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Die Stimme · 1934-11-13 · Heft 400 (13.11.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 400 (13.11.1934)
Date
1934-11-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 20g v.b.b. Mm» jaa I VITIam «m ftfeue>oimhdu «Afti § Redaktion amt Aämmtatratlon Wien, Kätntnaiattaße 2b I Rsi I »» 2>«ps nO"WnöWr Xt<94 I Tel R 27-4-85 ReriaktlonsschtuS Montao und Mittwoch vorm g JÜDISCHE ZEITUNG Neue ermäßigte Tarife für Touristenreisen nach: NORDAMERIKA ZENTRAL- AMERIKA- PAZIFIK SÜDAMERIKA SÜDAFR.KA AUSTRALIEN ■t« ' \ „ITALIA“ ffetlfl. HotlMl „ Arilwt*n». ecmii || itmto-cosmicii if „COSUUCH“ AtflftrtM Trlt« Oeneralasentur Wien. L Klrntnerrlns 6. Telephon II 47-5*40 (6* Kislew 5695) | 8. Jahrgang Unterredung zwischen Waucnope und Ben Gurlon London, 11. November. (2. T. A.) Oer High Commissioner für Palästina, Sir Artur Wauchope, der am 9. November mittels Flugzeuges nach Palästina zurückkehrte, empfing am 8. November das Mitglied der Palästina-Exekutive der Jewish Agency David Ben G u r i 6 n. In der Unterredung wurden Fragen der Palästina-Einwanderung und Probleme allgemein politischen Charakters erörtert. Ben Gurion tritt die Rückreise nach Palästina im Laufe der kirnenden Woche an. Dank an Schiller Legislative Council London, 9, November. (2. T. A.) Im U n t e r hause richtete der Abgeordnete Wedgwood an den Minister für die Kolonien die Frage, ob die Auszahlung von Gehältern oder Diäten an die Mitglieder des geplanten Legislative Council für Palästina beabsichtigt sei. In einer schriftlichen Beantwortung dieser Anfrage erklärte Sir Philip Cunliffe-Lister, er sei nicht in der Lage, gegenwärtig Mitteilungen über diesen Gegenstand zu machen. . In einer zweiten Anfrage wies Abgeordneter Wedgwood auf die unterschiedliche Behandlung von Einwanderern mit eigenem Kapital und Arbeitereinwanderern bin uud forderte Öffnung der Tore Palästinas für reiche und arme Einwanderer in gleicher Weise. In seiner schriftlichen Antwort berief sich Sir Philip Cunliffe-Lister auf die bekannten Bestimmungen der palästinensischen Einwanderungsordnung und wiederholte, daß der Umfang der Einwanderung vom High Commissioner unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes festzusetzen sei. 350,000 Pfund für außerordentliche Arbeiten Tel-Avlvs Jerusalem, 12. November. (2.7-A.) Die Stadt Tel-Aviv, deren normales Jahresbudget über eine Viortelmillion Pfund beträgt, hat von der Prudential Assurance Company of England eine Anleihe von über 850.000 Pfund (zu 314% Zinsen) zwecks Durchführung außerordentlicher öffentlicher Arbeiten aufgenoramen. 90.000 Pfund davon sind für Erweiterung und Reorganisierung der Wasserleitung, 20.000 Pfund für eine neue Filtrieranlage, 50.000 Pfund für Kanalisation- und Drainageröhren, 60.000 Pfund für neue Schulgebäude, 100.000 Pfund für den Bau eines modernen Hospitals (hierzu soll die Palästinareglerung 40.000 Pfund beisteuern), 25.000 Pfund für Errichtung einer neuen Stadthalle und 10.000 Pfund für eiue städtische Garage bestimmt. W R BERATEN S E N ALLEN BAUm» GRUNDSTÜCK- ANGELEGENHEITEN FÜR PALÄSTINA DURCH UNSER BÜRO IN WIEN UND HÄiFA AUSKUNFT UNTER „ARCHITEKTUR-BÜRO" AN DIE REDAKTION D':R »STIMME" Ist Schillers Stimme noch vernehmbar? Hat sein Ruf „in tyratmos“ die Tyrannen und die Tyrannei getroffen? Vor 175 Jahren ist dieser edelste aller Dichter geboren worden; und so oft der 10. November herankam, war es ein Festtag für alle, die an Enthusiasmus, an Idealismus, an Freiheit Und hohes Menschentum glaubten; ein froher Dank an die Vorsehung, die es diesem Großen gegeben hatte zu sagen, was das Menschenherz höher schlagen machte, was das Blut beschwingte. Wahrheit, Sittlichkeit, Verantwortung vor sich sind ihm eigen getvesen, der durch sein Schaffen zum Weitereignis geworden war. . Das Sittliche war ihm ft$s Schöne, das Schöne eine ^ethische Kategorie. Dichter, Dramatiker, Philosoph, ein revolutionärer Stürmer, Hasser der. Gewalt, begeisterter und begeisternder Kämpfer für die Freiheit des Individuums, —■ er war es und er ist es gewesen und es ist heute so, als hätte dieser, den man als Giganten verehrte, niemals Nachhaltiges,’ Dauerndes geschaffen. Als wäre seine rhetorische Eindringlichkeit vom Sturmwind in alle Lüfte zerrissen. Man hat ihn einen Beglücker, einen Erzieher gepriesen zu Freiheitsliebe und Rechtlichkeit, zum Respekt für das Ideale —- und 175 Jahre nach seiner Geburt, 129 Jahre nach seinem Tod ist das alles in alle Winde verweht. Und gerade sein Stammvolk hat sich von allem, was Schiller besungen hat, was er ersehnte und erträumte, so gründlich abgewendet, daß es heute fast als unerträgliche Ironie erscheint, wenn im Dritten Reich der Geburtstag des Mannes begangen wird, der in glühenden, sengenden Worten Freiheit des Menschen, des Denkens, des Handelns gefordert hat, wenn die österreichischen nationalen Zeitungen Festartikel schreiben und voll Wehmut nach Weimar sobauen. Das deutsche Volk ist heute auf Intoleranz eingerichtet, auf Haß gegen alles, was Schiller wert und teuer war, und lebte er heute, so . wäre er als Jude öder Judenknecht im Bann. Das jüdische Volk gedenkt seiner warmer Dankbarkeit. Was er zu seiner Zeit und noch weit länger dem Ghetto bedeutet hat, das ist nicht in der ganzen Ausdehnung zu umreißen. Schillers Gedichte und Dramen, ihre Sprachgewalt, Klangschönheit und ihr mitreißender Schwung haben in dem geknechteten Judentum die Seelen aufgewühlt, wie kaum ein anderer Dichter. Schillersohe Worte, Strophen, Dichtungen haben sich tief ins jüdische Leben gesenkt, seine Gesfca’tungskraft hat die Verzweifelnden emporgerissen, die Jugend mit Hoffnung erfüllt. Der Mensch ist frei, und wär er in Ketten geboren! Nirgends hat dieser Ruf so gezündet, wie im Ghetto, nirgends haben seine Dramen so echten und lauten Widerhall geweckt, wie in der Judengasse, im Westen wie Im Osten. Man hörte aus ihnen den Kampfesruf, den Gojst des Widerstandes gegen dieses finstere Dasein, gegen Aberglauben, Unterdrückung, Haß und Gewissenszwang, Diesen Dichter hat die jüdische Jugendgeliebt, sie hat jedes seiner Worte verschlungen, begierig in sich hraeingetrunken. Seine Theaterstücke wurden ins Jüdische, ins Hebräische übersetzt kraten, der gesagt hat: und brachten die Zuhörer in entzückten Jubel. Ein Mensch sprach zu ihnen, und sie hörten von ihm, was in ihrer Seele schlief und sich kaum je hervorwagte. Ein Mensch, der ihnen sagte, daß alle Men- Erde trug. Den Dank hat Hitler abgestattet... Der französische Konvent hat Schiller zum Ehrenbürger Frankreichs ernannt. Dem Dichter des Menschenrechtes gab die große Revolution ihre Verehrung kund. Sie sah in ihm den Künder der Zeit der Befreiung des Bürgertums, den ersten Demo- Nichts ist des Menschen unwürdiger als Gewalt zu erleiden, denn Gewalt hebt ihn auf. Wer sie uns antut, macht uns nichts Geringeres, als die Menschheit streitig.“ Shakespeare hat dankbare Charakterrollen hinterlassen, aber sehen Brüder sind, gleichen Anrechtes auf Schiller hat Szenen voll geistigen Kampfes, die Welt, gleichen Anspruches auf Freiheit. J revolutionären Sturmes, voll Haß gegen Dieser Mensch war ein Deutscher, und er j das Niedrige geschaffen, das hinter ihm hat diese seltsame Schwärmerei für alles im wesenlosen Scheine gelegen ist. Das Deutsche hervorgebraoht, die sich Jahr- Judentum horchte auf, wenn der Glanz diezehnte lang im Judentum erhalten hat, der! ser Sprache Leben erhielt, wenn er die bürdasjüdische Volk’ sö viel geopfert hat.' gediehe Ehre verteidigte und für die Würde "Dank iür Häh'Üier 'Vwat-es,-wenn die jüdische des Menschen kämpfte. Sein sittliches Jugend im Osten im geheimen deutsch' Pathos ist heute verklungen. Weltenweite leinte, deutsche Bücher,, deutsche Zeitün-; trennt die heutige deutsche Welt von diegen las und mit der . deutschen Sprache jsem Toten. Im jüdischen Herzen allein lebt auch die deutsche Kultur bis über die ganze er noch. Unterredung mit Pr. Nahum Goldmann Dr. Nahum Goldmann, der Vorsitzende des „Comite des Delegations Juives“ (Paris), weilte, auf der Durchreise von Paris nach Krakau, dieser Tage in Wien. Dr. Goldmann, der sich mit besonderem Eifer als Initiator des Jüdischen Weltkongresses um die Vorarbeiten desselben bemüht und sie leitet, äußerte sich in einer Unterredung mit unserem Redakteur über den derzeitigen Stand der Vorarbeiten zum Jüdischen Weltkongreß folgendermaßen: „Ich fahre jetzt“ — sagte'Dr. Goldmann — „nach Krakau zu einer Sitzung des — „nach Krakau zu einer Sitzung des Exekutivkomitees der osteuropäischen Gruppen jüdischen Weltkongreß. Insbesondere sollen die Probleme und Modalitäten der Wahlen in Polen durchberaten werden. Es steht schon heute fest, daß Sämtliche zionistischen Grupp e n und Parteien positiv zum Jüdi sehen Weltkongreß stehen und sich an ihm beteiligen werden. Letztens haben sich auch die linken zionistischen Gruppen in Warschau für die Teilnahme am Kongreß in ausgesprochen, ebenso haben die Revisionisten, die schon früher ihre positive Einstellung zum Weltkongreß bekundet haben, nunmehr auch ihre Teilnahme be schlossen, so daß die Teilnahme sämtlicher zionistischer Gruppen gegeben erscheint. Die Wahlen sollen, wie vorgesehen, im Sommer stattfinden, und zwar vor den Wahlen zum Zionistenkongreß. (Die Abhaltung des Zionistenkongresses im kommenden Sommer steht allerdings noch nicht fest, es ist immerhin möglich, daß es, im Falle die jetzt in London geführten Einigungsverhandlungen unter den zionistischen Parteien erfolgreich enden, in diesem Jahre zu keinem Kongreß kömmt. Anm. d. Red.) Jedenfalls sollen die Wahlen zu einem Zeitpunkt durchgeführt werden, daß für den Wahlkampf zum Zionistenkongreß noch genügend Zeit bleibt. Für Amerika sind die Wahlen schon für deh\ 28. April angesetzt. Die Wahlen werden, wie bekannt, auf breite6ter Baste zur Durchführung gelangen. Jeder Jude und jede Jüdin, die das 21. Lebensjahr vollendet haben, sind wahlberechtigt. Es ist bemerkenswert, daß auch clie nichtnationale n jüdischen Kreise — hier in erster Linie der englische Board of Deputies — dem Jüdischen Weltkongreß positiv gegenüberstehen. Die Tagung des „Board“ im Frühjahr kommenden Jahres wird die letzte Entscheidung bringen. Die Saar-Frage Von den gegenwärtigen aktuellen jüdischpolitischen Fragen bildet das Schicksal der Bevölkerung des Saarg-ebietes das brennendste Problem. Es ist fiir die Juden von rein prinzipieller Bedeutung. Wie das „Prager Tagblatt“ meldet, plant der vom Völkerbund eingesetzte Dreier-Ausschuß für das Saargebiet der Reichsregierung für den Fall der Rückgabe des Saargebietes an Deutschland Verpflichtunge aufzuerlegen, durch die der Minoritätenschutz nach drei Richtungen hin praktisch wirksam werdeu soll, und zwar wird verlangt: 1. daß die Anhänger des Status quo nach der Rückgliederung keinen Repressalien ausgesetzt sein werden; 2. daß auch die deutschen Emigranten, die ihren Wohnsitz nach dem Saargebiet verlegt haben, vor jeder politischen Verfolgung geschützt bleiben, und 3. daß die eingesessene jüdische Bevölkerung des Saargebietes, die etwa 7000 Köpfe zählt, in ihren bürgerlichen Re c h t. e n keine Beschränkung erfährt. Während man Zusicherungen für die ersten

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