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Die Stimme · 1934-12-07 · Heft 407 (7.12.1934) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 407 (7.12.1934)
Date
1934-12-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 407 — 7. Dezember 1934 Dil STIMM« Salt# 7 Helfet den Jüdischen Arbeitslosen I Von Dr. A. Schmerler Die jüdische Öffentlichkeit muß endlich wissen und zur Kenntnis nehmen, daß jüdische Menschen »eit Jahren arbeitslos sind, weder sich noch ihre Angehörigen ernähren können, im Zuge der trostlosen Zelt physisch und psychisch zugrunde gehen, von cjuälonder Verzweiflung zermürbt werdon und nur um Arbeit bitten. Lawinenartig wächst die Zahl der Arbeitslosen, denn die jüdischen Unternehmer geben ihre schlecht gehenden Geschäfte ganz oder zeitweise auf und treten nebst den abgebauten Arbeitnehmern nicht nur allein, sondern auch miit ihren bis nun von ihnen erhaltenen Familienangehörigen als Arbeitnehmer auf den A r b e i t s m a r k t auf. Dazu kommt, daß mangels an Mitteln der Großteil der in Betracht kommenden jüdischen Jugend nicht mehr höhere Schulen, sondern Arbeitsstätten aufsucht. Handwerker, Handelsangestellte, Chauffeure, Anstreicher, Stricker, Chemiker, Installateure, Apotheker, Konfektionäre sowie Akademiker melden sich täglich im Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, I., Kohlmessergasse 4, und erklären sich bereit, jede Stelle, und sei es als Diener und Hilfsarbeiter anzunehmen. Es ist schon schwer, die Schilderungen von Not und Elend anzuhören, aber noch schwerer ist es, diese furchtbaren Leiden selbst mitzumachen: Alles im Versatzamt, immer vor der Delogierungsangst infolge Nichtbezahlung des Mietzinses, Kinder in unbeheizten Wohnungen, kranke und hungernde Familienangehörige, kein Groschen für Kohle, ärztliche Hilfe fast unmöglich usw. Viele lehnen es ab, der öffentlichen Fürsorge zur Last zu fallen. Sie wollen arbeiten und etwas ins Verdienen brin gen, um ihre noch so spärlichen Bedürfnisse zu decken. Zwei Erscheinungen sind besorgniserregend und auffallend: erstens die Zahl des Wioner -jüdischen bürgerlichen S t;in d es unter den Arbeitsuchenden und zweitens die des hochqualifizierten Menschenmaterials. Es kommen nicht nur abgebaute Bankbeamte in Betracht, sondern nebst zugrunde gegangenen Kaufleüten auch hochgebildete Angestellte mit langjähriger Praxis, die mehrere Sprachen beherrschen und sämtliche Büroarbeiten verrichten können. Und doch wirkt sich die mit der längeren Dienstzeit im Zusammenhang stehende Qualifikation verhängnisvoll aus, denn der neue Arbeitgeber kann, beziehungsweise will den höheren Kollektivlohn samt den entsprechenden sozialen Abgaben nicht auf sich nehmen. Es ist auch symptomatisch, daß aus ähnlichen Gründen männliche Angestellte ^bedeutend weniger als weibliche angefordert werden. Man neigt oft zur Ansicht, daß die Umschichtung das Problem der Arbeitslosigkeit ganz oder teilweise lösen könnte. Allein bei näherer ernster Betrachtung der Tatsachen wird man zur Überzeugung gelangen müssen, daß Im Hinblick auf die gegenwärtigen1 Verhältnisse das Schwergewicht des Pro-' blems der jüdischen Arbeitslosigkeit nicht in der Umschichtung, sondern in der Einschichtung, das heißt in der Einord-j n u n g in den A r b e i t s- und Wirtschaftsprozeß liegt, zumal wir auch j genügend gelernte manuelle beschäftigungslose Arbeitskräfte haben. :»s Arbeitgeber, erfaßt den Emst der Zeit, fördert die Arbeitsbeschaffungsaktion zugun-' steil der Arbeitslosen und fordert den Bedarf au Angestellten und Arbeitern beim Jüdischen Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, I., Kohlmessergasse 4, Tel. U 27-0-65, an. «ZMabetlftei I rget > I Rftäirmcelmg, oeti judic fdttnRH jPidJtpctn ■ V.': ■ Hilferuf des Hilfsvereines der liidischen Blinden Wien, II., Rembrandtstr. 18, Tel. A 47-2-77, Postsparkassen-Konto J 33.213 Jüdische Männer und Frauen! Nahezu 150 jüdische Blinde sind heute mehr denn je auf Ihre gütige Hilfe angewiesen. Der Winter mit allen seinen Hörten verschärft das ohnehin schwere Los der Bedauernswerten um ein Bedeutendes; die Lage ist trostlos. Um die Ärmsten der Armen unseres Volkes vor der äußersten Verzweif lung zu schützen, erlaubt sich die gefertigte Vereinesleitung um Geld- und Kleider-Spenden ganz ergebenst zu bitten. Tüchtige Musiklehrer, Klavierstimmer, Sesselflechter und Bürstenmacher sind auch unter unseren Blinden, welche um Arbeit bitten! Im Namen der Humanität bitten wir, diesen Zeilen ganz besondere Beachtung zu schenken. Tßeaier » Kunsi 1(19>I$€HER SPORT Der Wiener Jüdische Turnverein „Makkabi“, IX., Lieehtensteinstraße 20, nimmt auch weiterhin für sämtliche Abteilungen Mitglieder auf. Auskünfte täglich abends, mäßige Mitgliedsboiträge! Ein F i 1 i a 1 - T u r n e a a 1 des „Makkabi IX“, befindet sich in der Volksschule, XIX., Silbergasso 2 a, Dortselbet werden Montag und Donnerstagab 5 Uhr M;tglieder aufgenommen, bezeihungsweiso Auskünfte erteilt. Dieser Turnplatz hat einen sehr erfreulichen Aufschwung genommen und wird von Horrn II e r z geleitet. — Im Jänner finden die offiziellen Auescheldungs-Wettkämpfe des Wiener Makkabi für Tel-Aviv statt. Da der Wiener Makkabi in der letzten Zeit eine schöne Aufwärtsbewegung aufweist, ist mit sehr interessanten Konkurrenzen zu rechnen. — Jüdische Eltern, lasset eure Kinder im „Makkabi“ gymnastisch ausbilden, wo sie zu «oelisch und körperlich gesunden und aufrechten Juden orzogen werden! Otto Förster. Touristik und Skikiub „Hakoah“. Ausflugs- Programm für Sonntag, den 9. d. Zusammenkunft- 9 Uhr, Sievering; Führer: Austerlitz. Skikurse: 1. Viertägiger Kurs in Türnltz vom 24. bis 27. d. Preis 32.80 Schilling, inbegriffen Fahrt, volle Verpflegung, Skikurs. 2. Zehntägiger Kurs in den Radstädtor Tauern vom 24. Dezember bis 2. Jänner, Preis 4^ Schilling, ohne Verpflegung. JÜedee- und AeteMfcftd fädhtUe. (}(icda Vor einem zahlreichen, kunstverständigen Publikum sang, stürmisch gefeiert, dieser Tage im Mittleren Kon/jertlihussaale die von der Volksoper her bestbekannte Opernsängerin Jolaotbe Garcla Lieder, Opernarien und — Duette. Frau Garda, eine herrliche Bühnenorßeheinung — eine Tosca in ihrer Gestaltung würde gar manchem Operninstitut zur .Ehre gereichen — besitzt eine umfassende, überaus tragbare Sopranstimme mit . reichem dramatischem Ausdrucksvermögen. Frau Garda sucht mit Vorliebe und verblüffender Sicherheit höchste Höhen auf, findet dabei zugleich, unbe kümmert ihrer stark dem Dramatischen des Theaters zuneigenden Gesangskultur, doch auch den innigen Ton des Liedes. Wunderschön sang sie zum Beispiel das Mahlerlicd Aber ihre Welt sind nun einmal die „teuren Hallen“ nicht nur Wagners, sondern auch aller anderen Meister der Tonkunst. Hier grüßt ihre Stimme mit helleuchtendem Klang. In Alexander Sved hatte Frau Garda einen Partner, dessen erlesener Bariton zu deu schönsten seines Faches gezählt werden kann. Seine Flgaro-Arie aus Rossinis „Barbier“ — wohl eine der bezaubernsten italienischen Opernarien — war schlechthin eine Perle der italienischen Opern-Vortragakunst dieses auch mit der italienischen Sprache verwachsenen Sängers. Ein Duett aus „Trobadour“ Bah beide Künstler in edlem Wettstreit auf vollendeter Opernkunsthöhe. In Prof. Erich Meller fand das K Uns tierpaar den bekannten kongenialen Begleiter. Der Applaus war stürmisch. Zum Schluß sang Frau Garda auf blunionbedacktem Podium. j. r. Jüdische Künstlerspiele, II., Praterstraße 34. (Theatorreklame.) Freitag, den 7. bis inklusive Sonntag, den 9. Dozember gelangt dio Komödie „Süße Träume“ von Krouner, Musik von Rumshiuekl zur Aufführung. Montag, Mittwoch und Donnerstag wird auf allgemeines Verlangen die mit großem Erfolg gespielte Komödie ^Komödianten“ gespielt. Dienstag, den 11. d. „Maaeltov“. In sämtlichen Auffüh rungeu spielen die berühmte Soubrette S evllla Pastor und Primadonna Erna Siegler dio Hauptrollen. Sonntag nachmittags halb 4 Uhr, bei kleinen Preisen: „Süße Träume.“ Jüdische Bühne, II., Praterstraße 60, Tel. R-43-4-59. Ab Freitag-, den 7. Dezember 1934, Yd Uhr abends, „Die fröhliche Mischpoche“. Musikalische Komödie in 4 Akten von M. Schwarz, Musik von Olschanetzkv. Samstag, den 8. Dezember 1934, X>4 Uhr nachmittags, „A Chasen — A Chuchem“. Musikalische Komödie in 4 Akten. Sonntag, den 9. Dezember 1934, YA Uhr nachmittags, „Die fröhliche Misehpocbe“. Musikalische Komödie in 4 Akten. Jüdische Kulturstelle (Kunststelle), U. Bez, Aspernbrückengasse 2 (R-48-2-91. Zweigstellen VI., Loquaiplatz 11 (B-20-0-84); IX., WähringersfFaße‘"'-48 (A-14-400). Den Mitgliedern stehen bedeutend ermäßigte Karten für alle Theater- Wiens' kur Verfügung. (Scala: .,Dei‘ Charmeur von London“ mit Albert Bassermann und Ernst Deutsch, nur noch kurze Zeit.; Konzerte: Poldi Mildner, 10. Dezember. M. K. S.; Erica Morini, 11. Dezember, G. K. S. Vorlesung: Ernst Deutsch, 16. Dezember, M. K. S. Führung: II. Führung durch das Kunsthistorische Museum. Leitung: Hugo Friedländer; Treffpunkt: Sonntag, 9. Dezem ber, 9 Uhr 15 Min. beim Haupteingang. Musikknrse der Jüdischen Kulturstelle, Wien, II.. Kleine Sperlgasse 2 b. Anmeldung, Wien, H., Aspernbrückengasse 2, von 9 bis 5 Uhr, LOKALCHRONIK JÜDISCHER KALENDER 7,-13. Dezember 1934 1,-7. Teweth 5694 Freitag (7.) Satbath-Elngang 3 Uhr 55 Rösch (hodesdi Samstag(8.) Sabbath-Ausgang 4 Ihr 45 (Sabbath- Oianukkah) Wochenabschnitt: Mikez Eintragung des Oberrabbiners Dr, David Feuchtwang ins Goldene Buch Sonntag, den 2. Dezember d. J. erschienen, namens des Keren Kajemeth beim Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang dio Herren Dr. Siegfried P1 a s c h k e s, Doktor Chaim Tartakower und Leo Schräge und üborbruehten ihm die Glückwünsche de« Keren Kajemeth anläßlich seines 70. Geburtstagen und teilten ihm mit, daß von verschiedenen Seiten die Anregung gekommen sei, ihn anläßlich des 70. Geburtstages ins Goldene Buch des Keren Kajemeth oinzutn gen, sowie daß dio ersten Spenden bereits für diesen Zweck eingegangen sind. Der Oberrabbineierklärte, daß ihn diese Ehrung außerordentlich freue und die einzige sei, die ihm wirkliche Genugtuung verschaffe. Die Arbeit des Keren Kajemeth Partelenverkehr Im Keren Kajemeth nur ab 10 Uhr vormittags. Sprechstunden de9 Leiters ausschließlich ab 11 Uhr. Die Arbeit im Keren Kajemeth hat sich iß der letzten Zeit sehr gehäuft. Die Folge davon ist ein gesteigerter Parteienverkehr, der erhöhte Anforderungen an das KKL-Personal stellt. Damit nun die interne Büroarbeit regelmäßig und prompt vor sich gehe, ist es unerläßlich geworden, die ersten Am beitsstunden des Tages ft u *•< schließlich für die interne Büren a r b e i t zu reservieren. Aus diesem Grunde wurde der ParteienveM kehr für die Zeit ab 10 Uhr vormittags festgesetzt, Der Leiter deB Keren Kajemeth ist wie bis-' her nur ab 11 Uhr vormittags zu spreoben. Die Leitung des Keren Kajemeth ersucht, im Interesse der KKL-Arbeit, sieh strikte an diese Amtsstunden zu halten. Selbstkontingentierung. Bisher haben Selbstkontingente übernom« inen: Das Präsidium des Keren Kajemeth, die Landeskommißsion des Keren Kajemeth. Ferner der Präsident lind Vizepräsident de® Zionistischen Landeskomitees sowie der Finanzreferent des Zionistischen Lande*-* koraitees. Der Kultuspräsident Dr. Desider Friedmann und' Vizepräsident Dr. Josef Löwenherz. Die Leitung der „WIZO“ mit der Präsiden« tin Frau Dr. Sophie Löwenherz an der Spitze. Die Selbstkontingentienmg wird sodann in allen zionistischen Gruppen durchgefübrt wer« den, zumeist seitens der Führer derselben. Die Dezember-Büchsenleerung. Diese findet in der Zeit vom 16. biß inklusive 30. Dezember 1934 statt. Die B ii ch s en Inh aber werden daran erinnert, daß nur denjenigen Personen die Leerung gestattet werden darf, die eine spezielle Legitimation vorweisen, welche ausschließlich für die Dezem« ber-Leerung Geltung hat. Die Biichseninhabet werden ersucht, von den Mitarbeitern deS Keren Kajemeth unbedingt die Vorweisung der Legitimation zu verlangen. Die Mitarbeiten sind, verpflichtet, auch unaufgefordert., die Le« gitimation vorzuweisen, Das Leeren an Sabbathen, jüdischen Feier« tagen sowie an den späten Nachmittagen det Vortage ißt absolut unstatthaft. Niemand ist berechtigt, die Keren Kajemeth« Büchsen zurückzunehmen, der nicht einen! speziellen schriftlichen Auftrag vom Kereö Kajemeth hiezu hat. Silbernes Buch des Keren Kajemeth. Sevilla Pastor durch den Verband det radikalen Zionisten (Nr. 259); Erna Siegler durch den Verband ri* dikaler Zionisten (Nr. 260); Juda L ö w durch die Zionistische Bezirke« Sektion Brigittenau (Nr. 261); Rachel Dr immer durch Makkabi Ha« zair-Brith Zirenu (Nr. 262). Tasche mit Geld und Dokumenten bei det Kremenezky-Feier gefunden. Bei der Kremenezky-Feier wurde eine Börse mit Geld und Dokumenten gefunden, die unter Angabe von Erkennungszeichen iixt Büro des Keren Kajemeth dem Eigentümer ausgefolgt werden wird. Chanukkah'Feier der Zionistischen Ortsgruppe Klagenfurt Samstag, den 8. d. (Feiertag) 1984, pünktlich 20 Uhr, findet Ira Hotel Moser, ein Chanukkah-Abend mit folgendem Programm statt: Der Sprechchor der Jugend bringt zum erstenmal den „Mahnruf“ von *. Spreohgrup* peu: Galuth (Chor), Stimmen aus dem Grabe, Die Stammväter, Nationalholden, Staawmuttei Rachel, Bar - Kocbba. Cbanukkah - Lichteranzünden und Festrede von S. E. Herrn Rabbiner Dr. J. Baibad-Moaus zur. Jugendrezitation aus Jehuda Halevis „Zionslied“ (Lilly Sobei, Villach). „Dio Ejze“, ein Sketch von Schalom-Alejcheim, aufgeführt von den Herren Ing. Rudich und Kahane. Jüdische Volkslieder, gesungen von Frau Ing. Schiffler und Herrn Kahane. Am Klavier: Fräuleiu Else Müller, Conforencicr: Ing. Schiller, Preistanzen und Tanzspiole unter der Leitung des Herrn Epatein. Zionistische Beilrkssaktlon und WIzo Brigittenau Samstag, den 8. Dezember 1334, '?9 Uhr abends XX, Jägerstraße 30 Festrede Df. JOSftV LÖUfftlfherZy Vizepräsident der Israelit1 sehen Kultusgemeinde A1ÄE

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