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Die Stimme · 1934-10-16 · Heft 392 (16.10.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 392 (16.10.1934)
Date
1934-10-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nir. 802 — 18, Oktober 1084 011 OTMMI B#1f# B PALÄSTINA MELDET Grundsteinlegung zu Kfar Motzkin Jerusalem, 12. Oktober. (2. T. A.) Am 10. Oktober fand in Anwesenheit des Vorsitzenden des Jüdischen Nationalfonds M. M. Ussischkin die feierliche Grund steinlegung zu dor nach dem verstorbenen Präsidenten des Zionistischen Aktions-Komitees Leo M o t z k i n benannten neuen städti schon Mittelstandssiedlung im Haifa Bay- Cebict „Kfar Motzkin“ statt. Die Siedlung, die sich unmittelbar an die der deutschen Juden anschließt, soll 444 Siedlungshäuser umfassen. Der Bau von 100 dieser Häuser wurde sofort in Angriff genommen. Für den Ausbau von Kfar Motzkin ist ein Betrag yon 220.000 Pfund vorgesehen. Die palästinensische Citrus• Ausfuhr Jerusalem, 14. Oktober. Soeben wird das amtliche Ergebnis der Citrus-Saison 1938/34 veröffentlicht. Danach wurden in dieser Saison 5,157.976 Kisten Orangen äüsgeführt; davon gingen nach England 3,256.158, nach Deutschland 1,298.149 Kisten, der Rest nach anderen Ländern. Das finanzielle Gesamtergebnis der Orangenausfuhr in dieser Saison stellte sich auf 2,441.578 Pfund. Der Anteil Englands an dor Abnahme von Palästina- Orangen betrug demnach über 60%, der Deutschlands über 25%, der aller anderen Länder zusammen nur 13%. Glasindustrie in Palästina Haifa, 10. Oktober. (Palnews.) Die kürzlich im palästinensischen Handelsregister mit einem Anfangskapital von zunächst 35.000 Pfimd registrierte The Palestine Window Glass Works „Phoenicia“, Limited, wird auf einem 20 Dunam umfassenden Gelände anfangs Oktober mit der Errichtung der Fabriksbauten beginnen. Gründer des Unternehmens sind holländische und deutsche Juden. Das palästinensische Unternehmen ist in Anlehnung an daß Unternehmen, der Gebroeders Buchsbaum s’ravenbagen (Holland) gegründet, deren Mitinhaber, Herr Natan Buchsbaum, gemeinsam mit Dr. Fritz Michaelis die Leitung der palästinensischen Fabrik übernimmt. Der Importbedarf an Glas hat sich im Jahre 1933 dem Vorjahr gegenüber um etwa 40% gesteigert, im ersten Quartal 1934 erreicht der Import bereits 75, beziehungsweise 90% desjenigen des ganzen Jahres 1933. Die starke Bautätigkeit hat besonders Sie essen von 30Croschen aufwärts vorzüglich im GRABEN-KELLER im laufenden Jahre zu einer sprunghaften Verbrauchseteigerung geführt. Die Einfuhr wird bisher zum weitaus größten Teil aus belgischen Fabriken und in kleineren Quantitäten aus der Tschechoslowakei bezogen. Die Aufnahme dor Fenete rgläspro duktion stellt in der gesamten Levante ein Novum dar und die Palestine Window Glass Works „Phoenicia“, Limited, ist die erste lind einzige Fenstergiasfabri'k im ganzen Nahen Osten. Das Unternehmen wird vorerst etwa zur Hälfte für den palästinensischen Bedarf und im Übrigen für den Export arbeiten. Die Belieferung des Nahen Ostens kann von der palästinensischen Fabrikationsstätte aus viel rationeller als von Europa her erfolgen, vor allem sind auch die Transportspesen ab Haifageringerais vonden Nords’e’e h ä f e n aus. Der palästinensische Markt selbst ist durch den Zoll von 12% ad valorem und außerdem die hohe Brticbversicherungspblizze geschützt. Aus der arabischen Presse ,,A1 Dafa“ hebt die Notwendigkeit der Errichtung von arabischen Büros in Genf und London hervor. Das. Geld werde sich leicht auf bringen lassen. Das Büro in Genf sei notwendig, um die arabischen Delegationen aus Palästina und Syrien zu unterstützen und ihnen alle Wege beim Völkerbund zu ebnen. Das Büro in London sei notwendig, um einen ständigen Kontakt mit dem Kolomalministerium herzustellen und die öffentliche Meinung Englands Über die gerechten arabischen Forderungen zu informieren. Es gehe nicht an, die Juden in London machen zu lassen, was ihnen beliebt. „AI Jatna Al Islam“ schreibt,' Uanchope sei nach England gereist, um durch eine drastische Operation eine dauernde Lösung des jüdisch-arabischen Problems herbeizuführen. Das sei aber nur durch die Teilung Palästinas in einen arabischen und in einen jüdischen Teil möglich, aber schwer durchführbar, da in hauptsächlich von Juden bewohnten Gegenden Araber loohnen und umgekehrt. Der Oberkommissär habe mit arabischen Führern vor seiner Abreise die Frage des Gesetzgebenden Rates diskutiert. Die Regierung sei sich klar darüber, daß ein gesetzgebender Rat mit so beschränkten Rechten das komplizierte Palästinaproblem nicht lösen könne. „Felestin“ berichtet, daß die Jugend von Akko an die Palästinaregierung und den Völkerbund folgende Beschwerde gerichtet habe: 1. Die Regierung verwalte das Land nach den Wünschen der Zionisten, 2. sie gestatte eine starke zionistische Einwanderung ohne Rücksicht mf die wirtschaftliche Aufnahmsfähigkeit und die Arbeitslosigkeit unter den Arabern, 3. sie lege der Bevölkerung untragbare Steuern auf, 4. sie habe in allen Departements zionistische Richter angesteüt, die willkürlich entscheiden. Das von Schelk Asad Shakbi als erstem gezeichnete Memorandum verlangt die sofortige Einstellung der jüdischen Einwanderung und die Einsetzung einer Untersuchungskommission des Völkerbundes unter dem Vorsitze seiner moslemitischen Delegierten zum Zwecke der Prüfung und Sicherung der Rechte der wahren Eigentümer des Landes. Wichtig für Palästina-Exporteure Die österr.-pa 1 äst. WirtSchafts- und Handelskammer teilt mit: Zwecks Ersparung unnötiger Korrespondenzen und wiederholter Anfragen macht die ösfcerr.- paläst. Wirtschaftsu. Handelskammer darauf aufmerksam, daß bei Offertsteilung die Preise nicht ab österreichischer Fabrik, sondern unbedingt Jaffa/Haifa unverzollt und möglichst in englischer Währung erstellt werden müssen. Andere Zahlungskonditionen als Regulier upg\ gegen Schiffsdokumente bei Ankunft der Waren, . Bei es Barzahlung (Kassa gegen Dokumente) oder. Akzepte gegen Dokumente sind nicht durchzusetzen. Es kommt zwar vor, daß Dokumente bei Vorkommen nicht aufgenommen werden, doch sind diese Fälle ganz vereinzelt. Sollten der Kammer solche Fälle bekannt werden, daß Dokumente bei' Vorkommen grundlos oder schikanös nicht eingelöst werden, so wird sie. in solchen Fällen über Aufforderung rigoros gegen die betreffen- Arbeitergruppe Sodom und Gomorrha Von Dr. Bernhard Ascher I. DeT Wind blies so gewaltig über das Wasser des Toten Meeres, daß wir unsere Boote in der Nähe der alten jüdischen Festung Massadah verankern mußten. Am nächsten Tage besserten wir die Schäden an den Booten aus und brauchten zwei Tage, um die Strecke von 80 Kilometern von Kallia im Norden des Toten Meeres nach Sodom im Süden des Toten Meeres zurückzulegem. Ale wir landeten, fanden wir in der Salzwiiste nicht mehr als einige Feldbetten, in denen einige Juden schliefen. Wir stellten das erste Zeit auf und kaum stand es, hatte es der Sturmwiimid auch schon urageworfen. Nach vielen Versuchen gelang es uns endlich, das Zelt zu verankern, so daß es dem Sturm trotzen konnte. Heute hat sich das alles geändert. Zehn Tage nach der Gründung vom Sodom- Gomorrha, dom neuen Siedlungspunkt; stellen bereits acht Zelte und vier Zrifiim (Baracken). Eine dieser Baracken hat bereits einem Fußboden und eine bereits eine Wasser dusche. Außerdem leiten wir schon elektrisches Licht ein. Dann haben wir bereits einen Lastwagen, eine Mandoline, Ziegen und — unzählige Fliegen, Und wie diese Fliegon stechen! Es scheint, als ob sie seit 4000 Jahren, seitdem Gött in seinem Zorn Sodom und Gomorrha vernichtete, gehungert hätten und nun ihr erstes Futter bei uns finden. Sonst leben wir noch sehr dürftig. Das. Wasser zum Kochen nehmen wir aus einem Tümpel, der nicht sehr salzhaltig ist. Das Wasser des Toten Meeres enthält 27 Prozent Salz, und badet man im diesem Wasser, dann muß mam sich mit anderem Wasser abspülen, will nian nicht Entzündungen riskieren. Trinkwasser muß von Schiffen von der Nordküstp des Toten Meeres oder mit Autos oder Kamelen vom nächsten arabischen Dorf aus Trans Jordanien gebracht werden, n. Was hier geschieht, ist ein sehr wichtiges Ereignis. Wir sind wirklich auf dem Platz, wo das Sodom und Gomorrha dor Bibel stand. Wir Andern Schwefel umd darunter peohartige Knollen, die einst Gott vom Himmel regnen ließ. Sonst findet man hier nichts, dia alles, so wie die Frau des Loth, zu Salz erstarrt ist. Kallia an der Nördfcüste des Toten Meeres ist noch erträglich, denn es gibt in der Nähe den Jordan, der Wasser liefert und nicht weit liegt Jericho, ein wundervoller Ort. Hier aber ist alles trostlos, und man sieht, daß das der Ort ist, der von Gott vernichtet wurde. Wenn nicht der Sturm über das Wasser braust, drückt uns eine fürchterliche Hitze nieder. Das Wasser, das zum Waschen vorbereitet ist, kocht beinahe in den Wasserbehältern, umd . wenn man noch soviel Wasser trinkt, fühlt man um die Mittagszeit, daß das Blut dicker und dicker wird und daß das'Herz-beinahe versagt. War sind ja 400 Meter unter dem Spiegel des Mittelländische® Meeres, Die Berge über uns sind höchstens 300 Meter hoch. Aber was für merkwürdige Berge sind das! Wie alles hier bestehen sie aus Salz, Pottasche, Brominen, Asphalt, Schwefel und Sand. Wie phantastisch sehen diese Berge aus Chemikalien ausl Man sieht Höhlen und natürliche Amphitheater, und es gibt Berge, die au&sehern wie Schlösser und Festungen. Alles ist wild und großartig. Nirgends ist das geringste Leben zu bemerken. Gott hat die Gegend vernichtet. Dort wo das Tote Meer endigt, beginnt der Sumpf. Da sind große Salzteiche. Ab und zu sieht man Riedgras und kümmerliche Büsclie. Hier hausen Myriaden von Moskitos, die Träger der Malaria. in. Nun aber '«geschieht das Wunder. Gott nimmt den Fluch hinweg, der auf Sodom und Gomorrha seit undenklichem Zeiten lastet und segnet unsere Hände. Wir sind uns dessen bewußt, daß wir Sodom und Gomorrha wieder aufbauen. Ist das nicht ein Wunder für ganz Israel? Bold wird hier eine kleine Kolonie stehen und ein mächtiger Industriebezirk mit Fabriken und hohen Dämmern. Die chemischen Produkte des Seewassens werden tausenden Arbeitern hier und anderwärts Beschäftigung geben. Schon jetzt beschäftigt die Paießtine Potaab Co. einige hundert Menschen in ihren Anlagen am Nordufer. Die jüdischen Arbeiter, die auf dem Boden Sodom und Gomorrhas arbeiten, kommen aus dem Kibbuz Hameuchad, das ist vom Gdud Awodak (Arbeiterregiment) aus Raanana, Giwath, Rasohloschaih und aus Jagur. Wir bilden hier eine Pluga unter Führung des Kibbuz Ramat Rachel. Jetzt sind 20 Mamn in der Pluga. Hunderto werden bald nachfölgejj, Schulbücher für alle Lehranstalten in den vorge- Bcbrlebenen Auflagen, auch anllquarlscliy zu wirklich billl0Stun Preisen liefert die Buchhandlung Hermann Tuchner, (Dien II., ECKE Taborstraße Nr. 32 Verzeichnisse umsonst. Spesenfrei© Zustellung überallhin Für Auskünfte Telephon R 41-4-20._ den Firmen vorgehen. Auskunft über Export» möglicbkeitem, Zoll und Fracht erteilt bereit» willigst die österr.-paläst. Wirtschafts- und Handelskammer, Wien, IX., Alserplatz 8, Telephon B 45-2-11, Österreichs Ausfuhr nach Palästina Die österreichische Ausfuhr, nach Palästina betrug in den ersten acht Monaten dieses Jahres 36.696 Meterzentner, im Werte von 5*5 Millionen Schilling, sie hat; sich damit gegenüber der Vorjahrszeiti mehr als v e r d o p p e 11. Der Export besteht fast nur aus Fertigwaren, Außer Textilien, Papier- und Gummiwaren: werden nach Palästina hauptsächlich m etallurgische Waren abgesetzt,; hauptsächlich Stahl, Drahtwaren, Schramben und Beschläge, Schlosserwaren, Werkzeuge, Werkzeugmaschinen, Messerschmiedwaren, ferner diverse Spezialmasohinen und elektrotechnische Bedarfsartikel. Der Wert der metallurgischen Ausfuhr, nach Palästina ist im oberwähnten Zeitraum' auf rund 2 Millionen Schilling-za veranschlagen, das sind fast 40% des ge» samten Fertigwarenexports nach Palästina. Ermäßigte Schiffahrten mit der Cunard White Star-Line. Wie wir erfahren, hat die Cunard White Stau Line im Verkehr zwischen Europa und Amerika für die Zeit vom 22. Oktober 1984 bis 80. April 1935 für. die Touristenklasse und die HI. Klasse» ermäßigte Fahrpreise bewilligt. Die Preise für, die Hin- und Rückfahrt betragen das lVsfache» der einfachen Fahrt. Derartige, ln Europa ausgegebene Schiffskarten berechtigten zü einem Aufenthalt von 15 Tagen Vom Tagei der Landung an gerechnet. Wenn zwischen, dem 12. und 18. Tage nach der Landung kein Schiff abgeht, kann auch nach Ablauf de« 15. Tages das nächste abgehende Schiff benützt werden. IV. Wir wissen, daß unsere Arbeit gefährlich, ist und daß wir alle die Mlalaria bekommen werden. Jede, auch die kleinste Wunde beginnt zu eitern und die Furunkülosis ißt am der Tagesordnung. Die Hitze; ist gewaltig und am sich schon eine Gefahr. Wer aber einmal beschlossen hat, Erez Israel aufzubauen, wer nicht darauf; ausgeht, Geld zu maohem, wer die Brücken hinter sich abgebrochen bat, um als Pionier, zu arbeiten, der muß auch sein Leben in die Schanze schlagen. Ich &age: Er muß dazu bereit sein, denn nach den Wahrscheinlich-» keitsregeln kann er auch mit gesunden Gliedern von hier wegkommen. Wo sonst in Palästina gibt es noch einen .solchen „Frontdienst“ wie hier? Dieser Ort ist sicher einer der wichtigsten in Palästina. In zehn Jahren wird niemand verstehen, daß hier einmal Pioniere gear-» beitet haben. Bald wird die neue Straße Gaza—Akaba hier Vorbeigehen und auf ihr werden hocbbeladene Lastautos diel Pottasche zum Hafen vom Akaba und vori dort nach Indien bringen. DaB Land Israel ist klein. D.er Orangenmarkt hat seine natürlichen Grenzen. Die Produkte des Toten Meeres aber werden für Palästina ein Weltmonopol für - gewisse Chemikalien schaffen und immer werden hier Arbeiter Beschäftigung findon. Hier liegt die Zukunft Palästinas. Um noch einmal von Sodom und Gomorrha zu sprechen. Hier gibt es weder Frauen noch alkoholische Getränke, noch andere Dinge, die zur Sünde verleiten. Es ist wohl richtig, (laß die Leute im altem Sodom und Gomorrha gut aßen und tranken. Wir hoffen, daß bald die Zeit kommen wird, wo auch wir in Sodom und Gomorrha gtut leben werden. Das aber wird dam® kein Lästige mIb»

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