Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-11-09 · Heft 399 (9.11.1934) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 399 (9.11.1934)
Date
1934-11-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054140-3054154--4618-3060256
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

890 — 9. November 1934 Dil ST1MMI Stltt 7 man RABENSTEIG 3 HIMMELPfORTö^ JdJLLNERHOFfi.l SÄMTLICHE ARTIKEL IN WASCHE UND WIRKWAREN SPOTTBILLIG! FÜHREND IN ETERNA-HEMDEN (von S 6 80 aufw.) CokalcßronlR Die Landeskonferenz des Keren Kajemeth wurde am Donnerstag, den 1. November, um 10 Uhr vormittags, in der Zionistischen Bozirkseektion Leopoldstadt in Gegenwart von 60 Delegierten aus Wien und der Provinz durch den Präsidenten des österreichischen Keren Kajemeth, Gg. Adolf Böhm, eröffnet. Namens des Hauptbüros nahm an der Konferenz der Delegierte desselben, Herr Professor Julian Silberbusch teil. Die Konferenz wurde begrüßt durch den Präsidenten des Zionistischen Landeskomitees, Dr. Griinbatim, namens des Kören Hajessod durch Hofrat Dr. Ludwig Werner, durch den Präsidenten des österreichischen Misrachi, Rabbiner Salomon Friedmann, Herrn Dr. Leopold Plascbkes namens des Verbandes radikaler Zionisten und durch Frau Mailka Bauer namens der „Wizo“. Herr Doktor Tartakower teilte mit, daß sich die Herren Fritz Pieeinger, Linz, und Isidor Weinreb, Klagenfurt, wegen Unmöglichkeit der Teilnahme entschuldigt haben. Sodann hielt Gg. Adolf Böhm einen herrlichen Nachruf dem vor einigen Tagen verstorbenen Gründer des Keren Kajemeth und dessen orsten Direktor Johann Kre m enezky. Er bezeichnete ihn als den Vater der österreichischen Zionisten und besonders des KKL. Er wies darauf hin, daß nur dank des außerordentlichen Glaubens des Verewigten an die Idee des KKL. es gelungen war, seine Gründung durchzusetzen. Es gebe kein Sammelmittel, das nicht schon Johann Kremenezky während seiner Verwaltung des Keren Kajemeth geschaffen hätte: So sei die Büchse, das Goldene Buch, die Keren Kajometh-Marke, sowie auch die Selbstbestouerung, von ihm erdacht und durchgeführt worden. Der Verblichene habe auch zu den Wenigen gehört, welcher lange, bevor die zionistische Bewegung als solche es getan, auf allen anderen Gebieten der Aufbautätigkeit aufopfernd mitgewirkt habe. Er erwarb Boden in Erez Israel, er errichtete Plantagen, Obstgärten; er war auch der Schöpfer der ersten Industrieunternehmungen (Silikatfabrik). Er gehörte zu dem engen Freundeskreise von Theodor Herzl, der zu ihm ein außerordentliches Vertrauen bekundete. Ganz besonders hat Johann Kreme- ( nezky den Keren Kajemeth in sein Herz geschlossen. So hat er noch in den letzten Jahren seines Lebens den Plan gefaßt und ihn auch verwirklicht: Durch Sonderspenden der Gg. die Ausgaben des Keren Kajemeth zu decken, damit die Spenden ungekürzt nach Erez Israel geben können. Kremenezky sei das Symbol der Treue, die er auch den Kindern und dom geistigen Nachlaß Ilerzls bewies. Er war ja dor Verwalter und Verwahrer dieses Archivs. Es sei daher kein Wunder, daß die ganze zionistische Bewegung diesen Nestor unserer Bewegung nicht nur verehrte, sondern geradezu liebte. Sein Name werde in goldenen Lettern in unserer Geschichte eingetragen bleiben. Dieso Ansprache wurde von dor Versammlung mit tiefem Schweigen und stehend angehört. Der Redner kiindigto auch an, daß diese Tagung im Zeichen Johann Kremenezkys stehen werde, da Sie auch die Aufgabe habe, einen Boschluß wegen Errichtung eines lebendigen Donkmals für den großen Verstorbenen zu fassen. Sodann referierte Herr Adolf Böhm über den gegenwärtigen Stand des Bodenproblems in Erez Israel. Er wies darauf hin, daß der Keren Kajemeth durch den Erwerb des Emek und der Errichtung der Kolonien in diesem Tale das Herz des Jischuw geschaffen habe. Dort sei e« dem Keren Kajemeth gelungen, d 1 e blühende jlldisohe Landwirtschaft zu schaffen. Das zweite großo Gebiot des Keren Kajemeth sei der Emek Sewulun, wo zum ersten Male ln großzügiger Weise vorbauend städtischo Bodenpolitik durchgeführt wurde. Durch den Erwerb dieses Tales soi der jahrelange Wunsch der weitsichtigen Bodenpolitiker unserer Bewegung erfüllt worden. Dieses Tal habe eine Zono für städtischen Häuserbau, oino Ulf Industrie und eine für Landwirtschaft, 3. Emek Chefer (Wadi Chawerith). Dieses Gebiet sei ein Musterbeispiel aller möglichen Ansiedlungsformen in Palästina. Was wäre das Schicksal unseres Kolonisationswerkes in Palästina gewesen, wenn die leitenden Männer des Keren Kajemeth nicht in geradezu revolutionärer Weise den Emek und die Akkoebene erworben hätten? Auch durch die Errichtung von Vorstädten, wie z. B. in der Nähe von Tel-Aviv, habe der KK. Vorbildliches geleistet. Wiewohl politische Schwierigkeiten bezüglich des neuen Bodenerwerbes vorhanden sind, so seien noch sehr große faktische Möglichkeiten des Bodenerwerbes vorhanden. Stets ist die große, entscheidende Frage, die Frage des Geldes. Aus diesem Grunde suche der Keren Kajemeth. neben seinen Spendenzweigen, nach neuen Wegen der Erlangung größerer Geldmittel. Die Keren Kajemeth-Obligationen. seien ein erfolgreicher Weg. Das Lebend-Legat (Ez Chaim) sei wieder ein großer Versuch, größere sofortige Geldmittel für den Keren Kajemeth verfügbar zu machen. Der Referent wies auch auf die Bedeutung der zentralen Bodeneinkaufsgesellschaft hin, zugleich aber auch auf die heute bestehenden Schwierigkeiten, sie zu verwirklichen, die vor allem darin liegen, claß die einzelnen Bodeneinkaufsgesellschaftien dank der großen Geldflüssigkeit und der Prosperity im Lande starke Unabhängigkeit erlangt haben. Er forderte zum Schluß die Konferenz auf, in noch erhöhtem« Maße als bisher die Arbeit für den Keren Kajemeth fortzusetzen, um ihn zu befähigen, seine gewaltige historische Aufgabe in Erez Israel zu erfüllen. . Sodann berichtete Herr Dr. .Chaim Tartak o w e r über die Keren Kajemeth-Arbeit des vergangenen jüdischen Geschäftsjahres. Die Spendeneingänge seien gegenüber dem Vorjahre um 9% gestiegen; S 92.000 im Jahre 5694, gegenüber *ß 84.000 im Jahre 5693. Im Zentrum der Arbeit sei die Ussischkin-Aktion gestanden, die im vergangenen Geschäftsjahr rund S 31.000 erbracht habe, zusammen jedoch mit: den Eingängen im Jahre 5693 rund S 36.000. ] Der Referent teilte mit, daß rund 1000 , Selbstkontingentlerheuer zu den Eingängen des Keren Kajemeth durch ihre Mitarbeit beigetragen haben, darunter 125 Personen Betrüg e ü b e r S 50 bis 1200. Die gegenwärtige Zahl der Büchsen in Wien betrage rund 11.000, im letzten Jahre seien rund 1500 neu aufgestellt worden, darunter durch den Jugendbund Zirenu 708, durch Gdud-Zirim 320, Heohaluz 124, Wizo 52, Haechomer Ha-zair 46, Jugendverband radikaler Zionisten 45. Zu den Eingängen des Keren Kajemeth hätten beigetragen: die Jugendgruppen rund.S 24.000 Föderationen und Souderverbände . S 11.000 Bezirkssektionen.S 16.000 Provinz.S 12.000 „Wizo“ ..S 7.500 Mittelschulverbindungen und Vereine S 1.500 Akad. Verbindungen und Vereine . S 700 Sonstige jüdische Vereine . . . . S 1.000 Die Ausgaben sind um rund S 7000, oder um 15%, gegenüber dom Vorjahre zurückgegangon. Sodann entwarf der Referent ein Bild über die? Tätigkeit dor einzelnen Gruppen für den Keren Kajemoth. Dann hielt Prof. Julian Silberbusch sein Roferat übor „Der Keren Kajemeth als Erziehungsfaktor“. Menschengruppen, Gemeinschaften werden aus ihren natürlichen Anlagen durch eine Reihe von Kräften aus der Umwelt geformt. Dfe Formung und Beeinflussung der Judenheiten in den einzelnen Ländern der Galuth geschieht duroh niohtjüdisohe Kräfte. In Palästina durch jüdische, dio vorhanden waren, oder dort neu entstehen: Antlitz der Landschaft, Tradition, Sprache, Kultur, Wirtschaft usw. Daher entsteht die Gefahr der Ausoinanderentwicklung. Da aber Palästina ni.qfoi SftihAixxAflk dOa ssndsrn nur das große Mittel, um das gesamte jüdische Volk zu regenerieren, muß die Einwirkungsmöglichkeit Palästinas auf die Galuth gegeben sein. Die« kann nur so geschehen, daß zu den fremden Kräften eine große jüdische Kraft dazutritt, die zionistische Organisation, die jüdische Erziehung, und der Keren Kajemeth gibt durch seine Sammelmittel das beste Mittel für diese Aufgabe der ständigen Beeinflussung der Juden in der Galuth. Man erzieht durch Symbole. Die Wirkung der Symbole hängt von den Trägern ab. In der Hand der Jugend können Symbole zu Spielzeugen werden, wenn sich aber erwachsene, bewußte Männer hinter sie stellen, werden Spielzeuge in Symbole umgewandelt. Man erzieht durch Beharrlichkeit und Beispiel. Es gibt keinen besseren Weg für die Erziehung, als wenn Menschen von bewußter Einstellung mit nicht erlahmender Bereitschaft und beispielgebend für die Sache wirken. Daher ist unsere Forderung, daß sich unsere Besten hinter die Symbole des Keren Kajemeth stellen. Dann haben sie den geeigneten Weg zur kontinuierlichen Beeinflussung der jüdischen Massen. Der Keren Kajemeth ist durch seine Idee und seine Sammelmethoden in hohem Ausmaße ein großes Erziehungsmittel. Und wenn er auch genügend Geldmittel für seinen Bodenkauf zur Verfügung hätte, so müßte man das gleiche oder ein ähnliches System von Sammelmitteln erfinden, damit er durch seine Träger auch seine großen Erziehungsaufgaben in der Galuth lösen kann. Gg. Fritz F i s c h 1 berichtete in interessanter Weise über die Erfahrungen mit einer Keren Kajemeth-Konkurrenz im Jugendbunde Zirenu und konnte der Konferenz mitteilem, daß dank den zwei durchgeführten Keren Kajemeth- Konkurrenzen der Bund in der Lage gewesen sei, diesen verhältnismäßig großen Betrag für den Keren Kajemeth aufzubringen. Dann folgte das Referat des Herrn Doktor Chaim Tartakower über die Arbeit des neuen Jahres. Er wies darauf hin, daß es die Aufgabe des Keren Kajemeth sei, dem immer mehr vordringenden Privatinteresse des Einzelnen das Gesamtinteresse des Volkes entgeg'enzustellen. Die Fonds seien neben der hebräischen Kultur berufen, in diesem Prozeß eine große Rolle zu spielen. Der Keren Kajemeth sei nicht bloß ein Apparat zum Geldaufbringen, sondern ein V o 1 k s e r z i e h u n g sfaktor erstenRanges. Daher werde der Keren Kajemeth in erster Linie die Aufgabe haben, mit aller Energie darauf zu drängen, claß die Arbeit des Keren Kajemeth kein Monopol der Jugend sei, sondern umgekehrt, i n erster Linie die Pflicht der zionistischen Führer und unter deren Einfluß eines jeden einzelnen Zionisten. Die Arbeit für den Keren Kajemeth werde nicht als Schnorrerei und Belästigung angesehen werden dürfen, sondern als hohe nationale Pflicht, als nationale „Mizwah“. Die Aufgabe des Keren Kajemeth im neuen Jahre werde es sein, die Grundlage für den Kfar Kremenezky zu schaffen. Zu diesem Zwecko ■werde die Selbstkontingentierung mit der größten Energie in die weitesten zionistischen Kreise getragen werden müssen. Das Ziel werde es sein, 1000 Selbstkontingentier zu organisieren, die mindestens je S 100 auf bringen werden. Der Keren Kajemeth werde als Aufbringungsziel des neuen Jahres eine Erhöhung der Eingänge um 100%, das ist also dio Aufbringung des Betrages von S 200.000 proklamieren. Der Aufbringungsplan bestehe in 50%iger Erhöhung der Eingänge der bereits bisher arbeitenden Gruppen, die weiteren 50% werden die Gruppen aufzubringen haben, die bisher abseits gestanden sind. Sodann wurde die Debatte eröffnet, an der sich beteiligten: Dr. Sohmerler, Dr. Presser, Steyr, Frau Dr. Silbiger, Rabb. Salomon Friedmann, Ignaz Müller, Frau Dr. Plasehkes, Seew Bronnor, Carl Heller. Eine Reihe wertvoller Anregungen wurden gemacht, die der neuen Landeekommission zur Durchführung Übermittelt wurden, Darauf wurden die von der Leitung vorgelegtcn Resolutionen einhellig beschlossen. Die durchgeführten Wahlen ergaben: Präsident Herr Adolf Böhm; zu Mitgliedern der Landeskommission: Kopel Blum, Dr. Hermann Ebner, Dir. Wilhelm Epstein, Simon Gaspard, Dr. Leo Gottfried, Dr. Josef Grünberger, Rosalie Leser, Dr. Ilona Löwy, Benno Mandel, Dr. Eduard Pachtmann, Salomon Picker, Lotte Plasehkes, Felix Pollak, Dr. Siegfried Plaschkee, Dr. David Rothblum, Gustav Seidemann* Dr. Max Seidmann, Salo Schmerler, Leon Schräge, Dr. Moses Stöckel, Dr. Ghaim Tartakower, Abraham Zahler. Sodann wurden von Herrn Dr. Tartakower die Namen der Personen und Gruppen verlesen, die wegen ihrer verdienstvollen Mitarbeit im letzten Jahre in den Pinkas des Keren Kajemeth eingetragen wurden. (Die Namen werden in der Folge ln unserer Rubrik „Die Arbeit des Keren Kajemeth“ veröffentlicht werden.) ALLEN VORAN! DAUERBRANDOFEN FÜR KOKS, KOHLE UND HOLZ IN ALLEN PREISLAGEN IV., PRESSGASSE 28 B 20-2-38 l.fPARKRING 12 R 20-3-57 Abschiedsfeier für Bruno Babino* witz Am 26. v. M. veranstaltete die Zionistische Bezirkssektion Landstraße im Restaurant Barsch ak ein großes Festbankett zu Ehren ihrer langjährigen . und. verdienstvollen Mitglieder Bruno und Maryla Rabinowitz anläßlich ihrer Übersiedlung nach Erez Israel. Mehr als 60 Personen, Mitglieder der Sektion und . zahlreiche Freunde des Paares, fanden sich ein, um von. den Beiden Abschied zu nehmen. Für das Zionistische Landeskomitee erschienen Vizepräsident Dr. Paul Berger und Sekretär. Dr. G1 ü c k 1 i c h, für den KKL. Dr. T a r t ar k o w e r und für den Keren Hajessod. Professor A. Freud. Der Sektionsobmann Dr. B a t s c h a dankte Bruno Rabinowitz für die vieljährige und mühevolle Arbeit, die er im Interesse der Sektion geleistet batte, und entbot namens der Mitglieder ihm und seiner Familie die besten Glückwünsche für sein neues Leben in Erez Israel. — Vizepräsident Dr. Paul Berger überbrachte in warmen Worten den Dank dos Landeskomitees fiir die intensive zionistische Tätigkeit, die Bruno Rabinowitz in Wien entfaltet hatte. Es sprachen noch Dr. Tartakower, Dr. Schmitz, Dr. Händler, H. Gaspard, für den weiteren Freundeskreis Dr. Groß und H. Borger. Alle Redner stellten mit Bedauern fest, welchen Verlust das zionistische Leben Wiens durch das Scheiden B. Rabinowitz' erleidet, gleichzeitig aber auch mit Genugtuung, daß er einen Gewinn für Erez Israel bedeutet. JÜDISCHER KALENDER 9.-15. Nov. 1934 2.-8. Klslew 5695 Fielfag (9. Nov.) Sabbath-Eingang . . . . 4 Uhr 20 Samstag (10. Nov.) Sabbath-Ausgang . . . 5 (ihr 10 Wodionabsdmltt: Toldöth Danksagung. Das Palästinaamt Wien dankt auf diesem Wege allen Gesinnungsgenossen, zionistischen Verbänden und Korporationen bestens für dio dem Palästinaamte anläßlich des Ablebens seines unvergeßlichen ehrenamtlichen Leiters, Herrn Dr. Simon Horöw i t z s. A., übermittelten Belleidskundgebungen. Hebrälsch-Kurse der Sektion I. Hebräiech-Ivurso der Sektion I, Neutorgasse Nr. 6, jeden Mittwoch, %9 Uhr abends, unter Leitung von Prof. Wiesen. Englische Kurse: Jeden Donnerstag, um H9 Uhr abends, unter Leitung von Jenny Feldmaun.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.