Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 389 (5.10.1934)
- Date
- 1934-10-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 389 — 5. Oktober 1994 Erez Israel im Jahre 5694 Von E* M. Epstein dazu geführt, daß bei den öffentlichen Arbeiten der Regierung und der Stadtverwaltungen mit gemischter jiklisch-arabischer Bevölkerung die jüdischen Arbeiter fast vollständig verschwunden sind. Im nächsten Budgetjahr werden durch die Regierung und die Städte Arbeiten für annähernd eine Million Pfund durchgeführt werden. Bei der gegenwärtigen Lage ist fast keine Aussicht vorhanden, daß wir zu all diesen großen öffentlichen Arbeiten auch nur einen Teil der Arbeiter stellen können. Da Palästina ohne eine große Einwanderung von Arbeitskräften unter keinen Umständen existieren kann, und da die Regierung die jüdische Einwanderung begrenzt, begann nach Palästina in großer Zahl die Einwanderung aus den arabischen Nachbarländern, aus dem Hauran, aus Ägypten und Transjordanien. Diese Einwanderer sind sowohl in die jüdische wie in die arabische Wirtschaft eingedrungen, weil heute auch in der arabischen Wirtschaft Mangel an Arbeitskräften herrscht. Der arabische Arbeiter benötigt heute überhaupt nicht die Arbeit in der jüdischen Wirtschaft, weil es für ihn genügend Raum in der arabischen Wirtschaft gibt. Vom Orangen-Markt Jerusalem (Palcor). Nach Schätzungen aus Fachkreisen wird der Export palästinensischer Orangen in der nächsten Saison zirka 6 Millionen Kisten betragen, das heißt, zirka eine halbe Million Kisten mehr als in der vorjährigen Saison. Aus dem ganzen Lande kommen Nachrichten über intensive Vorbereitungen zur Anlage neuer Pflanzungen in diesem Herbst und im nächsten Frühjahr. Solche neue Pflanzungen werden sowohl von Juden wie von Arabern angelegt. Man rechnet damit, daß im bevorstehenden Herbst und im kommenden Frühjahr neue Pflanzungen auf einer Fläche von nicht weniger als 30.000 Dunam angelegt werden werden. BLAU-WEISSER-EXPRESS Nach jahrelangen Bemühungen ist des dem österreichischen Verkehrsbureau mit Unterstützung bewährter Zionisten gelungen, die direkte Bahnverbindung mit Palästina herzustellen. Der Zug führt über Ungarn (Budapest), Jugoslawien ^Belgrad—Nisch), Bulgarien (Sofia —Philippopel—Svilengrad). Türkei (Konstantinopel—Istanbul—Hayderpascha), Eskischir, Syrien, Mesopotamien (Adana, Aleppo, Damaskus) in ungefähr vier Tagen nach Haifa. Der Zug führt Speise- und Schlafwagen. Die Verköstigung in den Speisewagen ist rituell. Den Passagieren der dritten Klasse wird auch eine Schlafgelegenheit geboten. Der Zug führt eine Radiosende- und -empfangsanlage mit. Leitende Persönlichkeiten des österreichischen Verkehrsbureaus werden den Zug begleiten. Der Fahrpreis inklusive Durchreisevisa ab Wien (Einreisevisum nach Österreich gratis): Für Chaluzim (Zertifikatbesitzer) S 195.—, ohne Verpflegung, S 209.— mit Verpflegung. Für Touristen III. Klasse S 290.—, mit Verpflegung, für Touristen II. Kiase S 490.—, mit Verpflegung. Schlafwagenbenützung für Reisende II. Klasse gegen normale Gebühr. Abfahrt des ersten Sonderzuges am 17. November 1934 um 19J0 Uhr von Wien-Ostbahnhof. Für Fabrtteilnehmer 50 Prozent Ermäßigung auf den österreichischen Bahnen. Wien, das seit jeher das Tor nach der L evante war, wird durch diese neuge3chaffene Verbindung seiner historischen Mission wieder gerecht. Abgesehen von der wirtschaftlichen Bedeutung dieser völlig neuen Verbindung mit dem Orient, wird diese Reise für jeden Teilnehmer zu einem Erlebnis werden. Für leidende Personen, die sich nicht der Gefahr der Seekrankheit aussetzen dürfen, bietet diese Landreise die einzige Möglichkeit, gefahrlos nach Palästina und den vorderen Orient zu gelangen. Während der stürmischen Jahreszeiten bedeutet diese Reisemöglichkeit für den gesamten Palästina- und Orientverkehr eine große Erleichterung. Es werden auch Frachtenzüge kursieren. Während der Wintermonate wird man in der Lage sein, frisches Gemüse und ähnliche Produkte aus Palästina in ungefähr vier Tagen nach Wien zu importieren. Für den Austauschverkehr Österreich-Palästina wird diese neugeschaffene Verbindung ungeheure Möglichkeiten bieten. Nähere Auskünfte erteilen: österreichisches Verkahrsbureau, Wien, I., Friedrichstraße 7, Tcdephon B 27-500; österreichische« Paläetina- Amt, Wien, I., Kärntnerstraße 28, Telephon R 27-4-86, j I. Fortschritt trotz Hindernissen. Wir haben es stet« als edn Axiom betrachtet, daß der wirtschaftliche Fortschritt einen politischen Erfolg zur Folge habe. Es ist zwar richtig, daß der praktische Aufbau in Palästina im allgemeinen unabhängig vom politischen Prestige vor sich geht, aber immer, wenn der Aufbau einen relativ hohen Grad erreicht, geht die offizielle britische Reaktion von der Billigung zur Opposition über. Wenn unsere Emigranten keine Arbeit finden und arbeitslos werden, wird uns Unfähigkeit vorgeworfen. Wenn die Immigration steigt, und eine „prosperity“ eintritt, werden wir gefürchtet und unser Fortschritt muß eingeschränkt und gemäßigt werden. Das Problem des Jahres 5695 ist: Wie soll man aus dem praktischen Aufbau zu einem politischen Erfolg gelangen? Dies setzt aber eine geeinigte und entschlossene Aktion der Juden voraus. Wenn wir aber die Lage in der Zionistischen Bewegung betrachten, so finden wir nur Uneinigkeit und Streitigkeiten. Da wir trotz der ernsten Hindernisse ein großes Stück weitergekommen sind, schöpfen wir neuen Mut für die weitere Arbeit. II. Allgemeines. Die finanzielle Lage der Regierung ist zweifelsohne sehr günstig. Der Fiskus verfügt über einen Überschuß von drei Millionen Pfund, was einem Jahresbudget entspricht, Um diese unter den lokalen Verhältnissen sehr beträchtliche Summe richtig ednzuschätzen, müßte man in Erinnerung bringen, daß diese Summe im Steigen war, obzwar große Steuernachlässe erfolgten und obzwar die Ausgaben des Verwaltungsdienstes im Zunehmen waren. Den stärksten Posten der Einnahmen bilden die Zölle, während die Einnahmen aus dem Regierungsdienet (Transportwesen u. a.) an die zweite Stelle kommt. Die finanzielle Stabilität Palästinas spiegelt sich im Geldumlauf (rund vier Millionen Pfund) wider. Dies bringt der Regierung einen nennenswerten Gewinn, und die ungeheuren Bankeinlagen (sowohl der Araber wie auch der Juden) werden auf 13 Millionen Pfund geschätzt. Der große und schöne Hafen in Haifa :m Beginn des Jahres erwies sich gegenüber der kommerziellen Entwicklung als zu klein; wodurch man gezwungen war, am Ende des Jahres an den Bau neuer Objekte für Transittransport heranzutreten. Die „Iraque Petroleum Company“ führte die Röhren aus Mossul nach Haifa, und die Regierung wird zu diesem Zweck einen ö 1dock erbauen. Das Terrain für die Tanks und die Raffinerien sowie für den Flugplatz wurden bereits bestimmt. Der Boden wurde dem jüdischen Nationalfonds und der Palastine-Economic-Corporation durch Expropriation abgenommen. Zur Zeit gibt es im Lande über 1000 Kilometer guter Straßen, auf denen 6126 Fahrzeuge verkehren. Der Eisenbahnverkehr wird durch die Autobusse unterstützt. Einige neue öffentliche Gebäude wurden errichtet, darunter das Postgebäude in Jerusalem und die Agrikulturschule am Berg Tabor. Die Landbesiedlung wurde fortgesetzt, iadem eine gewisse Ordnung in die Verwirrung bei der Bodenverteilung hineingebracht wurde. Vorbereitungen zur Flottmaohung einer Regierungsanleihe, in der Höhe von zwei Millionen Pfund zum Zwecke der Besiedlung wurden während des Jahres getroffen. Die derzeitigen Hauptindustriezweige des Landes, die Citrusproduktion und die Bauindustrie haben einen ungeheuren Aufstieg genommen. Beinahe 200.000 Dunam wurden bepflanzt, davon 125.000 durch Juden. 70.000 Dunam wurden für die Obstkultur verwendet, davon wurden 95% oder 5,414.000 Kisten ausgeführt, die einen Wert von VA Millionen Pfund darstellten. Die Investitionen in der Bauindustrie erreichten im Jahre 1933 eine R ekordziffer von VA Millionen Pfund, wovon auf Tel-Aviv 767.000 Pfund entfielen. Zahlreiche neue Industriezweige wurden ins Leben gerufen, andere wieder vergrößert. HI. Der jüdische Fortschritt. Der Fortschritt des Jischuw wird am besten durch das Wachsen seiner Einwohnerzahl charakterisiert, die bereits 250.000 überschritten hat. (Nach dem Kriege stellte sich diese Ziffer auf 57.000.) Der Lebensstandard hat sich in jeder Beziehung merklich gebessert. Die Geschäftsreklamen und die Zeitungsankündiigungen stellen den besten Maßstab für die Vergrößerung der Bedürfnisse der Einwohner dar. Berufliches Dienstpersonal kommt bereite in Verwendung, während es vor einem Jahr noch ganz fehlte. Der Jischuw verwendet seine überschüssigen Gelder zum Ausbau des Erziehung®- und Gesundheitswesens und seine Beteiligung am Nationalfonds ist auf® Doppelte gestiegen. Die fehlende Arbeitslosigkeit®- und die gesteigerte Emäkrtmgskapazität wirkte sich positiv in jeder Richtung aus. Die Absorbierung von 13.000 deutschen Juden trug zum wirtschaftlichen Aufschwung des Jischuw wesentlich bei. Dieses neue Element schuf neue Industriegebiete. Zwischen 30.000 und 40.000 Emigranten dürften sich im Jahre 5694 ansässig gemacht haben, was eine Rekordziffer darstellt. Die jüdische Ansiedlung erfolgte hauptsächlich in den Citrusplantagen. Aber auch andere Gebiete weisen nennenswerten Fortschritt auf. Die Entdeckung von neuen Wasser quellen im Emek Israel und Galiläa wird intensive Bodenbearbeitung ermöglichen. Der „Tausend-Familie nplan“ hat einen Fortschritt zu verzeichnen. Das Wohnbau wesen auf dem Lande hat ziemlich große Verbesserungen aufzuweisen. Jüdische Bodenprodukfce werden überall go- „Lison al acharar“ schreibt: Gegen Ende des Weltkrieges war Palästina arm und verlassen und viele seiner Einwohner gingen nach Syrien, um dort ihren Lebensunterhalt zu finden. Dank demGeldund der Energie der Zionisten blüht jetzt Palästina. Viele arme Araber, die früher in Palästina ihren Lebensunterhalt nicht mehr finden konnten Und buchstäblich hungerten, sind heute infolge der zionistischen Arbeit in Palästina wohlhabend geworden. Kürzlick hatten zionistische Kreise vor, Millionen Pfund in Syrien anzulegen, wodurch die wirtschaftliche Lage von Handel und Industrie gehoben worden wäre. Diese Absichten sind durch syrische Führer vereitelt worden. Wie lange werden diese Syrier noch fortfahren, den Zionismus als Gefahr anzusehen? Wann wird man endlich einsehen, daß es keine Gefahr> sondern e i n Glück für Syrien wäre, wenn tausende Zionisten nach Syrien kommen würden, um das Land wieder zu beleben? „F eie sti n‘‘ beschäftigt' sich mit der illegalen Einwanderung und verweist auf die Fremdengesetzgebung in Europa und Amerika. Auf Grund dieser Gesetzgebung sei es den Behörden möglich, die Fremden zu kontrollieren, sie von der Ausübung bestimmter Berufe fernzuhalten und an der Eröffnung von Geschäften zu verhindern. Derartige Gesetze müssen auch in Palästina eingeführt sucht. Die Ausfuhr aus den jüdischen gemischten Wirtschaften betrug im letzten; Jahr nach Abzug des Eigenbedarfes 300.000 Pfund. Praktisch wurde alle® in Erez abgesetzt. Der wundervolle Aufstieg Tei-Avivs muß erwähnt worden. Das ungeheure rasche Wachsen dieser Stadt ist allgemein zu gut bekannt, als daß wir uns hier näher darüber einlassen. Tel-Aviv erreichte beredte im Notden den Jarkon, aber es dehnte eich auch im Süden und Osten aus. Die diesjährige Levante-Messe gab Kunde von dem Aufschwung des Landes, der der Aktivität der Juden und der Regierung zu verdanken ist. Auch das Wachstum Haifas, das zwar äußerlich nicht wie das Tel-Aviv® sichtbar ist, nimmt große Dimensionen an. Die Juden bilden ein Drittel der Einwohner, sie haben vier von den zwölf Stadträten Haifas. Auf dem Kamel wird fieberhaft gebaut, während der Emek Sebulun (Haifa-Bay) von Handwerkern, deutschen Emigranten und Haifas Mittelständlern besiedelt wird. Im Haien sind jüdische Güterpacker aus Saloniki tätig, und das jüdische Transportwesen ist im Aufschwung begriffen. Auch Jerusalem nahm einen Aufschwung, wenn auch in bescheidenerem Maße. Diese Stadt absorbiert nur einen Bruchteil der Emigranten. Nichtsdestoweniger wird diese vergrößert, wobei der jüdische Anteil groß ist. Rechawia, das jüdische Viertel hat sich verdoppelt. Die jüdische Bevölkerung beträgt 60% der Gesamteinwohnerschaft* In dem Stadtrat Jerusalems wurden sechs von den zwölf Stadtratstellen von Juden besetzt. Der Aufstieg des Jischuw im vergangenen Jahr ist bewundernswert, und dieser ist der jüdischen Entschlossenheit, Initiative und dem jüdischen Unternehmergieist zu verdat ken. (Fortsetzung folgt.) Aue dem Englischen von Dr. F. Pickholz. werden und würden der Ulegalen Einwanderung ein Ende machen. Dieselbe Zeitung befaßt sich mit der n ational sozial ist ischen P r o p ag and a in Palästina und im Nahen Osten. Die deutsche Propaganda verwende hiefür Millionen von Pfunden. Die Deutschen sollten wissen, daß die Araber schont genügend durch England und Frankreich unterdrückt werden, und daß es nicht notwendig sei, sie zu ermutigen, gegen die imperialistischen Tendenzen dieser Staaten aufzutreten. Dasselbe gilt bezüglich der Juden, Mitteilung des Wiener Palästina- Amtes Das Palästina-Amt Wien teilt mit, daß dio nächsten Gruppenabfahrten von Emigranten aus Österreich nach Erez Israel wie folgt stattfinden werden: a) Ab Wien Donnerstag, den 11. Oktober 1934, Einschiffung am 12. Oktober 1934 auf dem Dampfer ,,Ausonia“ in Trieet (dieser Dampfer fährt über Alexandrien und von Alexandrien wird die Fahrt nach Erez Israel mit dem Dampfer „Vienna“ fortgesetzt). b) Ab Wien Dienstag, den 16. Oktober 1934, Einschiffung in Triest am 17. Oktober 1934 auf dem Dampfer „Gorusalemme“. c) Ab Wien Dienstag, den 30. Oktober 1934, Einschiffung in Triest jun 31. Oktober 1934 auf dem Dampfer „Gorusalemme“. PALÄSTINA-TRANSPORTE riW mi6 B'llBDnta BRÖDER & FENYP Wien, I., Franz-Josefs-Kai 7-9, Telephon R 26-0-67 und R 26-1-67, übernehmen zu kulantesten Bedingungen Übersiedlungen, Warentransporte via Galatz, Triest und Constanxa nach Palästina* Auskünfte: Ernst ULLMANN, Leiter der Palästina-Abteilung Aus der arabischen Presse Zionisten! Juden! Der Stadtkibuz G’dud Z'lrlm hat seine Adresse und Telephonnummer geändert. Wien, El Seine neue Adresse lautet: I ■ ■ anti ■ inm Innstraße 6 Tel. R 41-4-21 Wenden Sie sich bei Vergebung von Arbeiten an Schneider, Schuhmacher, Tapezierer, Tischler, Schlosser, Mechaniker, Elektriker und Insta'lateure, Maler, Anstreicher, Hi'fsarbeiter usw. an uns.