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Die Stimme · 1934-10-23 · Heft 394 (23.10.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 394 (23.10.1934)
Date
1934-10-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mi dieser Nummer 20 g V.b.b. t JÜDISCHE ZEITUNG mltdenvorzügll(hen,großen Salonschiffen der direkten Eli. in le TRIEST-JAFFA des LLOYD TRIESTINO Abfahrten Jeden Mittwoch um 13 Uhr Fenier: luxuseilllnien nach Athen, Istanbul, Alex* andrien, Bombay, Colombo, Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komfort Auskunft: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6, Tel. U*47*5*60 Nr. 394 I Wien, 23* Oktober 1934 Redaktion und Administration Wien, <. Kärntnerstraße 2b Tel. R 27-4-86 Redaktfonsschluß Montag und Mittwoch vorm. (14. Chcschwan S*95) | 8. Jahrgang Abschluß der Besprechungen dev Exekutive mit den Allge* meinen Zionisten London, 18. Oktober. Das Zionistische Zentralbur e&u teilt mit: Die Besprechungen zwischen der Exekutive der Zionistischen Organisation und dem Weltverband der Allgemeinen Zionisten wurden Mittwoch, den 17. Oktober zu Ende geführt. In Vertretung deT Exekutive waren anwesend die Herren: D. Ben Gurion und B. Locker, Mitglieder der Exekutive und Dr. L. Lauterbach, Sekretär des Organisatkrnödepartements, und im Namen des Weitverbandes der Allgemeinen Zionisten die Herren: F. Bernstein (Rotterdam), Kurt Btumenfeld (Jerusalem), Doktor M. Rosenfolüth (London), Dr. I. Schwarz- Bart (Krakau) und Dr. E. Sohmorak (Lwow). . . . Es wurde eine volle Verständigung in bezug auf die Vorschläge erreicht,,die auf die Ausschaltung von unzulässigen .Kamp fmetho den Ini Bar/teilfben hinzielen, sowie in bezugauf Maßnahmen zur- - Durchsetzung der zionistischen Disziplin. Die Exekutive unterbreitete einen Plan zur Reform der .Organisation, und es wurde eine Übereinstimmung über die Form der Vorschläge erzielt, die sieh auf die Reform des Schekels und der Kongreßprozedur beziehen, und die nach Beratung mit den andern Parteien den zuständigen Instanzen der Zionistischen Organisation zur Beschlußfassung vorgelegt werden sollen. In Bezug auf die politische Arbeit der Exekutive und, die Beziehungen zur Mandatarmacht erklärten die Vertreter der Allgemeinen Zionisten ihre volle Übereinstimmung mit den Richtlinien und Methoden dieser Politik. Es fand eine ausführliche Aussprache über die Arbeitsverhältnisse in Palästina statt, und zwar sowohl über die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, als auch zwischen den Arbeitern selbst. Es wurde vereinbart, eine Entscheidung in dieser Sache und in bezug auf einige weitere Gegenstände zu vertagen, bis die Leitung des Weltverbandes in der Lage ist, auf Grund einer Beratung mit ihren palästinensischen Mitgliedern zu diesen Problemen Stellung zu nehmen. # In der Schlußsitzung, bei der Herr Locker deu Vorsitz führte, dankte Herr Ben Gurion den Anwesenden für ihre Mitwirkung und sprach die Hoffnung aus, daß eine weitere Prüfung der in der Aussprache berührten Probleme zu einer gegenseitigen Verständigung und harmonischen Kooperation aller konstruktiven Teile der Bewegung führen möge. Dr. Schwarzbart erwiderte im Namen des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, indem er die Versicherung abgab, daß der Weltverband vom besten Willen beseelt sei, vollkommene Einigkeit auf Grund eines gemeinsamen Arbeitsprogramms zu erreichen. Die politische Studienkommission der zionistischen Organisation London, 18. Oktober. Das Zionistische Hauptbüro teilt mit: Wie ange-kündigt, wurde für den 15. und 16. Oktober eine Sitzung der vom Zionistischen Aktionskomitee im April d. J. eingesetzten 'politischen Studienkommission nach London einberufen. An der Sitzung nahmen, folgende Mitglieder teil: Kurt Blumenfeld (Jerusalem), Drt Nahum Goldm a n n (Genf), M. J a r b 1 u m (Paris),! J. Machower (London) und Doktor Schwartzbard (Krakau). Die Exekutive war durch die Herren Prof. B r 0detsky, der den Vorsitz führte, Ben G u r i 0 n und Locker vertreten. Als geladene Gäste nahmen an den Besprechungen ferner die Herren F. Bernstein (Rotterdam), Dov Hos (Tel-Aviv), Dr. Martin Rosenblüth (London) und Dr. Emil Schmorak (Lemberg) teil. Die Exekutive berichtete über eine Reihe Angelegenheiten von politischer Bedeutung, worauf eine Aussprache folgte, an der sich alle Anwesenden beteiligten. Am 16. Oktober schloß Prof. Brodesky die Beratung mit Worten des Dankes an die Mitglieder der Studienkommission für ihre Mitarbeit und mit dem Ausdruck der Genugtuung der Exekutive darüber, daß ihre Politik die einmütige Billigung der Kommission gefunden habe. Das deutsche Volk hat seit dem großen Krieg in der Tschechoslöwakei und in "Ungarn sehr große nationale Einbußen erlitten. Die Vereinigten Staaten wirken ihren Nationalitäten gegenüber als eine sehr wirksame Verschmelzungsmaschine, und ihre Tätigkeit ist gerade bei den Deutschen zu konstatieren, die in der zweiten Generation national und politisch völlig indifferent werden. Aber die Völker, die auf ihrem Grund und Boden stehen, die nicht ihres religiösen Bekenntnisses, halber drangsaliert werden, ertragen solche Verluste weitaus leichter als das jüdische Volk. Sie besitzen Reserven, d/ie sie immer zur ziffernmäßigen Ausgleichung des Mankos heranziehen können. Das Judentum kann keinen Ersatz schaffen. Es ist in einer Situation, die ihm immer nur neue Abbröckelungen, bringt. Die Feindschaft, derer es allerorten begegnet, begünstigt den Anreiz zur Fahnenflucht, und es ist ja förmlich eine Prämie auf den Abfall gesetzt. In der alten Monarchie war die Taufe der Schlüssel zu sozialer und gesellschaftlicher Geltung; ■ in der vergangenen - sozialdemokratischen Aera galt die Konfessionslosigkeit als ergänzendes Kriterium zum'Avancemeint; nicht alieks für die Juden, auch für' die Katholiken, und wir können daraus die Erkenntnis ziehen, daß schwache Sehlen nicht nur bei uns zu finden sind. Niemand darf sich wundern, wenn die ununterbrochene Betonung des „christlichen, deutschen Staates“ sich auch in der Statistik der Konvertitenvereinigung auswiirkt, und daß die Zahl der „jüdischen Großmütter“ an wächst. Aber wir können uhs nicht mit dieser Erscheinung. tatenlos äbfinden. Welche Mo-, tive immer für den Abfall maßgebend sind, ob er zur Konfessionslosigkeit oder zur Taufe geht — wir stehen' letzten Endes einer Erziehungsfrage gegenüber. Die jüdische Schule mit einer wirklich vom Grund auf jüdischen und sittlichen Erziehung muß geschaffen werden, die das Kind mit den großen Werten des jüdischen Volkes, mit seinem Schrift- und Brauchtum vertraut macht, die es lehrt, sich als Kind eine3. stolzen und starken Volkes zu fühlen, eines- Volkes, das zwei Jahrtausende Exil überdauert hat, ohne an sich irre zu werden, und . daß trotz aller Drangsale und Mißhandlungen nach 20Ö0 Jahren aus sich die Kraft zum Aufbau einer neuen Zukunft schöpft. Das jüdische Kind, dem diese Lehre von Lehrern seines Stammes gegeben wird, wird sich zur freien, selbsbewußten Persönlichkeit entwickeln, so festgewurzelt im Judenvolk, daß es keine Auswurzelung anstreben wird. Nur unsere eigene Anstrengung kann uns aus der Weit von Feinden befreien, in der wir stehen; aber dem jüdischen Kind muß es klar werden, welchen Schatz es in seinem Judentum besitzt. Keine ludenfeindlichen Unruhen In Jugoslawien Prag, 21. Oktober. (2. T. A.) Der „Ita“ wird von jüdischer Seite iu Belgrad bestätigt, daß judenfeindliche Unruhen in Jugoslawien nicht v0rg0k0mmeU seien; es hätten eich nur. kleine Ausschreitungen von nicht mitteilenswertem Umfang ereignet. Auch sei es nicht richtig, daß das Grandrabbinat Jugoslawiens erklärt hätte, der Attentäter sei nach mohammedanischem Ritus beschnitten; das Grandrabbinat habe sich mit der Sache überhaupt nicht befaßt. Die Judetifaufen Den Übertritt erwachsener Nichtkatholiken zur römisch-katholischen Kirche behandelt der bekannte . Jesuitenpater B i c h lmair in einem von uns letzthin kurz .wiedergegebenen Aufsatz..Er teilt mit, daß nach den bei der Konvertitehvefeinigung in Wien geführten amtlichen Aufzeichnungen seit Jänner 1928 bis Mitte dieses Jahres 447 Judentaufen erfolgt sind gegen 366 j Aufnahmen von Protestanten. Für die letzten dreieinhalb Jahre werden die folgenden Angaben gemacht: Im Jahre 1930 traten 27 Juden ,(39. Protestanten) über; ini Jahre 1931 waren es 43 Juden, 51 Protestanten; im folgenden Jahr 1932 42 Juden, .71 Protestanten, 1933 102 Juden, 51 Protestanten und in diesem Jahre bisher 152 Juden und 66 Protestanten. Bis zum -Ende des -heurigen Jahres dürfte, so schätzt P. Bichlmair, die Zahl der Judentaufen auf 250 ansteigen. Rechnet man dieses erwartete Plus von 98 Personen hinzu, so wären in sieben Jahren 545 Juden in Wien zur römischkatholischen Konfession übergegangen. Das würde an eich wenig besagen. Aber zusammen mit anderen Erscheinungen, mit dem allgemeinen Rückgang der jüdischen Bevölkerung, ihrer fortschreitenden Verarmung und dem Verlust durch Konfessionslosigkeit geben auch diese Ziffern einen trüben Eindruck. Unter den gegebenen Umständen bedeutet die Taufe die vollständige Entfernung der betreffenden Person aus dem jüdischen Volkstum. Religiöses Bekenntnis und Nationalität sind, bei uns untrennbar verbunden und dieser Zusammenhang ist so stark, daß er selbst bei dem konsequentesten Assimilanten hervortritt, insolänge die Zugehörigkeit zum Judentum nicht gelöstist. Tritt aber dieser Fall ein, so ist es für uns gleichgültig, ob jemand nur die Konfession verläßt, ohne eine ändere anzuuehmen, oder ob er diie Taufe nimmt. Er hat sich losgesagt und damit zu erkennen gegeben, daß er die jüdische Gemeinschaft für minderwertig oder sogar für schädlich erachtet. Die Motive für sein Handeln sind für uns irrelevant. Nicht aber für die anfnehmende Kirche. P. Bichlmair stellt auf Grund seiner Erfahrungen ein Schema auf, und zwar nach der Häufigkeit in absteigender Linie: die ideell vollzogene Auswurzelung au6 dem Judenvolk und die beabsichtigte Einwurzelung in daa christliche Volk. Angleichung an die katholische Umgebung (Ehepartner, Gesellschaftskreis Wirkungskreis u. ä.); die beabsichtigte Verheiratung mit einem katholischen Partner. Rücksicht^ auf den herrschenden politischen Kure. Sehnsucht nach einer konfessionellen Zugehörigkeit bei solchen. Menschen, die bereits vor Jahren konfessionslos geworden' sind;. Angleichung an . die Religion der Kinder {%. B. aus r Mischehen,f wo der katholische teil gestorben .ist);, inneres religiöses Suchen nach einer wirklich vertretbaren religiösen Haltung; eine innerlich «kannte, religiös-sittliche Pflicht bei solchen, die sieh, bereits früher viel tnit religiösen Fragen und Studien beschäftigt haben. Danach geschehen also die Taufen am wenigsten aus religiöser Überzeugung O’der als Konsequenz einer seelischen Wandlung; die meisten erfolgen einfach als Austritt aus dem Judentum; zwischen diesen beiden Spitzen liegen dann die rein materiellen Veranlassungen. Ob mit Ausnahme der Kategorie I . die Neöphyten als besonders wertvöller Zuwachs zu gelten hätten, darüber mag die katholische Kirche selbst entscheiden. Die Ziffern Dr. Bichlmairs lassen aber keinen endgültigen Schluß zu, um beurteilen zu können, wie groß der Verlust ist. Es ist nicht zu erkennen, wie groß die Zahl der verheirateten Erwachsenen war, woraus man auf die Familienverhältnisse hätte schließen können. Auch die Berufs- Stellung der Konvertiten wird nicht angegeben. Sicherlich aber bleibt die Zahl der Getauften weit zurück hinter der Menge, die die Konfession abgelegt hat. Und die Zahlen dieser zwei Kategorien zusammen illustrieren erst die politische und soziale Entwicklung, die sich in Österreich seit sieben Jahreu vollzieht und die auf die jüdische Bevölkerung abfärbt. Erst war es die Macht des sozialistischen Regimes, die so "und so viele zur Konfessionslosigkeit veranlaßt hat; dann folgte — und dies kann man sehr genau an den Ziffern des P. Bichlmair sehen — das Anschwellen des Rechtskurses; die Taufen nehmen immer mehr, zu, wobei es sich natürlich in der überwiegenden Mehrzahl um Elemente handelt, die die „Aiiswurzlung ans dem Judenvolk“, die sie ja innerlich längst vorgenominen hatten, nun auch äußerlich vollziehen, aus Rück* sicht aiuf den herrschenden politischen Kurs. Es fließen da eben' zwei der Punkte aus denn Schema ineinander zusammen. Wir haben keinen Grund, dies für eine auf das Judentum beschränkte, nur für das Judentum geltende Erscheinung zu halten. Der „herrschende politische Kurs“ ist auf der ganzen Welt eine überstarke Macht. DBOQIOIZlBgD GRITEN B aSOBSlBEOl E 6 48484853482353484848234853 ^24+:^/:+.+//+4^^A

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