertrag der Entwicklung der Stadt im Verlauf des Jahres 1935 dienen soll. Die Regierung setzte aber die Anleihesumme von 350.000 Pfund, wie sie im ursprünglichen Plan des Stadtrates vorgesehen war, auf 260.000 Pfund herab. Die Regierung hat Tel Aviv. Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Regulierung der Müllabfuhr. Die Regierung hat ferner die Errichtung einer neuen Stadthalle in Tel Aviv bei einem Kostenaufwand von 25.000 Pfund bewilligt, nachdem die bisherigen RäumPchkeiten der Stadtverwaltung unzureichend geworden waren. Bewilligt wurde auch die Errichtung einer Garage für die städtischen Autos, Loren und Straßenreinigungsmaschinen bei einem Kostenaufwand von 10.000 will. So wirkt dieses Kontagium in den Nachbarländern, treibt Schwächere dazu, die noch schwächeren Juden für ihr bloßes Dasein zu bestrafen. So sinken die Juden in Polen, in Litauen, in Rumänien immer tiefer in eine kaum mehr tragbare Armut, verschärft durch eine listige Anwendung der Gesetze, so ist in Österreich, dem zweiten deutschen Staat Europas, ein antijüdisches Milieu geschaffen worden, das den Juden immer wieder höhnisch das größere Übel in Deutschland unter die Augen hält und sie immer wieder im Kommandoton an das Vorhandensein einer christlich deutschen Mehrheit erinnert. Daß dieses Österreich die große Inflationskrise der Zwanzigerjahre überstanden hat, das hat es nur dem jüdischen Kaufmann, den „Judenbanken“, den jüdischen Weltverbindungen zu danken, daß es in diesem furchtbaren letzten Jahr nicht von der braunen Schlammflut überschwemmt wurde, dankt es dem Völkerbund, dieser <ius dem jüdischen Ethos entstandenen Einrichtung. Die Juden der ganzen Welt haben in den kritischen Tagen mitgewirkt; Aufklärung darüber zu schaffen, daß Österreich als das Herzstück Europas erhalten bleibt und unter den wirksamen Schutz der europäischen Kultur gestellt wird. Ohne die jüdische Mitarbeit ist der Aufbau der österreichischen Wirtschaft undenkbar. Zum Dank schreit sie jeder aus dem Ausland davongela-ufene Schriftleiter als „Gastvolk“ an, brüllt man ihnen die „Bodenständigkeit“ in die Ohren und ist noch empört darüber, wenn sich die Juden die Diffamierung ihrer Kinder in den Schulen, die Boykottzettel und die Ritualmordliteratur nicht gefallen lassen und wenn die Juden in Amerika und England darauf aufmerksam machen, daß Recht Recht bleiben muß.! Die „Geheimnisse der Weisen von Zion“ sind in diesem Jahre als eine freche Fälschung erwiesen worden; aber die arische Masse kümmert sich nicht darum. Sie bleibt bei dem Klischeebegriff von „den Juden“, und obzwar jeder einzelne weiß, daß die Juden, die er kennt, nicht in diesen Rahmen , , „ .. , , .. . , passen, hält er an der Suggestion fest; sie herfallen wurde. Einstweilen ist es n« hat dem deutschen Nationafsosialismus sein nämlich die Bewilligung von 40.000 Pfund | Pfund, ferner 10.000 Pfund für Reparatur für ein neues Hospital in Tel Aviv und von 80.000 Pfund für Errichtung von Wohnungen für die Bevölkerung seitens der Munizipalität verweigert, weshalb die Anleihesumme herabgesetzt wurde. Die größte Summe im Programm der Verwendung der Anleihe betrifft 90.000 Pfund für die Erweiterung der Wasserbelieferungs¬ und Erweiterung des städtischen Schlachthauses. Die Regierung hat auch die Auflegung einer Anleihe von 50.000 Pfund für die Entwicklung der jüdischen Stadt Petach Tikwah genehmigt, deren Bevölkerung bei der Volkszählung im Jahre 193t 6880 tragendes Gebälk gegeben und es fällt jetzt, vor den Augen der Welt, in faulenden Trümmern zusammen. Aber für die Armee der Lügner und Fälscher, die sich aus dem Judenhaß eine gutbezahlte Existenz geschaffen haben, ändert sich nichts, nichts auch für die Elemente, die der deutsche Kaiser Friedrich als Kanaille bezeichnet hat. Sei’s drum. Wir können’s nicht ändern. Wir wollen inmitten diesem zur Solfatara gewordenen Welt die Nerven behalten. Wir stehen einer zur Tatsache erstarrten Abneigung gegenüber, in der sich alle begegnen, die ja auch einander gegnüber voll argwöhnischem Mißtrauen sich verhalten. Sie haben kein Gefühl für die Juden an der Saar, die sie eben erst verkauft und verraten haben. Unsere Herzen aber schlagen diesen Brüdern entgegen, die verstört und entsetzt zur Kenntnis nehmen, daß sie noch ein Jahr Zeit haben, ehe sich der Kerker schließt. Wir wissen, eie haben starke Herzen, sie sind Juden und sie werden nicht in Panik fallen. Tausenden ihrer Schicksalsgenossen aus dem Zuchthaus Deutschland hat der Zionismus in diesem Jahre und des Kanalisationssystems von110.000 erhöht hat. Seelen betrug, die sich aber jetzt auf über Pasästina eine neue Heimat, eine wirkliche [Heimat geschaffen, und die Arbeit im jüdi-

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