Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 392 (16.10.1934)
- Date
- 1934-10-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mi dieser Nummer 20« V. 1». b. Nr. 392 | JÜDISCHE ZEITUNG eer«_ —^ Afrtislsiiu OCkUA I Redaktion und Administration. Wien, ». KSrntnerstraSe 38 fr I611y IOi UKlOOer; I Tel.R 37-4-85. RedaktlonseohluS; Montajj.und Mittwoch vom mit den vorzüglichen,großen Salonsdilffen der direkten Eil Inle TRIEST-JAFFA LLOYD TRIESTINO o « Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr Ferner: Luxuseillinien nach Athen, Istanbul, Alex« andrien, Bombay, Colombo, Slngapöre, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komfort Auskunft: Lloyd Trfestino, Wien, I., Kärntnerring 6, Tel. U«47«5«60 I (7. Cbeschwan 5695) I 8. Jahrgang DÄsM0NUM€NTA1£ FILMWe.RK CONRAD V€l DT CONRAD V€IDT “ v NACH' ' LION FEIKHTWANCER KAMMERlICHTCPIEiE SCHWAR1ENBER6PIOT USWEN KINOm MARIATHERESIEN KINOvi FUE6ERKIN0* E D W EIL fU C O Weitere 1200 Vorschuß-Zertifikate Jerusalem, 14. Oktober. Die Palästina-Regierung gab der Exekutive der Jewish Agence 1200 Zertifikate für Ar b e i t e r ei n w and e r e r als Vorschuß auf die kommende Schedule. Palästinas Buägetäberschuß Jerusalem, 14, Oktober. (2. T. A.) Der laufende Budgetüherschuß der Palästinaregierung betrug Ende August dieses Jahres 3,354.000 Pfund, was einem ganten J a h r e s b u d g e t entspricht. König Carot an die Konfessionen Bukarest, 11. Oktober. (2. T.A.) Bei der. Feier anläßlich der Eröffnung des Kongresses des Verbandes für die orthodoxe Einheitskirche, der in Lugos (Ardeal) stattfindet, richtete König C ß, r o 1 II. von Rumänien an alle Konfessionen einen Appell, für die Einheit Rumäniens zu arbeiten.;,Ich bin Christ“, fuhr er fort, „aber ich wende mich gleichzeitig auch an die, die es nicht sind, die eine andere Konfession haben, Seite an Seite mit uns für die Einheit des .Vereinigten Rumänien zu kämpfen.“ Das Regierungsorgan „L’Indöpendanee Roumaine“ führt hiezu aus, der König habe allen jenen eine „moralische Lektion“ erteilt, die sich destruktiv betätigen und eine Rückkehr zu mittelalterlichem Obskurantismus allenthalben erstreben. Religiöse Intoleranz, Vortragen des Rassismus, Aufreizen der rohen Instinkte und Verfolgung des freien Gedankens — all das ist dazu angetan, die Konsolidierung eines Landes wie Rumänien, das auch von ethnischen Minderheiten bewohnt ist, aufzuhalten oder gar in Frage zu stellen. Das tolerante und demokratische Rumänien fordert sein Volk auf, im Zeichen des Liberalismus an den nationalen Fortschritt und der nationalen Befestigung mitzuarbeiten. Vollkommener Unterricht für Schnittzeichnen und Modellieren nach Modeblättern. Präzise Schnitte auch für moderne Hosenrödte nach Maß und nach Jeder Abbildung. Josef Landsmann, VI., Gumpendorferstraße 63d Aus London wird gemeldet, daß dort jetzt die entscheidenden Besprechungen über die Errichtung der gesetzgebenden Körperschaft in Palästina stattfinden. Der Oberkommissär Wauchope, der• in London weilt, wird von dort die1 Instruktionen der Regierung nach Jerusalem mitnehmen. Diese Ihstriikr Honen schlägt e r s e 1 bst vor; die Re4 gierung 'hat iinmer wieder erklärt, daß sie’ die wichtigsten' Fragen Palästinas der EnH Scheidung des Öberkomimißsürs anheimgibtt Es ist bekannt, daß der Oberkommfesär den alten Parlamentsplan wieder aufgenomraeri hat und ihn 'durchführen will,; Unbeschadet der Einsprüche von “zionistischer Seite. Der Oberkommissär fühlt sich als englischer Beamter und betrachtet Palästina als englis'c b e s E i g-e o t u'm. ‘Er regiert'und macht’ Vorschläge, als ob der- Völkerbund, hiebt! vorhanden wäre. Wird ein Parlament .eingctr fiqiifcet, dann ist die Null! fixier «hg des1 V ö 1 k e r bm n de s auch in : dieser Frage eine vollendete Tatsache,1 und das Mandat}, wird aus - einer internationalen. Angelegenheit eine mit stillschweigender Zustimmung in den Wirkungsbereich der Londoner Zentralbehörden fallende Kolonialfr&ge. . . . Die Parlamentsfrage : stand, schon, vor einem Dutzend Jahren zur . Diskussion. Oie zionistische Exekutive erhob schon damals Einspruch. Aus dein blauen Himmel war dar mals dieses Problem herabgehölt worden. Irgend eine Notwendigkeit, die formale Demokratie nach dem Orient zu tragen, lag nicht vor; auch die Vereinigten Staaten, die zu jener Zeit durch die Volksvertretung ihre Zustimmung zur Balfoür-Deklaration erklärten, hatten die Frage nicht angeschnitten. Es hat sich eben um den Versuch gehandelt, die Festigkeit der zionistischen Politik zu prüfen. Es hieß zwar in den politischen Tratschwinkeln, daß die Forderung) des Parlaments von den indischen Mohammedanern erhoben würde. Das konnte nicht richtig sein, da die palästinensischen Araber das Projekt grundsätzlich ablehnten. Die erneute Aufrollung des Planes erfolgt in einer Situation, die von jener aus 1921 diametral, verschieden ist, aber mit ihr das eine gemeinsam hat, daß auch jetzt keine politische Notwendigkeit sichtbar ist. Es mag sein, daß die Araber Palästinas diesmal zustimmen; aber schon daß dies nur zögernd geschieht, ist ein Beweis dafür, daß auch sie nicht von einem Parlament die Hebung aller Mängel erhoffeu. Was die englische Regierung dazu bewegt, gerade jetzt die demokratische Walze einzulegen,. ist unerfindlich. Die Freundschaft der Araber ist nicht so groß und die Institution der Immunität ist auf .diesem heiklen Posten eine sehr zweischneidige Sache. Vielleicht liegt hierin das Motiv des arabischen Ja, und England sieht die Stimmung der Araber als eine Sache am die eines Versuches wert ist. Dann ergibt sich aber daraus, daß die Stiramung der Juden als nicht gleichwertig gilt, und das ist nicht nur in dieser Frage zu merken, sondern kennzeichnet das ganze Verhältnis England® zu Palästina und Judentum. Die Frage Palästinas ist keine Angelegen- M» die England uod fea^pelfitbel entscheidet, und sie ist eine Angelegenheit des g e samten J u d en t u ms, dessen Anrecht auf : Palästina vom Völkerbund in San Reipo anerkannt worden ist. Es fragt sich, ob der Völkerbund über den Stand der Frage unterrichtet ist: In allen Debatten in der Mandatskommission, in den Referaten Englandsist von,einer gesetzgebenden Körperschaft nur-sehr entfernt und nebenher! die Redegewesen., Wahrscheinlich war die : Schwäche,>die der Völkerbund in allen internationalen ‘ Problemen gezeigt, mit dafür maßgebend, daß Herr. Waiichope sein Experiment unternimmt. Aber er kann darin noch immer gestört werden. , I m N ov e mber tritt der Genfer Bund wieder zusammen. Es ist anzuregen, daß ihm bed dieser ■Tagung eine- A nf r a ge d e r Jewish Agency vorliegt, ob nicht - die Autorität •des Völkerbundes-fiurchdas Verhalten der; Mandatsregierung, bhjtangesetit wird. und ob ■nicht der Völkerbund zur Währung seines Ansehens biü.zuschreiten gedenkt. Italien und Frankreich .haben, den Mandats vertrag ebenso unterschrieben wie England und sie sind sb wie England verantwortlich. für die Art der Ausführung, für jeden Akt, der von der Palästinaregierung gesetzt wird. Auch in Rom .und Paris wäre Einspruch zu erheben. Hätte die zionistische Exekutive, so wie dies .unzähligemal gefordert wurde, an allen politischen' Zentren beglaubigte V e r t r e t e r gehabt, so wäre der Kontakt mit den. Regierungen ein -innigerer gewesen Und die zionistische Exekutive ' hätte alle Aktionen viel besser fundieren können. Leider ist dies verabsäumt worden und man hat auf-Resonanz verzichtet, da man auf seiten Englands fair play voraussetzte. Aber .in der 'Politik gibt es keine Voraussetzung der Noblesse, dort gilt nur die rauhe Macht. Der Zionismus hat •Macht besessen, aber 'er hat davon keinen Gebrauch gemacht. Er kann dies noch heute tun. Eine Position von fast 300.000 aktiv wirkenden Siedlern in' Palästina, eine über die ganze Welt verbreitete Organisation, die 'trotz aller Mängel und inneren Reibungen in den Grundfragen einig ist — das ist schon ein .Besitz, der' international sich Gehör London, 11. Oktober. (2. T. A.) Die Jewish Historical .Society of England hielt im University College zu London unter dem Vorsitz Lord Melchetts ihre Jahresversammlung ab. Hiebei führte Lord Cecil, auf die Behandlung der Juden in Deutschland anspielend, u. a. aus: Nach dem vom Völkerbund errichteten System ist die Behandlung rassischer und religiöser Minderheiten eine Angelegenheit von internationalem fJelang. Heute wissen wir alle, daß die erzwungene Auswanderung von Juden aus Deutschland in vielen Ländern ernsteste Besorgnis hervorruft und ein Problem darstellt, für das eine Lösung noch nicht.gefunden worden ist. Schlechte Behandlung von Minderheiten in .einem Lande ist durchaus nicht bloß eine schaffen kann. Ein Protest, allen Regierungen der Völkerbundstaaten — auch Rußland — übergeben und durch eine Demarche in Genf verstärkt, würde in London zumindest zur. Nachdenklichkeit stimmen, und den Hochmut, mit dem jüdische Forderungen behandelt werden, ein wenig herabsetzen. Auch ein Einschreiben bei den britischen Handelskammern würde wirken. Die jüdische Öffentlichkeit, die noch ■immer so viel Verständnis für Demokratie besitzt, wiedas englische Kölonialamt, steht der Parlamentsfrage unbedingt verneinend gegenüber . u n b e d i n.g t ihre Haltung nicht ändern. Nieimals. können wir ein Parlament mit nichtjüddscher Mehrheit als den bestimmenden Faktor anr ■ erkennen und dias Judentum Palästinas wird an Wahlen nicht teilnehmen. Die Juden sind es, die Palästinas Wert geschaffen haben. Sie sind bisher'27 Prozent der Bevölkerung und tragen 50 Prozent. der Finanz laßt. Sieerzeugen den B.udgetüberschuß, mit dem England' so umspringt, als wäre er die Kontribution eines -eroberten Staates. Die jüdische' Entwicklung steht erst am Beginn; sie ist eine Herzenssache des ganzen jüdischen Volkes, das aber auch seine Festigkeit zeigen muß. Die Ziffern, die wir vor der Welt ausbreiten, wären totes Material, wenn wir nicht die Schlüsse ans ihnen ziehen. ' Das wird heute zur Pflicht. Wir müssen die Öffentlichkeit, vor allemdie englische, darüber aufkläreh, - welcher Mißbrauch mit der Demokratie getrieben ■wird. Ein demokratisches Parlament hat erst Sinn in einem Lande mit stabilen Bevölkerungsverhältnissen. Die arabische Bevölkerung Palästinas vermehrt' sich nicht in dem Maße wie die jüdische, die ununter-: brochen ainwächst und deren Zunahme noch lange anhalten wird. Sind die ein wandernden Juden politisch weniger wert als die Herren aus dem Hauran und aus dem transjordanischen Land, das durch einen politischen Handstreich des Oberkommissärs Samuel abgetrennt worden ist? Wenn der Hitler-Geist in der Mandatsverwaltung schon so aktiv wird, daß für Juden Ausnahmsrecht gelten soll, dann muß recht-, zeitig und öffentlich dagegen Stellung genommen werden. England muß gefragt werden, ob es Krieg führt. Frage nationaler Souveränität, ’ denn sie führt oft zu bedeutsamen internationalen Rückwirkungen. Dies beweisen die internationalen Minderheitenverträge, denen der Gedanke zugrunde liegt, daß ein Land sein Regime so zu führen hat, daß nicht das Gerechtigkeitsgefühl verletzt wird. Lord Cecil zog als Beispiele das Problem der christlichen Minderheiten in der Türkei, der jüdischen Minderheiten in verschiedenen Ländern, insbesondere in Rumänien, wo in' diesem Belange zum erstenmal ein definitives internationales Prinzip zur Geltung gebracht wurde, heran und fuhr fort: In den .Friedensverträgen zu Paris 1918 und 1920 wurde die deutsche Regierung durch keinen Minderheitenvertrag gebunden. Lord Cecil über das Minderheitenrecht