Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 381 (24.8.1934)
- Date
- 1934-08-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis dieser Nummer 20 * y. *.«. Polnisches Reisebüro „Orbis" Billige Gesellschaftsreisen nach Polen Abfahrt: 6. September 1934 Rückkunft: 4. Oktober 1934 Fahrpreise: Wien-Krakow-Wien S49*- Wien-Rzeszow-Wien S 59 •- Wien-Lwöw-Wien S 74 *- jüdische zeitung Wr» 381 iimiimmmniimiimiimimmmiimniMiniinimmiiirimiitiiMMiiMiMmiiimiiiiMimiimiiiiiiMiimmiiiinimiimimmimiiMi Anmeldungen und Auskünfte: Politisches ReisebUro „ORBIS*1 Wien, I.| Kärntnerstraße 41 Tel. R 26-1-43 Redaktion und Administration; Wien, t KärntnerstraBe 28. Tel. R 27-4*89. Redaktionsschluß Montag und Mlttwooh vorm. Die Dritte jüdische Weltkonferenz Genf, 20. August. Es ist eine alte parlamentarische Erfahrung, daß. die Besprechungen vor den offiziellen Verhandlungen wichtiger sind als die öffentlichen Beratungen und daß sie den Tagungen den eigentlichen Charakter verleihen. Ist man sich in den Vorverhandlungen über die zu behandelnden Probleme und ihre parlamentarische Erledigung einig, dann ist der günstige Verlauf der Beratungen, menschlicher Voraussicht nach, gewährleistet. Die Vorberatungen. Während diese Zeilen geschrieben werden, kurz vor der Eröffnungssitzung, kann man die Dritte jüdische Weltkonferenz bereits einen Erfolg nennen. In welchem Ausmaß wird die Zukunft erweisen. Aber daß die Konferenz — es sei offen gesagt, wider Erwarten — einen guten Besuch aufweist und ein klares Programm in den Vorbesprechungen sich zu setzen vermochte, bedeutet ein erfreuliches Erleben. * Die Konferenz ist vom Co mite des Delögations Juives zur Behandlung aktueller Fragen einberufen worden. Das muß man besonders beachten. Denn die Erste und Zweite Weltkonferenz in den Jahren 1932 und 1933 waren vorbereitende Tagungen für die Einberufung des jüdischen Weltkongresses, der nach dem Beschluß der Konferenz von 1933 im laufenden Jahre hätte einberufen werden sollen und wegen verschiedener Schwierigkeiten nicht zustande kam. Das Problem des Weltkongresses als solches ist entschieden. Darüber kann es keine weiteren Debatten geben und darum wird sich die Dritte jüdische Weltkonferenz mit dieser Frage gar picht beschäftigen. Vielmehr ist sie ausschließlich der Behandlung von Themen gewidmet, die der Weltkongreß, wäre er zustande gekommen, hätte behandeln sollen. Darum kann man sich nicht mit den verschiedenen Versicherungen zufrieden geben, die es notwendig halten, zu betonen, die Dritte Weltkonferenz sei kein Ersatz für den Weltkongreß. Dies ist allerdings soweit richtig, als die Teilnehmer an der Konferenz nicht aus Urwahlen hervorgegangen und vielleicht nicht ganz der Ausdruck aller volksbewußten Teile der Judenheiten ihrer Herkunftsländer sind. Hinsichtlich der auf der Tagesordnung stehenden Fragen kann man sich nicht vorstellen, daß ein Weltkongreß etwas anderes zur öffentlichen Diskussion gestellt haben würde als das, was von der Dritten Weltkonferenz behandelt werden soll. Sicher würde ein Weltkongreß eine weit mehr sicht- und hörbare Tribüne für die Umwelt und die Juden selbst darstellen. Er ist aber in diesem Jahre nicht zustande gekommen, und es ist darum die Pflicht der Konferenz, das zu sagen und zu veranlassen, was im gegenwärtigen Augenblick unserer leidvollen Geschichte überhaupt zu sagen und zu tun ist. Es ist erfreulich, daß diese Erkenntnis für die Konferenzteilnehmer eine Selbstverständlichkeit bildet. Am 19. August trat das Von unserem Berichterstatter von der Konferenz 1933 gewählte Exekutivkomitee zur Vorbereitung des jüdischen Weltkongresses zusammen. Der Beschluß von 1933, am Gedanken des Weltkongresses festzuhalten und den Kongreß ©inzuberufen, bildete die Basis dieser Besprechung. Einstimmig sprachen sich die Mitglieder der Exekutive für die Einberufung des Kongresses auf demokratischer Grundlage im Jahre 1935 aus. Die einzelnen Mitglieder der Exekutive waren sich der Schwierigkeiten bei einer Durchführung dieses Beschlusses durchaus bewußt. Unter den herrschenden Verhältnissen in vielen Ländern ist die restlose Erfüllung der Forderung demokratischer Wahlen für den Weltkongreß nicht durchführbar. Aber besser ein nur zu 70 Prozent auf demokratischer Grundlage gewählter Kongreß als gär keiner! Die Angriffe auf das Judentum erfolgen im Weltmaßstab; der Kampf um die Selbstbehauptung muß von den Juden gleichfalls im Weltmaßstab geführt werden. Und eine geeignete Waffe — die einzige, die bis heute noch nicht erprobt wurde — ist ein jüdischer Weltkongreß, der Ausdruck des Zusammenschlusses aller volksbewußten Teile der jüdischen Gemeinschaft. Aber bis diese Waffe geschmiedet ist, kann man nicht untätig bleiben,. und man muß die Waffen wirksamer gestalten, die man schon besitzt. Die wichtigste aber, die dem jüdischen Volke in der Gegenwart zur Verfügung steht, ist das Comite des Delegiations Juives. Diese Institution hat namentlich in den letzten anderthalb Jahren für den Kampf um die jüdischen Rechte Unvergängliches geleistet. Immer stärker hatte sich nämlich in vielen Ländern der Zustand herausgebildet, daß die Judenheiten dieser Länder gar nicht daran denken können, sich in ihren Wohnländern auch nur mit der geringsten Auseicht auf Erfolg zur Wehr zu setzen. Für all diese Judenheiten bildete, aufgefordert oder unaufgefordert, das Comite des D616gations die letzte Zuflucht, damit an diesen Juden verübtes Unrecht gemildert oder ihnen drohendes Unheil verhütet werde. Wobei das Comite, ungleich anderen jüdischen Rechtsschutzorganisationen, als einziges Richtmaß fiir seine Tätigkeit das j ü d ische Gesamtintereese ansah und zufolge seiner Struktur keine Rücksichten auf die WünBCÜe öines bestimmten Landes zu nehmen hätte. Aus diesem Grunde wurde das Co mit 6 in vielen Aktionen auf internationalem Parkett führend und zwang andere Organisationen für jüdischen Rechtsschutz, wenn diese Organisationen überhaupt aktiv auftraten, sich den vom Comit6 des D616gations gemachten Vorschlägen anzupässen. Solche und ähnliche Gedankengänge, mehr oder weniger klar zum Ausdruck gebracht, beherrschten die Sitzung der Exekutive des Comite des D£16gafcions, die am 20. August abgehalten wurde. Der Reihe nach betonten alle Teilnehmer34 die Notwendigkeit des C o m i 16 s. „W enn es nicht vorhanden wäre, so müßte man es erfinde n“, sagte ein Exekutivkomiteemitglied, nachdem es ein düsteres Bild der jüdischen Lage in seinem Heimatlande entrollt hatte. Einhellig kam in dieser Sitzung die Anschauung zum Ausdruck, daß das Comifcd des Delegations in allerstärkstem Maße von den Judenheiten der einzelnen Länder unterstützt werden muß, damit es seine Tätigkeit nicht nur fortsetzen, sondern darüber hinaus noch ausbauen solle. Somit wurden in den Vorberatungen zwei wichtige Probleme geklärt: der Weltkongreß soll im Jahre 1935 auf demokratischer Grundlage einberufen werden und das Comite des Delegations Juives ißt die zentrale Rechtsschutz Organisation des volksbewußten Judentums. Die Konferenz als solche hat eigentlich nur zwei Themen zu behandeln. Zunächst wird sie die Bilanz der gegenwärtigen jüdischen Situation in politischer und ökonomischer Hinsicht ziehen (in zwei großen Referaten), wobei das Problem der deutschen Juden, weil paradigmatisch, in den Vordergrund gerückt sein wird. Ferner sollen die zu ergreifenden Abwehrmaßnahmen sowohl in politischer wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht diskutiert werden. Im Wesen wird es sich darum handeln, dem Comite des Delegation allgemeine Richtlinien für seine politische Arbeit zu geben. Denn die Vorschläge! für ökonomische Abwehrmaßnahmen können nur als Empfehlungen für bestehende oder zu schaffende Organisationen betrachtet werden, die in keiner direkten Verantwortlichkeitsbeziehung zur jüdischen Weltkonferenz oder deip kommenden jüdischen Weltkongreß stehen oder stehen werden. Besondere Beachtung wird die Frage deä Schutzes der nationalen Minderheiten auf den Kongreß finden. Die Juden sind die Vorkämpfer der Idee des ’Minderheitsschutzes gewesen und müssen bis heute die sogenannten Wächter darüber sein, daß das System des Minderheitenschutzes nicht erschüttert werde. Außerdem wird Dr. Zollschan das Rasseproblem behandeln, insbesondere im Hinblick auf die Handhabung des Rassenprinzips im Staats¬ und Rechtsleben. Unverkennbar drückt sich in allen Besprechungen der verschiedenen Delegiertengruppen die ungeheure Schwere der jüdischen Lage in der ganzen Welt aus. Dieser Druck von außen zwingt zu einem Gemeinschaftsgeist, der in jüdischen Fragen keine lokalen Interessen anerkennt, sondern sich bemüht, diese Probleme in ein gesamtjüdisches System einzm fügen und den Kampf für die jüdischen Lebensrechte von einer zentralen Stelle aus nach einheitlichen Gesichtspunkten zu führen. a. b. sere Leser nur;.. v er Fahrschulen Wien, VIII., Neudeggeirg. 18 Tel. B 46-5-72 und Inxersdorf (Nieder-ÖsterreicH) ' Prüfungserleichterung durch :'. '!! Laufendes Auto im Lehrsaal^j! Abbitte der ffGrauhemden"-Fiihrer Illllllllilllilililllllillilllllllllllllll Johannisburg, 21. August. (2. T. A.) In der bisherigen Zeitschrift der antisemitischen „Grauhemden“-Bewegiung Südafrikas, „Rapport“, veröffentlicht der Haiuptschriftleiter des Blattes, David Hermanus Olivier, einer der drei Angeklagten in dem Grahamstowner Verleumdungeprozeß, der von dem Rabbiner der Synagoge in Port Elizabeth gegen die Verbreiter eines angeblich aus dieser Synagoge entwendeten „Dokuments der Weisen von Zion“ angestrengt worden ist, eine Mitteilung, in der es heißt: „loh bin soeben von Grahamstown zurückgekommen. Die dieswöchige Ausgabe des „Rapport“ ist fast fertiggesteUt, enthält aber wieder nichts als Haß, arglistigen Trug, Ränke und Rachgier. Nunmehr veröffentlichen wir diese Außgabe in der vorliegenden Form mit folgender unwiderleglicher Feststellung: Es ist eine sehr schwere Aufgabe, eine Lüge zu ändern und sie Wahrheit zu nennen. Aber anderseits wiederum braucht man nicht den Geist eines Weisen, um die Wahrheit festzustellen. Die Wahrheit ist nun, daß ich meine Zeitung dazu benützt habe, um die Saat der Verleumdung gegen Juden unter den Nichtjuden zu säen. Die Wahrheit ist, daß mein Sinn verblendet war und ich deshalb zwischen wahr und falsch nicht unterscheiden konnte.“ Gleichzeitig veröffentlichten der „Port Elizabeth Weekly Telegraph“ und der „Port Elizabeth Advertiser“ eine Mitteilung von Alfred King, in der er seinen Austritt aus der südafrikanischen „Grauhemden“- Bewegung bekanntgibt. King, auch König geuannt, ist derjenige, der die Nummer des „Rapport“, in der die verleumderischen Behauptungen über Rabbi L e v y von der Synagoge in Port Elizabeth und die angeblich jüdischen Weltherrschaftspläne enthalten waren, verbreitet hatte. Er war ursprünglich ebenfalls in dem Grahamstowner Prozeß angeklagt, doch wurde das Verfahren gegen ihn ausgeschieden, nachdem er sich bereit erklärt hatte, in allen Zeitungen der Ostprovinz eine Entschuldigung zu veröffentlichen und einen Beitrag von 150 Pfund zu den Prozeßkosten zu leisten«