Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-11-20 · Heft 402 (20.11.1934) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 402 (20.11.1934)
Date
1934-11-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054140-3054157--4637-3060278
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Preis dieser Nummer SO g V. b. b. O JÜDISCHE ZEITUNG Neue ermäßigte Tarife für Touristenreisen NORDAMERIKA ZENTRAL- AMERIKA¬ PAZIFIK SÜDAMERIKA SÜDAFRIKA AUSTRALIEN ^»„iioim-cosHiicr „COSUUCH" Nr. 402 I Wien« 20. November 1934 I Redaktion und Administration Wien, Kärntneratiaße 2b fei. R 27*4*85 RedakttonsaöhluS Montag und Mittwoch vorm | (XI* Kislew $695) | 8. Jahrgang Cr. Nahum Goldmann bei Mussolini Rom, 18. November. (2. T. A.) Der Regierungschef Benito Mussolini empfing am 14. November den Präsidenten des Comit6 des Dllggations Juives und des Ausschusses für den Jüdischen Weltkongreß, Dr. Nahum Goldmann, in Audienz. Im Verlauf eines etwa halbstündigen Gespräches wurden aktuelle Ereignisse des jüdischen Lebens berührt 7500 Palästina-Zertifikate für das laufende Halbjahr Unrichtige Meldungen über Friedensverhandlungen . London, .16. November. Das Zionistische Zentralbureau teilt mit: „Im Zusammenhang mit den von dejf Ex%>. kutive Inaugurierten Verhandlungen mit den einzelnen zionistischen Parteien wegen der Wiederherstellung des inneren Friedens in der Bewegung sind in der letzten Zeit!n der Presse verschiedene unautorisierte und unrichtige Meldungen erschienen, die geeignet sind, in der Bewegung Unruhe hervorzurufen und den Gang der Verhandlungen zu stören. Es wird von allen Zionisten erwartet, daß sie derartigen Gerüchten keinerlei Aufmerksamkeit schenken. Wie bisher, wird die Exekutive, so oft konkrete Resultate in den Verhandlungen erzielt werden, die Bewegung und die Öffentlichkeit entsprechend informieren.“ (Wir haben schon in unserer letzten Nummer darauf hingewiesen, daß wir die von der „Chwila‘ und dem „Hajnt“ gebrachten Nachrichten nur mit größter Reserve wiedergeben können. Jedenfalls ist aber die Feststellung bemerkenswert, daß nach wie vor die Verhandlungen geführt werden, deren Ergebnis man gespannt entgegensehen kann. Red.) Die Regierung Palästinas hat der Jewish Agency mitgeteilt, daß sie die Aufnahmefähigkeit des Landes für Arbeiter-Einwanderer für das laufende Halbjahr Oktober 1934 bis März 1935 mit 9700 Arbeitnehmern berechnet hat; von dieser Zahl werden 2200 Zertifikate für Rechnung der i 11 e g a 1 e n E i n w a n d e r u n g und der in Land kommenden Touristen, die sich nachträglich entschließen, dauernd im Lande zu verbleiben, in Abzug gebracht werden, so daß für das laufende Halbjahr eine Schedule von netto 7500 Zertifikaten zur Verfügung gestellt wird. Die Jewish Agency hatte ihrerseits die Aufnahmefähigkeit des jüdischen Arbeitsmarktes in Palästina für neue Einwanderer mit 18.600 Arbeitenden berechnet. Die Palästina-Regierung hat demnach dieser Forderung nur zu 40 Prozent entsprochen. Die bewilligte Schedule ist um 1900 Zertifikate höher als die des vorangegangenen Halbjahres und uni 700 höher als die vorangegangene Schedule zusammen mit der nachträglich bewilligten Zusatzschedule :von 1200 Zertifikaten. Es wird angenommen, daß die Regierung sich entschließen wird, auch für die neubewilligte Schedule eine Zusatzeche dule in einem größeren Umfange als früher ^u bewilligen. * *•. Die Juden Im Saar lande Genf, 16. November. (Z. T. A.) Beim Völkerbund sind drei Beschwerden der sogenannten Einheitsfront und der Arbeitsgemeinschaft für. die saarländischen Interessen eingegangen. Diese beiden Organisationen behaupten, daß die Mitglieder der sogenannten Deutschen Front auf die Anlegung der Wählerverzeichnisse Einfluß genommen haben. Auf diese Weise seien 90.000 Wähler zu Uurecht m die Verzeichnisse aufgenomraen worden. Bisher sind, wie die Plebiszitkommission des Saargebietes mitteilt, gegen 100.000 Beschwerden eingegangen. Zahlreiche Wähler, insbesondere Juden, wurden in die Verzeichnisse nicht eingetragen, obwohl sie am Plebiszit stimmberechtigt Bind. Die Bewilligung der neuen Schedule bedeutet nicht etwas Abschließendes; ängestrebt wird eine Schedule, die den Bedürfnissen der jüdischen' Arbeit wirklich entspricht. Jedenfalls besagt die neue Schedule, daß die Theorie über vorweg bestimmte Grenzen der jüdischen Einwanderung falsch ist; dies zeigt die Entwicklung der letzten Schedulen: 4500, 5500, 5500, 6800 und 7500 Oetztere mit Aussicht auf entsprechende Er- In diesem Zusammenhang wird es klar, daß der negativen Haltung gegenüber den zionistischen Forderungen auch die Besorgnis um eine künftige jüdische Konkurrenz im nahen Orient zugrunde liegt. Wenn sich dies fortsetzt, dann könnte, wenn die zionistische Organisation weiterhin die Situation verkennt, eine Krise des gesamten jüdischen Werkes eintreten, dessen Plan schon heute gefährdet ist. Es handelt sich dem Zionismus darum, einen nationale Kolonisation durchzuführen und eine gesunde, auf Landwirtschaft und Arbeit gestützte Schichtung des; Volkes zu : erzielen. Diesem national-politischen - Gedanken steht die politische und weltwirtschaftliche Tendenz der englischen Regierung gegenüber, die sich in den Mantel merkantiler Rentabilität hüllt, sich aber ausschließlich gegen den, Nationalheimgedanken -aus wirkt. So ist eine Lage geschaffen, gegen deren ■ Gefährlichkeit: die jüdische Welt sich heute noch-: wehren kann. Eine stärke und einheitliche». zionistische V-rganisation lind eine entsprechende initiative und entschlossene Exehöhung). Die jüdische Einwanderung!m Jahre _ 1934 umfaßte über 40.000; Menschen. Be-! kutive sind den Schwierigkeiten gewachsen, denkt man, daß die Schedule als Maßstab | — wenn Organisation und Führung auch für . die jüdische Einwanderung überhaupt' wirklich die Pflicht der Stunde sehen und gilt, so kann man — zieht man die höhere darnach handeln; Das in London geschlossene Schedule für 1935, in Betracht — mit einem Übereinkommen zwischen Histadruth und Minimum von 50.000 jüdischen Einwanderern im Jahre 1935 rechnen. Protest der Jewish Agenee „Times“ berichten, daß die Jewish Agency hei der Palästina-Regierung Protest wegen der ungenügenden Berücksichtigung der jüdischen Schätzungen des Arbeitsmarkts bei Erteilung der neuen Schedule eingelegt hat In dem Protest wird erklärt, daß die Regierung hei der Festsetzung der neuen Schedule die aktuellen Bedürfnisse des Arbeit 8 m a r k t e s im Lande nicht voll in Erwägung gezogen hat. Petroleum und Heimstätte Die Palästina-Regierung hat der zionistischen Exekutive für das laufende Halbjahr 9700 Einwanderungszertifikate bewilligt, bringt aber diese nicht voll zur Ausgabe, sondern zieht 2200 auf die sogenannte illegale Einwanderung ab. Es bleiben demnach 7500 Zertifikate. Die Exekutive hatte den Bedarf an sofort notwendigen Arbeitskräften mit 18.600 Personen berechnet; ihre Forderung wurde also nur zu einem Drittel erfüllt. Die Palästina-Regierung verharrt bei ihrer Beurteilung der Aufnahmsfähigkeit des Arbeitsmarktes, wobei sie das Einwanderungsproblem unter dem Gesichtspunkt der britischen politischen Interessen behandelt und die Verdrängung der jüdischen manuellen Arbeit planmäßig durchführt. Dies hat schon schweren Schaden angerichtet. Durch den M a ngel an Arbeitskräften in den.Städten ist eine Landflucht der jüdischen Arbeiter eingetreten und so wird für nachströmende arabische Arbeiter Plätz und Verdienst geschaffen, wobei noch besonders zu beachten ist, daß die Araber von den Einwahderungsbphörden weitaus milder behandelt werden. Revisionismus wäre geeignet, die ständige innere Krise der Organisation zu überwinden, — wenn der Wille zur Loyalität überall sich zeigt und bis in die Unterinstanzen durchgreift. Aus der Tatsache des Zwistes hat die Administration Kraft für ihr Mißwollen gezogen; aus ihrem Verhalten sind dann die Anstöße für immer neue Konflikte im Jischuw entstanden. So war ein Fehlerkreis entstanden, in dem sich ein Teil immer auf den anderen berufen konnte.. Das Ergebnis ist, daß der arabische Arbeiter dem jüdischen das Brot nimmt, daß das Dorf verödet und in den Städten die Preise steigen. Dazu gesellte sich, durch die Vorfälle in Deutschland erzeugt und begünstigt, eine Hypertrophie des Kapital- Zuflusses, dessen Umwandlung in bleij bende, dem nationalen Ziel entsprechende Auch anderen nichtjüdischen Faktoren Werte unbedingt durchgeführt werden gegenüber zeigt sich die Mandatsregierung muß. Die Volkswirtschaft Palästinas steht sehr entgegenkommend, so zum Beispiel; erst in den Anfängen und es ist heute noch der Irak - Petroleum - Gesell-laufcarkische Politik nicht nur mögschaft. Sie hat diesem Unternehmen das lieh, sondern auch notwendig. Jüdische Recht der Bodenenteignung, der Hafeni Ware von jüdischen Händen erzeugt, Geerrichtung, Steuer- und Zollfreiheit verlietreide und Vieh aus dem jüdischen Besitz, hen, sie hat ihr für ihre Beamten und jüdische Kreditorganisation . —das muß Speaialarbeiter die volle Einführungsfreiheit j Zusammenwirken und das kann, 'Wenn der gesichert und sie von allen sonstigen Ein- Grundgedanke bis in die Schulerziehung Wanderungsbestimmungen unabhängig ge- [ durchgedacht, und in die Verbände der Armacht. Die private Gesellschaft dürfte für j beiter, der Bauern und der Verbraucher Palästina nicht den wirtschaftlichen Wert hineingetragen wird, der Uneinigkeit weit haben, der ihr beigemessen wird. Sie wird j rascher ein Ende machen als irgend ein das aus Kerkuk kommende Erdöl aus- Protokoll. Das schafft auch der jüdischen führen; Benzin und Schweröl werden in | Führung das notwendige Gewicht für ihre sehr geringem Ausmaß in kleinen Raffi-1 Aktionen in Jerusalem,- in London und in nerien in Haifa und Tripoli hergestellt, Genf, Autorität in der Sicherung des natiowerden. Die mit so großer Feierlichkeit er-jnalen Heims gegen das Erdöl und seine öffnete Röhrenleitung bedeutet unendlich J Protektoren. viel für den britischen und französischen -- Handel, sehr wenig aber für den nahen Volkerbunastaat Irak Orient. Trotzdora hat diese Gesellschaft fast „Daily Telegraph“ meldet aus Bagdad, souveräne Rechte erhalten und in der, daß das Bagdader Gericht einen jüdischen Mandatskommission des Völkerbundes ist, Buchhändler, der in einem Brief an über diese Angelegenheit bisher überhaupt > einen Geschäftsfreund im Ausland über das siebt berichtet worden. [Verbot der Einfuhr jüdischer Schriften in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.