Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 398 (6.11.1934)
- Date
- 1934-11-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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reis dieser Nummer ZOg V. b. b. JÜDISCHE ZEITUNG ■HKHlLmLjllM Redaktion und Admimetratton Wien, Kärntnerstiafle 2b Tel. R 37-4-85 Reciaktionssohluß Montap und Mittwoch vorm Auf d«r wnadcrrolI«i] SOdronU von Genu« und Trieel nach NEW YORK mH den Rleeensehlffen ,Rex' <Bleue« Baad IMS!) .CONTO DI SAVOIA*. .Rom«'. .Augnetns . .Salornla*. .Vnloanla*. Kamele Verbindung nach SÜDAMERIKA mild, modemtten Luxueachltfen. Renette Expreeellale naeb SÜDAFRIKA (16 Tage ab Genua) mit d. Ellachlffea .DniUo* und Olulio Ceeare*. Uotoraehlffllnle nach AUSTRALIEN Anf allen Schiffen modernster Komfort. vorxUgllche ond abwecbalungtrelcbe Verpflegung. ^IhCOSUUCH1* Abfahrten «an T r i «t <i«neralat«nftir Wian, L Kärntnerrlng 6. Telaphon II47-5-ÄO „ITALIA“ (Vartla. Flott*«) Aafahrtaa «. laaua „Itollo-Cosullch1 (ZS. Chesch wan $695) | I. Jahrgang mmmmmmmmmmmmmmammmmmmommmm Baron Edmound de Rothschild Am 2. November starb in Boulogne sur Seine Baron Edmound de Roth* schild im 89. Lebensjahre. Barons. Sein Wollen, ■wurde freilich von Das jüdische. Volk betrauert den Tod des Barons Edmond de Rothschild, der zu seinen treuesten und edelsten Söhnen zählte. Die jüdische Generation von heute kann nicht ermessen, was Baron Edmond de Rothschild für das jüdische Volk und den Zionismus geleistet hat. Im Jahre 1882 hatte LeoPinsker seine „ A u t o e m a n z i p a t i o n“ veröffentlicht. . Die Lage der.. Juden in Rußland war unerträglich. In Charkow entstand die erste Bibi-Gruppe und die ersten Biluim kamen unter Führung von Israel Beikind nach Palästina. Raschon le Zion wird gegründet, Ness Zionah und Sichron Jakob. Bald aber drohte das Koloniöationswerk zu scheitern. Die „Chowewe Zion“ in Rußland besaßen viel Enthusiasmus, aber wenig Geld. Die reichen Juden im Westen Europas schwammen im Meer der Assimilation und hatten kein Interesse für Palästina. Als nun die von den „Riluiim“ begründeten palästinensischen Kolonien in große materielle Schwierigkeiten gerieten und vor dem Zusammenbruch standen, da wandte man sich an Edmond de Rothschild um Hilfe. Die Delegierten, unter ihnen Rabbi Mohilewer, verstanden es, den Baron für das gefährdete junge Werk so zu interessieren, daß er zunächst an die Siedler inRischon le Zion, Sichron Jakob und Rösch Pinah beträchtliche Geldunterstützungen leistete und diese Kolonien sowie später noch andere unter sein Protektorat übernahm. Rothschild wandte viele Millionen für ihre Reorganisation auf. In den jüdischen Kolonien wurde statt des bisherigen, den Bodenverhältnissen wenig entsprechenden Getreidebaues unter fachmännischer Leitung Wein angepflanzt, in Galiläa wurden neben Getreidebau auch Gartenkulturen eingeführt. Versumpfte Gebiete ließ „der Baron“ durch Anpflanzung von Eukalypten assanieren. Er ließ ferner große Weinkellereien (die größte in Rischon le Zion) bauen, und als der Weinabsatz stockte, kaufte er den Kolonisten für eigene Rechnung ihre ganze Produktion ab. Er baute ihnen endlich Häuser, Synagogen, Schulen, Krankenhäuser, Asyle usw. Die Kolonisten verloren dadurch freilich ihre frühere Selbständigkeit. Sie wurden allmählich zu kleinen Landßtädtchen. Das Ganze unterstand einer vom Baron eingesetzten Administration, die eine strenge Disziplin einführte,' aber durch ihre Bevormundung die Initiative der Siedler lähmte. Die Administration sah in der Kolonisation keineswegs eine Volkssache, sondern ein Wohltätigkedtflunternehmen des zionistischer Seite vielfach verkannt und MM im um mißverstanden. Obwohl er in der ersten Zeit des politischen Zionismus keine N eigung zeigte, auf die Ideen Th e o d o r H e r z 1 s e i n z u g e h e n, war ihm die Kolonisation doch eine Herzens* Sache mit weitgestecktem nationalem Ziel. Er befürchtete von Herzls die Türkei beunruhigenden Plänen eine Störung seiner allmählich fortschreitenden Kleinarbeit. Anfang 1900 übergab Rothschild die gesamte Verwaltung der bisher von ihm subventionierten Kolonien der J e w i s h C ölonisation Association (ICA); die dazu erforderlichen Mittel gab er in großzügigster Weise selbst weiter. 1925 übernahm Rothschild wieder die palästinensische Administration und übertrug sie einer neuen, eigens dazu ins Leben gerufenen Organisation, der „P a 1 e s t i n e J e w i s h Colonization Association“ (PICA), deren Vorsitz sein Sohn James übernahm. Abgesehen von seinem Kolonisationswerk hat sich Rothschild a/uch an zahlreichen palästinensischen Unternehmungen beteiligt, unter anderen auch an der Universität. Er arbeitete seit dem Kriege mit der Zionistischen Exekutive in gutem Einvernehmen, die in einer früheren Epoche gespannten Beziehungen sind seither geradezu herzliche. Fünfmal war erselbstinPalästina» dag letztem®! im Frühjahr 1925, kurz vor seinem 80. Geburtstage, vom ganzen jüdischen Palästina mit größten Ehrungen und herzlichem Jubel begrüßt. Für den palästinensischen Jisohuw ißt Rothschild schlicht „der B aron“ oder ,,hanadiw“, der Wohltäter. Man schätzt die Summe, die er für Palästina auf gewandt hat, auf über 7 0 Millionen Gold franken. Mehrere Orte (z. B. Benjamina) und Straßen (z. B. in Tel-Aviv „Nachtet Binjamin“, „Schderoth Rothschild“) in Palästina tragen seinen Namen (sei«' hebräischer Name ist Binjamin). Rothschild war Ehrenpräsident der . Jewi&h Agency seit deren Gründung (1929). Als nach den Unruhen dee Jahres 1929 der Palästina-Aufbau stockte, als die Nichtzionisten ihre Zuwendungen einsteilten und unter dem Einflüsse der revisionistischen Propaganda die zionistischen Spenden für diie Fonds spärlich flössen, da geriet das Budget der Zionistischen Weltorganisation ins Wanken. Das Gespenst des Bankrotts stand täglich vor der Türe. Wedzmann fand überall taube Ohren und verschlossene Türen. Da fuhr er kurz entschlossen zu Rothschild nach Panis und kehrte mit einem großen Scheck zurück. Die finanzielle Situation war gerettet. Es gab damals zionistische „Patriot e n“, die Tag für Tag, aber nur in Reden und Zeitungsartikeln, den Zionismus retteten und von den „schlechten Advokaten“ in der Exekutive sprachen. Sie machten hämische Bemerkungen über Weäzananns „Schnorrbesuch in Paris“. Vielleicht schämen' sich diese „V o l k 81 r i b u n e n“ heute. Vielleicht neigen eie sich heute beschämt und in Ehrfurcht vor Edmond de Rothschild, - da wir seinen Tod beweinen. Dubnow, der große Historiker, sagt von Edmond de Rothschild, bei ihm, dem Plutokraten, habe „das Interesse für Börsentransaktionen die Anhänglichkeit an die Heimat seiner Urväter nicht verdrängt. Noch nie sind die Millionen der Rothschilds mit größerem Nutzen im Dienste des jüdischen Volkes angelegt worden, als durch den nun Dahingeschieden en.“ Baron Edmond de Rothschild war ein großer Finanzraann und Kunstsammler. Sein Palais in der Faubourg Saint Honorä in Paris beherbergt weltberühmte Sammlungen, und er war Mitglied der Aka.demie der schönen Künste Frankreichs. Er war reich, immens reich. Er war seinerzeit Präsident der k. k. priv. Staat s-Eisenbah n-G esellschaft, war Leiter der französischen Ost bahnen und Mitglied des Auf« sichtsrates der Banque de France. Er hatte, was sein Herz begehrte. Sein schönster Reichtum aber wac sein großes, warmfühlendes, jüdisches Herz, das ihn auch im. letzten Jahre veranlaßte, Millionen Francs für dis j ü d U sehen Flüchtlinge aus Deutsch* 1 a n' d herzugeiben. Wir wollen in diesem Augenblick der Trauer nicht kritische Vergleiche anstellen. Ohne Übertreibung kann man aber sagen: Edmond Rothschild war es, der den Namen seines Hauses mit unvergänglichen Lettern in die Geschichte des jüdischen Volkes eingegraben hat. Daß er der „Vater der Kolonien“ wurde, nicht weil er Gewinn erwartete, sondern weil er Verständnis für die nationale Sehnsucht der Biluim hatte, daß sein Herz die Leiden seiner armen jüdischen Brüder mitfühlte, das sichert ihm einen Ehrenplatz in der Geschichte des jüdischen Volkes. - Edmond Rothschild war kein organisierter Zionist. Und doch scheint es uns, daß wir ihn zu uns zählen konnten. Und es scheint uns auch, als ob die „N i c h t z i o n i s t e n“ seinen Tod zum Anlaß nehmen sollten, um ihm in „Zionsliebe“, nachzueifern. Nicht in Worten. Rothschild schwieg, aber er leistete Unvergängliches. Eine fast leg endäre Gestalt ist mit ihm ins Grab gesunken. Blühende Kolonien in Palästina, Grundpfeiler unseres Aufbauwerkes, künden Edmound Rothschilds Namen lins und künftigen Generationen. Wir wollen uns in Ehrfurcht vor diesem großen Juden neigen. Sein Andenken sei gesegnet! * Baron James de Rothschild Mit dem Ableben Baron Edmond de Rothschilds wird sein großes Aufbauwerk in Palästina nicht unterbrochen. Sein ältester Sohn, Baron James Edmond Armand de Rothschild, hat schon bei Lebzeiten seines Vaters das jüdische Kolonisationswerk in Palästina sowie mehrere andere jüdische Werke gefördert und wird nun als der Präsident der PICA nicht nur die vorhandenen Rothschild-Kolonien betreuen, sondern auch neue Siedlungen gründen. Baron James de Rothschild wurde 1878 in Paris geboren und in England erzogen, wo er als naturalisierter englischer Bürger jetzt ansässig ist. Während des Weltkrieges diente Baron James in Frankreich und in Palästina und war Major der Jüdischen Legion. Seit 1929 ist er Vertreter der Isle of Ely im englischen Parlament. Mit der jüdischen Arbeit in Palästina ist er seit seiner Jugend eng verbunden. Er ist nicht nur lebenslänglicher Präsident der PICA, sondern auch Direktor der Palestine Electric Korporation (Ruthenberg-Werk), . Gouverneur der Hebräischen Universität in Jerusalem, Vizepräsident des Economic Board for Palestine, Ehrenpräsident der hebräischen Kulturorganisation Tarbuth für Großbritannien, Präsident des Anglo-Palestine Club in London. Im Unterhaus ist er ein tätiges Mitglied der Pro- -Palästina-Gruppe,