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Die Stimme · 1934-11-27 · Heft 404 (27.11.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 404 (27.11.1934)
Date
1934-11-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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r Kr. '404 — 27. November 1904 DU «TIMMI fett» 8 Kremenezky, der Mensch und Zionist ■Hl.1111.III.Illll...lllllllllllllllllllllllllllllBllllllllllllllllilBlllilllllllllllilllllll Am 27. November gehen die dreißig Trauertage nach Johann Kretnenexky zu Ende, Am 5. November hielt sein Freund und Arzt, Medizinalrat Dr. M. T. Schntrer im Herzl-Klub eine Gedenkrede auf Kremenezky, von der wir unseren Lesern jene Teile auszugsweise bringen, die den Menschen und Zionisten Kremenezky schildern und auch historisch interessant sind. Die Redaktion. Freunde! Ein Großer in Israel ist von uns gegangen. Am 25. Oktober, \A\. Uhr nachmittags, hat Johann Kremenezky seinen letzten Atemzug getan. Am 28. Oktober, 32 Uhr mittags, haben wir ihn zur ewigen Ruhe gebettet. Er starb eines sanften Todes. Schmerzlos, wie das Leiden, das ihn vor drei Jahren befiel, war auch sein Sterben. Umgeben von seinen Kindern und Freunden, beschloß er in Schönheit sein schönes Leben. Bis kurz vor seinem Tode verfolgte er regen Geistes alle Vorgänge in der Kulturwelt, von denen ihn begreiflicherweise Dinge der Technik am meisten interessierten. So besuchte er in den letzten Wochen die Wiener Reichsbrücke vor und nach ihrer Verschiebung, besichtigte zweimal die Arbeiten auf der neuen Hochstraße am Kahlenberg und äußerte vor etwa 14 Tagen den Wunsch, mit mir zusammen, die im Bau begriffene Clocknerstraße zu besuchen. Wenige Tage vor seinem Tode war er, als Präsident des Komitees zur Errichtung eines von ihm angeregten Denkmals für Auer v. Wclsbach, mit dem Studium einer Broschüre über das Lebenswerk Auers beschäftigt und hielt uns einen kurzen, klaren, zusammenhängenden Vortrag über die Entwicklung des Osaniumlichtes. Eine Hirnblutung machte dieser bewundernswerten geistigen Regsamkeit ein jähes Ende, indem sie den Patienten in tiefe Bewußtlosigkeit versetzte, aus der er nicht anehr erwachte. Mit «Johann Kremenezky verliert die Menschheit eine kraftvolle Individualität von seltener Prägnanz, verliert das jüdische Volk einen seiner treuesten Söhne, verlieren seine Kinder, die an ihm mit Liebe und Verehrung hingen, den besten aller .Väter, verliert unser Klub seine edelste Zierde^ verliere ich meinen ältesten und wertvollsten Freund, einen Weggenossen* mit dem ich bald ein halbes Jahrhundert in gleichem Denken und gleichem Fühlen dem gleichen Ziele in nie getrübter Harmonie zugestrebt habe. Die Arbeit war sein Lebenselement. Er war ein Fanatiker der Arbeit. Er liebte die Arbeit an sich, die Arbeit als Selbstzweck, nioht als Mittel zum Zweck. Mehr als einmal und erst kürzlich zitierte er den Satz Voltaires: „Travailler sans raisonner, c’est le seul jnoyen de rondre la vie supportable“ (Arbeiten ohne zu räsonnieren, dae ist das einzige Mittel, daß Leben erträglich zu machen). Und weil ich diese seine leidenschaftliche Liebe zur Arbeit kannte, habe ich mich nicht entschließen können, ihm selbst im 80. Jahre seines Lebens die Arbeit zu verbieten. Ich fürchtete mit Recht die bösen Folgen eines Bolchen Schrittes. Dieser unbändige Arbeitsdrang war nun gepaart mit eiserner Energie, unbeugsamer Willenskraft und zäher Ausdauer, die das einmal ins Auge gefaßte Ziel, ungeachtet aller Schwierigkeiten und Hindernisse nicht lösließ, bis es erreicht war. Nehmen Sie noch hinzu: peinliche Gewissenhaftigkeit, äußerste Strenge gegen sich selbst, goldene Treue, unbedingte Lauterkeit des Charakters, schlichte, gewinnende Vornehmheit, und Sie werden leichter als durch vage, hypothetische Annahmen, den Schlüssel zum Verständnis der Erfolge haben, die Kremenezky errungen hat. Trotz der erwähnten herrlichen Eigenschaften und trotz hervorragenden technischen Wissens und Könnens hätte Kremenezky niemals seine Erfolge erzielen können, hätte ihm jenes Elixier gefohlt, ohne das kein Unternehmen, und sei es noch so nüchterner Natur, geschaffen werden und gedeihen kann. Ich meine Idealismus ünd eine Portion Optimismus. Und das führt mich zu dör Betrachtung der Beziehungen Kremenezkys zum Zionismus. Als vor nunmehr 46 Jahren ein winziges Häuflein von Kadimahnern, nach Verlassen der Hochschule, daranging, die zionistischen Ideale aus dem akademischen Boden ins praktische Leben zu verpflanzen, da war Kremenezky einer der ersten, di© sieh uns ansohlossen. Es war nicht schWCt, ihn für den Zionismus zu gewinnen, denn schön mal» erster Besuch hei ihm m der Eiseft. gaßse enthüllte mir eine verwandte Seele, die auf Gleichgestimmte nur gewartet hatte. Wohl hat er in der ernten Zeit keinen aktiven Anteil an der Führung der Bewegung genommen, aber er stand mit uns in stetem Kontakt und ging uns mit Rat und noch mehr mit Tat an die Hand. Nicht nur wegen seiner persönlichen Beziehungen zu den Russischen Chowewe Zion, sondern aus innerem Schaffensdrange war er bemüht, in Erez Israel praktisch zu wirken. Er beteiligte sich an Bodenkäufen, an der Gründung von Kolonien, industriellen Unternehmungen, er streckte Geld zur Erforschung des Bodens •in Palästina vor, usw. usw. Jeder, der Palä-, stina besucht, findet daselbst Spuren seiner, Wirksamkeit. Hiebei vermochte ihn keinerlei Hindernis oder Schwierigkeit in seinem gesegneten Optimismus zu erschüttern und in seiner zähen Ausdauer wankend zu machen. Diese seine tatkräftige Initiative förderte direkt und indirekt durch das Beispiel die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Als dann Theodor Herzl die Fortsetzung unseres Werkes übernahm, um es auf neuen Bahnen einer mächtigen Entwicklung zuzuführen, stellte sich ihm Kremenezky mit uns zur Verfügung und trat schon nach dem Zweiten Kongreß als Mitglied des A. C. in die Leitung der Bewegung ein, woselbst seine ausgedehnte praktische Erfahrung auf industriellem und kommerziellem Gebiete, seine überlegene Ruhe und Sachlichkeit unseren Arbeiten in hohem Maße zustatten kamen. Besonders hervorgehoben zu werden verdient sein geradezu rührendes Verhältnis zu Herzl, dem er in väterlicher Liebe anhing und dem er bis über das Grab hinaus Treue bewahrte, die er an den unglücklichen Kindern des verewigten Führers in reichem Maße zum' Ausdruck brachte. ' *> Ein Ruhmesblatt in der Geschichte des' Zionismus 'bilidiet die Leistung Kremenezkys für den Keren Kajemeth. Wie über manches andere, finden sich auch über diese Institution falsche Angaben in der Geschichte des Zionismus. Getreu dem Faustischen Credo: „Die Tat ist alles, nichts ist der Ruhm“, haben wir bisnun stets hiezu geschwiegen. Aber eine Handaufzeichnungin dem Nachlasse des Dahingegangenen veranlaßt mich zu der feierlichen Erklärung, daß die Idee des KKL keine Importware aus Deutschland, sondern wie der Schekel und manche andere Einrichtung unserer Organisation mtade in Vienna ist, daß somit die allgemein geltende und überall zu lesende Behauptung, die Idee der Gründung des Jüdischen Nationalfonds stamme von Dr. Hermann Schapira, Prof, der Mathematik an der Universität Heidelberg, den Tatsachen nioht entspricht. Wohl hat Schapira auf dem Ersten Zionistenkongresse, der in Basel 1897 tagte, den Antrag gestellt, daß „von Juden in der ganzen Welt Beiträge zur Bildung* eines ,Allgemein jüdischen Fonds' (dies der Wortlaut des Antrages) zum Ankauf und Erhaltung von Territorium in Palästina gesammelt werden sollen.“ Demgegenüber Ist aber nachgewiesen und von unserem Freunde Dr. Nussenblatt veröffentlicht worden, daß schon im Jahre 1894, also noch vor Herzls Eintritt in die Bewegung und drei Jahre vor dom Ersten Zionistenkongreß ein vom Vorstande des damaligen, untermeiner Leitung gestandenen Verbandes „Zion“ .in Wien erlassener und von Kremenezky, Rüben. Brainin und mir gezeichneter Aufruf zur Gründung eines „Keren K a j e m e t h“, dies auch der von Uns vorgeschlagene Namen, ergangen ist. Ich gestehe; daß ich mich damals nur auf. Drängen Kremenezkys zur Veröffentlichung des Aufrufes bestimmen ließ, weil ich mir — bei dem noch geringen Umfange unserer damaligen Organisation — nicht viel davon versprach. Die weitere Entwicklung hat meine damalige Auffassung bestätigt. Ich möchte nur darauf hinweisen, daß noch im Jahre 1907 die Eingänge des KKL nur etwa 13.000 Pfund betrugen und erst mit dem weiteren Ausbau der Organisation auf die Höhe von 250.000 bis 300.000 Pfund gebracht werden konnten. Mit der Annahme des Antrages Schapiras auf dem Ersten Kongresse ist aber die Gründling des KKL noch lange nicht der Verwirklichung näher gekommen. Die meisten Widerstände gegen die Schaffung der Institution erhoben sich im Schoße des Großen A. C. selbst, das von der Konkurrenz des KKL eine Kürzung der ohnehin unzulänglichen Einnahmen der Zionistischen Organisation befürchtete. Nur den unablässigen Bemühungen ‘und der zähen Ausdauer Johann Kremenezkys ist es zu danken, daß die Gründung des KKL auf dem Fünften Kongresse 1901 zum Beschluß erhoben wurde. Dieser Beschluß kam unter sehr bewegten dramatischen Umständen zustande. Als in der v o r dem Kongresse abgehaltenen Sitzung des vom Großen A. C. eingesetzten Subkomitees die Frage der Gründung des KKL noch immer Widerstände fand und eine nochmalige Verschiebung um ein Jahr drohte, da bekam Kremenezky in der Hitze des Gefechtes einen Weinkram p f. Dieser Zusammenbruch des eisernen .Mannes mit .Nepyen, .ans Stahl .wirkte, stärker: äiVaÜe sachlichen.Argumente. Bin- nen /wenigen . Minuten, konnte U s-s-i s-c hk i n, der'Vorsitzende des Subkomitees dem im Nebenzimmer tagenden Großen A. C. den Beschluß äes Subkomiteeß, dem Kongresse die Gründung des KKL vorzuschlagen, verkünden. Der KKL wurde aktiviert und Johann Kremenezky zum ersten Direktor desselben ernannt. Mit Feuereifer machte er sich an die Einrichtung eines Büros und unter großen persönlichen. Mühen und Opfern führte er die meisten der noch heute geltenden Agitations-, Propaganda- und Sammeleinrichtungen ein. Ich erwähne davon nur da« Goldene Buch, die Baum spenden, die Büchsen, Ansichtskarten, Telegrammformulare usw. Er leitete das Büro in Wien bis zur Übersiedlung des KKL nach Köln. Wie er auch nachher und bis in die letzten Tage um den KKL besorgt war, das haben wir in unserem Klub am besten aus seiner letzten großen Aktion zur Aufbringung der gesamten Verwaltungsspesen der österreichischen Landesstelle des KKL erfahren. Wenn heute der KKL als eine nicht nur von Juden, sondern auch von anderen Völkern bewunderte Institution von hohem wirtschaftlichen, politischen und sozialpolitischen Wert dasteht, so ist dies in erster Reihe Kremenezky zu verdanken. Sein glühendes Interesse für Erez Israel, dokumentierte Kremenezky auch durch einige Reisen nach Palästina, deren vierte er erst vor zwei Jahren unternahm. Ich hatte Bedenken, ihm diese Reise wegen seines vor- Übersiedlung sämtlicher zionistischen Büros Wie bereits ift der „Stimme“ angekündigt, beziehen die Zionistischen Büros (Zionistisches Landeskomitee Keren Kaiemeth, Keren Hajessod, Palästinaamt und Wirtschafts- Stelle» sowie die Redaktion und Administration der „Stimme“ Donnerstag, den 29. d. M. ihre neuen Räume in Wien, L, Marc Aurel-Strafle Nr. 5 I. Stock Mit Rücksicht auf die Übersiedlungsarbeiten wird der Pärteienverkehr für die Zeit vom 28. November bis einschließlich 3. Dezember gesperrt Die neuen Telephonnummern der Zionistischen Büros lauten: Zionistisches Landeskomitee: U 22-2-11, Keren Kajemeth: U 29-1-29, Keren Hajessod: U 22-2-17, Palästmaamt: U 28-3-78, „Die Stimme“ s U 22-3-91 gerückten Alters und seines Leberleidens erlauben und gestattete sie nur unter der Bedingung, daß ihn seine verläßliche und treue Pflegerin begleitete. Er kam erfrischt und verjüngt aus Palästina zurück und war voller Begeisterung über die gesehenen Fortschritte in der Entwicklung des Länder Nicht einmal die von ihm so sehr bedauerte Zerrissenheit in Parteien und Parteigrüppchen vermochte seinen unverwüstlichen Optimismus zu erschüttern. Ich habe — Sagte er mir wiederholt — viel Schönes ünd Interessantes gesehen, aber das Schönste in Palästina sind die Kinder Wie leuchteten seine Augen und wie verklärte sich sein ehrwürdiges schönes Gesicht, wenn er von der Schönheit und Gesundheit der palästinensischen Kinder schwärmte. Handelt es sich hiebei doch um die Zukunft des jüdischen Volkes und der jüdischen Erde. Die letzte große Lebensfreude Johann Kremenezkys war seine Ernennung zum Ehrenbürger von Tel-Aviv. Er war stolz darauf, Ehrenbürger der ersten und vorläufig einzl-* gen jüdischen Stadt zu sein und freute sich der Anerkennung seiner Bemühungen um das heilige Land. Heilig wegen seiner Vergangenheit und heilig wegen seiner Zukunft, an deren Begründung und Vorbereitung Johann Kremenezky so wacker und erfolgreich mitgewirkt hat. Wahrlich, Freunde, ein Großer in Israel ist von uns gegangen. Sein Name wird leuchtend fortleben in der Geschichte des jüdischen Volke«. ¥ Kremenezkys letztwillige Widmungen Wie wir aus authentischer Quelle erfahren, hat Johann Kremenezky folgende Beträge für den Paläßtinaaufbau sowie für kulturelle und charitative Zwecke testamentarisch vermacht: Für den Keren Kajemetih S 50.000; für die Hebräische Universität Jerusalem S 30.000; für die Wiener Kultusgemeinde S 20.000; für das Wiener Blindeninstitut S 5000; für eine. Stiftung,. deren Bestimmungen von seinem ' Söhn . Josef: im, Einvernehmen mit dem Testamentsvollstrecker Dr. Rotih- 'blum, festgelegt ..werden sollen, S 50.000; für die Stadfcgemeinde Wien S 20.000; für das Spital der Barmherzigen Brüder, Wien, S 5000; für die Technische Hochschule S 5000; für den Ingenieur- und Architekten- Verein, Wien, S 3000;. außerdem kleinere Beträge für verschiedene humanitäre Bestimmungen. 80. Geburtstag des hebräischen Schriftstellers D. J« Silberbusch Demnächst vollendet einer der ältesten, hebräischen Schriftsteller, David J. $ i 1b e r b u s c h, der vor kurzem aus Wien, wo er Jahrzehnte gelebt hat, nach Palästina' über siedelt ist, sein 80. Lebensjahr. Hervorragende hebräische Schriftsteller und Gelehrte wie Prof. Torcziner, David Simdnowicz, Rabbi Benjamin, Rabbi Bergmann, A. Barasch, Prof. Lauterbach, S. J. Agnön, S Kotlar, David Kimcbi und Michael Ra* binowitscih vereinigten sich zu einem Komitee, um eine solenne Silb erbus ch -F ei er vorzubereiten. Das Komitee beschloß die Herausgabe von drei Bänden der Schriften Silberbuschß und wendet sich an alle Freunde der hebräischen Literatur, dieses Ziel verwirklichen zu helfen. Si,Iberbusch ist seit 60 Jahren in der hebräischen Literatur tätig*, er war noch Mitarbeiter von Perez Smolenskys „Hascbaehar“. Seine vor kurzem veröffentlichten Erinnerungen fanden großes Interesse iu der hebräischen Schriftstellerwelt. Das Maimonides- Jubiläuitiskomitee Sonntag, den 11. d. M. fand im großen Sitzungssaal der Kultusgemeinde die erste Sitzung de« erweiterten Maimonidesjlibilliumskomitöe statt. Herr Oberrabbiner Dr. F e u c h fcw a n g eröffnete die Sitzung, begrüßte die Anwesenden, insbesondere die Herren Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Fried mann, Dr. Löwe n h e r z, Dr. T i c h o und wie« auf das seltene Ereignis des 800. Geburtstages Mai* monls und auf die Bedeutung der aus diesem Anlaß zu veranstaltenden Feierlichkeiten hin. Darauf referierte der President der Histadruth Ivrith, Herr Dr. R o t h b 1 u m, über die geplanten Veranstaltungen. Nach einer Diskus

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